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Rollenhagen, Gabriel: Vier Bücher Wunderbarlicher biß daher vnerhörter/ vnd vngleublicher Jndianischer reysen. Magdeburg, 1603.

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von des Sperlings kurtzen leben/ nicht darff für ein Euange-
lium halten. Denn er hat in vnserm Euangelio einen gewal-
eigen Bürgen/ das weder er noch einer seines Geschlechts vom
Tach fallen soll. Es sey denn der wille vnsers Vaters im Him-
mel.

Das letzte Capittel/ von der Krahe mit
frembden Federn gezieret.

ES schreibt auch der Poet Horatius lib. 1. Epistola-
rum ad Iulium Florum.
Es habe die Krahe gar sehr
verdrossen/ das man den Pfawen/ Holtzschreyer/
Specht/ Stiegelitz/ Rothschwentzlein etc. darumb in werden
hielt/ das sie wie die Fürsten/ schöne bund geferbte Kleider vnd
Federn hatten. Die Krahen aber/ wurden mit jhren einfelti-
gen schwartzgrawen Federn/ als die Bawren in jhren Paltrö-
cken veracht vnd verlacht. Derhalben rathschlaget sie/ wie sie
auch ehr vnd ansehen bekommen müge/ vnd lieset in den Hunds-
tagen alle schöne Federn zusamen/ die andere Vogel abwerf-
fen/ zeugt jhre aus der Haut/ vnd setzet die frembden hinein.
Vnd als sie nun mit jhrem schmuck gegen den Herbst/ vnd ge-
gen der Vogel auffzugk fertig wird. Findet sie sich an den
orth/ da die andern versamlet sein/ vnd sich mit einander letzen
wollen. Tritt prechtig herein/ macht eine wunderbarliche be-
redung/ als wens ein Jndianischer Papagoy were. Das sich
alle Vogel verwunderen/ wo der newe Phoenix herkom-
me.

Als sie aber den schmuck eigentlicher anschawen/ werden
sie gewahr/ das es eine schendliche Krahe sey/ vnd mit fremb-
den Federn sich gezieret habe. Vnd ein jeder Vogel fehrt zu/
vnd zeugt derselben die Federn aus/ die jhm gehören. Biß die
Krahe gar vnd gantz kahl/ von allen schimpfflich außgelacht/
vnd endlich/ weil sie nicht fliegen kan/ von den Eulen gefressen
wird.

Das
P p ij

von des Sperlings kurtzen leben/ nicht darff fuͤr ein Euange-
lium halten. Denn er hat in vnſerm Euangelio einen gewal-
eigen Buͤrgen/ das weder er noch einer ſeines Geſchlechts vom
Tach fallen ſoll. Es ſey denn der wille vnſers Vaters im Him-
mel.

Das letzte Capittel/ von der Krahe mit
frembden Federn gezieret.

ES ſchreibt auch der Poet Horatius lib. 1. Epiſtola-
rum ad Iulium Florum.
Es habe die Krahe gar ſehr
verdroſſen/ das man den Pfawen/ Holtzſchreyer/
Specht/ Stiegelitz/ Rothſchwentzlein etc. darumb in werden
hielt/ das ſie wie die Fuͤrſten/ ſchoͤne bund geferbte Kleider vnd
Federn hatten. Die Krahen aber/ wurden mit jhren einfelti-
gen ſchwartzgrawen Federn/ als die Bawren in jhren Paltroͤ-
cken veracht vnd verlacht. Derhalben rathſchlaget ſie/ wie ſie
auch ehr vnd anſehen bekom̃en muͤge/ vnd lieſet in den Hunds-
tagen alle ſchoͤne Federn zuſamen/ die andere Vogel abwerf-
fen/ zeugt jhre aus der Haut/ vnd ſetzet die frembden hinein.
Vnd als ſie nun mit jhrem ſchmuck gegen den Herbſt/ vnd ge-
gen der Vogel auffzugk fertig wird. Findet ſie ſich an den
orth/ da die andern verſamlet ſein/ vnd ſich mit einander letzen
wollen. Tritt prechtig herein/ macht eine wunderbarliche be-
redung/ als wens ein Jndianiſcher Papagoy were. Das ſich
alle Vogel verwunderen/ wo der newe Phœnix herkom-
me.

Als ſie aber den ſchmuck eigentlicher anſchawen/ werden
ſie gewahr/ das es eine ſchendliche Krahe ſey/ vnd mit fremb-
den Federn ſich gezieret habe. Vnd ein jeder Vogel fehrt zu/
vnd zeugt derſelben die Federn aus/ die jhm gehoͤren. Biß die
Krahe gar vnd gantz kahl/ von allen ſchimpfflich außgelacht/
vnd endlich/ weil ſie nicht fliegen kan/ von den Eulen gefreſſen
wird.

Das
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[291/0301] von des Sperlings kurtzen leben/ nicht darff fuͤr ein Euange- lium halten. Denn er hat in vnſerm Euangelio einen gewal- eigen Buͤrgen/ das weder er noch einer ſeines Geſchlechts vom Tach fallen ſoll. Es ſey denn der wille vnſers Vaters im Him- mel. Das letzte Capittel/ von der Krahe mit frembden Federn gezieret. ES ſchreibt auch der Poet Horatius lib. 1. Epiſtola- rum ad Iulium Florum. Es habe die Krahe gar ſehr verdroſſen/ das man den Pfawen/ Holtzſchreyer/ Specht/ Stiegelitz/ Rothſchwentzlein etc. darumb in werden hielt/ das ſie wie die Fuͤrſten/ ſchoͤne bund geferbte Kleider vnd Federn hatten. Die Krahen aber/ wurden mit jhren einfelti- gen ſchwartzgrawen Federn/ als die Bawren in jhren Paltroͤ- cken veracht vnd verlacht. Derhalben rathſchlaget ſie/ wie ſie auch ehr vnd anſehen bekom̃en muͤge/ vnd lieſet in den Hunds- tagen alle ſchoͤne Federn zuſamen/ die andere Vogel abwerf- fen/ zeugt jhre aus der Haut/ vnd ſetzet die frembden hinein. Vnd als ſie nun mit jhrem ſchmuck gegen den Herbſt/ vnd ge- gen der Vogel auffzugk fertig wird. Findet ſie ſich an den orth/ da die andern verſamlet ſein/ vnd ſich mit einander letzen wollen. Tritt prechtig herein/ macht eine wunderbarliche be- redung/ als wens ein Jndianiſcher Papagoy were. Das ſich alle Vogel verwunderen/ wo der newe Phœnix herkom- me. Als ſie aber den ſchmuck eigentlicher anſchawen/ werden ſie gewahr/ das es eine ſchendliche Krahe ſey/ vnd mit fremb- den Federn ſich gezieret habe. Vnd ein jeder Vogel fehrt zu/ vnd zeugt derſelben die Federn aus/ die jhm gehoͤren. Biß die Krahe gar vnd gantz kahl/ von allen ſchimpfflich außgelacht/ vnd endlich/ weil ſie nicht fliegen kan/ von den Eulen gefreſſen wird. Das P p ij

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Zitationshilfe: Rollenhagen, Gabriel: Vier Bücher Wunderbarlicher biß daher vnerhörter/ vnd vngleublicher Jndianischer reysen. Magdeburg, 1603, S. 291. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rollenhagen_reysen_1603/301>, abgerufen am 17.11.2019.