Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Reichardt, Christian: Land- u. Garten-Schatzes. Bd. 2. Erfurt, 1753.

Bild:
<< vorherige Seite

6. Cap. Vom Oculiren.
viel davon zu halten, indem ein solches Auge
kurz vor dem Winter zu treiben pfleget, und al-
so das Reislein und Holz nicht reif wird, sondern
gar zu weich und zart bleiben muß folglich durch
die Kälte und Frost den Winter über leicht
Schaden nehmen kan. Und ob man gleich ge-
denket durch das Verbinden mit Heu oder
Stroh demselben eine Güte zu thun, so machet
man doch dadurch übel ärger. Denn wenn es
sehr regnet oder auf starken Schnee Thau-Wet-
ter sich ereignet, so lauft das Wasser zwischen
dem Stroh oder Heu bis an das Auge hinun-
ter. Wenn nun ein Frost darauf erfolget, wel-
ches gemeiniglich zu geschehen pfleget, so muß
das kaum hervorgetriebene Auge erfrieren und
verderben. Drum ist es noch besser gethan,
daß man dergleichen Augen lieber auf Hofnung
stehen lässet.

Die andere Art, nemlich die schlaffenden
Augen zu oculiren, geschiehet am besten vom An-
fange des August-Monats bis zu Ende, wenn
vorhero der Saft zum andernmal volkommen
in die Bäume getreten ist, wovon unten ein
mehres sol gehandelt werden.

§. 6.
Was zu
beobachten,
wenn das
Auge beklie-
ben.

Wenn nach Verfliessung einer Zeit von 6
bis 7 Wochen gesehen wird, daß das eingeschobe-
ne oculirte Auge beklieben, so muß das Band,
womit es verbunden worden, wiederum geöfnet
werden, damit der Bast nicht in den Stam mit
einwachse, und das Auge an seinem Wachsthume

nicht

6. Cap. Vom Oculiren.
viel davon zu halten, indem ein ſolches Auge
kurz vor dem Winter zu treiben pfleget, und al-
ſo das Reislein und Holz nicht reif wird, ſondern
gar zu weich und zart bleiben muß folglich durch
die Kaͤlte und Froſt den Winter uͤber leicht
Schaden nehmen kan. Und ob man gleich ge-
denket durch das Verbinden mit Heu oder
Stroh demſelben eine Guͤte zu thun, ſo machet
man doch dadurch uͤbel aͤrger. Denn wenn es
ſehr regnet oder auf ſtarken Schnee Thau-Wet-
ter ſich ereignet, ſo lauft das Waſſer zwiſchen
dem Stroh oder Heu bis an das Auge hinun-
ter. Wenn nun ein Froſt darauf erfolget, wel-
ches gemeiniglich zu geſchehen pfleget, ſo muß
das kaum hervorgetriebene Auge erfrieren und
verderben. Drum iſt es noch beſſer gethan,
daß man dergleichen Augen lieber auf Hofnung
ſtehen laͤſſet.

Die andere Art, nemlich die ſchlaffenden
Augen zu oculiren, geſchiehet am beſten vom An-
fange des Auguſt-Monats bis zu Ende, wenn
vorhero der Saft zum andernmal volkommen
in die Baͤume getreten iſt, wovon unten ein
mehres ſol gehandelt werden.

§. 6.
Was zu
beobachten,
wenn das
Auge beklie-
ben.

Wenn nach Verflieſſung einer Zeit von 6
bis 7 Wochen geſehen wird, daß das eingeſchobe-
ne oculirte Auge beklieben, ſo muß das Band,
womit es verbunden worden, wiederum geoͤfnet
werden, damit der Baſt nicht in den Stam mit
einwachſe, und das Auge an ſeinem Wachsthume

nicht
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0110" n="78"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">6. Cap. Vom Oculiren.</hi></fw><lb/>
viel davon zu halten, indem ein &#x017F;olches Auge<lb/>
kurz vor dem Winter zu treiben pfleget, und al-<lb/>
&#x017F;o das Reislein und Holz nicht reif wird, &#x017F;ondern<lb/>
gar zu weich und zart bleiben muß folglich durch<lb/>
die Ka&#x0364;lte und Fro&#x017F;t den Winter u&#x0364;ber leicht<lb/>
Schaden nehmen kan. Und ob man gleich ge-<lb/>
denket durch das Verbinden mit Heu oder<lb/>
Stroh dem&#x017F;elben eine Gu&#x0364;te zu thun, &#x017F;o machet<lb/>
man doch dadurch u&#x0364;bel a&#x0364;rger. Denn wenn es<lb/>
&#x017F;ehr regnet oder auf &#x017F;tarken Schnee Thau-Wet-<lb/>
ter &#x017F;ich ereignet, &#x017F;o lauft das Wa&#x017F;&#x017F;er zwi&#x017F;chen<lb/>
dem Stroh oder Heu bis an das Auge hinun-<lb/>
ter. Wenn nun ein Fro&#x017F;t darauf erfolget, wel-<lb/>
ches gemeiniglich zu ge&#x017F;chehen pfleget, &#x017F;o muß<lb/>
das kaum hervorgetriebene Auge erfrieren und<lb/>
verderben. Drum i&#x017F;t es noch be&#x017F;&#x017F;er gethan,<lb/>
daß man dergleichen Augen lieber auf Hofnung<lb/>
&#x017F;tehen la&#x0364;&#x017F;&#x017F;et.</p><lb/>
          <p>Die andere Art, nemlich die &#x017F;chlaffenden<lb/>
Augen zu oculiren, ge&#x017F;chiehet am be&#x017F;ten vom An-<lb/>
fange des Augu&#x017F;t-Monats bis zu Ende, wenn<lb/>
vorhero der Saft zum andernmal volkommen<lb/>
in die Ba&#x0364;ume getreten i&#x017F;t, wovon unten ein<lb/>
mehres &#x017F;ol gehandelt werden.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>§. 6.</head><lb/>
          <note place="left">Was zu<lb/>
beobachten,<lb/>
wenn das<lb/>
Auge beklie-<lb/>
ben.</note>
          <p>Wenn nach Verflie&#x017F;&#x017F;ung einer Zeit von 6<lb/>
bis 7 Wochen ge&#x017F;ehen wird, daß das einge&#x017F;chobe-<lb/>
ne oculirte Auge beklieben, &#x017F;o muß das Band,<lb/>
womit es verbunden worden, wiederum geo&#x0364;fnet<lb/>
werden, damit der Ba&#x017F;t nicht in den Stam mit<lb/>
einwach&#x017F;e, und das Auge an &#x017F;einem Wachsthume<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">nicht</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[78/0110] 6. Cap. Vom Oculiren. viel davon zu halten, indem ein ſolches Auge kurz vor dem Winter zu treiben pfleget, und al- ſo das Reislein und Holz nicht reif wird, ſondern gar zu weich und zart bleiben muß folglich durch die Kaͤlte und Froſt den Winter uͤber leicht Schaden nehmen kan. Und ob man gleich ge- denket durch das Verbinden mit Heu oder Stroh demſelben eine Guͤte zu thun, ſo machet man doch dadurch uͤbel aͤrger. Denn wenn es ſehr regnet oder auf ſtarken Schnee Thau-Wet- ter ſich ereignet, ſo lauft das Waſſer zwiſchen dem Stroh oder Heu bis an das Auge hinun- ter. Wenn nun ein Froſt darauf erfolget, wel- ches gemeiniglich zu geſchehen pfleget, ſo muß das kaum hervorgetriebene Auge erfrieren und verderben. Drum iſt es noch beſſer gethan, daß man dergleichen Augen lieber auf Hofnung ſtehen laͤſſet. Die andere Art, nemlich die ſchlaffenden Augen zu oculiren, geſchiehet am beſten vom An- fange des Auguſt-Monats bis zu Ende, wenn vorhero der Saft zum andernmal volkommen in die Baͤume getreten iſt, wovon unten ein mehres ſol gehandelt werden. §. 6. Wenn nach Verflieſſung einer Zeit von 6 bis 7 Wochen geſehen wird, daß das eingeſchobe- ne oculirte Auge beklieben, ſo muß das Band, womit es verbunden worden, wiederum geoͤfnet werden, damit der Baſt nicht in den Stam mit einwachſe, und das Auge an ſeinem Wachsthume nicht

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/reichart_landschatz02_1753
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/reichart_landschatz02_1753/110
Zitationshilfe: Reichardt, Christian: Land- u. Garten-Schatzes. Bd. 2. Erfurt, 1753, S. 78. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/reichart_landschatz02_1753/110>, abgerufen am 14.10.2019.