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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

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I. Land- und Forstwirthschaft.
geschehen, deren Holz man zum Heizen der Dampfschiffe auf dem
Kaspischen Meere verwandte. Aeusserst fruchtbar war einst der Bo-
den von Eriwan, reiche Kornfelder wechselten mit Wiesen zwischen
Wäldern ab. Heute ist alles Wüstenei; die Bewohner sind kaum im
Stande, ihre nothdürftigste Nahrung zu gewinnen".

Aus Vorstehendem ergibt sich manche Nutzanwendung auf die
japanischen Verhältnisse. Da in den Gebirgen und ihren Wäldern bis
zu einem gewissen Grade Wohl und Wehe der Thalbewohner liegt,
so erscheint auch die Correction und Schiffbarmachung der Flussläufe
als eine Frage, welche sich nur in Verbindung mit der gleichwichtigen
einer verständigen Forstwirthschaft im Gebirge in befriedigender Weise
lösen lässt. Die Erhaltung und zweckmässige Bewirthschaftung der
Gebirgswälder ist auch für die japanische Regierung eine der wich-
tigsten Aufgaben, welche sie zum Wohle des Landes zu lösen hat.
Dient die Erhaltung derselben, wie bisher, vornehmlich dazu, die
reichen Niederschläge zu regulieren, das Land zur Zeit der Regen
und der Schneeschmelze thunlichst vor Ueberschwemmungen zu schützen,
und für die trockne Jahreszeit dem Boden zur Speisung der Flüsse
einen reichen Wasservorrath zu vermitteln, so hat anderseits eine ge-
eignete Bewirthschaftung den Zweck, den Holzbedarf zu decken und
dem Lande eine Einnahmequelle zu erschliessen, welche bisher noch
sehr ungenügend entwickelt und verwerthet wurde.

Wie jede Forstwirthschaft, so wird auch die japanische auf Ver-
mehrung der besseren Hölzer und Zurückdrängung der geringwerthigen,
sowie auf geeigneten Absatz durch Anlage von Wegen und Anwen-
dung sonstiger Förderungsmittel ihr Augenmerk richten müssen. Ein
weites Feld der Arbeit, aber auch des reichen sicheren Gewinnes --
auch im Hinblick auf das holzarme China -- öffnet sich hier, eine
Arbeit, die freilich nicht kurzer Hand abgethan werden kann, sondern
umsichtig und stetig fortgeführt werden muss. -- Oft wurde ich auf
meinen Reisen durch Japan aus Regierungskreisen gefragt, was ich
zur Hebung des Nationalwohlstandes besonders empfehlen könnte. Ich
nannte dann immer in erster Linie und empfehle hiermit nochmals

"Schutz und Pflege dem Walde!" --


6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume und
anderer Nutzhölzer Japans.

Ueber diesen Gegenstand standen mir ausser verschiedenen mehr
oder weniger langen Listen japanischer Bezeichnungen mit oder ohne

I. Land- und Forstwirthschaft.
geschehen, deren Holz man zum Heizen der Dampfschiffe auf dem
Kaspischen Meere verwandte. Aeusserst fruchtbar war einst der Bo-
den von Eriwan, reiche Kornfelder wechselten mit Wiesen zwischen
Wäldern ab. Heute ist alles Wüstenei; die Bewohner sind kaum im
Stande, ihre nothdürftigste Nahrung zu gewinnen«.

Aus Vorstehendem ergibt sich manche Nutzanwendung auf die
japanischen Verhältnisse. Da in den Gebirgen und ihren Wäldern bis
zu einem gewissen Grade Wohl und Wehe der Thalbewohner liegt,
so erscheint auch die Correction und Schiffbarmachung der Flussläufe
als eine Frage, welche sich nur in Verbindung mit der gleichwichtigen
einer verständigen Forstwirthschaft im Gebirge in befriedigender Weise
lösen lässt. Die Erhaltung und zweckmässige Bewirthschaftung der
Gebirgswälder ist auch für die japanische Regierung eine der wich-
tigsten Aufgaben, welche sie zum Wohle des Landes zu lösen hat.
Dient die Erhaltung derselben, wie bisher, vornehmlich dazu, die
reichen Niederschläge zu regulieren, das Land zur Zeit der Regen
und der Schneeschmelze thunlichst vor Ueberschwemmungen zu schützen,
und für die trockne Jahreszeit dem Boden zur Speisung der Flüsse
einen reichen Wasservorrath zu vermitteln, so hat anderseits eine ge-
eignete Bewirthschaftung den Zweck, den Holzbedarf zu decken und
dem Lande eine Einnahmequelle zu erschliessen, welche bisher noch
sehr ungenügend entwickelt und verwerthet wurde.

Wie jede Forstwirthschaft, so wird auch die japanische auf Ver-
mehrung der besseren Hölzer und Zurückdrängung der geringwerthigen,
sowie auf geeigneten Absatz durch Anlage von Wegen und Anwen-
dung sonstiger Förderungsmittel ihr Augenmerk richten müssen. Ein
weites Feld der Arbeit, aber auch des reichen sicheren Gewinnes —
auch im Hinblick auf das holzarme China — öffnet sich hier, eine
Arbeit, die freilich nicht kurzer Hand abgethan werden kann, sondern
umsichtig und stetig fortgeführt werden muss. — Oft wurde ich auf
meinen Reisen durch Japan aus Regierungskreisen gefragt, was ich
zur Hebung des Nationalwohlstandes besonders empfehlen könnte. Ich
nannte dann immer in erster Linie und empfehle hiermit nochmals

»Schutz und Pflege dem Walde!« —


6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume und
anderer Nutzhölzer Japans.

Ueber diesen Gegenstand standen mir ausser verschiedenen mehr
oder weniger langen Listen japanischer Bezeichnungen mit oder ohne

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[266/0290] I. Land- und Forstwirthschaft. geschehen, deren Holz man zum Heizen der Dampfschiffe auf dem Kaspischen Meere verwandte. Aeusserst fruchtbar war einst der Bo- den von Eriwan, reiche Kornfelder wechselten mit Wiesen zwischen Wäldern ab. Heute ist alles Wüstenei; die Bewohner sind kaum im Stande, ihre nothdürftigste Nahrung zu gewinnen«. Aus Vorstehendem ergibt sich manche Nutzanwendung auf die japanischen Verhältnisse. Da in den Gebirgen und ihren Wäldern bis zu einem gewissen Grade Wohl und Wehe der Thalbewohner liegt, so erscheint auch die Correction und Schiffbarmachung der Flussläufe als eine Frage, welche sich nur in Verbindung mit der gleichwichtigen einer verständigen Forstwirthschaft im Gebirge in befriedigender Weise lösen lässt. Die Erhaltung und zweckmässige Bewirthschaftung der Gebirgswälder ist auch für die japanische Regierung eine der wich- tigsten Aufgaben, welche sie zum Wohle des Landes zu lösen hat. Dient die Erhaltung derselben, wie bisher, vornehmlich dazu, die reichen Niederschläge zu regulieren, das Land zur Zeit der Regen und der Schneeschmelze thunlichst vor Ueberschwemmungen zu schützen, und für die trockne Jahreszeit dem Boden zur Speisung der Flüsse einen reichen Wasservorrath zu vermitteln, so hat anderseits eine ge- eignete Bewirthschaftung den Zweck, den Holzbedarf zu decken und dem Lande eine Einnahmequelle zu erschliessen, welche bisher noch sehr ungenügend entwickelt und verwerthet wurde. Wie jede Forstwirthschaft, so wird auch die japanische auf Ver- mehrung der besseren Hölzer und Zurückdrängung der geringwerthigen, sowie auf geeigneten Absatz durch Anlage von Wegen und Anwen- dung sonstiger Förderungsmittel ihr Augenmerk richten müssen. Ein weites Feld der Arbeit, aber auch des reichen sicheren Gewinnes — auch im Hinblick auf das holzarme China — öffnet sich hier, eine Arbeit, die freilich nicht kurzer Hand abgethan werden kann, sondern umsichtig und stetig fortgeführt werden muss. — Oft wurde ich auf meinen Reisen durch Japan aus Regierungskreisen gefragt, was ich zur Hebung des Nationalwohlstandes besonders empfehlen könnte. Ich nannte dann immer in erster Linie und empfehle hiermit nochmals »Schutz und Pflege dem Walde!« — 6. Eigenschaften und Verwendung der wichtigeren Waldbäume und anderer Nutzhölzer Japans. Ueber diesen Gegenstand standen mir ausser verschiedenen mehr oder weniger langen Listen japanischer Bezeichnungen mit oder ohne

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 266. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/290>, abgerufen am 20.03.2019.