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Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 6. Leipzig, 1839.

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20.
Beneide nicht den Mann um Ruhm, den er nicht hat
Erworben ohne Müh, durch Leiden oder That.
Bist du bereit die That zu thun, die er gethan?
Kannst du das Leiden, das er litt, auf dich empfahn?
Und wenn er weder litt für seinen Ruhm noch stritt;
Verdienstlos möchtest du dich schmücken nie damit!

21.
Die Rach' ist süß, mein Sohn, wenn sie unschuldig ist,
Wenn sich im eignen Netz verstrickt des Feindes List,
Und ihm zur Besserung wird ein gelinder Schlag,
Ein kleines Weh, das, recht besehn, ihm frommen mag.

20.
Beneide nicht den Mann um Ruhm, den er nicht hat
Erworben ohne Muͤh, durch Leiden oder That.
Biſt du bereit die That zu thun, die er gethan?
Kannſt du das Leiden, das er litt, auf dich empfahn?
Und wenn er weder litt fuͤr ſeinen Ruhm noch ſtritt;
Verdienſtlos moͤchteſt du dich ſchmuͤcken nie damit!

21.
Die Rach' iſt ſuͤß, mein Sohn, wenn ſie unſchuldig iſt,
Wenn ſich im eignen Netz verſtrickt des Feindes Liſt,
Und ihm zur Beſſerung wird ein gelinder Schlag,
Ein kleines Weh, das, recht beſehn, ihm frommen mag.

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[189/0199] 20. Beneide nicht den Mann um Ruhm, den er nicht hat Erworben ohne Muͤh, durch Leiden oder That. Biſt du bereit die That zu thun, die er gethan? Kannſt du das Leiden, das er litt, auf dich empfahn? Und wenn er weder litt fuͤr ſeinen Ruhm noch ſtritt; Verdienſtlos moͤchteſt du dich ſchmuͤcken nie damit! 21. Die Rach' iſt ſuͤß, mein Sohn, wenn ſie unſchuldig iſt, Wenn ſich im eignen Netz verſtrickt des Feindes Liſt, Und ihm zur Beſſerung wird ein gelinder Schlag, Ein kleines Weh, das, recht beſehn, ihm frommen mag.

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Zitationshilfe: Rückert, Friedrich: Die Weisheit des Brahmanen. Bd. 6. Leipzig, 1839, S. 189. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/rueckert_brahmane06_1839/199>, abgerufen am 20.04.2019.