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Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 1. Leipzig, 1836.

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56.
Ihr Hügel, unter die ich legte meine Lieben,
Nicht ganz verlor ich sie, denn ihr seid mir geblieben.
Was ist des Todes Macht? da Blumen sanfter Pracht
Mir nun an Orten blühn, wo ich es nie gedacht.
Was ist das ich verlor? wenn solch ein Liebesflor
Nun eine Stelle schmückt, mir öd' und leer zuvor.

57.
Nicht wachsen siehest du, wie aufmerksam du bist,
Das Gras, doch merkst du bald, daß es gewachsen ist.
So tröste dich, wo gleich nicht das Gedeihn erschien
Von jedem Werk, zuletzt auf einmal ists gediehn.

56.
Ihr Huͤgel, unter die ich legte meine Lieben,
Nicht ganz verlor ich ſie, denn ihr ſeid mir geblieben.
Was iſt des Todes Macht? da Blumen ſanfter Pracht
Mir nun an Orten bluͤhn, wo ich es nie gedacht.
Was iſt das ich verlor? wenn ſolch ein Liebesflor
Nun eine Stelle ſchmuͤckt, mir oͤd' und leer zuvor.

57.
Nicht wachſen ſieheſt du, wie aufmerkſam du biſt,
Das Gras, doch merkſt du bald, daß es gewachſen iſt.
So troͤſte dich, wo gleich nicht das Gedeihn erſchien
Von jedem Werk, zuletzt auf einmal iſts gediehn.

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[176/0186] 56. Ihr Huͤgel, unter die ich legte meine Lieben, Nicht ganz verlor ich ſie, denn ihr ſeid mir geblieben. Was iſt des Todes Macht? da Blumen ſanfter Pracht Mir nun an Orten bluͤhn, wo ich es nie gedacht. Was iſt das ich verlor? wenn ſolch ein Liebesflor Nun eine Stelle ſchmuͤckt, mir oͤd' und leer zuvor. 57. Nicht wachſen ſieheſt du, wie aufmerkſam du biſt, Das Gras, doch merkſt du bald, daß es gewachſen iſt. So troͤſte dich, wo gleich nicht das Gedeihn erſchien Von jedem Werk, zuletzt auf einmal iſts gediehn.

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Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 1. Leipzig, 1836, S. 176. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane01_1836/186>, abgerufen am 26.09.2018.