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Rapsilber, Maximilian: Das Reichstags-Gebäude. Berlin, 1895.

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DIE BAUAUSFÜHRUNG.

Das Baubureau Wallot's war, nachdem seine Berufung erfolgt,
am 1. Juli 1883 in Thätigkeit getreten. Anfang März 1884 geschieht
der erste Spatenstich für die Ausschachtung des Fundamentbaues. Die
Fundamentirung und die Ausführung der Kellerräume nahm zwei
Jahre in Anspruch, 1886 und 1887 stieg das Mauerwerk bis zur
Hauptgesimshöhe und in den beiden darauf folgenden Jahren wurden
die Werksteine, welche aus den grössten deutschen Steinbrüchen
geliefert wurden, versetzt. Zurückgeblieben waren indessen diejenigen
Bautheile, welche mit der erst 1890 entschiedenen Frage der Kuppel¬
anlage in Zusammenhang standen. Nun aber wurden die letzten
wichtigen Arbeiten so schnell gefördert, dass schon am 2. September
1891 die Reichskrone auf der Kuppellaterne enthüllt werden konnte.
Hand in Hand ging damit der innere Ausbau, 1891 war bereits
ein grosser Theil der Innenräume geputzt und 1892 wurden die
Fensteröffnungen geschlossen. Die Bauausführung erforderte ein
Riesenmaterial. Es gelangten zur Verwendung insgesammt 1211 cbm
Granit aus dem Fichtelgebirge, 30583 cbm Sandsteine und zwar
Alt-Warthauer, vom Teutoburger Walde, Nesselberger, Burggrappacher,
Cudovaer und Bayersfelder, 12354 cbm Kalkstein für die Fundamente,
557 cbm Lesina- und Merlera-Kalksteine, 1744 Treppenstufen und
589 qm Treppenpodeste aus Granit, 234 laufende m Granitschwellen,
1710 qm Marmorplatten, 32669000 Ziegelsteine und 2700 Tonnen
Guss- und Schweisseisen. Die bebaute Fläche bedeckt 11200 qm.
Die Länge des Hauses beträgt 137,40 m, die Tiefe mit den
Rampenanlagen an der West- und Ostseite 93,90 m. Die Höhe
des Gebäudes von der Oberkante des Bürgersteiges bis zum Haupt¬
gesims der Fronten beträgt 26,40 m, bis zum Hauptgesims der
Thürme 39,70 m, bis zur Plattform der Kuppel 58,70 m. Der

DIE BAUAUSFÜHRUNG.

Das Baubureau Wallot's war, nachdem seine Berufung erfolgt,
am 1. Juli 1883 in Thätigkeit getreten. Anfang März 1884 geschieht
der erste Spatenstich für die Ausschachtung des Fundamentbaues. Die
Fundamentirung und die Ausführung der Kellerräume nahm zwei
Jahre in Anspruch, 1886 und 1887 stieg das Mauerwerk bis zur
Hauptgesimshöhe und in den beiden darauf folgenden Jahren wurden
die Werksteine, welche aus den grössten deutschen Steinbrüchen
geliefert wurden, versetzt. Zurückgeblieben waren indessen diejenigen
Bautheile, welche mit der erst 1890 entschiedenen Frage der Kuppel¬
anlage in Zusammenhang standen. Nun aber wurden die letzten
wichtigen Arbeiten so schnell gefördert, dass schon am 2. September
1891 die Reichskrone auf der Kuppellaterne enthüllt werden konnte.
Hand in Hand ging damit der innere Ausbau, 1891 war bereits
ein grosser Theil der Innenräume geputzt und 1892 wurden die
Fensteröffnungen geschlossen. Die Bauausführung erforderte ein
Riesenmaterial. Es gelangten zur Verwendung insgesammt 1211 cbm
Granit aus dem Fichtelgebirge, 30583 cbm Sandsteine und zwar
Alt-Warthauer, vom Teutoburger Walde, Nesselberger, Burggrappacher,
Cudovaer und Bayersfelder, 12354 cbm Kalkstein für die Fundamente,
557 cbm Lesina- und Merlera-Kalksteine, 1744 Treppenstufen und
589 qm Treppenpodeste aus Granit, 234 laufende m Granitschwellen,
1710 qm Marmorplatten, 32669000 Ziegelsteine und 2700 Tonnen
Guss- und Schweisseisen. Die bebaute Fläche bedeckt 11200 qm.
Die Länge des Hauses beträgt 137,40 m, die Tiefe mit den
Rampenanlagen an der West- und Ostseite 93,90 m. Die Höhe
des Gebäudes von der Oberkante des Bürgersteiges bis zum Haupt¬
gesims der Fronten beträgt 26,40 m, bis zum Hauptgesims der
Thürme 39,70 m, bis zur Plattform der Kuppel 58,70 m. Der

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[13/0019] DIE BAUAUSFÜHRUNG. Das Baubureau Wallot's war, nachdem seine Berufung erfolgt, am 1. Juli 1883 in Thätigkeit getreten. Anfang März 1884 geschieht der erste Spatenstich für die Ausschachtung des Fundamentbaues. Die Fundamentirung und die Ausführung der Kellerräume nahm zwei Jahre in Anspruch, 1886 und 1887 stieg das Mauerwerk bis zur Hauptgesimshöhe und in den beiden darauf folgenden Jahren wurden die Werksteine, welche aus den grössten deutschen Steinbrüchen geliefert wurden, versetzt. Zurückgeblieben waren indessen diejenigen Bautheile, welche mit der erst 1890 entschiedenen Frage der Kuppel¬ anlage in Zusammenhang standen. Nun aber wurden die letzten wichtigen Arbeiten so schnell gefördert, dass schon am 2. September 1891 die Reichskrone auf der Kuppellaterne enthüllt werden konnte. Hand in Hand ging damit der innere Ausbau, 1891 war bereits ein grosser Theil der Innenräume geputzt und 1892 wurden die Fensteröffnungen geschlossen. Die Bauausführung erforderte ein Riesenmaterial. Es gelangten zur Verwendung insgesammt 1211 cbm Granit aus dem Fichtelgebirge, 30583 cbm Sandsteine und zwar Alt-Warthauer, vom Teutoburger Walde, Nesselberger, Burggrappacher, Cudovaer und Bayersfelder, 12354 cbm Kalkstein für die Fundamente, 557 cbm Lesina- und Merlera-Kalksteine, 1744 Treppenstufen und 589 qm Treppenpodeste aus Granit, 234 laufende m Granitschwellen, 1710 qm Marmorplatten, 32669000 Ziegelsteine und 2700 Tonnen Guss- und Schweisseisen. Die bebaute Fläche bedeckt 11200 qm. Die Länge des Hauses beträgt 137,40 m, die Tiefe mit den Rampenanlagen an der West- und Ostseite 93,90 m. Die Höhe des Gebäudes von der Oberkante des Bürgersteiges bis zum Haupt¬ gesims der Fronten beträgt 26,40 m, bis zum Hauptgesims der Thürme 39,70 m, bis zur Plattform der Kuppel 58,70 m. Der

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Zitationshilfe: Rapsilber, Maximilian: Das Reichstags-Gebäude. Berlin, 1895, S. 13. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rapsilber_reichstagsgebaeude_1895/19>, abgerufen am 25.04.2019.