Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sailer, Johann Michael: Kurzgefaßte Erinnerungen an junge Prediger. München, 1791.

Bild:
<< vorherige Seite

Zweyter Abschnitt:
Wie der Prediger die christliche Moral insbe-
sondere lehren solle.

Wer die wahren Eigenheiten der christlichen Moral
kennt, und sie, mit fester Hinsicht auf diese Eigenhei-
ten, lehret, der lehrt die christliche Moral, wie er
soll. Weil aber das Hinsehen keines besondern Unter-
richtes bedarf, wo das Kennen vorausgegangen ist: so
werde ich mich darauf einschränken, dass ich die Ei-
genheiten der christlichen Moral nenne, und denn
erläutere.

IV.

Die christliche Moral ist einzig und unver-
gleichbar. Man muss aber nicht seinen, oder
einen andern denkenden, noch so gepriesenen
Kopf fragen, um dieses Einzige und Unver-
gleichbare zu finden. Man muss noch weniger
die Lebensarten, Neigungen und Sitten der
Menschen fragen, um das Einzige der christli-
chen zu bestimmen. Man muss die ältesten Ur-
kunden des Christenthums ehrlich fragen, und
wenn man sie ehrlich fragt: so wird man etwas
anderes und höheres finden, als man vielleicht
erwartet hätte. Nach dem Inhalte dieser Ur-
kunden unterscheidet sich die christliche Moral
von jeder andern

A. durch
D 2

Zweyter Abſchnitt:
Wie der Prediger die chriſtliche Moral insbe-
ſondere lehren ſolle.

Wer die wahren Eigenheiten der chriſtlichen Moral
kennt, und ſie, mit feſter Hinſicht auf dieſe Eigenhei-
ten, lehret, der lehrt die chriſtliche Moral, wie er
ſoll. Weil aber das Hinſehen keines beſondern Unter-
richtes bedarf, wo das Kennen vorausgegangen iſt: ſo
werde ich mich darauf einſchränken, daſs ich die Ei-
genheiten der chriſtlichen Moral nenne, und denn
erläutere.

IV.

Die chriſtliche Moral iſt einzig und unver-
gleichbar. Man muſs aber nicht ſeinen, oder
einen andern denkenden, noch ſo geprieſenen
Kopf fragen, um dieſes Einzige und Unver-
gleichbare zu finden. Man muſs noch weniger
die Lebensarten, Neigungen und Sitten der
Menſchen fragen, um das Einzige der chriſtli-
chen zu beſtimmen. Man muſs die älteſten Ur-
kunden des Chriſtenthums ehrlich fragen, und
wenn man ſie ehrlich fragt: ſo wird man etwas
anderes und höheres finden, als man vielleicht
erwartet hätte. Nach dem Inhalte dieſer Ur-
kunden unterſcheidet ſich die chriſtliche Moral
von jeder andern

A. durch
D 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0065" n="51"/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      <div n="1">
        <head><hi rendition="#i"><hi rendition="#g">Zweyter Ab&#x017F;chnitt</hi>:</hi><lb/>
Wie der Prediger die chri&#x017F;tliche Moral insbe-<lb/>
&#x017F;ondere lehren &#x017F;olle.</head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">W</hi>er die <hi rendition="#i">wahren Eigenheiten</hi> der chri&#x017F;tlichen Moral<lb/><hi rendition="#i">kennt</hi>, und &#x017F;ie, mit fe&#x017F;ter <hi rendition="#i">Hin&#x017F;icht</hi> auf die&#x017F;e Eigenhei-<lb/>
ten, lehret, der lehrt die chri&#x017F;tliche Moral, wie er<lb/>
&#x017F;oll. Weil aber das <hi rendition="#i">Hin&#x017F;ehen</hi> keines be&#x017F;ondern Unter-<lb/>
richtes bedarf, wo das <hi rendition="#i">Kennen</hi> vorausgegangen i&#x017F;t: &#x017F;o<lb/>
werde ich mich darauf ein&#x017F;chränken, da&#x017F;s ich die Ei-<lb/>
genheiten der chri&#x017F;tlichen Moral <hi rendition="#i">nenne</hi>, und denn<lb/><hi rendition="#i">erläutere</hi>.</p><lb/>
        <div n="2">
          <head>IV.</head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>ie chri&#x017F;tliche Moral i&#x017F;t einzig und unver-<lb/>
gleichbar. Man mu&#x017F;s aber nicht &#x017F;einen, oder<lb/>
einen andern denkenden, noch &#x017F;o geprie&#x017F;enen<lb/>
Kopf fragen, um die&#x017F;es Einzige und Unver-<lb/>
gleichbare zu finden. Man mu&#x017F;s noch weniger<lb/>
die Lebensarten, Neigungen und Sitten der<lb/>
Men&#x017F;chen fragen, um das Einzige der chri&#x017F;tli-<lb/>
chen zu be&#x017F;timmen. Man mu&#x017F;s die älte&#x017F;ten Ur-<lb/>
kunden des Chri&#x017F;tenthums ehrlich fragen, und<lb/>
wenn man &#x017F;ie ehrlich fragt: &#x017F;o wird man etwas<lb/><hi rendition="#i">anderes</hi> und <hi rendition="#i">höheres</hi> finden, als man vielleicht<lb/>
erwartet hätte. Nach dem Inhalte die&#x017F;er Ur-<lb/>
kunden unter&#x017F;cheidet &#x017F;ich die chri&#x017F;tliche Moral<lb/>
von jeder andern</p><lb/>
          <fw place="bottom" type="sig">D 2</fw>
          <fw place="bottom" type="catch">A. <hi rendition="#i">durch</hi></fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[51/0065] Zweyter Abſchnitt: Wie der Prediger die chriſtliche Moral insbe- ſondere lehren ſolle. Wer die wahren Eigenheiten der chriſtlichen Moral kennt, und ſie, mit feſter Hinſicht auf dieſe Eigenhei- ten, lehret, der lehrt die chriſtliche Moral, wie er ſoll. Weil aber das Hinſehen keines beſondern Unter- richtes bedarf, wo das Kennen vorausgegangen iſt: ſo werde ich mich darauf einſchränken, daſs ich die Ei- genheiten der chriſtlichen Moral nenne, und denn erläutere. IV. Die chriſtliche Moral iſt einzig und unver- gleichbar. Man muſs aber nicht ſeinen, oder einen andern denkenden, noch ſo geprieſenen Kopf fragen, um dieſes Einzige und Unver- gleichbare zu finden. Man muſs noch weniger die Lebensarten, Neigungen und Sitten der Menſchen fragen, um das Einzige der chriſtli- chen zu beſtimmen. Man muſs die älteſten Ur- kunden des Chriſtenthums ehrlich fragen, und wenn man ſie ehrlich fragt: ſo wird man etwas anderes und höheres finden, als man vielleicht erwartet hätte. Nach dem Inhalte dieſer Ur- kunden unterſcheidet ſich die chriſtliche Moral von jeder andern A. durch D 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sailer_prediger_1791
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sailer_prediger_1791/65
Zitationshilfe: Sailer, Johann Michael: Kurzgefaßte Erinnerungen an junge Prediger. München, 1791, S. 51. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sailer_prediger_1791/65>, abgerufen am 21.04.2019.