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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 1. Leipzig, 1881.

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Gebirge der Insel Hondo. Das Relief der Insel Shikoku.
von Yamashiro und Setsu an *). Es ist mehr Hügel- als Gebirgsland.
Der Haupthöhenzug folgt der Längsrichtung der Halbinsel und scheidet
Sanin-do von Sanyo-do. Verzweigungen desselben laufen nordwärts
und südwärts davon aus zwischen den einzelnen Provinzen hin. Die
grosse oceanische Wasserscheide folgt zwar meist dem centralen
Rücken, biegt jedoch auch wiederholt ansehnlich davon ab. Oft führt
der Uebergang kaum 300 Meter hoch über flachgewölbte Schiefer-
rücken und ist die Steigung kaum bemerkbar. Die Höhe der be-
deutendsten Berge an den Grenzrücken selbst übersteigt wohl nur
ausnahmsweise, wenn überhaupt, 1000 Meter. Beträchtlicher ist sie
bei einigen isolierten vulkanischen Kuppen des Sanin-do. So fand
Naumann den aus Trachyt aufgebauten Daisen in Hoki 1640 Meter
hoch, während ihn Kempermann sogar zu 1702 Meter bestimmte.

In vielen Berglandschaften, z. B. in den Provinzen Iwami und
Inaba, beschränkt sich der Ackerbau auf die kleinen Mulden und
engen Thaleinschnitte und umfasst kaum 5--6 % des gesammten
Areals. Nicht die Steilheit des Bodens oder die Rauheit des Klimas
sind die Ursache einer solchen Culturunfähigkeit, sondern der felsige
trockene Boden der runden Schieferrücken. In den breiten Thal-
sohlen der grösseren Flüsse, namentlich von Sanyo-do, ist der Alluvial-
boden meist sehr fruchtbar und eine blühende Landwirthschaft zu
finden, z. B. in Harima.


c. Das Relief der Insel Shikoku.

Die Westgrenze der Provinz Kishiu gegen das Gokinai wird durch
einen aus Yamato kommenden Höhenzug gebildet, welcher parallel
zum Yoshino-gawa von NO. nach SW. gerichtet ist und zur Idzumi-
nada steil abfällt. Jenseits derselben folgt ein Bergrücken im öst-
lichen Awaji derselben Richtung, und endlich sehen wir, dass auch

*) Ich habe auf meinen Reisen die Provinzen von San-yo-do nur vom Schiff, durch
das Binnenmeer fahrend, und von Shikoku aus gesehen, im Uebrigen das ganze Ge-
biet nicht näher kennen gelernt. Die meisten Fremden, welche in ihm reisten, folgten
bis jetzt der alten Landstrasse von Hiogo nach Shimonoseki oder dem bequemsten
Verbindungsweg zwischen beiden Meeren von Himeji über Ikuno nach Toyooka
und zum Japanischen Meere. Es ist mir deshalb, mit Ausnahme des werthvollen
Aufsatzes von Kempermann über eine Reise durch die Centralprovinzen, auch
wenig Literatur bei Betrachtung dieses Gebietes zur Verfügung, so dass ich mich
vorwiegend an Japanische Karten halten musste und an die wenigen zerstreuten
Notizen, welche ich sammeln konnte.

Gebirge der Insel Hondo. Das Relief der Insel Shikoku.
von Yamashiro und Setsu an *). Es ist mehr Hügel- als Gebirgsland.
Der Haupthöhenzug folgt der Längsrichtung der Halbinsel und scheidet
Sanin-dô von Sanyo-dô. Verzweigungen desselben laufen nordwärts
und südwärts davon aus zwischen den einzelnen Provinzen hin. Die
grosse oceanische Wasserscheide folgt zwar meist dem centralen
Rücken, biegt jedoch auch wiederholt ansehnlich davon ab. Oft führt
der Uebergang kaum 300 Meter hoch über flachgewölbte Schiefer-
rücken und ist die Steigung kaum bemerkbar. Die Höhe der be-
deutendsten Berge an den Grenzrücken selbst übersteigt wohl nur
ausnahmsweise, wenn überhaupt, 1000 Meter. Beträchtlicher ist sie
bei einigen isolierten vulkanischen Kuppen des Sanin-dô. So fand
Naumann den aus Trachyt aufgebauten Daisen in Hoki 1640 Meter
hoch, während ihn Kempermann sogar zu 1702 Meter bestimmte.

In vielen Berglandschaften, z. B. in den Provinzen Iwami und
Inaba, beschränkt sich der Ackerbau auf die kleinen Mulden und
engen Thaleinschnitte und umfasst kaum 5—6 % des gesammten
Areals. Nicht die Steilheit des Bodens oder die Rauheit des Klimas
sind die Ursache einer solchen Culturunfähigkeit, sondern der felsige
trockene Boden der runden Schieferrücken. In den breiten Thal-
sohlen der grösseren Flüsse, namentlich von Sanyo-dô, ist der Alluvial-
boden meist sehr fruchtbar und eine blühende Landwirthschaft zu
finden, z. B. in Harima.


c. Das Relief der Insel Shikoku.

Die Westgrenze der Provinz Kishiu gegen das Gokinai wird durch
einen aus Yamato kommenden Höhenzug gebildet, welcher parallel
zum Yoshino-gawa von NO. nach SW. gerichtet ist und zur Idzumi-
nada steil abfällt. Jenseits derselben folgt ein Bergrücken im öst-
lichen Awaji derselben Richtung, und endlich sehen wir, dass auch

*) Ich habe auf meinen Reisen die Provinzen von San-yo-dô nur vom Schiff, durch
das Binnenmeer fahrend, und von Shikoku aus gesehen, im Uebrigen das ganze Ge-
biet nicht näher kennen gelernt. Die meisten Fremden, welche in ihm reisten, folgten
bis jetzt der alten Landstrasse von Hiogo nach Shimonoseki oder dem bequemsten
Verbindungsweg zwischen beiden Meeren von Himeji über Ikuno nach Toyooka
und zum Japanischen Meere. Es ist mir deshalb, mit Ausnahme des werthvollen
Aufsatzes von Kempermann über eine Reise durch die Centralprovinzen, auch
wenig Literatur bei Betrachtung dieses Gebietes zur Verfügung, so dass ich mich
vorwiegend an Japanische Karten halten musste und an die wenigen zerstreuten
Notizen, welche ich sammeln konnte.
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[91/0113] Gebirge der Insel Hondo. Das Relief der Insel Shikoku. von Yamashiro und Setsu an *). Es ist mehr Hügel- als Gebirgsland. Der Haupthöhenzug folgt der Längsrichtung der Halbinsel und scheidet Sanin-dô von Sanyo-dô. Verzweigungen desselben laufen nordwärts und südwärts davon aus zwischen den einzelnen Provinzen hin. Die grosse oceanische Wasserscheide folgt zwar meist dem centralen Rücken, biegt jedoch auch wiederholt ansehnlich davon ab. Oft führt der Uebergang kaum 300 Meter hoch über flachgewölbte Schiefer- rücken und ist die Steigung kaum bemerkbar. Die Höhe der be- deutendsten Berge an den Grenzrücken selbst übersteigt wohl nur ausnahmsweise, wenn überhaupt, 1000 Meter. Beträchtlicher ist sie bei einigen isolierten vulkanischen Kuppen des Sanin-dô. So fand Naumann den aus Trachyt aufgebauten Daisen in Hoki 1640 Meter hoch, während ihn Kempermann sogar zu 1702 Meter bestimmte. In vielen Berglandschaften, z. B. in den Provinzen Iwami und Inaba, beschränkt sich der Ackerbau auf die kleinen Mulden und engen Thaleinschnitte und umfasst kaum 5—6 % des gesammten Areals. Nicht die Steilheit des Bodens oder die Rauheit des Klimas sind die Ursache einer solchen Culturunfähigkeit, sondern der felsige trockene Boden der runden Schieferrücken. In den breiten Thal- sohlen der grösseren Flüsse, namentlich von Sanyo-dô, ist der Alluvial- boden meist sehr fruchtbar und eine blühende Landwirthschaft zu finden, z. B. in Harima. c. Das Relief der Insel Shikoku. Die Westgrenze der Provinz Kishiu gegen das Gokinai wird durch einen aus Yamato kommenden Höhenzug gebildet, welcher parallel zum Yoshino-gawa von NO. nach SW. gerichtet ist und zur Idzumi- nada steil abfällt. Jenseits derselben folgt ein Bergrücken im öst- lichen Awaji derselben Richtung, und endlich sehen wir, dass auch *) Ich habe auf meinen Reisen die Provinzen von San-yo-dô nur vom Schiff, durch das Binnenmeer fahrend, und von Shikoku aus gesehen, im Uebrigen das ganze Ge- biet nicht näher kennen gelernt. Die meisten Fremden, welche in ihm reisten, folgten bis jetzt der alten Landstrasse von Hiogo nach Shimonoseki oder dem bequemsten Verbindungsweg zwischen beiden Meeren von Himeji über Ikuno nach Toyooka und zum Japanischen Meere. Es ist mir deshalb, mit Ausnahme des werthvollen Aufsatzes von Kempermann über eine Reise durch die Centralprovinzen, auch wenig Literatur bei Betrachtung dieses Gebietes zur Verfügung, so dass ich mich vorwiegend an Japanische Karten halten musste und an die wenigen zerstreuten Notizen, welche ich sammeln konnte.

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 1. Leipzig, 1881, S. 91. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan01_1881/113>, abgerufen am 23.03.2019.