Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 1. Leipzig, 1836.

Bild:
<< vorherige Seite
Wohn' auf bebautem Feld, wo, was man pflanzte, sprießt,
In Fülle, die sie schafft, die Arbeit sich genießt.
Wohn' in belebter Stadt, wo eins das andre regt,
Bild' und laß bilden dich, bewegend und bewegt.
Wohn' in der Wüste, wo Natur- und Menschenweben
Dich beides nicht berührt, um dir und Gott zu leben.
Wo du auch wohnen magst, da kannst du seyn und bleiben
Ein Mensch, und Menschliches so oder anders treiben.

15.
Was deinem innern Trieb ist angemessen, treibe,
Nur daß fein auch der Trieb ein angemeßner bleibe!
Und was du liebend treibst, laß dir das Höchste gelten,
Ohn' anderstreibende misliebig drum zu schelten.
Sei doch in jeder Art ein Höchstes offenbart;
Du offenbare dein Höchstes in deiner Art!

Wohn' auf bebautem Feld, wo, was man pflanzte, ſprießt,
In Fuͤlle, die ſie ſchafft, die Arbeit ſich genießt.
Wohn' in belebter Stadt, wo eins das andre regt,
Bild' und laß bilden dich, bewegend und bewegt.
Wohn' in der Wuͤſte, wo Natur- und Menſchenweben
Dich beides nicht beruͤhrt, um dir und Gott zu leben.
Wo du auch wohnen magſt, da kannſt du ſeyn und bleiben
Ein Menſch, und Menſchliches ſo oder anders treiben.

15.
Was deinem innern Trieb iſt angemeſſen, treibe,
Nur daß fein auch der Trieb ein angemeßner bleibe!
Und was du liebend treibſt, laß dir das Hoͤchſte gelten,
Ohn' anderstreibende misliebig drum zu ſchelten.
Sei doch in jeder Art ein Hoͤchſtes offenbart;
Du offenbare dein Hoͤchſtes in deiner Art!

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <pb facs="#f0154" n="144"/>
            <lg n="3">
              <l>Wohn' auf bebautem Feld, wo, was man pflanzte, &#x017F;prießt,</l><lb/>
              <l>In Fu&#x0364;lle, die &#x017F;ie &#x017F;chafft, die Arbeit &#x017F;ich genießt.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="4">
              <l>Wohn' in belebter Stadt, wo eins das andre regt,</l><lb/>
              <l>Bild' und laß bilden dich, bewegend und bewegt.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="5">
              <l>Wohn' in der Wu&#x0364;&#x017F;te, wo Natur- und Men&#x017F;chenweben</l><lb/>
              <l>Dich beides nicht beru&#x0364;hrt, um dir und Gott zu leben.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="6">
              <l>Wo du auch wohnen mag&#x017F;t, da kann&#x017F;t du &#x017F;eyn und bleiben</l><lb/>
              <l>Ein Men&#x017F;ch, und Men&#x017F;chliches &#x017F;o oder anders treiben.</l>
            </lg><lb/>
          </lg>
        </div>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <head>15.</head><lb/>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l>Was deinem innern Trieb i&#x017F;t angeme&#x017F;&#x017F;en, treibe,</l><lb/>
              <l>Nur daß fein auch der Trieb ein angemeßner bleibe!</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="2">
              <l>Und was du liebend treib&#x017F;t, laß dir das Ho&#x0364;ch&#x017F;te gelten,</l><lb/>
              <l>Ohn' anderstreibende misliebig drum zu &#x017F;chelten.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="3">
              <l>Sei doch in jeder Art ein Ho&#x0364;ch&#x017F;tes offenbart;</l><lb/>
              <l>Du offenbare dein Ho&#x0364;ch&#x017F;tes in deiner Art!</l>
            </lg><lb/>
          </lg>
        </div>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[144/0154] Wohn' auf bebautem Feld, wo, was man pflanzte, ſprießt, In Fuͤlle, die ſie ſchafft, die Arbeit ſich genießt. Wohn' in belebter Stadt, wo eins das andre regt, Bild' und laß bilden dich, bewegend und bewegt. Wohn' in der Wuͤſte, wo Natur- und Menſchenweben Dich beides nicht beruͤhrt, um dir und Gott zu leben. Wo du auch wohnen magſt, da kannſt du ſeyn und bleiben Ein Menſch, und Menſchliches ſo oder anders treiben. 15. Was deinem innern Trieb iſt angemeſſen, treibe, Nur daß fein auch der Trieb ein angemeßner bleibe! Und was du liebend treibſt, laß dir das Hoͤchſte gelten, Ohn' anderstreibende misliebig drum zu ſchelten. Sei doch in jeder Art ein Hoͤchſtes offenbart; Du offenbare dein Hoͤchſtes in deiner Art!

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane01_1836
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane01_1836/154
Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 1. Leipzig, 1836, S. 144. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane01_1836/154>, abgerufen am 26.09.2018.