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Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. Leipzig, 1837.

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79.
Der Gärtnerbursche will zu seines Herrn Ergetzen
Die Pflanz' aus schlechtem Grund in bessern Boden setzen.
Da zieht er sie heraus ganz mit dem Wurzelknollen,
Und schüttelt, daß herab die Erdentheilchen rollen.
Denn in den guten Grund, worein sie nun soll kommen,
Soll aus dem schlechten nichts herüber seyn genommen.
Der Gärtner siehts und spricht: Sei nur zu strenge nicht;
Laß hängen, was zu fest der Wurzel sich verflicht.
Der gute Boden wird das schlechte schon verzehren,
Du aber würdest ihr die Wurzel nur versehren.

79.
Der Gaͤrtnerburſche will zu ſeines Herrn Ergetzen
Die Pflanz' aus ſchlechtem Grund in beſſern Boden ſetzen.
Da zieht er ſie heraus ganz mit dem Wurzelknollen,
Und ſchuͤttelt, daß herab die Erdentheilchen rollen.
Denn in den guten Grund, worein ſie nun ſoll kommen,
Soll aus dem ſchlechten nichts heruͤber ſeyn genommen.
Der Gaͤrtner ſiehts und ſpricht: Sei nur zu ſtrenge nicht;
Laß haͤngen, was zu feſt der Wurzel ſich verflicht.
Der gute Boden wird das ſchlechte ſchon verzehren,
Du aber wuͤrdeſt ihr die Wurzel nur verſehren.

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[70/0080] 79. Der Gaͤrtnerburſche will zu ſeines Herrn Ergetzen Die Pflanz' aus ſchlechtem Grund in beſſern Boden ſetzen. Da zieht er ſie heraus ganz mit dem Wurzelknollen, Und ſchuͤttelt, daß herab die Erdentheilchen rollen. Denn in den guten Grund, worein ſie nun ſoll kommen, Soll aus dem ſchlechten nichts heruͤber ſeyn genommen. Der Gaͤrtner ſiehts und ſpricht: Sei nur zu ſtrenge nicht; Laß haͤngen, was zu feſt der Wurzel ſich verflicht. Der gute Boden wird das ſchlechte ſchon verzehren, Du aber wuͤrdeſt ihr die Wurzel nur verſehren.

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Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. Leipzig, 1837. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane03_1837/80>, S. 70, abgerufen am 21.09.2017.