Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sander, Heinrich: Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, die Niederlande, Holland, Deutschland und Italien. Bd. 2. Leipzig, 1784.

Bild:
<< vorherige Seite
Den 4ten Oct.

Heute besah ich

Die Malereien der Hrrn. Waitsch, Vater und
Sohn. Der Vater war vormahls Unteroffizier, hat
nie einen Lehrmeister gehabt, sondern von sich selbst ge-
lernt, und nur blos die Düsseldorfer Gallerie gesehen.
Der Vater zeichn[e]t besonders gern Landschaften, Thier-
stücke, Wasserfälle. Ich sah Jerusalem's Bildnis gar
schön; es war nach Lausanne bestimmt; -- des Prin-
zen Heinrichs von Preussen, der ein ganz ander Ge-
sicht, als der König hat; -- des Herzogs von Braun-
schweig;
-- Zeichnungen vom Regenstein, -- auf
dem Brocken -- von der Baumannshöhle, -- vom
Roßtrapp etc.

Das Herzogl. Kunst- und Naturalienkabinet.
Alles ist darin vortreflich erhalten, nett und wohl geord-
net, und von unermeßlichem Werth. Mir war beson-
ders merkwürdig:

1) Eine erstaunende Menge von künstlichen Arbeiten aus
Elfenbein.
2) Dergleichen aus Bernstein; ganze Schränke voll.
3) Sehr schöne chinesische Kunstwerke aus Speckstein.
4) Ganze Vasen von Reisstein.
5) Vieles aus Wachs und Holz von Alb. Dürer.
6) Vasen, 11. Zoll im Durchmesser, aus Krystall. --
Die Berliner Kugeln an den Kronleuchtern haben
nur 7. Zoll.
7) Gar viel Emaille auf Kupfer, Köpfe, grosse Plat-
ten.
8) Eine unsägliche Menge Edelsteine an allen Sachen.
9) Jas-
Den 4ten Oct.

Heute beſah ich

Die Malereien der Hrrn. Waitſch, Vater und
Sohn. Der Vater war vormahls Unteroffizier, hat
nie einen Lehrmeiſter gehabt, ſondern von ſich ſelbſt ge-
lernt, und nur blos die Duͤſſeldorfer Gallerie geſehen.
Der Vater zeichn[e]t beſonders gern Landſchaften, Thier-
ſtuͤcke, Waſſerfaͤlle. Ich ſah Jeruſalem’s Bildnis gar
ſchoͤn; es war nach Lauſanne beſtimmt; — des Prin-
zen Heinrichs von Preuſſen, der ein ganz ander Ge-
ſicht, als der Koͤnig hat; — des Herzogs von Braun-
ſchweig;
— Zeichnungen vom Regenſtein, — auf
dem Brocken — von der Baumannshoͤhle, — vom
Roßtrapp ꝛc.

Das Herzogl. Kunſt- und Naturalienkabinet.
Alles iſt darin vortreflich erhalten, nett und wohl geord-
net, und von unermeßlichem Werth. Mir war beſon-
ders merkwuͤrdig:

1) Eine erſtaunende Menge von kuͤnſtlichen Arbeiten aus
Elfenbein.
2) Dergleichen aus Bernſtein; ganze Schraͤnke voll.
3) Sehr ſchoͤne chineſiſche Kunſtwerke aus Speckſtein.
4) Ganze Vaſen von Reisſtein.
5) Vieles aus Wachs und Holz von Alb. Duͤrer.
6) Vaſen, 11. Zoll im Durchmeſſer, aus Kryſtall. —
Die Berliner Kugeln an den Kronleuchtern haben
nur 7. Zoll.
7) Gar viel Emaille auf Kupfer, Koͤpfe, groſſe Plat-
ten.
8) Eine unſaͤgliche Menge Edelſteine an allen Sachen.
9) Jas-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0264" n="226"/>
          <div n="3">
            <head>Den 4ten Oct.</head><lb/>
            <p>Heute be&#x017F;ah ich</p><lb/>
            <p>Die <hi rendition="#fr">Malereien</hi> der Hrrn. <hi rendition="#fr">Wait&#x017F;ch,</hi> Vater und<lb/>
Sohn. Der Vater war vormahls Unteroffizier, hat<lb/>
nie einen Lehrmei&#x017F;ter gehabt, &#x017F;ondern von &#x017F;ich &#x017F;elb&#x017F;t ge-<lb/>
lernt, und nur blos die <hi rendition="#fr">Du&#x0364;&#x017F;&#x017F;eldorfer</hi> Gallerie ge&#x017F;ehen.<lb/>
Der Vater zeichn<supplied>e</supplied>t be&#x017F;onders gern Land&#x017F;chaften, Thier-<lb/>
&#x017F;tu&#x0364;cke, Wa&#x017F;&#x017F;erfa&#x0364;lle. Ich &#x017F;ah <hi rendition="#fr">Jeru&#x017F;alem</hi>&#x2019;s Bildnis gar<lb/>
&#x017F;cho&#x0364;n; es war nach <hi rendition="#fr">Lau&#x017F;anne</hi> be&#x017F;timmt; &#x2014; des Prin-<lb/>
zen <hi rendition="#fr">Heinrichs</hi> von <hi rendition="#fr">Preu&#x017F;&#x017F;en,</hi> der ein ganz ander Ge-<lb/>
&#x017F;icht, als der Ko&#x0364;nig hat; &#x2014; des <hi rendition="#fr">Herzogs</hi> von <hi rendition="#fr">Braun-<lb/>
&#x017F;chweig;</hi> &#x2014; Zeichnungen vom <hi rendition="#fr">Regen&#x017F;tein,</hi> &#x2014; auf<lb/>
dem <hi rendition="#fr">Brocken</hi> &#x2014; von der <hi rendition="#fr">Baumannsho&#x0364;hle,</hi> &#x2014; vom<lb/><hi rendition="#fr">Roßtrapp</hi> &#xA75B;c.</p><lb/>
            <p>Das Herzogl. <hi rendition="#fr">Kun&#x017F;t-</hi> und <hi rendition="#fr">Naturalienkabinet.</hi><lb/>
Alles i&#x017F;t darin vortreflich erhalten, nett und wohl geord-<lb/>
net, und von unermeßlichem Werth. Mir war be&#x017F;on-<lb/>
ders merkwu&#x0364;rdig:</p><lb/>
            <list>
              <item>1) Eine er&#x017F;taunende Menge von ku&#x0364;n&#x017F;tlichen Arbeiten aus<lb/>
Elfenbein.</item><lb/>
              <item>2) Dergleichen aus <hi rendition="#fr">Bern&#x017F;tein;</hi> ganze Schra&#x0364;nke voll.</item><lb/>
              <item>3) Sehr &#x017F;cho&#x0364;ne chine&#x017F;i&#x017F;che Kun&#x017F;twerke aus <hi rendition="#fr">Speck&#x017F;tein.</hi></item><lb/>
              <item>4) Ganze Va&#x017F;en von <hi rendition="#fr">Reis&#x017F;tein.</hi></item><lb/>
              <item>5) Vieles aus <hi rendition="#fr">Wachs</hi> und <hi rendition="#fr">Holz</hi> von <hi rendition="#fr">Alb. Du&#x0364;rer.</hi></item><lb/>
              <item>6) Va&#x017F;en, 11. Zoll im Durchme&#x017F;&#x017F;er, aus Kry&#x017F;tall. &#x2014;<lb/>
Die <hi rendition="#fr">Berliner</hi> Kugeln an den Kronleuchtern haben<lb/>
nur 7. Zoll.</item><lb/>
              <item>7) Gar viel <hi rendition="#fr">Emaille</hi> auf <hi rendition="#fr">Kupfer,</hi> Ko&#x0364;pfe, gro&#x017F;&#x017F;e Plat-<lb/>
ten.</item><lb/>
              <item>8) Eine un&#x017F;a&#x0364;gliche Menge <hi rendition="#fr">Edel&#x017F;teine</hi> an allen Sachen.</item>
            </list><lb/>
            <fw place="bottom" type="catch">9) <hi rendition="#fr">Jas-</hi></fw><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[226/0264] Den 4ten Oct. Heute beſah ich Die Malereien der Hrrn. Waitſch, Vater und Sohn. Der Vater war vormahls Unteroffizier, hat nie einen Lehrmeiſter gehabt, ſondern von ſich ſelbſt ge- lernt, und nur blos die Duͤſſeldorfer Gallerie geſehen. Der Vater zeichnet beſonders gern Landſchaften, Thier- ſtuͤcke, Waſſerfaͤlle. Ich ſah Jeruſalem’s Bildnis gar ſchoͤn; es war nach Lauſanne beſtimmt; — des Prin- zen Heinrichs von Preuſſen, der ein ganz ander Ge- ſicht, als der Koͤnig hat; — des Herzogs von Braun- ſchweig; — Zeichnungen vom Regenſtein, — auf dem Brocken — von der Baumannshoͤhle, — vom Roßtrapp ꝛc. Das Herzogl. Kunſt- und Naturalienkabinet. Alles iſt darin vortreflich erhalten, nett und wohl geord- net, und von unermeßlichem Werth. Mir war beſon- ders merkwuͤrdig: 1) Eine erſtaunende Menge von kuͤnſtlichen Arbeiten aus Elfenbein. 2) Dergleichen aus Bernſtein; ganze Schraͤnke voll. 3) Sehr ſchoͤne chineſiſche Kunſtwerke aus Speckſtein. 4) Ganze Vaſen von Reisſtein. 5) Vieles aus Wachs und Holz von Alb. Duͤrer. 6) Vaſen, 11. Zoll im Durchmeſſer, aus Kryſtall. — Die Berliner Kugeln an den Kronleuchtern haben nur 7. Zoll. 7) Gar viel Emaille auf Kupfer, Koͤpfe, groſſe Plat- ten. 8) Eine unſaͤgliche Menge Edelſteine an allen Sachen. 9) Jas-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Erst ein Jahr nach dem Tod Heinrich Sanders wird … [mehr]

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sander_beschreibung02_1784
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sander_beschreibung02_1784/264
Zitationshilfe: Sander, Heinrich: Beschreibung seiner Reisen durch Frankreich, die Niederlande, Holland, Deutschland und Italien. Bd. 2. Leipzig, 1784, S. 226. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sander_beschreibung02_1784/264>, abgerufen am 24.04.2019.