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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

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I. Land- und Forstwirthschaft.
der Verwendung gleich dem Bambusrohr vorher gespalten und in mehr
oder minder dünne glatte Streifen zerlegt werden muss, bedarf kaum
der Erwähnung. Man verfertigt und benutzt in Japan To-mushiro
(Rotangmatten) viel weniger als in China. Dagegen dienen To, Ya-
nagi und Take zu vielerlei sonstigem Flechtwerke, von dem hier nur
der Kori oder Schachtelkörbe gedacht werden soll, die sich für man-
cherlei Zwecke vortrefflich eignen. Wie z. B. der Schliesskorb aus
Weidengeflecht bei uns, so ist in Japan der Yanagi-gori, d. h.
Weiden-Schachtelkorb ein vortrefflicher Ersatz des Koffers, zumal auf
Reisen. Der übergreifende Deckel reicht dabei bis zum Boden der
engeren unteren Korbschachtel. Sehr viele kleinere Kori stellt man
aus Rotang her. Sie haben vor unseren Holzschachteln den Vorzug
der Elasticität, Geschmeidigkeit und längeren Dauer. Auch jene breit-
randigen steifen Hüte, Kasa genannt, welche den Kopf gegen Sonnen-
schein und Regen schützen, im übrigen freilich nicht gerade sehr be-
quem sind, werden bald aus geschälten Weiden, bald aus Rotang oder
Bambus geflochten. Zahl- und gestaltreich sind ferner die vielen Körb-
chen aus den beiden letztgenannten Materialien. Dieselben kommen
besonders schön aus der Provinz Tajima nach dem Bade Arima und
weiter nach Kobe auch zur Ausfuhr.

e. Farbpflanzen und Gerbstoffe und deren Verwendung.

Seitdem die chemische Industrie in der Darstellung organischer
Farben einen so gewaltigen Aufschwung genommen hat, ist von ihrem
weitragenden Einfluss auch Japan nicht unberührt geblieben. Ver-
schiedene der vordem hochgeschätzten cultivierten oder wildwachsen-
den Farbpflanzen des Landes haben seit Einführung der künstlichen
Krapp- und Anilinfarben viel von ihrer früheren Bedeutung verloren.
Das wissenschaftliche Interesse, welches sich an ihr Vorkommen und
ihre Verwendung knüpft, wird dadurch nicht beseitigt. Dasselbe zu
fördern, ist Zweck der nachstehenden Mittheilungen, die in keiner
Weise eine erschöpfende Darstellung sind, immerhin aber verschiedenes
Neue bieten dürften.

1) Polygonum tinctorium Lour., jap. Ai, der Färberknö-
terig.
Diese ostasiatische Culturpflanze wurde zuerst 1790 von Lou-
reiro in seiner Flora Cochinchinensis beschrieben. Sie liefert einem
weiten Gebiete Ostasiens, zumal China, Korea und Japan, seit alter
Zeit den vielverwendeten Indigo und gehört gleich unsern gewöhn-
lichsten Knöterigarten zur Gruppe Persicaria. Aus einer kräftigen
Faserwurzel entwickelt sie viele 30--50 cm hohe, blattreiche runde

I. Land- und Forstwirthschaft.
der Verwendung gleich dem Bambusrohr vorher gespalten und in mehr
oder minder dünne glatte Streifen zerlegt werden muss, bedarf kaum
der Erwähnung. Man verfertigt und benutzt in Japan To-mushiro
(Rotangmatten) viel weniger als in China. Dagegen dienen To, Ya-
nagi und Take zu vielerlei sonstigem Flechtwerke, von dem hier nur
der Kôri oder Schachtelkörbe gedacht werden soll, die sich für man-
cherlei Zwecke vortrefflich eignen. Wie z. B. der Schliesskorb aus
Weidengeflecht bei uns, so ist in Japan der Yanagi-gôri, d. h.
Weiden-Schachtelkorb ein vortrefflicher Ersatz des Koffers, zumal auf
Reisen. Der übergreifende Deckel reicht dabei bis zum Boden der
engeren unteren Korbschachtel. Sehr viele kleinere Kôri stellt man
aus Rotang her. Sie haben vor unseren Holzschachteln den Vorzug
der Elasticität, Geschmeidigkeit und längeren Dauer. Auch jene breit-
randigen steifen Hüte, Kasa genannt, welche den Kopf gegen Sonnen-
schein und Regen schützen, im übrigen freilich nicht gerade sehr be-
quem sind, werden bald aus geschälten Weiden, bald aus Rotang oder
Bambus geflochten. Zahl- und gestaltreich sind ferner die vielen Körb-
chen aus den beiden letztgenannten Materialien. Dieselben kommen
besonders schön aus der Provinz Tajima nach dem Bade Arima und
weiter nach Kobe auch zur Ausfuhr.

e. Farbpflanzen und Gerbstoffe und deren Verwendung.

Seitdem die chemische Industrie in der Darstellung organischer
Farben einen so gewaltigen Aufschwung genommen hat, ist von ihrem
weitragenden Einfluss auch Japan nicht unberührt geblieben. Ver-
schiedene der vordem hochgeschätzten cultivierten oder wildwachsen-
den Farbpflanzen des Landes haben seit Einführung der künstlichen
Krapp- und Anilinfarben viel von ihrer früheren Bedeutung verloren.
Das wissenschaftliche Interesse, welches sich an ihr Vorkommen und
ihre Verwendung knüpft, wird dadurch nicht beseitigt. Dasselbe zu
fördern, ist Zweck der nachstehenden Mittheilungen, die in keiner
Weise eine erschöpfende Darstellung sind, immerhin aber verschiedenes
Neue bieten dürften.

1) Polygonum tinctorium Lour., jap. Ai, der Färberknö-
terig.
Diese ostasiatische Culturpflanze wurde zuerst 1790 von Lou-
reiro in seiner Flora Cochinchinensis beschrieben. Sie liefert einem
weiten Gebiete Ostasiens, zumal China, Korea und Japan, seit alter
Zeit den vielverwendeten Indigo und gehört gleich unsern gewöhn-
lichsten Knöterigarten zur Gruppe Persicaria. Aus einer kräftigen
Faserwurzel entwickelt sie viele 30—50 cm hohe, blattreiche runde

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[204/0226] I. Land- und Forstwirthschaft. der Verwendung gleich dem Bambusrohr vorher gespalten und in mehr oder minder dünne glatte Streifen zerlegt werden muss, bedarf kaum der Erwähnung. Man verfertigt und benutzt in Japan To-mushiro (Rotangmatten) viel weniger als in China. Dagegen dienen To, Ya- nagi und Take zu vielerlei sonstigem Flechtwerke, von dem hier nur der Kôri oder Schachtelkörbe gedacht werden soll, die sich für man- cherlei Zwecke vortrefflich eignen. Wie z. B. der Schliesskorb aus Weidengeflecht bei uns, so ist in Japan der Yanagi-gôri, d. h. Weiden-Schachtelkorb ein vortrefflicher Ersatz des Koffers, zumal auf Reisen. Der übergreifende Deckel reicht dabei bis zum Boden der engeren unteren Korbschachtel. Sehr viele kleinere Kôri stellt man aus Rotang her. Sie haben vor unseren Holzschachteln den Vorzug der Elasticität, Geschmeidigkeit und längeren Dauer. Auch jene breit- randigen steifen Hüte, Kasa genannt, welche den Kopf gegen Sonnen- schein und Regen schützen, im übrigen freilich nicht gerade sehr be- quem sind, werden bald aus geschälten Weiden, bald aus Rotang oder Bambus geflochten. Zahl- und gestaltreich sind ferner die vielen Körb- chen aus den beiden letztgenannten Materialien. Dieselben kommen besonders schön aus der Provinz Tajima nach dem Bade Arima und weiter nach Kobe auch zur Ausfuhr. e. Farbpflanzen und Gerbstoffe und deren Verwendung. Seitdem die chemische Industrie in der Darstellung organischer Farben einen so gewaltigen Aufschwung genommen hat, ist von ihrem weitragenden Einfluss auch Japan nicht unberührt geblieben. Ver- schiedene der vordem hochgeschätzten cultivierten oder wildwachsen- den Farbpflanzen des Landes haben seit Einführung der künstlichen Krapp- und Anilinfarben viel von ihrer früheren Bedeutung verloren. Das wissenschaftliche Interesse, welches sich an ihr Vorkommen und ihre Verwendung knüpft, wird dadurch nicht beseitigt. Dasselbe zu fördern, ist Zweck der nachstehenden Mittheilungen, die in keiner Weise eine erschöpfende Darstellung sind, immerhin aber verschiedenes Neue bieten dürften. 1) Polygonum tinctorium Lour., jap. Ai, der Färberknö- terig. Diese ostasiatische Culturpflanze wurde zuerst 1790 von Lou- reiro in seiner Flora Cochinchinensis beschrieben. Sie liefert einem weiten Gebiete Ostasiens, zumal China, Korea und Japan, seit alter Zeit den vielverwendeten Indigo und gehört gleich unsern gewöhn- lichsten Knöterigarten zur Gruppe Persicaria. Aus einer kräftigen Faserwurzel entwickelt sie viele 30—50 cm hohe, blattreiche runde

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 204. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/226>, abgerufen am 21.03.2019.