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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

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3. Lackindustrie.
beiden Enden in entgegengesetzter Richtung durchgepresst werden.
Gelindes Erwärmen vermehrt den Fluss und erleichtert diese Arbeit.

8) Nach fast jedem neuen Anstrich erfolgt, je nach der Natur des-
selben, Abreiben oder Polieren mit Polierstein, mit Kohle der Magnolia
hypoleuca oder gebranntem Hirschhorn (in den beiden ersten Fällen
natürlich unter Zurhülfenahme von Wasser), je nachdem diese Opera-
tion auf einen Grundierungsanstrich oder eine spätere Decke folgt.

9) Der sorgfältig lackierte, fertige Gegenstand darf in keiner Weise
die Beschaffenheit der Unterlage zeigen, muss frei von zufälligen Un-
ebenheiten, Rissen und Flecken sein, vollkommen spiegeln und darf
trocken, oder durch Berührung mit heissem Wasser erwärmt, sich nicht
verändern. Endlich muss die angehauchte Feuchtigkeit sich wie beim
polierten Stahl rasch und ringsum gleichmässig nach dem Centrum hin
zusammenziehen und verlieren.

Das japanische Lackierverfahren, welches ich nun in den
nachstehenden Spalten näher erläutern will, ist ebenso abweichend von
dem unsrigen, wie das in Anwendung kommende Material, doch keines-
wegs überall dasselbe, namentlich was die Grundierungsweise anlangt,
die nicht nur nach der Beschaffenheit der Unterlage, sondern auch mit
Rücksicht auf die Ausschmückung und den Werth des Gegenstandes
sehr verschieden sein kann. Es scheint mir indess geboten, hier erst
die bessere, sorgfältigere Behandlungsweise mit Holzunterlage vorzu-
führen, nach welcher die werthvolleren alten Lackwaaren und auch
die schon erwähnten Muster der von mir herrührenden Sammlung im
Berliner Kunstgewerbe-Museum angefertigt wurden. Am Schlusse werde
ich dann die Herstellung der gewöhnlichen Marktwaare, sowie das Ver-
fahren beim Lackieren keramischer Producte kurz anführen.

Nach den früher erwähnten zwei Klassen japanischer Lackierer
unterscheiden wir Arbeiten des Nushi-ya und des Makiye-shi.

A. Arbeiten des Nushi-ya.
a) Vorarbeiten oder Grundierung, jap. Shita-ji, Togi-tate
und auch Naka-nuri-togi-tate genannt
.

1) Das Kokuso-o-kau oder Verkitten. Nachdem der vom
Schreiner fertiggestellte, geglättete Gegenstand in die Hände des
Lackierers gelangt ist, werden die Leimfurchen, hölzernen Nagelköpfe,
Astknoten und sonstige schadhafte Stellen mit Hülfe des Messers und
Hohlmeissels etwas ausgefalzt und die so entstandenen Gruben mit Kitt
ausgefüllt. Diesen Kitt oder Kokuso fertigt man wie folgt an: Reis-
kleister wird mit gleichviel Seshime-urushi innig gemengt, dann mit
fein zerhacktem Hanfbast, Charpie oder Watte zu einem möglichst gleich-

3. Lackindustrie.
beiden Enden in entgegengesetzter Richtung durchgepresst werden.
Gelindes Erwärmen vermehrt den Fluss und erleichtert diese Arbeit.

8) Nach fast jedem neuen Anstrich erfolgt, je nach der Natur des-
selben, Abreiben oder Polieren mit Polierstein, mit Kohle der Magnolia
hypoleuca oder gebranntem Hirschhorn (in den beiden ersten Fällen
natürlich unter Zurhülfenahme von Wasser), je nachdem diese Opera-
tion auf einen Grundierungsanstrich oder eine spätere Decke folgt.

9) Der sorgfältig lackierte, fertige Gegenstand darf in keiner Weise
die Beschaffenheit der Unterlage zeigen, muss frei von zufälligen Un-
ebenheiten, Rissen und Flecken sein, vollkommen spiegeln und darf
trocken, oder durch Berührung mit heissem Wasser erwärmt, sich nicht
verändern. Endlich muss die angehauchte Feuchtigkeit sich wie beim
polierten Stahl rasch und ringsum gleichmässig nach dem Centrum hin
zusammenziehen und verlieren.

Das japanische Lackierverfahren, welches ich nun in den
nachstehenden Spalten näher erläutern will, ist ebenso abweichend von
dem unsrigen, wie das in Anwendung kommende Material, doch keines-
wegs überall dasselbe, namentlich was die Grundierungsweise anlangt,
die nicht nur nach der Beschaffenheit der Unterlage, sondern auch mit
Rücksicht auf die Ausschmückung und den Werth des Gegenstandes
sehr verschieden sein kann. Es scheint mir indess geboten, hier erst
die bessere, sorgfältigere Behandlungsweise mit Holzunterlage vorzu-
führen, nach welcher die werthvolleren alten Lackwaaren und auch
die schon erwähnten Muster der von mir herrührenden Sammlung im
Berliner Kunstgewerbe-Museum angefertigt wurden. Am Schlusse werde
ich dann die Herstellung der gewöhnlichen Marktwaare, sowie das Ver-
fahren beim Lackieren keramischer Producte kurz anführen.

Nach den früher erwähnten zwei Klassen japanischer Lackierer
unterscheiden wir Arbeiten des Nushi-ya und des Makiye-shi.

A. Arbeiten des Nushi-ya.
a) Vorarbeiten oder Grundierung, jap. Shita-ji, Togi-tate
und auch Naka-nuri-togi-tate genannt
.

1) Das Kokuso-o-kau oder Verkitten. Nachdem der vom
Schreiner fertiggestellte, geglättete Gegenstand in die Hände des
Lackierers gelangt ist, werden die Leimfurchen, hölzernen Nagelköpfe,
Astknoten und sonstige schadhafte Stellen mit Hülfe des Messers und
Hohlmeissels etwas ausgefalzt und die so entstandenen Gruben mit Kitt
ausgefüllt. Diesen Kitt oder Kokuso fertigt man wie folgt an: Reis-
kleister wird mit gleichviel Seshime-urushi innig gemengt, dann mit
fein zerhacktem Hanfbast, Charpie oder Watte zu einem möglichst gleich-

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[423/0451] 3. Lackindustrie. beiden Enden in entgegengesetzter Richtung durchgepresst werden. Gelindes Erwärmen vermehrt den Fluss und erleichtert diese Arbeit. 8) Nach fast jedem neuen Anstrich erfolgt, je nach der Natur des- selben, Abreiben oder Polieren mit Polierstein, mit Kohle der Magnolia hypoleuca oder gebranntem Hirschhorn (in den beiden ersten Fällen natürlich unter Zurhülfenahme von Wasser), je nachdem diese Opera- tion auf einen Grundierungsanstrich oder eine spätere Decke folgt. 9) Der sorgfältig lackierte, fertige Gegenstand darf in keiner Weise die Beschaffenheit der Unterlage zeigen, muss frei von zufälligen Un- ebenheiten, Rissen und Flecken sein, vollkommen spiegeln und darf trocken, oder durch Berührung mit heissem Wasser erwärmt, sich nicht verändern. Endlich muss die angehauchte Feuchtigkeit sich wie beim polierten Stahl rasch und ringsum gleichmässig nach dem Centrum hin zusammenziehen und verlieren. Das japanische Lackierverfahren, welches ich nun in den nachstehenden Spalten näher erläutern will, ist ebenso abweichend von dem unsrigen, wie das in Anwendung kommende Material, doch keines- wegs überall dasselbe, namentlich was die Grundierungsweise anlangt, die nicht nur nach der Beschaffenheit der Unterlage, sondern auch mit Rücksicht auf die Ausschmückung und den Werth des Gegenstandes sehr verschieden sein kann. Es scheint mir indess geboten, hier erst die bessere, sorgfältigere Behandlungsweise mit Holzunterlage vorzu- führen, nach welcher die werthvolleren alten Lackwaaren und auch die schon erwähnten Muster der von mir herrührenden Sammlung im Berliner Kunstgewerbe-Museum angefertigt wurden. Am Schlusse werde ich dann die Herstellung der gewöhnlichen Marktwaare, sowie das Ver- fahren beim Lackieren keramischer Producte kurz anführen. Nach den früher erwähnten zwei Klassen japanischer Lackierer unterscheiden wir Arbeiten des Nushi-ya und des Makiye-shi. A. Arbeiten des Nushi-ya. a) Vorarbeiten oder Grundierung, jap. Shita-ji, Togi-tate und auch Naka-nuri-togi-tate genannt. 1) Das Kokuso-o-kau oder Verkitten. Nachdem der vom Schreiner fertiggestellte, geglättete Gegenstand in die Hände des Lackierers gelangt ist, werden die Leimfurchen, hölzernen Nagelköpfe, Astknoten und sonstige schadhafte Stellen mit Hülfe des Messers und Hohlmeissels etwas ausgefalzt und die so entstandenen Gruben mit Kitt ausgefüllt. Diesen Kitt oder Kokuso fertigt man wie folgt an: Reis- kleister wird mit gleichviel Seshime-urushi innig gemengt, dann mit fein zerhacktem Hanfbast, Charpie oder Watte zu einem möglichst gleich-

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 423. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/451>, abgerufen am 23.03.2019.