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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

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I. Land- und Forstwirthschaft.
oder Matrizen sind in Relief auf Honoki oder Sakura (siehe Hölzer)
ausgeschnitten. Um einzelne Stellen, wie Namenszüge etc., weiss zu
erhalten,*) schlägt man beim Färben verschiedene Wege ein. Der
gewöhnlichste ist der, dass man die Stellen, welche keine Farbe an-
nehmen sollen, mit Nori (Stärkekleister), dem man Nuka (Reiskleie)
beimengt, bestreicht und an der Luft trocknet, bevor man das Zeug in
die Farbe eintaucht. Ein anderes Mittel besteht darin, dass dünne Brett-
chen (wie Hobelspähne) auf der Unterseite mit Funori (Algenleim aus
Gleopeltis cotiformis Harv. und andern Arten), auf der oberen mit
Papier beklebt und sie dann auf die hellzulassenden Stellen festnäht.

Auch bei der in Kioto geübten Kunst, Blumen und andere Dinge
auf fertige Seidengewebe zu malen, wird, nachdem das Bild vorge-
zeichnet ist, der freie Theil mit Nori bedeckt, damit die Farben nicht
in Folge der hygroskopischen oder capillaren Aufsaugung überfliessen. --


4. Viehzucht und Seidenzucht.

Es genügt hier, den verschiedenen zerstreuten Angaben über die
geringe Bedeutung der Grossviehzucht für die japanische Landwirth-
schaft, welche in den vorausgehenden Abschnitten bereits gemacht
wurden, einige Ergänzungen folgen zu lassen.

Das japanische Pferd oder Uma (sprich M'ma), der mongolischen
Pferderasse zugehörend, von kleiner Statur, mit dickem Kopf und Bauch,
ist schlaff im Trabe und geräth bald in Schweiss, zeigt aber sonst
viel Ausdauer. Selten wird ihm eine sorgfältige Pflege zu theil. Im
Stall steht es mit dem Kopf nach dem Eingang zugekehrt und ist mit
Stricken an die Eckpfosten rechts und links so kurz angebunden, dass
es sich kaum bewegen, vor allem aber nicht niederlegen kann. Krippe
und sonstige feste Vorrichtungen für seine Fütterung fehlen. Dagegen
herrscht um dasselbe herum grosse Reinlichkeit. Sein Futter besteht
in der Regel in grobem Heu, das man anfeuchtet, mit etwas Schrot
oder Kleie bestreut und in einem Kübel ihm vorsetzt, wobei man
diesen gewöhnlich ihm anbindet. Ausserdem erhält es Gerste und als
Leckerbissen wohl auch eine handvoll Bohnen.

Das Heu, von dem hier die Rede ist, Ma-gusa, d. h. Pferde-

*) Wie der Bauer seinen Namen in weiss auf blauem Kittel trägt, so der
Samurai Namen oder Wappen auf dem Rücken und den Aermeln seines Ge-
wandes.

I. Land- und Forstwirthschaft.
oder Matrizen sind in Relief auf Honoki oder Sakura (siehe Hölzer)
ausgeschnitten. Um einzelne Stellen, wie Namenszüge etc., weiss zu
erhalten,*) schlägt man beim Färben verschiedene Wege ein. Der
gewöhnlichste ist der, dass man die Stellen, welche keine Farbe an-
nehmen sollen, mit Nori (Stärkekleister), dem man Nuka (Reiskleie)
beimengt, bestreicht und an der Luft trocknet, bevor man das Zeug in
die Farbe eintaucht. Ein anderes Mittel besteht darin, dass dünne Brett-
chen (wie Hobelspähne) auf der Unterseite mit Funori (Algenleim aus
Gleopeltis cotiformis Harv. und andern Arten), auf der oberen mit
Papier beklebt und sie dann auf die hellzulassenden Stellen festnäht.

Auch bei der in Kiôto geübten Kunst, Blumen und andere Dinge
auf fertige Seidengewebe zu malen, wird, nachdem das Bild vorge-
zeichnet ist, der freie Theil mit Nori bedeckt, damit die Farben nicht
in Folge der hygroskopischen oder capillaren Aufsaugung überfliessen. —


4. Viehzucht und Seidenzucht.

Es genügt hier, den verschiedenen zerstreuten Angaben über die
geringe Bedeutung der Grossviehzucht für die japanische Landwirth-
schaft, welche in den vorausgehenden Abschnitten bereits gemacht
wurden, einige Ergänzungen folgen zu lassen.

Das japanische Pferd oder Uma (sprich M’ma), der mongolischen
Pferderasse zugehörend, von kleiner Statur, mit dickem Kopf und Bauch,
ist schlaff im Trabe und geräth bald in Schweiss, zeigt aber sonst
viel Ausdauer. Selten wird ihm eine sorgfältige Pflege zu theil. Im
Stall steht es mit dem Kopf nach dem Eingang zugekehrt und ist mit
Stricken an die Eckpfosten rechts und links so kurz angebunden, dass
es sich kaum bewegen, vor allem aber nicht niederlegen kann. Krippe
und sonstige feste Vorrichtungen für seine Fütterung fehlen. Dagegen
herrscht um dasselbe herum grosse Reinlichkeit. Sein Futter besteht
in der Regel in grobem Heu, das man anfeuchtet, mit etwas Schrot
oder Kleie bestreut und in einem Kübel ihm vorsetzt, wobei man
diesen gewöhnlich ihm anbindet. Ausserdem erhält es Gerste und als
Leckerbissen wohl auch eine handvoll Bohnen.

Das Heu, von dem hier die Rede ist, Ma-gusa, d. h. Pferde-

*) Wie der Bauer seinen Namen in weiss auf blauem Kittel trägt, so der
Samurai Namen oder Wappen auf dem Rücken und den Aermeln seines Ge-
wandes.
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[216/0238] I. Land- und Forstwirthschaft. oder Matrizen sind in Relief auf Honoki oder Sakura (siehe Hölzer) ausgeschnitten. Um einzelne Stellen, wie Namenszüge etc., weiss zu erhalten, *) schlägt man beim Färben verschiedene Wege ein. Der gewöhnlichste ist der, dass man die Stellen, welche keine Farbe an- nehmen sollen, mit Nori (Stärkekleister), dem man Nuka (Reiskleie) beimengt, bestreicht und an der Luft trocknet, bevor man das Zeug in die Farbe eintaucht. Ein anderes Mittel besteht darin, dass dünne Brett- chen (wie Hobelspähne) auf der Unterseite mit Funori (Algenleim aus Gleopeltis cotiformis Harv. und andern Arten), auf der oberen mit Papier beklebt und sie dann auf die hellzulassenden Stellen festnäht. Auch bei der in Kiôto geübten Kunst, Blumen und andere Dinge auf fertige Seidengewebe zu malen, wird, nachdem das Bild vorge- zeichnet ist, der freie Theil mit Nori bedeckt, damit die Farben nicht in Folge der hygroskopischen oder capillaren Aufsaugung überfliessen. — 4. Viehzucht und Seidenzucht. Es genügt hier, den verschiedenen zerstreuten Angaben über die geringe Bedeutung der Grossviehzucht für die japanische Landwirth- schaft, welche in den vorausgehenden Abschnitten bereits gemacht wurden, einige Ergänzungen folgen zu lassen. Das japanische Pferd oder Uma (sprich M’ma), der mongolischen Pferderasse zugehörend, von kleiner Statur, mit dickem Kopf und Bauch, ist schlaff im Trabe und geräth bald in Schweiss, zeigt aber sonst viel Ausdauer. Selten wird ihm eine sorgfältige Pflege zu theil. Im Stall steht es mit dem Kopf nach dem Eingang zugekehrt und ist mit Stricken an die Eckpfosten rechts und links so kurz angebunden, dass es sich kaum bewegen, vor allem aber nicht niederlegen kann. Krippe und sonstige feste Vorrichtungen für seine Fütterung fehlen. Dagegen herrscht um dasselbe herum grosse Reinlichkeit. Sein Futter besteht in der Regel in grobem Heu, das man anfeuchtet, mit etwas Schrot oder Kleie bestreut und in einem Kübel ihm vorsetzt, wobei man diesen gewöhnlich ihm anbindet. Ausserdem erhält es Gerste und als Leckerbissen wohl auch eine handvoll Bohnen. Das Heu, von dem hier die Rede ist, Ma-gusa, d. h. Pferde- *) Wie der Bauer seinen Namen in weiss auf blauem Kittel trägt, so der Samurai Namen oder Wappen auf dem Rücken und den Aermeln seines Ge- wandes.

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 216. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/238>, abgerufen am 20.03.2019.