Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sander, Heinrich: Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, die Niederlande, Holland, Deutschland und Italien. Bd. 1. Leipzig, 1783.

Bild:
<< vorherige Seite

Keller vor, und hat nur auf der einen Seite Mauern.
Inwendig sind Grabschriften und Gemälde von den ehe-
maligen Grafen von Falkenstein und Oberstein. Im
hintern Theil des Felsens hinter den Stühlen ist eine
Quelle von einer unbestimmlichen Tiefe. Man steigt
aus der Kirche oben in dem hohen Felsen fort, und sieht
mit Grausen auf die Tiefe herab. Eben so ist auch ein
altes Schlos auf einem Berge noch vorhanden. Von
Oberstein ritt ich durch

Idar, einem Flecken am Flüßchen Idar, über ent-
setzliche Berge und Klippen weiter nach

Birkenfeld. Dieser Flecken liegt in einer sehr rau-
hen Gegend, weil er sehr hoch liegt. Alles wird hier oft
4. Wochen später reif, als bei Herstein oder Naumburg.
Selbst das Gras hat nur eine schlechte dunkelgrüne Far-
be. Die vielen Waldungen und die grossen Sümpfe,
die dabei liegen, machen das Land sehr kalt. Unten
grenzt das Oberamt Trarbach, Zweibrücken und das
Moseler Land daran. Mit Bucheckern und Eicheln
werden eine Menge Schweine da gemästet, die hernach
sehr weit getrieben werden. Es wächst hier Roggen, der
noch viel weissres Brod gibt, als der bei Naumburg
gebaut wird. Jetzt sing man erst die Habererndte und
das Grummthauen an. Es erheben sich hier oft so star-
ke Winde, daß alles was auf den Feldern liegt, wegge-
führt, und auf den Bäumen herumgestreut wird.

Den 7ten Sept.

Ich wartete heute die

Predigt des Hrn. Pfarrers Weiherich aus Braum-
bach
ab. -- Das hier gebräuchliche Gesangbuch ist das

Zwei-

Keller vor, und hat nur auf der einen Seite Mauern.
Inwendig ſind Grabſchriften und Gemaͤlde von den ehe-
maligen Grafen von Falkenſtein und Oberſtein. Im
hintern Theil des Felſens hinter den Stuͤhlen iſt eine
Quelle von einer unbeſtimmlichen Tiefe. Man ſteigt
aus der Kirche oben in dem hohen Felſen fort, und ſieht
mit Grauſen auf die Tiefe herab. Eben ſo iſt auch ein
altes Schlos auf einem Berge noch vorhanden. Von
Oberſtein ritt ich durch

Idar, einem Flecken am Fluͤßchen Idar, uͤber ent-
ſetzliche Berge und Klippen weiter nach

Birkenfeld. Dieſer Flecken liegt in einer ſehr rau-
hen Gegend, weil er ſehr hoch liegt. Alles wird hier oft
4. Wochen ſpaͤter reif, als bei Herſtein oder Naumburg.
Selbſt das Gras hat nur eine ſchlechte dunkelgruͤne Far-
be. Die vielen Waldungen und die groſſen Suͤmpfe,
die dabei liegen, machen das Land ſehr kalt. Unten
grenzt das Oberamt Trarbach, Zweibruͤcken und das
Moſeler Land daran. Mit Bucheckern und Eicheln
werden eine Menge Schweine da gemaͤſtet, die hernach
ſehr weit getrieben werden. Es waͤchſt hier Roggen, der
noch viel weiſſres Brod gibt, als der bei Naumburg
gebaut wird. Jetzt ſing man erſt die Habererndte und
das Grummthauen an. Es erheben ſich hier oft ſo ſtar-
ke Winde, daß alles was auf den Feldern liegt, wegge-
fuͤhrt, und auf den Baͤumen herumgeſtreut wird.

Den 7ten Sept.

Ich wartete heute die

Predigt des Hrn. Pfarrers Weiherich aus Braum-
bach
ab. — Das hier gebraͤuchliche Geſangbuch iſt das

Zwei-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0647" n="623"/>
Keller vor, und hat nur auf der einen Seite Mauern.<lb/>
Inwendig &#x017F;ind Grab&#x017F;chriften und Gema&#x0364;lde von den ehe-<lb/>
maligen Grafen von <hi rendition="#fr">Falken&#x017F;tein</hi> und <hi rendition="#fr">Ober&#x017F;tein.</hi> Im<lb/>
hintern Theil des Fel&#x017F;ens hinter den Stu&#x0364;hlen i&#x017F;t eine<lb/>
Quelle von einer unbe&#x017F;timmlichen Tiefe. Man &#x017F;teigt<lb/>
aus der Kirche oben in dem hohen Fel&#x017F;en fort, und &#x017F;ieht<lb/>
mit Grau&#x017F;en auf die Tiefe herab. Eben &#x017F;o i&#x017F;t auch ein<lb/>
altes Schlos auf einem Berge noch vorhanden. Von<lb/><hi rendition="#fr">Ober&#x017F;tein</hi> ritt ich durch</p><lb/>
            <p><hi rendition="#fr">Idar,</hi> einem Flecken am Flu&#x0364;ßchen <hi rendition="#fr">Idar,</hi> u&#x0364;ber ent-<lb/>
&#x017F;etzliche Berge und Klippen weiter nach</p><lb/>
            <p><hi rendition="#fr">Birkenfeld.</hi> Die&#x017F;er Flecken liegt in einer &#x017F;ehr rau-<lb/>
hen Gegend, weil er &#x017F;ehr hoch liegt. Alles wird hier oft<lb/>
4. Wochen &#x017F;pa&#x0364;ter reif, als bei <hi rendition="#fr">Her&#x017F;tein</hi> oder <hi rendition="#fr">Naumburg.</hi><lb/>
Selb&#x017F;t das Gras hat nur eine &#x017F;chlechte dunkelgru&#x0364;ne Far-<lb/>
be. Die vielen Waldungen und die gro&#x017F;&#x017F;en Su&#x0364;mpfe,<lb/>
die dabei liegen, machen das Land &#x017F;ehr kalt. Unten<lb/>
grenzt das Oberamt <hi rendition="#fr">Trarbach, Zweibru&#x0364;cken</hi> und das<lb/><hi rendition="#fr">Mo&#x017F;el</hi>er Land daran. Mit Bucheckern und Eicheln<lb/>
werden eine Menge Schweine da gema&#x0364;&#x017F;tet, die hernach<lb/>
&#x017F;ehr weit getrieben werden. Es wa&#x0364;ch&#x017F;t hier Roggen, der<lb/>
noch viel wei&#x017F;&#x017F;res Brod gibt, als der bei <hi rendition="#fr">Naumburg</hi><lb/>
gebaut wird. Jetzt &#x017F;ing man er&#x017F;t die Habererndte und<lb/>
das Grummthauen an. Es erheben &#x017F;ich hier oft &#x017F;o &#x017F;tar-<lb/>
ke Winde, daß alles was auf den Feldern liegt, wegge-<lb/>
fu&#x0364;hrt, und auf den Ba&#x0364;umen herumge&#x017F;treut wird.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>Den 7ten Sept.</head><lb/>
            <p>Ich wartete heute die</p><lb/>
            <p><hi rendition="#fr">Predigt</hi> des Hrn. Pfarrers <hi rendition="#fr">Weiherich</hi> aus <hi rendition="#fr">Braum-<lb/>
bach</hi> ab. &#x2014; Das hier gebra&#x0364;uchliche Ge&#x017F;angbuch i&#x017F;t das<lb/>
<fw place="bottom" type="catch"><hi rendition="#fr">Zwei-</hi></fw><lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[623/0647] Keller vor, und hat nur auf der einen Seite Mauern. Inwendig ſind Grabſchriften und Gemaͤlde von den ehe- maligen Grafen von Falkenſtein und Oberſtein. Im hintern Theil des Felſens hinter den Stuͤhlen iſt eine Quelle von einer unbeſtimmlichen Tiefe. Man ſteigt aus der Kirche oben in dem hohen Felſen fort, und ſieht mit Grauſen auf die Tiefe herab. Eben ſo iſt auch ein altes Schlos auf einem Berge noch vorhanden. Von Oberſtein ritt ich durch Idar, einem Flecken am Fluͤßchen Idar, uͤber ent- ſetzliche Berge und Klippen weiter nach Birkenfeld. Dieſer Flecken liegt in einer ſehr rau- hen Gegend, weil er ſehr hoch liegt. Alles wird hier oft 4. Wochen ſpaͤter reif, als bei Herſtein oder Naumburg. Selbſt das Gras hat nur eine ſchlechte dunkelgruͤne Far- be. Die vielen Waldungen und die groſſen Suͤmpfe, die dabei liegen, machen das Land ſehr kalt. Unten grenzt das Oberamt Trarbach, Zweibruͤcken und das Moſeler Land daran. Mit Bucheckern und Eicheln werden eine Menge Schweine da gemaͤſtet, die hernach ſehr weit getrieben werden. Es waͤchſt hier Roggen, der noch viel weiſſres Brod gibt, als der bei Naumburg gebaut wird. Jetzt ſing man erſt die Habererndte und das Grummthauen an. Es erheben ſich hier oft ſo ſtar- ke Winde, daß alles was auf den Feldern liegt, wegge- fuͤhrt, und auf den Baͤumen herumgeſtreut wird. Den 7ten Sept. Ich wartete heute die Predigt des Hrn. Pfarrers Weiherich aus Braum- bach ab. — Das hier gebraͤuchliche Geſangbuch iſt das Zwei-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Erst ein Jahr nach dem Tod Heinrich Sanders wird … [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sander_beschreibung01_1783
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sander_beschreibung01_1783/647
Zitationshilfe: Sander, Heinrich: Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, die Niederlande, Holland, Deutschland und Italien. Bd. 1. Leipzig, 1783, S. 623. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sander_beschreibung01_1783/647>, abgerufen am 19.04.2019.