Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rollenhagen, Gabriel: Vier Bücher Wunderbarlicher biß daher vnerhörter/ vnd vngleublicher Jndianischer reysen. Magdeburg, 1603.

Bild:
<< vorherige Seite

newer Phoenix/ der widerumb so lang lebe/ vnd was vom
Nest vorig ist/ in Panchaiam in der Sonnen stad auff den
Altar trage vnd opffere/ vnd hernach seines willens vmbflie-
ge. Iohannes de monteuilla hat diese Lügen/ noch auff eine an-
dere Manier/ das er sich in der Stad Heliopoli in Egypten/
auff der Sonnen Altar verbrenne. Mit diesem Phoenix
schmückt man gar herrlich des HErrn Christi vnd vnser Auf-
ferstehung. Vnd ist die allerzierlichste Osterlügen.

Denn wenn nur ein Mensch nicht gar in Aberwitz ge-
het/ kan er la Rechnung machen/ was das für ein Vogel
sey/ der sich sechz[e]hen hundert Jahr für dem anfang der
Welt zu erst verbrant hat. Vnd wo diese Wurtze gewachsen
sey zu seinem Nest/ ehe denn das Paradiß gepflantzet war.
Das ist recht eine vngereimte Lügen.

Darumb schreibt Plinius selbst. Hesiodus qui pri-
mus aliqua de hoc prodidit, fabulose vtreor. Er
fabulosius de Phoenice. lib. 7. cap. 48. Jtem. Alla-
tus est Phoenix in vrbem Claudij principis cen-
sura, anno vrbis octingentesimo & in comitio
propositus, quod actis testatum est. Sed quem fal-
sum esse nemo dubitauit. lib: 10. cap.
2.

Es meinen aber die Gelerten/ es sey nie ein Vogel ge-
wesen/ sey auch noch nicht/ des namens/ der gestalt oder werck.
Sondern es sey eine litera Hieroglyphica ein heiliger buch-
stab. Damit die Egyptier etwas haben lehren vnd bedeuten
wollen/ Wie sie des Himmels zwölff zeichen/ die Sternen
vnd die Planeten mahlen. Wie wir Thiere oder Jnstrument
Menner vnd Weiber. Nicht das solche ding im Himmel sein.
Sondern das man der Sternen bedeutung damit erkleren
könne.

Jtem.

newer Phœnix/ der widerumb ſo lang lebe/ vnd was vom
Neſt vorig iſt/ in Panchaiam in der Sonnen ſtad auff den
Altar trage vnd opffere/ vnd hernach ſeines willens vmbflie-
ge. Iohannes de monteuilla hat dieſe Luͤgē/ noch auff eine an-
dere Manier/ das er ſich in der Stad Heliopoli in Egypten/
auff der Sonnen Altar verbrenne. Mit dieſem Phœnix
ſchmuͤckt man gar herrlich des HErrn Chriſti vnd vnſer Auf-
ferſtehung. Vnd iſt die allerzierlichſte Oſterluͤgen.

Denn wenn nur ein Menſch nicht gar in Aberwitz ge-
het/ kan er la Rechnung machen/ was das fuͤr ein Vogel
ſey/ der ſich ſechz[e]hen hundert Jahr fuͤr dem anfang der
Welt zu erſt verbrant hat. Vnd wo dieſe Wurtze gewachſen
ſey zu ſeinem Neſt/ ehe denn das Paradiß gepflantzet war.
Das iſt recht eine vngereimte Luͤgen.

Darumb ſchreibt Plinius ſelbſt. Heſiodus qui pri-
mus aliqua de hoc prodidit, fabuloſe vtreor. Er
fabuloſius de Phœnice. lib. 7. cap. 48. Jtem. Alla-
tus eſt Phœnix in vrbem Claudij principis cen-
ſura, anno vrbis octingenteſimo & in comitio
propoſitus, quod actis teſtatum eſt. Sed quem fal-
ſum eſſe nemo dubitauit. lib: 10. cap.
2.

Es meinen aber die Gelerten/ es ſey nie ein Vogel ge-
weſen/ ſey auch noch nicht/ des namens/ der geſtalt oder werck.
Sondern es ſey eine litera Hieroglyphica ein heiliger buch-
ſtab. Damit die Egyptier etwas haben lehren vnd bedeuten
wollen/ Wie ſie des Himmels zwoͤlff zeichen/ die Sternen
vnd die Planeten mahlen. Wie wir Thiere oder Jnſtrument
Menner vnd Weiber. Nicht das ſolche ding im Himmel ſein.
Sondern das man der Sternen bedeutung damit erkleren
koͤnne.

Jtem.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0281" n="271"/>
newer <hi rendition="#aq">Ph&#x0153;nix/</hi> der widerumb &#x017F;o lang lebe/ vnd was vom<lb/>
Ne&#x017F;t vorig i&#x017F;t/ in <hi rendition="#aq">Panchaiam</hi> in der Sonnen &#x017F;tad auff den<lb/>
Altar trage vnd opffere/ vnd hernach &#x017F;eines willens vmbflie-<lb/>
ge. <hi rendition="#aq">Iohannes de monteuilla</hi> hat die&#x017F;e Lu&#x0364;ge&#x0304;/ noch auff eine an-<lb/>
dere Manier/ das er &#x017F;ich in der Stad <hi rendition="#aq">Heliopoli</hi> in Egypten/<lb/>
auff der Sonnen Altar verbrenne. Mit die&#x017F;em <hi rendition="#aq">Ph&#x0153;nix</hi><lb/>
&#x017F;chmu&#x0364;ckt man gar herrlich des HErrn Chri&#x017F;ti vnd vn&#x017F;er Auf-<lb/>
fer&#x017F;tehung. Vnd i&#x017F;t die allerzierlich&#x017F;te O&#x017F;terlu&#x0364;gen.</p><lb/>
          <p>Denn wenn nur ein Men&#x017F;ch nicht gar in Aberwitz ge-<lb/>
het/ kan er la Rechnung machen/ was das fu&#x0364;r ein Vogel<lb/>
&#x017F;ey/ der &#x017F;ich &#x017F;echz<supplied>e</supplied>hen hundert Jahr fu&#x0364;r dem anfang der<lb/>
Welt zu er&#x017F;t verbrant hat. Vnd wo die&#x017F;e Wurtze gewach&#x017F;en<lb/>
&#x017F;ey zu &#x017F;einem Ne&#x017F;t/ ehe denn das Paradiß gepflantzet war.<lb/>
Das i&#x017F;t recht eine vngereimte Lu&#x0364;gen.</p><lb/>
          <quote>Darumb &#x017F;chreibt <hi rendition="#aq">Plinius</hi> &#x017F;elb&#x017F;t. <hi rendition="#aq">He&#x017F;iodus qui pri-<lb/>
mus aliqua de hoc prodidit, fabulo&#x017F;e vtreor. Er<lb/>
fabulo&#x017F;ius de Ph&#x0153;nice. lib. 7. cap. 48. Jtem. Alla-<lb/>
tus e&#x017F;t Ph&#x0153;nix in vrbem Claudij principis cen-<lb/>
&#x017F;ura, anno vrbis octingente&#x017F;imo &amp; in comitio<lb/>
propo&#x017F;itus, quod actis te&#x017F;tatum e&#x017F;t. Sed quem fal-<lb/>
&#x017F;um e&#x017F;&#x017F;e nemo dubitauit. lib: 10. cap.</hi> 2.</quote><lb/>
          <p>Es meinen aber die Gelerten/ es &#x017F;ey nie ein Vogel ge-<lb/>
we&#x017F;en/ &#x017F;ey auch noch nicht/ des namens/ der ge&#x017F;talt oder werck.<lb/>
Sondern es &#x017F;ey eine <hi rendition="#aq">litera Hieroglyphica</hi> ein heiliger buch-<lb/>
&#x017F;tab. Damit die Egyptier etwas haben lehren vnd bedeuten<lb/>
wollen/ Wie &#x017F;ie des Himmels zwo&#x0364;lff zeichen/ die Sternen<lb/>
vnd die Planeten mahlen. Wie wir Thiere oder Jn&#x017F;trument<lb/>
Menner vnd Weiber. Nicht das &#x017F;olche ding im Himmel &#x017F;ein.<lb/>
Sondern das man der Sternen bedeutung damit erkleren<lb/>
ko&#x0364;nne.</p><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Jtem.</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[271/0281] newer Phœnix/ der widerumb ſo lang lebe/ vnd was vom Neſt vorig iſt/ in Panchaiam in der Sonnen ſtad auff den Altar trage vnd opffere/ vnd hernach ſeines willens vmbflie- ge. Iohannes de monteuilla hat dieſe Luͤgē/ noch auff eine an- dere Manier/ das er ſich in der Stad Heliopoli in Egypten/ auff der Sonnen Altar verbrenne. Mit dieſem Phœnix ſchmuͤckt man gar herrlich des HErrn Chriſti vnd vnſer Auf- ferſtehung. Vnd iſt die allerzierlichſte Oſterluͤgen. Denn wenn nur ein Menſch nicht gar in Aberwitz ge- het/ kan er la Rechnung machen/ was das fuͤr ein Vogel ſey/ der ſich ſechzehen hundert Jahr fuͤr dem anfang der Welt zu erſt verbrant hat. Vnd wo dieſe Wurtze gewachſen ſey zu ſeinem Neſt/ ehe denn das Paradiß gepflantzet war. Das iſt recht eine vngereimte Luͤgen. Darumb ſchreibt Plinius ſelbſt. Heſiodus qui pri- mus aliqua de hoc prodidit, fabuloſe vtreor. Er fabuloſius de Phœnice. lib. 7. cap. 48. Jtem. Alla- tus eſt Phœnix in vrbem Claudij principis cen- ſura, anno vrbis octingenteſimo & in comitio propoſitus, quod actis teſtatum eſt. Sed quem fal- ſum eſſe nemo dubitauit. lib: 10. cap. 2. Es meinen aber die Gelerten/ es ſey nie ein Vogel ge- weſen/ ſey auch noch nicht/ des namens/ der geſtalt oder werck. Sondern es ſey eine litera Hieroglyphica ein heiliger buch- ſtab. Damit die Egyptier etwas haben lehren vnd bedeuten wollen/ Wie ſie des Himmels zwoͤlff zeichen/ die Sternen vnd die Planeten mahlen. Wie wir Thiere oder Jnſtrument Menner vnd Weiber. Nicht das ſolche ding im Himmel ſein. Sondern das man der Sternen bedeutung damit erkleren koͤnne. Jtem.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/rollenhagen_reysen_1603
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/rollenhagen_reysen_1603/281
Zitationshilfe: Rollenhagen, Gabriel: Vier Bücher Wunderbarlicher biß daher vnerhörter/ vnd vngleublicher Jndianischer reysen. Magdeburg, 1603, S. 271. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rollenhagen_reysen_1603/281>, abgerufen am 19.01.2020.