Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. Leipzig, 1837.

Bild:
<< vorherige Seite
108.
Was ist es, daß du sagst: es hat mich dieses heut,
Und gestern jenes mich, und neulich das gefreut!
Wie du dich, armes Herz, mit deinen Freuden quälst,
Wenn du die einzelnen zusammenrechnend zählst!
Die Freude kennst du nicht, wenn du nur Freuden kennest;
Dir fehlt das ganze Licht, wenn du's in Stralen trennest.
Aus all den Freudchen flichst du keinen Freudenkranz;
Denn eh das eine blüht, verwelkt des andern Glanz.
Dir frommt auf kurze Rast nicht mancher Freudengast,
Wenn du nicht Freudendaur im Hause wohnen hast.

108.
Was iſt es, daß du ſagſt: es hat mich dieſes heut,
Und geſtern jenes mich, und neulich das gefreut!
Wie du dich, armes Herz, mit deinen Freuden quaͤlſt,
Wenn du die einzelnen zuſammenrechnend zaͤhlſt!
Die Freude kennſt du nicht, wenn du nur Freuden kenneſt;
Dir fehlt das ganze Licht, wenn du's in Stralen trenneſt.
Aus all den Freudchen flichſt du keinen Freudenkranz;
Denn eh das eine bluͤht, verwelkt des andern Glanz.
Dir frommt auf kurze Raſt nicht mancher Freudengaſt,
Wenn du nicht Freudendaur im Hauſe wohnen haſt.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0211" n="201"/>
        <div n="2">
          <head>108.</head><lb/>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l>Was i&#x017F;t es, daß du &#x017F;ag&#x017F;t: es hat mich die&#x017F;es heut,</l><lb/>
              <l>Und ge&#x017F;tern jenes mich, und neulich das gefreut!</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="2">
              <l>Wie du dich, armes Herz, mit deinen Freuden qua&#x0364;l&#x017F;t,</l><lb/>
              <l>Wenn du die einzelnen zu&#x017F;ammenrechnend za&#x0364;hl&#x017F;t!</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="3">
              <l>Die Freude kenn&#x017F;t du nicht, wenn du nur Freuden kenne&#x017F;t;</l><lb/>
              <l>Dir fehlt das ganze Licht, wenn du's in Stralen trenne&#x017F;t.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="4">
              <l>Aus all den Freudchen flich&#x017F;t du keinen Freudenkranz;</l><lb/>
              <l>Denn eh das eine blu&#x0364;ht, verwelkt des andern Glanz.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="5">
              <l>Dir frommt auf kurze Ra&#x017F;t nicht mancher Freudenga&#x017F;t,</l><lb/>
              <l>Wenn du nicht Freudendaur im Hau&#x017F;e wohnen ha&#x017F;t.</l>
            </lg><lb/>
          </lg>
        </div>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[201/0211] 108. Was iſt es, daß du ſagſt: es hat mich dieſes heut, Und geſtern jenes mich, und neulich das gefreut! Wie du dich, armes Herz, mit deinen Freuden quaͤlſt, Wenn du die einzelnen zuſammenrechnend zaͤhlſt! Die Freude kennſt du nicht, wenn du nur Freuden kenneſt; Dir fehlt das ganze Licht, wenn du's in Stralen trenneſt. Aus all den Freudchen flichſt du keinen Freudenkranz; Denn eh das eine bluͤht, verwelkt des andern Glanz. Dir frommt auf kurze Raſt nicht mancher Freudengaſt, Wenn du nicht Freudendaur im Hauſe wohnen haſt.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane03_1837
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane03_1837/211
Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. Leipzig, 1837, S. 201. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane03_1837/211>, abgerufen am 22.09.2018.