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Reichardt, Christian: Land- und Garten-Schatzes. Bd. 6. 2. Aufl. Erfurt, 1765.

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Das sechste Capitel. Von einigen
mer des Nachts, auch bald frühe, aus der Erden
herausgekrochen, greiffen die Pflänzlein mit ihren
Mäulern an, zerren dieselben heraus, und nehmen
solche mit sich in ihre Löcher, daher die Pflänzlein
nach und nach vom Lande wegkommen, daß man-
che unerfahrne Leute gar nicht begreiffen können,
wie es damit zugehe.

§. 44.
Von ihrer
Vermeh-
rung und
Begattung.

Es vermehren sich diese Würmer in grosser
Menge besonders in frischgedüngtem Lande.

Was ihre Begattung betrift, so habe ich eini-
gemal im Früh-Jahre, sonderlich wenn es vor-
her geregnet, wahrgenommen, daß zwey große
Regenwürmer aus ihren Löchern, welche wohl ei-
nen halben Schuh weit von einander waren, her-
vorgekrochen kamen, und sich zwey Zol lang so
feste zusammen und an einander hängeten, daß,
wenn ich solche aufhob, sie dennoch aneinander
hangen blieben.

So weit als sie zusammen gewesen waren, be-
fand sich ein etwas weisser Schleim an denensel-
ben. Jch habe dabey nichts anders urtheilen kön-
nen, als daß dieses Zusammenhängen ihre Be-
gattung sey; doch dieses wil ich den gelehrten
Naturforschern zur genauen Untersuchung über-
lassen.

§. 45.
Von ihren
Feinden.

Ob aber gleich die Regenwürmer sich sehr stark
vermehren, so haben sie doch auch sehr viele Feinde,
welche ihnen grosen Abbruch thun.

Denn

Das ſechſte Capitel. Von einigen
mer des Nachts, auch bald fruͤhe, aus der Erden
herausgekrochen, greiffen die Pflaͤnzlein mit ihren
Maͤulern an, zerren dieſelben heraus, und nehmen
ſolche mit ſich in ihre Loͤcher, daher die Pflaͤnzlein
nach und nach vom Lande wegkommen, daß man-
che unerfahrne Leute gar nicht begreiffen koͤnnen,
wie es damit zugehe.

§. 44.
Von ihrer
Vermeh-
rung und
Begattung.

Es vermehren ſich dieſe Wuͤrmer in groſſer
Menge beſonders in friſchgeduͤngtem Lande.

Was ihre Begattung betrift, ſo habe ich eini-
gemal im Fruͤh-Jahre, ſonderlich wenn es vor-
her geregnet, wahrgenommen, daß zwey große
Regenwuͤrmer aus ihren Loͤchern, welche wohl ei-
nen halben Schuh weit von einander waren, her-
vorgekrochen kamen, und ſich zwey Zol lang ſo
feſte zuſammen und an einander haͤngeten, daß,
wenn ich ſolche aufhob, ſie dennoch aneinander
hangen blieben.

So weit als ſie zuſammen geweſen waren, be-
fand ſich ein etwas weiſſer Schleim an denenſel-
ben. Jch habe dabey nichts anders urtheilen koͤn-
nen, als daß dieſes Zuſammenhaͤngen ihre Be-
gattung ſey; doch dieſes wil ich den gelehrten
Naturforſchern zur genauen Unterſuchung uͤber-
laſſen.

§. 45.
Von ihren
Feinden.

Ob aber gleich die Regenwuͤrmer ſich ſehr ſtark
vermehren, ſo haben ſie doch auch ſehr viele Feinde,
welche ihnen groſen Abbruch thun.

Denn
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[238/0252] Das ſechſte Capitel. Von einigen mer des Nachts, auch bald fruͤhe, aus der Erden herausgekrochen, greiffen die Pflaͤnzlein mit ihren Maͤulern an, zerren dieſelben heraus, und nehmen ſolche mit ſich in ihre Loͤcher, daher die Pflaͤnzlein nach und nach vom Lande wegkommen, daß man- che unerfahrne Leute gar nicht begreiffen koͤnnen, wie es damit zugehe. §. 44. Es vermehren ſich dieſe Wuͤrmer in groſſer Menge beſonders in friſchgeduͤngtem Lande. Was ihre Begattung betrift, ſo habe ich eini- gemal im Fruͤh-Jahre, ſonderlich wenn es vor- her geregnet, wahrgenommen, daß zwey große Regenwuͤrmer aus ihren Loͤchern, welche wohl ei- nen halben Schuh weit von einander waren, her- vorgekrochen kamen, und ſich zwey Zol lang ſo feſte zuſammen und an einander haͤngeten, daß, wenn ich ſolche aufhob, ſie dennoch aneinander hangen blieben. So weit als ſie zuſammen geweſen waren, be- fand ſich ein etwas weiſſer Schleim an denenſel- ben. Jch habe dabey nichts anders urtheilen koͤn- nen, als daß dieſes Zuſammenhaͤngen ihre Be- gattung ſey; doch dieſes wil ich den gelehrten Naturforſchern zur genauen Unterſuchung uͤber- laſſen. §. 45. Ob aber gleich die Regenwuͤrmer ſich ſehr ſtark vermehren, ſo haben ſie doch auch ſehr viele Feinde, welche ihnen groſen Abbruch thun. Denn

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Zitationshilfe: Reichardt, Christian: Land- und Garten-Schatzes. Bd. 6. 2. Aufl. Erfurt, 1765, S. 238. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/reichart_landschatz06_1755/252>, abgerufen am 20.05.2019.