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Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Zweyter Theil: Aesthetik der Liebe. Leipzig, 1798.

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schmachtend in einander, und legen das rührendste Bekenntniß ihrer gelungenen Vereinigung ab. Doch nun geht ein großer Kranz von Raketen in die Luft und das Feuerwerk naht sich seinem Ende. Während daß alles um sie her die Pracht des Schauspiels bewundert, drückt Agathe noch einmahl stärker ihre Hand an das Herz des Geliebten, und ein brennender Seufzer, in dem sie beyde zusammen treffen, verkündigt ihren Schmerz über die zu frühe Trennung.

Ich will die Gemählde nicht weiter häufen. Leset die Darstellung einer Gabrielle de Vergy, einer Prinzessin von Cleve, und jene nicht genug gekannte Episode der Liebe des Brutus zur Lucretia in der Clelie, um zu fühlen, wie der Ausdruck erhabener Liebe durch die Einkleidung ihres Geständnisses gehoben werden könne.

Viertes Kapitel.

Genuß physischer Gegenwart.

Ihr Glücklichen! Ihr wißt nun, daß ihr euch wechselseitig liebt! Neue Wünsche, neue Wonne, neues Bedürfniß, neue Befriedigung heben für euch an!

Ihr strebt nach der sinnlichsten und ununterbrochensten Ueberzeugung, daß eure Wesen vereinigt sind, daß zwey Menschen, die gewaltsam getrennt waren, jetzt zu einer Person zusammengesetzt sind! Das sucht ihr euch wechselseitig anhaltend zu bezeugen? Ja, aber nicht mit der Anmaßung, es deutlich zu machen. Es bricht durch, es geschieht, ohne es zu wollen, zum Theil ohne es zu wissen.

schmachtend in einander, und legen das rührendste Bekenntniß ihrer gelungenen Vereinigung ab. Doch nun geht ein großer Kranz von Raketen in die Luft und das Feuerwerk naht sich seinem Ende. Während daß alles um sie her die Pracht des Schauspiels bewundert, drückt Agathe noch einmahl stärker ihre Hand an das Herz des Geliebten, und ein brennender Seufzer, in dem sie beyde zusammen treffen, verkündigt ihren Schmerz über die zu frühe Trennung.

Ich will die Gemählde nicht weiter häufen. Leset die Darstellung einer Gabrielle de Vergy, einer Prinzessin von Cleve, und jene nicht genug gekannte Episode der Liebe des Brutus zur Lucretia in der Clelie, um zu fühlen, wie der Ausdruck erhabener Liebe durch die Einkleidung ihres Geständnisses gehoben werden könne.

Viertes Kapitel.

Genuß physischer Gegenwart.

Ihr Glücklichen! Ihr wißt nun, daß ihr euch wechselseitig liebt! Neue Wünsche, neue Wonne, neues Bedürfniß, neue Befriedigung heben für euch an!

Ihr strebt nach der sinnlichsten und ununterbrochensten Ueberzeugung, daß eure Wesen vereinigt sind, daß zwey Menschen, die gewaltsam getrennt waren, jetzt zu einer Person zusammengesetzt sind! Das sucht ihr euch wechselseitig anhaltend zu bezeugen? Ja, aber nicht mit der Anmaßung, es deutlich zu machen. Es bricht durch, es geschieht, ohne es zu wollen, zum Theil ohne es zu wissen.

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[270/0270] schmachtend in einander, und legen das rührendste Bekenntniß ihrer gelungenen Vereinigung ab. Doch nun geht ein großer Kranz von Raketen in die Luft und das Feuerwerk naht sich seinem Ende. Während daß alles um sie her die Pracht des Schauspiels bewundert, drückt Agathe noch einmahl stärker ihre Hand an das Herz des Geliebten, und ein brennender Seufzer, in dem sie beyde zusammen treffen, verkündigt ihren Schmerz über die zu frühe Trennung. Ich will die Gemählde nicht weiter häufen. Leset die Darstellung einer Gabrielle de Vergy, einer Prinzessin von Cleve, und jene nicht genug gekannte Episode der Liebe des Brutus zur Lucretia in der Clelie, um zu fühlen, wie der Ausdruck erhabener Liebe durch die Einkleidung ihres Geständnisses gehoben werden könne. Viertes Kapitel. Genuß physischer Gegenwart. Ihr Glücklichen! Ihr wißt nun, daß ihr euch wechselseitig liebt! Neue Wünsche, neue Wonne, neues Bedürfniß, neue Befriedigung heben für euch an! Ihr strebt nach der sinnlichsten und ununterbrochensten Ueberzeugung, daß eure Wesen vereinigt sind, daß zwey Menschen, die gewaltsam getrennt waren, jetzt zu einer Person zusammengesetzt sind! Das sucht ihr euch wechselseitig anhaltend zu bezeugen? Ja, aber nicht mit der Anmaßung, es deutlich zu machen. Es bricht durch, es geschieht, ohne es zu wollen, zum Theil ohne es zu wissen.

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Zitationshilfe: Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Zweyter Theil: Aesthetik der Liebe. Leipzig, 1798, S. 270. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus02_1798/270>, abgerufen am 24.03.2019.