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Gustav Rose: Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meere. Band 1. Berlin, 1837.

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Den 31sten kamen wir nach dem Dorfe Kotkowa, N002
in welchem die Krankheit schon etwas nachgelassen N003
hatte, und wir daher gern wieder zu unsern frühern Ein- N004
richtungen übergingen. Wenngleich wir und beson- N005
ders unsere Leute nicht durchgängig unsere Vorsätze N006
ausgeführt hatten, so war bei der Hitze des Tages N007
das enge Beisammensein im Wagen und die Ent- N008
behrung aller gewöhnlichen Bequemlichkeiten doch N009
von grosser Beschwerde gewesen. Wir hatten schon N010
auf der vorigen Station die Strasse nach Tomsk ver- N011
lassen, und uns in südöstlicher Richtung dem Ob ge- N012
nähert. Mit diesem hörte auch die Barabinskische N013
Steppe und zugleich auch die letzte Spur der Pest N014
auf. Nach der folgenden Station, einem kleinen N015
Dorfe mit elenden schmutzigen Häusern, gelangten wir N016
durch einen schönen Birkenwald, hinter welchem N017
der Weg sich senkte, und wir eine weite Aussicht N018
auf den Ob hatten. Wir fuhren noch eine Strecke N019
auf der schönen kräuterreichen Wiese entlang, die N020
das linke Ufer des Ob bildete, und setzten dann über N021
denselben bei der kleinen Stadt Bergsk, die jenseits des N022
breiten Stroms, auf hohem Ufer und umgeben von N023
dichter Fichtenwaldung malerisch daliegt. Wenngleich N024
das rechte Ufer des Stromes hoch ist, so ist das Bette N025
desselben an dieser Seite doch so flach, dass man N026
mehrere hundert Schritt hineingehn kann, ohne eine N027
grössere Tiefe als etwa 4 Fuss zu erreichen; es ist N028
steinigt, auf dem Grunde liegen eckige Stücke von N029
Thonschiefer und grauem dichten Kalkstein. Die N030
Breite des Stroms ist indessen sehr bedeutend und N031
mag die des Irtysch bei Tobolsk wohl um ein be- N032
deutendes übersteigen.

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Bergsk liegt am Ende eines grossen nach We- N002
sten gekrümmten Bogens, den der Ob von Barnaul N003
aus beschreibt. Der Weg schneidet diesen Bogen N004
ab, und führt meist durch dichte Fichtenwaldung, in N005
welcher von Zeit zu Zeit die Dörfer, welche die Sta-

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Den 31sten kamen wir nach dem Dorfe Kotkowa, N002
in welchem die Krankheit schon etwas nachgelassen N003
hatte, und wir daher gern wieder zu unsern frühern Ein- N004
richtungen übergingen. Wenngleich wir und beson- N005
ders unsere Leute nicht durchgängig unsere Vorsätze N006
ausgeführt hatten, so war bei der Hitze des Tages N007
das enge Beisammensein im Wagen und die Ent- N008
behrung aller gewöhnlichen Bequemlichkeiten doch N009
von grosser Beschwerde gewesen. Wir hatten schon N010
auf der vorigen Station die Strasse nach Tomsk ver- N011
lassen, und uns in südöstlicher Richtung dem Ob ge- N012
nähert. Mit diesem hörte auch die Barabinskische N013
Steppe und zugleich auch die letzte Spur der Pest N014
auf. Nach der folgenden Station, einem kleinen N015
Dorfe mit elenden schmutzigen Häusern, gelangten wir N016
durch einen schönen Birkenwald, hinter welchem N017
der Weg sich senkte, und wir eine weite Aussicht N018
auf den Ob hatten. Wir fuhren noch eine Strecke N019
auf der schönen kräuterreichen Wiese entlang, die N020
das linke Ufer des Ob bildete, und setzten dann über N021
denselben bei der kleinen Stadt Bergsk, die jenseits des N022
breiten Stroms, auf hohem Ufer und umgeben von N023
dichter Fichtenwaldung malerisch daliegt. Wenngleich N024
das rechte Ufer des Stromes hoch ist, so ist das Bette N025
desselben an dieser Seite doch so flach, dass man N026
mehrere hundert Schritt hineingehn kann, ohne eine N027
grössere Tiefe als etwa 4 Fuss zu erreichen; es ist N028
steinigt, auf dem Grunde liegen eckige Stücke von N029
Thonschiefer und grauem dichten Kalkstein. Die N030
Breite des Stroms ist indessen sehr bedeutend und N031
mag die des Irtysch bei Tobolsk wohl um ein be- N032
deutendes übersteigen.

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Bergsk liegt am Ende eines grossen nach We- N002
sten gekrümmten Bogens, den der Ob von Barnaul N003
aus beschreibt. Der Weg schneidet diesen Bogen N004
ab, und führt meist durch dichte Fichtenwaldung, in N005
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[501/0535] N001 Den 31sten kamen wir nach dem Dorfe Kotkowa, N002 in welchem die Krankheit schon etwas nachgelassen N003 hatte, und wir daher gern wieder zu unsern frühern Ein- N004 richtungen übergingen. Wenngleich wir und beson- N005 ders unsere Leute nicht durchgängig unsere Vorsätze N006 ausgeführt hatten, so war bei der Hitze des Tages N007 das enge Beisammensein im Wagen und die Ent- N008 behrung aller gewöhnlichen Bequemlichkeiten doch N009 von grosser Beschwerde gewesen. Wir hatten schon N010 auf der vorigen Station die Strasse nach Tomsk ver- N011 lassen, und uns in südöstlicher Richtung dem Ob ge- N012 nähert. Mit diesem hörte auch die Barabinskische N013 Steppe und zugleich auch die letzte Spur der Pest N014 auf. Nach der folgenden Station, einem kleinen N015 Dorfe mit elenden schmutzigen Häusern, gelangten wir N016 durch einen schönen Birkenwald, hinter welchem N017 der Weg sich senkte, und wir eine weite Aussicht N018 auf den Ob hatten. Wir fuhren noch eine Strecke N019 auf der schönen kräuterreichen Wiese entlang, die N020 das linke Ufer des Ob bildete, und setzten dann über N021 denselben bei der kleinen Stadt Bergsk, die jenseits des N022 breiten Stroms, auf hohem Ufer und umgeben von N023 dichter Fichtenwaldung malerisch daliegt. Wenngleich N024 das rechte Ufer des Stromes hoch ist, so ist das Bette N025 desselben an dieser Seite doch so flach, dass man N026 mehrere hundert Schritt hineingehn kann, ohne eine N027 grössere Tiefe als etwa 4 Fuss zu erreichen; es ist N028 steinigt, auf dem Grunde liegen eckige Stücke von N029 Thonschiefer und grauem dichten Kalkstein. Die N030 Breite des Stroms ist indessen sehr bedeutend und N031 mag die des Irtysch bei Tobolsk wohl um ein be- N032 deutendes übersteigen. N001 Bergsk liegt am Ende eines grossen nach We- N002 sten gekrümmten Bogens, den der Ob von Barnaul N003 aus beschreibt. Der Weg schneidet diesen Bogen N004 ab, und führt meist durch dichte Fichtenwaldung, in N005 welcher von Zeit zu Zeit die Dörfer, welche die Sta-

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Zitationshilfe: Gustav Rose: Reise nach dem Ural, dem Altai und dem Kaspischen Meere. Band 1. Berlin, 1837, S. 501. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rose_ural01_1837/535>, abgerufen am 08.07.2020.