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Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Erster Theil: Naturkunde der Liebe. Leipzig, 1798.

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oder das Geschäft zu möglichster Vollkommenheit zu bringen, und es gleichsam als ein selbstständiges Wesen zu betrachten, dessen Wohl mit dem unsrigen genau verbunden ist.

Neuntes Kapitel.

Stufenartige Verfolgung des Begriffs der Sympathie bis zu ihrer auffallendsten Erscheinung, worin sie Liebe im engsten Sinne heißt.

Bey einiger Aufmerksamkeit auf unsere Ausdrücke werden wir inzwischen den Zug unbelebter Körper zu einander nie Liebe nennen; denn diese sind keiner Empfindung fähig. Eben so wenig wird überhaupt die Wollust der körperlichen Sympathie für Liebe genommen werden. Sie ähnelt zu sehr der Wollust der Selbstheit. Wir betrachten den Zustand des Körpers, der bey der Annäherung an die Oberfläche des unsrigen in diesen übergeht, zu sehr als Mittel zur Verbesserung unsers physischen Zustandes, und sein Wohlbestehen verschwindet zu sehr in unserm Bewußtseyn, als daß die Wollust der körperlichen Sympathie anders als in der Vergleichung mit den wollüstigen Gefühlen des Auges und des Gaumens zur Sympathie gerechnet werden könnte.

Auch die Wonne der Geselligkeit, die Thiere gegen andere Individuen ihrer Gattung und gegen Menschen äußern, wird man bey näherer Ueberlegung, nicht anders Liebe nennen, als wenn man diese Art von Sinnlichkeit mit der gröberen der Gefräßigkeit, des Triebes nach Bequemlichkeit und nach Begattung vergleicht. Hält man sie mit der Wonne der Sympathie, deren der Mensch fähig ist, zusammen; so erscheint sie selbstisch, das heißt:

oder das Geschäft zu möglichster Vollkommenheit zu bringen, und es gleichsam als ein selbstständiges Wesen zu betrachten, dessen Wohl mit dem unsrigen genau verbunden ist.

Neuntes Kapitel.

Stufenartige Verfolgung des Begriffs der Sympathie bis zu ihrer auffallendsten Erscheinung, worin sie Liebe im engsten Sinne heißt.

Bey einiger Aufmerksamkeit auf unsere Ausdrücke werden wir inzwischen den Zug unbelebter Körper zu einander nie Liebe nennen; denn diese sind keiner Empfindung fähig. Eben so wenig wird überhaupt die Wollust der körperlichen Sympathie für Liebe genommen werden. Sie ähnelt zu sehr der Wollust der Selbstheit. Wir betrachten den Zustand des Körpers, der bey der Annäherung an die Oberfläche des unsrigen in diesen übergeht, zu sehr als Mittel zur Verbesserung unsers physischen Zustandes, und sein Wohlbestehen verschwindet zu sehr in unserm Bewußtseyn, als daß die Wollust der körperlichen Sympathie anders als in der Vergleichung mit den wollüstigen Gefühlen des Auges und des Gaumens zur Sympathie gerechnet werden könnte.

Auch die Wonne der Geselligkeit, die Thiere gegen andere Individuen ihrer Gattung und gegen Menschen äußern, wird man bey näherer Ueberlegung, nicht anders Liebe nennen, als wenn man diese Art von Sinnlichkeit mit der gröberen der Gefräßigkeit, des Triebes nach Bequemlichkeit und nach Begattung vergleicht. Hält man sie mit der Wonne der Sympathie, deren der Mensch fähig ist, zusammen; so erscheint sie selbstisch, das heißt:

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[49/0049] oder das Geschäft zu möglichster Vollkommenheit zu bringen, und es gleichsam als ein selbstständiges Wesen zu betrachten, dessen Wohl mit dem unsrigen genau verbunden ist. Neuntes Kapitel. Stufenartige Verfolgung des Begriffs der Sympathie bis zu ihrer auffallendsten Erscheinung, worin sie Liebe im engsten Sinne heißt. Bey einiger Aufmerksamkeit auf unsere Ausdrücke werden wir inzwischen den Zug unbelebter Körper zu einander nie Liebe nennen; denn diese sind keiner Empfindung fähig. Eben so wenig wird überhaupt die Wollust der körperlichen Sympathie für Liebe genommen werden. Sie ähnelt zu sehr der Wollust der Selbstheit. Wir betrachten den Zustand des Körpers, der bey der Annäherung an die Oberfläche des unsrigen in diesen übergeht, zu sehr als Mittel zur Verbesserung unsers physischen Zustandes, und sein Wohlbestehen verschwindet zu sehr in unserm Bewußtseyn, als daß die Wollust der körperlichen Sympathie anders als in der Vergleichung mit den wollüstigen Gefühlen des Auges und des Gaumens zur Sympathie gerechnet werden könnte. Auch die Wonne der Geselligkeit, die Thiere gegen andere Individuen ihrer Gattung und gegen Menschen äußern, wird man bey näherer Ueberlegung, nicht anders Liebe nennen, als wenn man diese Art von Sinnlichkeit mit der gröberen der Gefräßigkeit, des Triebes nach Bequemlichkeit und nach Begattung vergleicht. Hält man sie mit der Wonne der Sympathie, deren der Mensch fähig ist, zusammen; so erscheint sie selbstisch, das heißt:

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Zitationshilfe: Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Erster Theil: Naturkunde der Liebe. Leipzig, 1798, S. 49. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus01_1798/49>, abgerufen am 21.03.2019.