Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Zweyter Theil: Aesthetik der Liebe. Leipzig, 1798.

Bild:
<< vorherige Seite

den Beweis der Feinheit des Liebhabers mit sich führt. *)

Zwar wird derjenige, dessen Herz stark gerührt ist, seine Kunst mit minderer Freyheit und Unbefangenheit des Geistes ausüben können, als derjenige, der sich ganz in seiner Gewalt hat. Aber von Jugend auf an Wohlgezogenheit gewöhnt, durch eigenes Nachdenken und überlegte Uebung ausgebildet, wird er in der Anwendung seines Talents nie ganz gehindert werden. Er wird so urban bleiben, als die Liebe es zu seyn gestattet, und die Geliebte wird ihm den Abfall, den er durch die Schüchternheit und Verlegenheit der Leidenschaft leidet, selbst noch als einen Vorzug anzurechnen wissen.

Achtes Kapitel.

Veredlung und Verschönerung der geselligen Unterhaltungsgaben.

Eben so wichtig als die Urbanität ist die Gabe der geselligen Unterhaltung, um sich bey dem Frauenzimmer beliebt zu machen; jene Gabe, in geselligen Zirkeln, worin Menschen von verschiedenen

*) Eben darum, weil die Urbanität der Liebe so oft zum Schleyer dient, ist es von jeher schwer gewesen, den Ausdruck beyder zu unterscheiden, und nicht zärtlich zu werden, indem man bloß höflich seyn will. Das, was man Galanterie nennt, fällt oft in diesen Fehler, und Lessing hatte daher Recht, zu sagen: in ihr klingt Alles wie nichts, und nichts wie Alles. Aber eine solche Galanterie ist ein verfehlter Ton in der Urbanität gegen das Frauenzimmer.

den Beweis der Feinheit des Liebhabers mit sich führt. *)

Zwar wird derjenige, dessen Herz stark gerührt ist, seine Kunst mit minderer Freyheit und Unbefangenheit des Geistes ausüben können, als derjenige, der sich ganz in seiner Gewalt hat. Aber von Jugend auf an Wohlgezogenheit gewöhnt, durch eigenes Nachdenken und überlegte Uebung ausgebildet, wird er in der Anwendung seines Talents nie ganz gehindert werden. Er wird so urban bleiben, als die Liebe es zu seyn gestattet, und die Geliebte wird ihm den Abfall, den er durch die Schüchternheit und Verlegenheit der Leidenschaft leidet, selbst noch als einen Vorzug anzurechnen wissen.

Achtes Kapitel.

Veredlung und Verschönerung der geselligen Unterhaltungsgaben.

Eben so wichtig als die Urbanität ist die Gabe der geselligen Unterhaltung, um sich bey dem Frauenzimmer beliebt zu machen; jene Gabe, in geselligen Zirkeln, worin Menschen von verschiedenen

*) Eben darum, weil die Urbanität der Liebe so oft zum Schleyer dient, ist es von jeher schwer gewesen, den Ausdruck beyder zu unterscheiden, und nicht zärtlich zu werden, indem man bloß höflich seyn will. Das, was man Galanterie nennt, fällt oft in diesen Fehler, und Lessing hatte daher Recht, zu sagen: in ihr klingt Alles wie nichts, und nichts wie Alles. Aber eine solche Galanterie ist ein verfehlter Ton in der Urbanität gegen das Frauenzimmer.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0231" n="231"/>
den Beweis der Feinheit des Liebhabers mit sich führt. <note place="foot" n="*)">Eben darum, weil die Urbanität der Liebe so oft zum Schleyer dient, ist es von jeher schwer gewesen, den Ausdruck beyder zu unterscheiden, und nicht zärtlich zu werden, indem man bloß höflich seyn will. Das, was man Galanterie nennt, fällt oft in diesen Fehler, und Lessing hatte daher Recht, zu sagen: in ihr klingt Alles wie nichts, und nichts wie Alles. Aber eine solche Galanterie ist ein verfehlter Ton in der Urbanität gegen das Frauenzimmer.</note></p>
          <p>Zwar wird derjenige, dessen Herz stark gerührt ist, seine Kunst mit minderer Freyheit und Unbefangenheit des Geistes ausüben können, als derjenige, der sich ganz in seiner Gewalt hat. Aber von Jugend auf an Wohlgezogenheit gewöhnt, durch eigenes Nachdenken und überlegte Uebung ausgebildet, wird er in der Anwendung seines Talents nie ganz gehindert werden. Er wird so urban bleiben, als die Liebe es zu seyn gestattet, und die Geliebte wird ihm den Abfall, den er durch die Schüchternheit und Verlegenheit der Leidenschaft leidet, selbst noch als einen Vorzug anzurechnen wissen.</p>
        </div>
        <div n="2">
          <head>Achtes Kapitel.<lb/></head>
          <argument>
            <p>Veredlung und Verschönerung der geselligen Unterhaltungsgaben.<lb/></p>
          </argument>
          <p>Eben so wichtig als die Urbanität ist die Gabe <hi rendition="#g">der geselligen Unterhaltung</hi>, um sich bey dem Frauenzimmer beliebt zu machen; <hi rendition="#g">jene Gabe</hi>, <hi rendition="#g">in geselligen Zirkeln</hi>, <hi rendition="#g">worin Menschen von verschiedenen
</hi></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[231/0231] den Beweis der Feinheit des Liebhabers mit sich führt. *) Zwar wird derjenige, dessen Herz stark gerührt ist, seine Kunst mit minderer Freyheit und Unbefangenheit des Geistes ausüben können, als derjenige, der sich ganz in seiner Gewalt hat. Aber von Jugend auf an Wohlgezogenheit gewöhnt, durch eigenes Nachdenken und überlegte Uebung ausgebildet, wird er in der Anwendung seines Talents nie ganz gehindert werden. Er wird so urban bleiben, als die Liebe es zu seyn gestattet, und die Geliebte wird ihm den Abfall, den er durch die Schüchternheit und Verlegenheit der Leidenschaft leidet, selbst noch als einen Vorzug anzurechnen wissen. Achtes Kapitel. Veredlung und Verschönerung der geselligen Unterhaltungsgaben. Eben so wichtig als die Urbanität ist die Gabe der geselligen Unterhaltung, um sich bey dem Frauenzimmer beliebt zu machen; jene Gabe, in geselligen Zirkeln, worin Menschen von verschiedenen *) Eben darum, weil die Urbanität der Liebe so oft zum Schleyer dient, ist es von jeher schwer gewesen, den Ausdruck beyder zu unterscheiden, und nicht zärtlich zu werden, indem man bloß höflich seyn will. Das, was man Galanterie nennt, fällt oft in diesen Fehler, und Lessing hatte daher Recht, zu sagen: in ihr klingt Alles wie nichts, und nichts wie Alles. Aber eine solche Galanterie ist ein verfehlter Ton in der Urbanität gegen das Frauenzimmer.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-11-20T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-11-20T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-11-20T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Als Grundlage dienen die Wikisource:Editionsrichtlinien.
  • Der Seitenwechsel erfolgt bei Worttrennung nach dem gesamten Wort.
  • Geviertstriche (—) wurden durch Halbgeviertstriche ersetzt (–).
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als moderner Umlaut (ä, ö, ü) transkribiert.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus02_1798
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus02_1798/231
Zitationshilfe: Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Zweyter Theil: Aesthetik der Liebe. Leipzig, 1798, S. 231. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus02_1798/231>, abgerufen am 26.03.2019.