Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ranke, Leopold von: Die römischen Päpste. Bd. 2. Berlin, 1836.

Bild:
<< vorherige Seite

Buch VII. Kap. 4. Die Macht
ßen: in dem Streite zwischen römischen und gallicanischen
Doctrinen hielt er sich nunmehr zu den römischen und
verleugnete die gallicanischen.

Welche Bedeutung entwickelte hiemit der Gegensatz des
Urbans VIII. gegen das Haus Oestreich!

Mit der religiösen Entwickelung, mit dem Fortschritte
der katholischen Restauration waren politische Veränderun-
gen verknüpft, die immer unaufhaltsamer ihr eigenes Prin-
cip geltend machten, und sich jetzt dem kirchlichen selbst ent-
gegensetzten.

Der Papst trat gegen diejenige Macht in die Schran-
ken, welche sich die Wiederherstellung des Katholicismus
am eifrigsten angelegen seyn ließ.

Es fragt sich nun, welche Haltung diese Macht, be-
sonders Kaiser Ferdinand, in dessen Händen die Unterneh-
mung der Wiederherstellung hauptsächlich ruhte, einer so mäch-
tigen und drohenden Opposition gegenüber einnehmen würde.

Die Macht Kaiser Ferdinands II. im Jahre 1629.

Es war dem Kaiser eben als wäre nichts geschehen.

Zwar konnte er sich unter den obwaltenden Umstän-
den keinerlei Gunst von dem Papste versprechen: in den
kleinsten Dingen, z. B. einer Sache der Abtei S. Maxi-
mian, ja in den devotesten Anträgen -- wenn er unter andern
wünscht, S. Stephan und S. Wenceslaus, weil man dem
einen in Ungarn, dem andern in Böhmen eine so große Ver-
ehrung widmet, in den römischen Kalender aufgenommen
zu sehen -- fand er Widerstand, und er bekam nichts als ab-

Buch VII. Kap. 4. Die Macht
ßen: in dem Streite zwiſchen roͤmiſchen und gallicaniſchen
Doctrinen hielt er ſich nunmehr zu den roͤmiſchen und
verleugnete die gallicaniſchen.

Welche Bedeutung entwickelte hiemit der Gegenſatz des
Urbans VIII. gegen das Haus Oeſtreich!

Mit der religioͤſen Entwickelung, mit dem Fortſchritte
der katholiſchen Reſtauration waren politiſche Veraͤnderun-
gen verknuͤpft, die immer unaufhaltſamer ihr eigenes Prin-
cip geltend machten, und ſich jetzt dem kirchlichen ſelbſt ent-
gegenſetzten.

Der Papſt trat gegen diejenige Macht in die Schran-
ken, welche ſich die Wiederherſtellung des Katholicismus
am eifrigſten angelegen ſeyn ließ.

Es fragt ſich nun, welche Haltung dieſe Macht, be-
ſonders Kaiſer Ferdinand, in deſſen Haͤnden die Unterneh-
mung der Wiederherſtellung hauptſaͤchlich ruhte, einer ſo maͤch-
tigen und drohenden Oppoſition gegenuͤber einnehmen wuͤrde.

Die Macht Kaiſer Ferdinands II. im Jahre 1629.

Es war dem Kaiſer eben als waͤre nichts geſchehen.

Zwar konnte er ſich unter den obwaltenden Umſtaͤn-
den keinerlei Gunſt von dem Papſte verſprechen: in den
kleinſten Dingen, z. B. einer Sache der Abtei S. Maxi-
mian, ja in den devoteſten Antraͤgen — wenn er unter andern
wuͤnſcht, S. Stephan und S. Wenceslaus, weil man dem
einen in Ungarn, dem andern in Boͤhmen eine ſo große Ver-
ehrung widmet, in den roͤmiſchen Kalender aufgenommen
zu ſehen — fand er Widerſtand, und er bekam nichts als ab-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0558" n="546"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#g">Buch</hi><hi rendition="#aq">VII.</hi><hi rendition="#g">Kap. 4. Die Macht</hi></fw><lb/>
ßen: in dem Streite zwi&#x017F;chen ro&#x0364;mi&#x017F;chen und gallicani&#x017F;chen<lb/>
Doctrinen hielt er &#x017F;ich nunmehr zu den ro&#x0364;mi&#x017F;chen und<lb/>
verleugnete die gallicani&#x017F;chen.</p><lb/>
            <p>Welche Bedeutung entwickelte hiemit der Gegen&#x017F;atz des<lb/>
Urbans <hi rendition="#aq">VIII.</hi> gegen das Haus Oe&#x017F;treich!</p><lb/>
            <p>Mit der religio&#x0364;&#x017F;en Entwickelung, mit dem Fort&#x017F;chritte<lb/>
der katholi&#x017F;chen Re&#x017F;tauration waren politi&#x017F;che Vera&#x0364;nderun-<lb/>
gen verknu&#x0364;pft, die immer unaufhalt&#x017F;amer ihr eigenes Prin-<lb/>
cip geltend machten, und &#x017F;ich jetzt dem kirchlichen &#x017F;elb&#x017F;t ent-<lb/>
gegen&#x017F;etzten.</p><lb/>
            <p>Der Pap&#x017F;t trat gegen diejenige Macht in die Schran-<lb/>
ken, welche &#x017F;ich die Wiederher&#x017F;tellung des Katholicismus<lb/>
am eifrig&#x017F;ten angelegen &#x017F;eyn ließ.</p><lb/>
            <p>Es fragt &#x017F;ich nun, welche Haltung die&#x017F;e Macht, be-<lb/>
&#x017F;onders Kai&#x017F;er Ferdinand, in de&#x017F;&#x017F;en Ha&#x0364;nden die Unterneh-<lb/>
mung der Wiederher&#x017F;tellung haupt&#x017F;a&#x0364;chlich ruhte, einer &#x017F;o ma&#x0364;ch-<lb/>
tigen und drohenden Oppo&#x017F;ition gegenu&#x0364;ber einnehmen wu&#x0364;rde.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>Die Macht Kai&#x017F;er Ferdinands <hi rendition="#aq">II.</hi> im Jahre 1629.</head><lb/>
            <p>Es war dem Kai&#x017F;er eben als wa&#x0364;re nichts ge&#x017F;chehen.</p><lb/>
            <p>Zwar konnte er &#x017F;ich unter den obwaltenden Um&#x017F;ta&#x0364;n-<lb/>
den keinerlei Gun&#x017F;t von dem Pap&#x017F;te ver&#x017F;prechen: in den<lb/>
klein&#x017F;ten Dingen, z. B. einer Sache der Abtei S. Maxi-<lb/>
mian, ja in den devote&#x017F;ten Antra&#x0364;gen &#x2014; wenn er unter andern<lb/>
wu&#x0364;n&#x017F;cht, S. Stephan und S. Wenceslaus, weil man dem<lb/>
einen in Ungarn, dem andern in Bo&#x0364;hmen eine &#x017F;o große Ver-<lb/>
ehrung widmet, in den ro&#x0364;mi&#x017F;chen Kalender aufgenommen<lb/>
zu &#x017F;ehen &#x2014; fand er Wider&#x017F;tand, und er bekam nichts als ab-<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[546/0558] Buch VII. Kap. 4. Die Macht ßen: in dem Streite zwiſchen roͤmiſchen und gallicaniſchen Doctrinen hielt er ſich nunmehr zu den roͤmiſchen und verleugnete die gallicaniſchen. Welche Bedeutung entwickelte hiemit der Gegenſatz des Urbans VIII. gegen das Haus Oeſtreich! Mit der religioͤſen Entwickelung, mit dem Fortſchritte der katholiſchen Reſtauration waren politiſche Veraͤnderun- gen verknuͤpft, die immer unaufhaltſamer ihr eigenes Prin- cip geltend machten, und ſich jetzt dem kirchlichen ſelbſt ent- gegenſetzten. Der Papſt trat gegen diejenige Macht in die Schran- ken, welche ſich die Wiederherſtellung des Katholicismus am eifrigſten angelegen ſeyn ließ. Es fragt ſich nun, welche Haltung dieſe Macht, be- ſonders Kaiſer Ferdinand, in deſſen Haͤnden die Unterneh- mung der Wiederherſtellung hauptſaͤchlich ruhte, einer ſo maͤch- tigen und drohenden Oppoſition gegenuͤber einnehmen wuͤrde. Die Macht Kaiſer Ferdinands II. im Jahre 1629. Es war dem Kaiſer eben als waͤre nichts geſchehen. Zwar konnte er ſich unter den obwaltenden Umſtaͤn- den keinerlei Gunſt von dem Papſte verſprechen: in den kleinſten Dingen, z. B. einer Sache der Abtei S. Maxi- mian, ja in den devoteſten Antraͤgen — wenn er unter andern wuͤnſcht, S. Stephan und S. Wenceslaus, weil man dem einen in Ungarn, dem andern in Boͤhmen eine ſo große Ver- ehrung widmet, in den roͤmiſchen Kalender aufgenommen zu ſehen — fand er Widerſtand, und er bekam nichts als ab-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/ranke_paepste02_1836
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/ranke_paepste02_1836/558
Zitationshilfe: Ranke, Leopold von: Die römischen Päpste. Bd. 2. Berlin, 1836, S. 546. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/ranke_paepste02_1836/558>, abgerufen am 24.03.2019.