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Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Zweyter Theil: Aesthetik der Liebe. Leipzig, 1798.

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Funfzehntes Kapitel.

Schönheit körperlicher Formen in dem geliebten Weibe. Ausbildung der Talente, welche sie zu heben dienen.

Es läßt sich die zusammengesetzte Person der beyden Liebenden nicht als Vollkommenheit und Schönheit denken, ohne schöne körperliche Formen in dem Weibe.

Aber da die ernste Schönheit hauptsächlich den männlichen Körper zieren muß, so ist die reitzende hauptsächlich dem weiblichen zu wünschen, damit die zusammengesetzte Person desto auffallender das Wohlverhältniß gepaarter Geschlechtsverschiedenheiten, selbst bey der Zusammenstellung ihrer Körper im Ganzen, zeige. Wer weiß, ob eine Juno mit einem Apollo zusammengruppiert, anders als Freunde erscheinen würden; ihre Schönheiten ähneln sich zu sehr! Apollo und Venus! Wie viel auffallender hier das Bild der Liebe!

Formen, die etwas üppiges mit sich führen, ohne der Zierlichkeit Abbruch zu thun; Augen, aus denen Liebe, unter Führung der Sittlichkeit hervorbricht; Mienen, die Heiterkeit der Seele, Selbstwürde und Sympathie verkündigen; Stellungen, die keine Ueberlegung, aber doch angewöhnte Aufmerksamkeit auf sich selbst und andere regiert; Bewegungen der Gliedmaßen, die Blumenranken ähneln, welche die geschickte Hand des Künstlers zieht und ordnet; - das sind die Gestalten, die uns an dem zarten Körper des Weibes vorzüglich rühren, die sind es, die wir uns am liebsten an der Seite des Mannes von ernster Schönheit denken.

Funfzehntes Kapitel.

Schönheit körperlicher Formen in dem geliebten Weibe. Ausbildung der Talente, welche sie zu heben dienen.

Es läßt sich die zusammengesetzte Person der beyden Liebenden nicht als Vollkommenheit und Schönheit denken, ohne schöne körperliche Formen in dem Weibe.

Aber da die ernste Schönheit hauptsächlich den männlichen Körper zieren muß, so ist die reitzende hauptsächlich dem weiblichen zu wünschen, damit die zusammengesetzte Person desto auffallender das Wohlverhältniß gepaarter Geschlechtsverschiedenheiten, selbst bey der Zusammenstellung ihrer Körper im Ganzen, zeige. Wer weiß, ob eine Juno mit einem Apollo zusammengruppiert, anders als Freunde erscheinen würden; ihre Schönheiten ähneln sich zu sehr! Apollo und Venus! Wie viel auffallender hier das Bild der Liebe!

Formen, die etwas üppiges mit sich führen, ohne der Zierlichkeit Abbruch zu thun; Augen, aus denen Liebe, unter Führung der Sittlichkeit hervorbricht; Mienen, die Heiterkeit der Seele, Selbstwürde und Sympathie verkündigen; Stellungen, die keine Ueberlegung, aber doch angewöhnte Aufmerksamkeit auf sich selbst und andere regiert; Bewegungen der Gliedmaßen, die Blumenranken ähneln, welche die geschickte Hand des Künstlers zieht und ordnet; – das sind die Gestalten, die uns an dem zarten Körper des Weibes vorzüglich rühren, die sind es, die wir uns am liebsten an der Seite des Mannes von ernster Schönheit denken.

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[193/0193] Funfzehntes Kapitel. Schönheit körperlicher Formen in dem geliebten Weibe. Ausbildung der Talente, welche sie zu heben dienen. Es läßt sich die zusammengesetzte Person der beyden Liebenden nicht als Vollkommenheit und Schönheit denken, ohne schöne körperliche Formen in dem Weibe. Aber da die ernste Schönheit hauptsächlich den männlichen Körper zieren muß, so ist die reitzende hauptsächlich dem weiblichen zu wünschen, damit die zusammengesetzte Person desto auffallender das Wohlverhältniß gepaarter Geschlechtsverschiedenheiten, selbst bey der Zusammenstellung ihrer Körper im Ganzen, zeige. Wer weiß, ob eine Juno mit einem Apollo zusammengruppiert, anders als Freunde erscheinen würden; ihre Schönheiten ähneln sich zu sehr! Apollo und Venus! Wie viel auffallender hier das Bild der Liebe! Formen, die etwas üppiges mit sich führen, ohne der Zierlichkeit Abbruch zu thun; Augen, aus denen Liebe, unter Führung der Sittlichkeit hervorbricht; Mienen, die Heiterkeit der Seele, Selbstwürde und Sympathie verkündigen; Stellungen, die keine Ueberlegung, aber doch angewöhnte Aufmerksamkeit auf sich selbst und andere regiert; Bewegungen der Gliedmaßen, die Blumenranken ähneln, welche die geschickte Hand des Künstlers zieht und ordnet; – das sind die Gestalten, die uns an dem zarten Körper des Weibes vorzüglich rühren, die sind es, die wir uns am liebsten an der Seite des Mannes von ernster Schönheit denken.

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Zitationshilfe: Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Zweyter Theil: Aesthetik der Liebe. Leipzig, 1798, S. 193. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus02_1798/193>, abgerufen am 21.03.2019.