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Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. Leipzig, 1837.

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120.
Was knistert neben mir und stört mein einsam Denken,
Vom Sinnen ab den Sinn aufs Sinnliche zu lenken?
Ist es die Schlange wol, die sich im Grase rührt,
Die Schlange die zuerst den Menschen hat verführt?
Doch als ich um mich sah, war es ein grasend Lamm,
Und ruhig dacht' ich fort, gelehnt an meinen Stamm.

121.
In Waldeseinsamkeit, von Wurzeln und von Wasser
Sich nährend, lebt ein Mann, und heißt ein Menschenhasser.
Den fragt' ein Wandrer einst: Was trieb dich an zu hassen
Die Menschen, und warum hast du die Welt verlassen?
120.
Was kniſtert neben mir und ſtoͤrt mein einſam Denken,
Vom Sinnen ab den Sinn aufs Sinnliche zu lenken?
Iſt es die Schlange wol, die ſich im Graſe ruͤhrt,
Die Schlange die zuerſt den Menſchen hat verfuͤhrt?
Doch als ich um mich ſah, war es ein graſend Lamm,
Und ruhig dacht' ich fort, gelehnt an meinen Stamm.

121.
In Waldeseinſamkeit, von Wurzeln und von Waſſer
Sich naͤhrend, lebt ein Mann, und heißt ein Menſchenhaſſer.
Den fragt' ein Wandrer einſt: Was trieb dich an zu haſſen
Die Menſchen, und warum haſt du die Welt verlaſſen?
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[213/0223] 120. Was kniſtert neben mir und ſtoͤrt mein einſam Denken, Vom Sinnen ab den Sinn aufs Sinnliche zu lenken? Iſt es die Schlange wol, die ſich im Graſe ruͤhrt, Die Schlange die zuerſt den Menſchen hat verfuͤhrt? Doch als ich um mich ſah, war es ein graſend Lamm, Und ruhig dacht' ich fort, gelehnt an meinen Stamm. 121. In Waldeseinſamkeit, von Wurzeln und von Waſſer Sich naͤhrend, lebt ein Mann, und heißt ein Menſchenhaſſer. Den fragt' ein Wandrer einſt: Was trieb dich an zu haſſen Die Menſchen, und warum haſt du die Welt verlaſſen?

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Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. Leipzig, 1837. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane03_1837/223>, S. 213, abgerufen am 23.09.2017.