Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

Bild:
<< vorherige Seite

III. Kunstgewerbe und Verwandtes.
(bei Trochus die letzte Windung) werden auf mühsame Weise zu dün-
nen, durchsichtigen Platten geschliffen. Die Perlmutter-Platte wird
auf die Zeichnung gelegt und diese mit Tusche und Pinsel durchge-
paust. Hierauf trägt man mit dem Pinsel die mit heissem Leimwasser
angeriebenen Malerfarben (Berlinerblau, Gummigutt und für grün das
Gemisch beider, ferner Terra de Siena, Carmin, Safflor etc.), je nach-
dem es die Vorlage erfordert, auf die betreffenden Stellen der Perl-
mutterplatte auf. Nach dem Trocknen überdeckt man die angestriche-
nen Stellen mittelst Leimwasser mit Silberfolie, lässt abermals trocknen
und schneidet nun die auf der entgegengesetzten Seite der Perlmutter-
platte umrandeten Figuren (Blätter, Blumen etc.) mit den entsprechenden
durchscheinenden Farben mittelst scharfer Hohlmeissel aus. Sie werden
auf die matt-grundierten Vasen, Teller, Cabinette etc. geleimt. Hierauf
füllt man die tiefer gelegenen Zwischenräume mit schwarzem Lack
aus, streicht das ganze, einschliesslich der Perlmuttereinlage, zweimal
mit Transparentlack an, reibt, wenn nöthig, mit Kohle ab und poliert.
Die Silberunterlage wird angewandt, um die Farbenanstriche auf der
Unterseite der Perlmutter vor dem Lack zu schützen und mehr hervor-
zuheben; doch geschieht dies nur bei werthvolleren Arbeiten. Statt
Perlmutter kommt auch Einlage von Staniol vor, die natürlich anders
behandelt wird, und dann niemals Farbe und Glanz verliert.

B. Arbeiten des Makiye-shi.

Dieselben haben den Zweck, die Lackwaaren künstlerisch auszu-
schmücken, wobei namentlich die Verwendung von Gold- und Silber-
staub eine grosse Rolle spielt.

Die Darstellung eines Gemäldes oder sonstigen Kunstwerkes zu
beschreiben, hat bekanntlich seine grossen Schwierigkeiten; unmöglich
aber ist es eine Kunst durch Beschreibung zu lehren. Auch der Ma-
kiye-shi oder Goldlackmaler betreibt eine Kunst. Mit unverkenn-
barer natürlicher Anlage musste er eine lange Lehrzeit -- oft 8 bis
10 Jahre -- verbinden, bevor es ihm gelang, als Meister seines Faches
zu wirken und mit geübter Hand die künstlerischen Verzierungen zu
schaffen, deren vollendete Schönheit wir an manchem japanischen Lack-
gegenstande bewundern.

Aus diesen Gründen kann das Folgende nur eine kurze Angabe
des allgemeinen Ganges seiner Arbeiten und der bei denselben unge-
achtet ihrer grossen Verschiedenheit doch überall erkennbaren allge-
meinen Grundsätze sein, welche ihn dabei leiten. Was nun zunächst
die letzteren betrifft, so sind es ausser den bereits pg. 422 aufgestell-
ten und für alle Lackarbeiten geltenden Regeln vornehmlich folgende:

III. Kunstgewerbe und Verwandtes.
(bei Trochus die letzte Windung) werden auf mühsame Weise zu dün-
nen, durchsichtigen Platten geschliffen. Die Perlmutter-Platte wird
auf die Zeichnung gelegt und diese mit Tusche und Pinsel durchge-
paust. Hierauf trägt man mit dem Pinsel die mit heissem Leimwasser
angeriebenen Malerfarben (Berlinerblau, Gummigutt und für grün das
Gemisch beider, ferner Terra de Siena, Carmin, Safflor etc.), je nach-
dem es die Vorlage erfordert, auf die betreffenden Stellen der Perl-
mutterplatte auf. Nach dem Trocknen überdeckt man die angestriche-
nen Stellen mittelst Leimwasser mit Silberfolie, lässt abermals trocknen
und schneidet nun die auf der entgegengesetzten Seite der Perlmutter-
platte umrandeten Figuren (Blätter, Blumen etc.) mit den entsprechenden
durchscheinenden Farben mittelst scharfer Hohlmeissel aus. Sie werden
auf die matt-grundierten Vasen, Teller, Cabinette etc. geleimt. Hierauf
füllt man die tiefer gelegenen Zwischenräume mit schwarzem Lack
aus, streicht das ganze, einschliesslich der Perlmuttereinlage, zweimal
mit Transparentlack an, reibt, wenn nöthig, mit Kohle ab und poliert.
Die Silberunterlage wird angewandt, um die Farbenanstriche auf der
Unterseite der Perlmutter vor dem Lack zu schützen und mehr hervor-
zuheben; doch geschieht dies nur bei werthvolleren Arbeiten. Statt
Perlmutter kommt auch Einlage von Staniol vor, die natürlich anders
behandelt wird, und dann niemals Farbe und Glanz verliert.

B. Arbeiten des Makiye-shi.

Dieselben haben den Zweck, die Lackwaaren künstlerisch auszu-
schmücken, wobei namentlich die Verwendung von Gold- und Silber-
staub eine grosse Rolle spielt.

Die Darstellung eines Gemäldes oder sonstigen Kunstwerkes zu
beschreiben, hat bekanntlich seine grossen Schwierigkeiten; unmöglich
aber ist es eine Kunst durch Beschreibung zu lehren. Auch der Ma-
kiye-shi oder Goldlackmaler betreibt eine Kunst. Mit unverkenn-
barer natürlicher Anlage musste er eine lange Lehrzeit — oft 8 bis
10 Jahre — verbinden, bevor es ihm gelang, als Meister seines Faches
zu wirken und mit geübter Hand die künstlerischen Verzierungen zu
schaffen, deren vollendete Schönheit wir an manchem japanischen Lack-
gegenstande bewundern.

Aus diesen Gründen kann das Folgende nur eine kurze Angabe
des allgemeinen Ganges seiner Arbeiten und der bei denselben unge-
achtet ihrer grossen Verschiedenheit doch überall erkennbaren allge-
meinen Grundsätze sein, welche ihn dabei leiten. Was nun zunächst
die letzteren betrifft, so sind es ausser den bereits pg. 422 aufgestell-
ten und für alle Lackarbeiten geltenden Regeln vornehmlich folgende:

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <p><pb facs="#f0462" n="434"/><fw place="top" type="header">III. Kunstgewerbe und Verwandtes.</fw><lb/>
(bei Trochus die letzte Windung) werden auf mühsame Weise zu dün-<lb/>
nen, durchsichtigen Platten geschliffen. Die Perlmutter-Platte wird<lb/>
auf die Zeichnung gelegt und diese mit Tusche und Pinsel durchge-<lb/>
paust. Hierauf trägt man mit dem Pinsel die mit heissem Leimwasser<lb/>
angeriebenen Malerfarben (Berlinerblau, Gummigutt und für grün das<lb/>
Gemisch beider, ferner Terra de Siena, Carmin, Safflor etc.), je nach-<lb/>
dem es die Vorlage erfordert, auf die betreffenden Stellen der Perl-<lb/>
mutterplatte auf. Nach dem Trocknen überdeckt man die angestriche-<lb/>
nen Stellen mittelst Leimwasser mit Silberfolie, lässt abermals trocknen<lb/>
und schneidet nun die auf der entgegengesetzten Seite der Perlmutter-<lb/>
platte umrandeten Figuren (Blätter, Blumen etc.) mit den entsprechenden<lb/>
durchscheinenden Farben mittelst scharfer Hohlmeissel aus. Sie werden<lb/>
auf die matt-grundierten Vasen, Teller, Cabinette etc. geleimt. Hierauf<lb/>
füllt man die tiefer gelegenen Zwischenräume mit schwarzem Lack<lb/>
aus, streicht das ganze, einschliesslich der Perlmuttereinlage, zweimal<lb/>
mit Transparentlack an, reibt, wenn nöthig, mit Kohle ab und poliert.<lb/>
Die Silberunterlage wird angewandt, um die Farbenanstriche auf der<lb/>
Unterseite der Perlmutter vor dem Lack zu schützen und mehr hervor-<lb/>
zuheben; doch geschieht dies nur bei werthvolleren Arbeiten. Statt<lb/>
Perlmutter kommt auch Einlage von Staniol vor, die natürlich anders<lb/>
behandelt wird, und dann niemals Farbe und Glanz verliert.</p>
                </div>
              </div>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>B. <hi rendition="#g">Arbeiten des Makiye-shi</hi>.</head><lb/>
              <p>Dieselben haben den Zweck, die Lackwaaren künstlerisch auszu-<lb/>
schmücken, wobei namentlich die Verwendung von Gold- und Silber-<lb/>
staub eine grosse Rolle spielt.</p><lb/>
              <p>Die Darstellung eines Gemäldes oder sonstigen Kunstwerkes zu<lb/>
beschreiben, hat bekanntlich seine grossen Schwierigkeiten; unmöglich<lb/>
aber ist es eine Kunst durch Beschreibung zu lehren. Auch der Ma-<lb/>
kiye-shi oder Goldlackmaler betreibt eine Kunst. Mit unverkenn-<lb/>
barer natürlicher Anlage musste er eine lange Lehrzeit &#x2014; oft 8 bis<lb/>
10 Jahre &#x2014; verbinden, bevor es ihm gelang, als Meister seines Faches<lb/>
zu wirken und mit geübter Hand die künstlerischen Verzierungen zu<lb/>
schaffen, deren vollendete Schönheit wir an manchem japanischen Lack-<lb/>
gegenstande bewundern.</p><lb/>
              <p>Aus diesen Gründen kann das Folgende nur eine kurze Angabe<lb/>
des allgemeinen Ganges seiner Arbeiten und der bei denselben unge-<lb/>
achtet ihrer grossen Verschiedenheit doch überall erkennbaren allge-<lb/>
meinen Grundsätze sein, welche ihn dabei leiten. Was nun zunächst<lb/>
die letzteren betrifft, so sind es ausser den bereits pg. 422 aufgestell-<lb/>
ten und für alle Lackarbeiten geltenden Regeln vornehmlich folgende:</p><lb/>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[434/0462] III. Kunstgewerbe und Verwandtes. (bei Trochus die letzte Windung) werden auf mühsame Weise zu dün- nen, durchsichtigen Platten geschliffen. Die Perlmutter-Platte wird auf die Zeichnung gelegt und diese mit Tusche und Pinsel durchge- paust. Hierauf trägt man mit dem Pinsel die mit heissem Leimwasser angeriebenen Malerfarben (Berlinerblau, Gummigutt und für grün das Gemisch beider, ferner Terra de Siena, Carmin, Safflor etc.), je nach- dem es die Vorlage erfordert, auf die betreffenden Stellen der Perl- mutterplatte auf. Nach dem Trocknen überdeckt man die angestriche- nen Stellen mittelst Leimwasser mit Silberfolie, lässt abermals trocknen und schneidet nun die auf der entgegengesetzten Seite der Perlmutter- platte umrandeten Figuren (Blätter, Blumen etc.) mit den entsprechenden durchscheinenden Farben mittelst scharfer Hohlmeissel aus. Sie werden auf die matt-grundierten Vasen, Teller, Cabinette etc. geleimt. Hierauf füllt man die tiefer gelegenen Zwischenräume mit schwarzem Lack aus, streicht das ganze, einschliesslich der Perlmuttereinlage, zweimal mit Transparentlack an, reibt, wenn nöthig, mit Kohle ab und poliert. Die Silberunterlage wird angewandt, um die Farbenanstriche auf der Unterseite der Perlmutter vor dem Lack zu schützen und mehr hervor- zuheben; doch geschieht dies nur bei werthvolleren Arbeiten. Statt Perlmutter kommt auch Einlage von Staniol vor, die natürlich anders behandelt wird, und dann niemals Farbe und Glanz verliert. B. Arbeiten des Makiye-shi. Dieselben haben den Zweck, die Lackwaaren künstlerisch auszu- schmücken, wobei namentlich die Verwendung von Gold- und Silber- staub eine grosse Rolle spielt. Die Darstellung eines Gemäldes oder sonstigen Kunstwerkes zu beschreiben, hat bekanntlich seine grossen Schwierigkeiten; unmöglich aber ist es eine Kunst durch Beschreibung zu lehren. Auch der Ma- kiye-shi oder Goldlackmaler betreibt eine Kunst. Mit unverkenn- barer natürlicher Anlage musste er eine lange Lehrzeit — oft 8 bis 10 Jahre — verbinden, bevor es ihm gelang, als Meister seines Faches zu wirken und mit geübter Hand die künstlerischen Verzierungen zu schaffen, deren vollendete Schönheit wir an manchem japanischen Lack- gegenstande bewundern. Aus diesen Gründen kann das Folgende nur eine kurze Angabe des allgemeinen Ganges seiner Arbeiten und der bei denselben unge- achtet ihrer grossen Verschiedenheit doch überall erkennbaren allge- meinen Grundsätze sein, welche ihn dabei leiten. Was nun zunächst die letzteren betrifft, so sind es ausser den bereits pg. 422 aufgestell- ten und für alle Lackarbeiten geltenden Regeln vornehmlich folgende:

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/462
Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 434. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/462>, abgerufen am 19.03.2019.