Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. Leipzig, 1837.

Bild:
<< vorherige Seite
Damit sie merken, daß nicht ihnen Heg und Pfleg
Entzogen sei; wonicht, so fliegen sie dir weg. --
Du sprichst: Und lehrest du mich solchen Aberglauben?
Das nicht; doch will ich dir unschuldigen erlauben.

88.
Man sagt: der Donner rollt, wann auf unreine Geister
Der Lüfte reiner grollt und wird im Kampf ihr Meister.
Der Blitz ist sein Geschoß, geschleudert aufs Gezüchte,
Das zitternd sucht, wohin vor seinem Grimm es flüchte.
Wohin es nehmen mag die Flucht zu Schlucht und Schluft,
In jedem Schlupf erreichts der schnelle Geist der Luft.
Drum, wenn du bist im Haus, steh nicht am Fenster offen;
Sie könnten sich herein vor ihm zu retten hoffen.
Und wenn du bist im Feld, steh auch nicht unterm Baum;
Dort bergen könnten die Verfolgten sich im Raum.
Nur, stille wo du bist, bleib, bis sie ausgekriegt;
Bald die unreinen hat der reine Geist besiegt.

Damit ſie merken, daß nicht ihnen Heg und Pfleg
Entzogen ſei; wonicht, ſo fliegen ſie dir weg. —
Du ſprichſt: Und lehreſt du mich ſolchen Aberglauben?
Das nicht; doch will ich dir unſchuldigen erlauben.

88.
Man ſagt: der Donner rollt, wann auf unreine Geiſter
Der Luͤfte reiner grollt und wird im Kampf ihr Meiſter.
Der Blitz iſt ſein Geſchoß, geſchleudert aufs Gezuͤchte,
Das zitternd ſucht, wohin vor ſeinem Grimm es fluͤchte.
Wohin es nehmen mag die Flucht zu Schlucht und Schluft,
In jedem Schlupf erreichts der ſchnelle Geiſt der Luft.
Drum, wenn du biſt im Haus, ſteh nicht am Fenſter offen;
Sie koͤnnten ſich herein vor ihm zu retten hoffen.
Und wenn du biſt im Feld, ſteh auch nicht unterm Baum;
Dort bergen koͤnnten die Verfolgten ſich im Raum.
Nur, ſtille wo du biſt, bleib, bis ſie ausgekriegt;
Bald die unreinen hat der reine Geiſt beſiegt.

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <lg type="poem">
            <pb facs="#f0088" n="78"/>
            <lg n="4">
              <l>Damit &#x017F;ie merken, daß nicht ihnen Heg und Pfleg</l><lb/>
              <l>Entzogen &#x017F;ei; wonicht, &#x017F;o fliegen &#x017F;ie dir weg. &#x2014;</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="5">
              <l>Du &#x017F;prich&#x017F;t: Und lehre&#x017F;t du mich &#x017F;olchen Aberglauben?</l><lb/>
              <l>Das nicht; doch will ich dir un&#x017F;chuldigen erlauben.</l>
            </lg><lb/>
          </lg>
        </div>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <div n="2">
          <head>88.</head><lb/>
          <lg type="poem">
            <lg n="1">
              <l>Man &#x017F;agt: der Donner rollt, wann auf unreine Gei&#x017F;ter</l><lb/>
              <l>Der Lu&#x0364;fte reiner grollt und wird im Kampf ihr Mei&#x017F;ter.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="2">
              <l>Der Blitz i&#x017F;t &#x017F;ein Ge&#x017F;choß, ge&#x017F;chleudert aufs Gezu&#x0364;chte,</l><lb/>
              <l>Das zitternd &#x017F;ucht, wohin vor &#x017F;einem Grimm es flu&#x0364;chte.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="3">
              <l>Wohin es nehmen mag die Flucht zu Schlucht und Schluft,</l><lb/>
              <l>In jedem Schlupf erreichts der &#x017F;chnelle Gei&#x017F;t der Luft.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="4">
              <l>Drum, wenn du bi&#x017F;t im Haus, &#x017F;teh nicht am Fen&#x017F;ter offen;</l><lb/>
              <l>Sie ko&#x0364;nnten &#x017F;ich herein vor ihm zu retten hoffen.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="5">
              <l>Und wenn du bi&#x017F;t im Feld, &#x017F;teh auch nicht unterm Baum;</l><lb/>
              <l>Dort bergen ko&#x0364;nnten die Verfolgten &#x017F;ich im Raum.</l>
            </lg><lb/>
            <lg n="6">
              <l>Nur, &#x017F;tille wo du bi&#x017F;t, bleib, bis &#x017F;ie ausgekriegt;</l><lb/>
              <l>Bald die unreinen hat der reine Gei&#x017F;t be&#x017F;iegt.</l>
            </lg><lb/>
          </lg>
        </div>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[78/0088] Damit ſie merken, daß nicht ihnen Heg und Pfleg Entzogen ſei; wonicht, ſo fliegen ſie dir weg. — Du ſprichſt: Und lehreſt du mich ſolchen Aberglauben? Das nicht; doch will ich dir unſchuldigen erlauben. 88. Man ſagt: der Donner rollt, wann auf unreine Geiſter Der Luͤfte reiner grollt und wird im Kampf ihr Meiſter. Der Blitz iſt ſein Geſchoß, geſchleudert aufs Gezuͤchte, Das zitternd ſucht, wohin vor ſeinem Grimm es fluͤchte. Wohin es nehmen mag die Flucht zu Schlucht und Schluft, In jedem Schlupf erreichts der ſchnelle Geiſt der Luft. Drum, wenn du biſt im Haus, ſteh nicht am Fenſter offen; Sie koͤnnten ſich herein vor ihm zu retten hoffen. Und wenn du biſt im Feld, ſteh auch nicht unterm Baum; Dort bergen koͤnnten die Verfolgten ſich im Raum. Nur, ſtille wo du biſt, bleib, bis ſie ausgekriegt; Bald die unreinen hat der reine Geiſt beſiegt.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane03_1837
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane03_1837/88
Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 3. Leipzig, 1837, S. 78. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane03_1837/88>, abgerufen am 25.06.2018.