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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 1. Leipzig, 1881.

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IV.
Orographie.

a. Grundzüge der Bodengestaltung.

Das Japanische Reich ist ein Gebirgsland, in welchem der ebene,
cultivierte Boden, einschliesslich der bebauten Terrassen, kaum 12 Pro-
cent, also noch nicht ein Achtel des ganzen Areals ausmacht, wobei
die weniger oder nicht baufähigen Nebenlande noch nicht einmal in
Rechnung kommen. In der Regel wechseln Berg und Thal beständig
mit einander ab, und es breiten sich die wenigen bedeutenderen Ebenen
nur im Unterlaufe der grossen Flüsse aus. Hierher gehören: die
Ebene von Kuwanto nördlich der Yedobucht am Tone und Sumida;
die Ebene von Mino, Owari und Ise am Kiso und Ise-no-umi;
die Ebene von Osaka am Yodo; die Ebene von Echigo am Shinano;
die Ebene von Sendai am Abukuma und der Sendaibucht; die Ebene
des Ishikari auf Yezo. Nur das nördliche Hondo hat auch im
Innern einige rings von Gebirgen begrenzte fruchtbare Flächen von
ansehnlicher Ausdehnung, nämlich die Aidzu-taira bei Wakamatsu,
und weiter nordwärts die Ebene von Yonezawa, sowie die viel
grössere von Yamagata.

Im allgemeinen folgen die japanischen Gebirge der Längenaus-
dehnung der Inseln von NO. nach SW. und haben bei ansehnlichen
Gipfelhöhen verhältnissmässig niedrige Pässe. Dies rührt vornehmlich
daher, weil die Gebirgsmassive aus krystallinischen Urgesteinen und
alten Schiefern meist nicht hoch ansteigen, während die vulkanischen
Bildungen, welche sie vielfach durchbrochen und überlagert haben,
zwar ansehnliche Gipfel, aber selten lange und hohe Kämme bilden,
so dass die Uebergänge oft zwischen denselben über die ältere Grund-
lage hinführen. Vulkanische Bergmassen sind den Gebirgsketten nicht
selten auch vorgelagert und stellen Verbindungen zwischen den viel-
fach in ihrer Lagerung gestörten und verworfenen Gliedern des älteren
Gebirges her.

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IV.
Orographie.

a. Grundzüge der Bodengestaltung.

Das Japanische Reich ist ein Gebirgsland, in welchem der ebene,
cultivierte Boden, einschliesslich der bebauten Terrassen, kaum 12 Pro-
cent, also noch nicht ein Achtel des ganzen Areals ausmacht, wobei
die weniger oder nicht baufähigen Nebenlande noch nicht einmal in
Rechnung kommen. In der Regel wechseln Berg und Thal beständig
mit einander ab, und es breiten sich die wenigen bedeutenderen Ebenen
nur im Unterlaufe der grossen Flüsse aus. Hierher gehören: die
Ebene von Kuwantô nördlich der Yedobucht am Tone und Sumida;
die Ebene von Mino, Owari und Ise am Kiso und Ise-no-umi;
die Ebene von Ôsaka am Yodo; die Ebene von Echigo am Shinano;
die Ebene von Sendai am Abukuma und der Sendaibucht; die Ebene
des Ishikari auf Yezo. Nur das nördliche Hondo hat auch im
Innern einige rings von Gebirgen begrenzte fruchtbare Flächen von
ansehnlicher Ausdehnung, nämlich die Aidzu-taira bei Wakamatsu,
und weiter nordwärts die Ebene von Yonezawa, sowie die viel
grössere von Yamagata.

Im allgemeinen folgen die japanischen Gebirge der Längenaus-
dehnung der Inseln von NO. nach SW. und haben bei ansehnlichen
Gipfelhöhen verhältnissmässig niedrige Pässe. Dies rührt vornehmlich
daher, weil die Gebirgsmassive aus krystallinischen Urgesteinen und
alten Schiefern meist nicht hoch ansteigen, während die vulkanischen
Bildungen, welche sie vielfach durchbrochen und überlagert haben,
zwar ansehnliche Gipfel, aber selten lange und hohe Kämme bilden,
so dass die Uebergänge oft zwischen denselben über die ältere Grund-
lage hinführen. Vulkanische Bergmassen sind den Gebirgsketten nicht
selten auch vorgelagert und stellen Verbindungen zwischen den viel-
fach in ihrer Lagerung gestörten und verworfenen Gliedern des älteren
Gebirges her.

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[[67]/0087] IV. Orographie. a. Grundzüge der Bodengestaltung. Das Japanische Reich ist ein Gebirgsland, in welchem der ebene, cultivierte Boden, einschliesslich der bebauten Terrassen, kaum 12 Pro- cent, also noch nicht ein Achtel des ganzen Areals ausmacht, wobei die weniger oder nicht baufähigen Nebenlande noch nicht einmal in Rechnung kommen. In der Regel wechseln Berg und Thal beständig mit einander ab, und es breiten sich die wenigen bedeutenderen Ebenen nur im Unterlaufe der grossen Flüsse aus. Hierher gehören: die Ebene von Kuwantô nördlich der Yedobucht am Tone und Sumida; die Ebene von Mino, Owari und Ise am Kiso und Ise-no-umi; die Ebene von Ôsaka am Yodo; die Ebene von Echigo am Shinano; die Ebene von Sendai am Abukuma und der Sendaibucht; die Ebene des Ishikari auf Yezo. Nur das nördliche Hondo hat auch im Innern einige rings von Gebirgen begrenzte fruchtbare Flächen von ansehnlicher Ausdehnung, nämlich die Aidzu-taira bei Wakamatsu, und weiter nordwärts die Ebene von Yonezawa, sowie die viel grössere von Yamagata. Im allgemeinen folgen die japanischen Gebirge der Längenaus- dehnung der Inseln von NO. nach SW. und haben bei ansehnlichen Gipfelhöhen verhältnissmässig niedrige Pässe. Dies rührt vornehmlich daher, weil die Gebirgsmassive aus krystallinischen Urgesteinen und alten Schiefern meist nicht hoch ansteigen, während die vulkanischen Bildungen, welche sie vielfach durchbrochen und überlagert haben, zwar ansehnliche Gipfel, aber selten lange und hohe Kämme bilden, so dass die Uebergänge oft zwischen denselben über die ältere Grund- lage hinführen. Vulkanische Bergmassen sind den Gebirgsketten nicht selten auch vorgelagert und stellen Verbindungen zwischen den viel- fach in ihrer Lagerung gestörten und verworfenen Gliedern des älteren Gebirges her. 5*

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 1. Leipzig, 1881, S. [67]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan01_1881/87>, abgerufen am 21.03.2019.