Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 1. Leipzig, 1881.

Bild:
<< vorherige Seite

III. Topographie.
hier den Schatten, in welchem Iyeyasu und Iyemitsu ruhen und kost-
bare Tempel, Pagoden, Bronze- und Steinlaternen zu ihrer Ehre auf-
gerichtet sind *).

b. Mutsu oder Oshiu.

Wo von den Höhen an der Nordgrenze von Hitachi und Shimo-
tsuke der das Kuwanto verlassende Reisende bei klarem Wetter den
Fuji-san zum letzten Mal begrüssen kann, beginnt Oshiu oder Mutsu,
das Nordostland von Hondo, und erstreckt sich der Küste des Stillen
Oceans entlang bis zur Tsugaru-Strasse. Nach Westen bildet das
Rückgratgebirge die Grenze gegen Dewa und weiter südlich ein eben-
falls hoher Gebirgszug die hier westlich vorgeschobene gegen Echigo.
Der Hauptverkehrsweg ist der schon genannte Oshiu-kaido, welcher
auf Nihon-bashi in Tokio beginnt und nordwärts durch die Vorstadt
Seki und die Städte des Kuwanto Koga, Utsunomiya und Otawara
nach Shirakawa am Abukuma und weiter diesem entlang über Fu-
kushina nach Sendai führt. Später folgt er dem Thal des Kitakami
und endet schliesslich zu Awomori an der Tsugaru-no-Seto. Der
ganze Norden von Honshiu hiess ehemals Michi-no-ku, wenigstens
bis zum 38. Parallel. In der Periode Wado (708--715) wurde er
in Mutsu und Dewa getheilt. Die einzelnen Landschaften von Mutsu
pflegte man nach ihren hervorragenden Städten oder Besitzern zu
bezeichnen, wie Aidzu, Sendai, Nambu, Tsugaru.

Im ersten Jahre Meiji fand eine Theilung der Landschaft Oshiu
in die fünf Provinzen Iwashiro, Iwaki, Rikuzen, Rikuchi und Mutsu
statt, von denen nur die erstgenannte ein Binnenland ist. Diese fünf
Provinzen bilden jetzt die Ken: Fukushima (Iwashiro und Iwaki),
Miyagi (Sendai), Iwade (Nambu) und Awomori (Mutsu). Ihre Pro-
ducte sollen bei den einzelnen Provinzen erwähnt werden. Die Ein-
wohnerzahl von Oshiu beträgt 2311000. Sendai, die grösste Stadt,
hat über 50000 Einwohner, dann folgen Hirosaki und Morioka, jede
mit über 30000 Einwohnern, und Wakamatsu mit mehr als 20000 Ein-
wohnern.

1. Iwashiro. Diese Provinz wird begrenzt durch Iwaki, Uzen,
Echigo, Kodzuke (auf kurzer Strecke) und Shimotsuke, der centrale
Gebirgszug theilt sie zwischen Adzuma-yama und Yamizo-yama in
die Flussgebiete des Aga-gawa und Abukuma-gawa, deren Producte

*) Näheres über Nikko bringt Satow in: "A Guide Book to Nikko, Yoko-
hama 1875"; und mein Aufsatz im 6. und 7. Hefte der Mittheilungen der deut-
schen Gesellschaft Ostasiens.

III. Topographie.
hier den Schatten, in welchem Iyeyasu und Iyemitsu ruhen und kost-
bare Tempel, Pagoden, Bronze- und Steinlaternen zu ihrer Ehre auf-
gerichtet sind *).

b. Mutsu oder Ôshiu.

Wo von den Höhen an der Nordgrenze von Hitachi und Shimo-
tsuke der das Kuwantô verlassende Reisende bei klarem Wetter den
Fuji-san zum letzten Mal begrüssen kann, beginnt Ôshiu oder Mutsu,
das Nordostland von Hondo, und erstreckt sich der Küste des Stillen
Oceans entlang bis zur Tsugaru-Strasse. Nach Westen bildet das
Rückgratgebirge die Grenze gegen Dewa und weiter südlich ein eben-
falls hoher Gebirgszug die hier westlich vorgeschobene gegen Echigo.
Der Hauptverkehrsweg ist der schon genannte Ôshiu-kaidô, welcher
auf Nihon-bashi in Tôkio beginnt und nordwärts durch die Vorstadt
Seki und die Städte des Kuwantô Koga, Utsunomiya und Ôtawara
nach Shirakawa am Abukuma und weiter diesem entlang über Fu-
kushina nach Sendai führt. Später folgt er dem Thal des Kitakami
und endet schliesslich zu Awomori an der Tsugaru-no-Seto. Der
ganze Norden von Honshiu hiess ehemals Michi-no-ku, wenigstens
bis zum 38. Parallel. In der Periode Wado (708—715) wurde er
in Mutsu und Dewa getheilt. Die einzelnen Landschaften von Mutsu
pflegte man nach ihren hervorragenden Städten oder Besitzern zu
bezeichnen, wie Aidzu, Sendai, Nambu, Tsugaru.

Im ersten Jahre Meiji fand eine Theilung der Landschaft Ôshiu
in die fünf Provinzen Iwashiro, Iwaki, Rikuzen, Rikuchi und Mutsu
statt, von denen nur die erstgenannte ein Binnenland ist. Diese fünf
Provinzen bilden jetzt die Ken: Fukushima (Iwashiro und Iwaki),
Miyagi (Sendai), Iwade (Nambu) und Awomori (Mutsu). Ihre Pro-
ducte sollen bei den einzelnen Provinzen erwähnt werden. Die Ein-
wohnerzahl von Ôshiu beträgt 2311000. Sendai, die grösste Stadt,
hat über 50000 Einwohner, dann folgen Hirosaki und Morioka, jede
mit über 30000 Einwohnern, und Wakamatsu mit mehr als 20000 Ein-
wohnern.

1. Iwashiro. Diese Provinz wird begrenzt durch Iwaki, Uzen,
Echigo, Kôdzuke (auf kurzer Strecke) und Shimotsuke, der centrale
Gebirgszug theilt sie zwischen Adzuma-yama und Yamizo-yama in
die Flussgebiete des Aga-gawa und Abukuma-gawa, deren Producte

*) Näheres über Nikkô bringt Satow in: »A Guide Book to Nikkô, Yoko-
hama 1875«; und mein Aufsatz im 6. und 7. Hefte der Mittheilungen der deut-
schen Gesellschaft Ostasiens.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <p><pb facs="#f0618" n="572"/><fw place="top" type="header">III. Topographie.</fw><lb/>
hier den Schatten, in welchem Iyeyasu und Iyemitsu ruhen und kost-<lb/>
bare Tempel, Pagoden, Bronze- und Steinlaternen zu ihrer Ehre auf-<lb/>
gerichtet sind <note place="foot" n="*)">Näheres über Nikkô bringt <hi rendition="#g">Satow</hi> in: »A Guide Book to Nikkô, Yoko-<lb/>
hama 1875«; und mein Aufsatz im 6. und 7. Hefte der Mittheilungen der deut-<lb/>
schen Gesellschaft Ostasiens.</note>.</p>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>b. <hi rendition="#g">Mutsu oder Ôshiu</hi>.</head><lb/>
              <p>Wo von den Höhen an der Nordgrenze von Hitachi und Shimo-<lb/>
tsuke der das Kuwantô verlassende Reisende bei klarem Wetter den<lb/>
Fuji-san zum letzten Mal begrüssen kann, beginnt Ôshiu oder Mutsu,<lb/>
das Nordostland von Hondo, und erstreckt sich der Küste des Stillen<lb/>
Oceans entlang bis zur Tsugaru-Strasse. Nach Westen bildet das<lb/>
Rückgratgebirge die Grenze gegen Dewa und weiter südlich ein eben-<lb/>
falls hoher Gebirgszug die hier westlich vorgeschobene gegen Echigo.<lb/>
Der Hauptverkehrsweg ist der schon genannte Ôshiu-kaidô, welcher<lb/>
auf Nihon-bashi in Tôkio beginnt und nordwärts durch die Vorstadt<lb/>
Seki und die Städte des Kuwantô Koga, Utsunomiya und Ôtawara<lb/>
nach Shirakawa am Abukuma und weiter diesem entlang über Fu-<lb/>
kushina nach Sendai führt. Später folgt er dem Thal des Kitakami<lb/>
und endet schliesslich zu Awomori an der Tsugaru-no-Seto. Der<lb/>
ganze Norden von Honshiu hiess ehemals Michi-no-ku, wenigstens<lb/>
bis zum 38. Parallel. In der Periode Wado (708&#x2014;715) wurde er<lb/>
in Mutsu und Dewa getheilt. Die einzelnen Landschaften von Mutsu<lb/>
pflegte man nach ihren hervorragenden Städten oder Besitzern zu<lb/>
bezeichnen, wie Aidzu, Sendai, Nambu, Tsugaru.</p><lb/>
              <p>Im ersten Jahre Meiji fand eine Theilung der Landschaft Ôshiu<lb/>
in die fünf Provinzen Iwashiro, Iwaki, Rikuzen, Rikuchi und Mutsu<lb/>
statt, von denen nur die erstgenannte ein Binnenland ist. Diese fünf<lb/>
Provinzen bilden jetzt die Ken: Fukushima (Iwashiro und Iwaki),<lb/>
Miyagi (Sendai), Iwade (Nambu) und Awomori (Mutsu). Ihre Pro-<lb/>
ducte sollen bei den einzelnen Provinzen erwähnt werden. Die Ein-<lb/>
wohnerzahl von Ôshiu beträgt 2311000. Sendai, die grösste Stadt,<lb/>
hat über 50000 Einwohner, dann folgen Hirosaki und Morioka, jede<lb/>
mit über 30000 Einwohnern, und Wakamatsu mit mehr als 20000 Ein-<lb/>
wohnern.</p><lb/>
              <p>1. <hi rendition="#g">Iwashiro</hi>. Diese Provinz wird begrenzt durch Iwaki, Uzen,<lb/>
Echigo, Kôdzuke (auf kurzer Strecke) und Shimotsuke, der centrale<lb/>
Gebirgszug theilt sie zwischen Adzuma-yama und Yamizo-yama in<lb/>
die Flussgebiete des Aga-gawa und Abukuma-gawa, deren Producte<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[572/0618] III. Topographie. hier den Schatten, in welchem Iyeyasu und Iyemitsu ruhen und kost- bare Tempel, Pagoden, Bronze- und Steinlaternen zu ihrer Ehre auf- gerichtet sind *). b. Mutsu oder Ôshiu. Wo von den Höhen an der Nordgrenze von Hitachi und Shimo- tsuke der das Kuwantô verlassende Reisende bei klarem Wetter den Fuji-san zum letzten Mal begrüssen kann, beginnt Ôshiu oder Mutsu, das Nordostland von Hondo, und erstreckt sich der Küste des Stillen Oceans entlang bis zur Tsugaru-Strasse. Nach Westen bildet das Rückgratgebirge die Grenze gegen Dewa und weiter südlich ein eben- falls hoher Gebirgszug die hier westlich vorgeschobene gegen Echigo. Der Hauptverkehrsweg ist der schon genannte Ôshiu-kaidô, welcher auf Nihon-bashi in Tôkio beginnt und nordwärts durch die Vorstadt Seki und die Städte des Kuwantô Koga, Utsunomiya und Ôtawara nach Shirakawa am Abukuma und weiter diesem entlang über Fu- kushina nach Sendai führt. Später folgt er dem Thal des Kitakami und endet schliesslich zu Awomori an der Tsugaru-no-Seto. Der ganze Norden von Honshiu hiess ehemals Michi-no-ku, wenigstens bis zum 38. Parallel. In der Periode Wado (708—715) wurde er in Mutsu und Dewa getheilt. Die einzelnen Landschaften von Mutsu pflegte man nach ihren hervorragenden Städten oder Besitzern zu bezeichnen, wie Aidzu, Sendai, Nambu, Tsugaru. Im ersten Jahre Meiji fand eine Theilung der Landschaft Ôshiu in die fünf Provinzen Iwashiro, Iwaki, Rikuzen, Rikuchi und Mutsu statt, von denen nur die erstgenannte ein Binnenland ist. Diese fünf Provinzen bilden jetzt die Ken: Fukushima (Iwashiro und Iwaki), Miyagi (Sendai), Iwade (Nambu) und Awomori (Mutsu). Ihre Pro- ducte sollen bei den einzelnen Provinzen erwähnt werden. Die Ein- wohnerzahl von Ôshiu beträgt 2311000. Sendai, die grösste Stadt, hat über 50000 Einwohner, dann folgen Hirosaki und Morioka, jede mit über 30000 Einwohnern, und Wakamatsu mit mehr als 20000 Ein- wohnern. 1. Iwashiro. Diese Provinz wird begrenzt durch Iwaki, Uzen, Echigo, Kôdzuke (auf kurzer Strecke) und Shimotsuke, der centrale Gebirgszug theilt sie zwischen Adzuma-yama und Yamizo-yama in die Flussgebiete des Aga-gawa und Abukuma-gawa, deren Producte *) Näheres über Nikkô bringt Satow in: »A Guide Book to Nikkô, Yoko- hama 1875«; und mein Aufsatz im 6. und 7. Hefte der Mittheilungen der deut- schen Gesellschaft Ostasiens.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan01_1881
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan01_1881/618
Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 1. Leipzig, 1881, S. 572. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan01_1881/618>, abgerufen am 18.03.2019.