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Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 1,3. Nürnberg, 1675.

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[Spaltenumbruch] da ihn sein Lehrmeister alle Ding nach dem Leben zu mahlen angewehnen wolte: Er nahme aber durch vielfältige Abbildung allerley Früchte/ Blumen/ Fleisch/ Vögel/ Fisch und andere Sachen/ so zu/ daß er einer der fürtreflichsten Meister worden ist/ der seine Arbeit sehr behend/ gleichsam ohne Mühe und mit sonderbarem Wolstand gemacht; gleichwie aber in der Welt oft geschicht/ daß man die gegenwärtige Dinge wenig oder gering/ hingegen die vergangene oder zukünftige hoch achtet/ also gieng es auch dieses Künstlers Werken/ so daß selbige zu seiner Zeit um wenigen und geringen Werth erkaufft/ nach seinem Tod aber sehr hoch geschätzet und gerne wol zwölfmal so theuer bezahlet worden.

Legt sich auf Früchte und Kuchen-Arbeit. Unter andern hat er sich meistens auf schöne Kuchen zu mahlen begeben/ und also machte er für den Müntzmeister zu Antorf ein herrliches Stuck/ das er ihm um schlechten Preiß angedingt/ da aber das Werk durch den Mund-Meister täglich vermehret wurde/ weil er allezeit was neues und mehrers darein haben wolte/ konte er nicht einmal Käß und Brod darbey gewinnen/ indem es ganz [Spaltenumbruch] voll worden von allerley Fisch/ Vögel/ Fleisch und Früchten. Mehr war zu Antorf in unserer Frauen Kirchen von ihme ein Palmsonntag/ sehr künstlich gemacht/ so in der andern Bilder-Stürmung in Stuck zerschlagen worden; Noch sind zwey sehr herrliche Stuck von ihm bey dem Herrn Simon Lutz zu Amsterdam/ das eine ein Fisch- und das ander ein Obstmark/ mit allerley andern Bildern/ alles sehr eigentlich und natürlich colorirt. Bey Melchior Wyntgis/ Mundmeister zu Middelburg/ ist auch von ihm ein sehr schöne Kuche mit Bildern in Lebens-Größe/ und ein Palmsonntag von weiß und schwarz; mehr bey Jacob Raeuwart zu Amsterdam ist von ihm in klein ein sehr künstlicher Mark/ und in das Perspectiv ein Ecce homo, das sehr holdselig anzusehen. Er ist gestorben zu Antorf/ als Duca d' Alba in Niderland ware/ und er eben für einen Kriegs-Obristen Vitello, gearbeitet/ und soll sich an seinem letzten End beklagt haben/ daß er allezeit um so wolfeilen Wehrt gearbeitet hatte/ ungefehr im 40ten Jahr seines Alters.

Das X. Capitel.
Franz Floris und noch drey andere
Künstlere.

Innhalt.

Unterschied der Italienischen und Niderländischen Mahlere. LXXXII. Franz Floris/ Mahler von Antorf: Der Italiener Urtheil von ihme: Sein Geschlecht. Lernet bey Lamberto Lombardo: Reiset in Italien/ und kommt wieder nach Haus: Hat einen unglücklichen Ehestand: Ist sehr färtig/ und läst ihm seine Arbeit wol bezahlen: Seine Werke. LXXXIII. Christoff Schwarz/ Mahler von Ingolstadt: Ist ein treflicher Künstler in fresco: Seine Werke auf naßen Kalk: Seine Werke von Oelfarben. LXXXIV, Wilhelm Kajus/ Mahler von Breda: Seine Werke: Stirbt vor Schrecken. LXXXV. Hubertus Golzius/ Mahler/ Kupferstecher und Historienschreiber von Venlo: Lernet bey Lombardo: Sein Werk/ die Bildniße der Römischen Käysere: Gibt unterschiedliche Bücher heraus: Wird in die Römische Ritterschaft erhoben: Seine Gemälde: Epigramma auf ihn gerichtet.

[Spaltenumbruch]

Unterscheid der Italiänischen und Niderländischen Mahlere.DIe Italiänische Mahlere/ sonderlich etliche gemeine Gesellen/ machen in ihren nackenden Bildern wenig Erfüllung/ weiln sie den leichtern Weg erkohren/ um ihnen den Kopf nicht viel zu zerbrechen mit dem Nachsinnen auf die Musculen/ wordurch sie gar oft dem Wolstand der Kunst zu kurz thun; unsere Niderländer hingegen sind in den Bildern gar zu ran und mager/ indem solche Mägere die Erkantnus der Nerven und Adern erfordert. Wer aber die Werke des großen Buonarotti erweget/ der findet dieselbe voller Erfüllung von Musculen/ umfangen mit einem leibigen schönen Umriß/ welches ein Ding von hohem Verstand ist/ gleichwie dieser fürtreffliche Meister allezeit nur[Spaltenumbruch] nach der höchsten Schönheit getrachtet. Eben wie man bey den Antichen einen Unterscheid nach dem Alter findet/ den sie in ihren Bildern fleißig in acht genommen/ also sihet man in einer Geschicht/ neben einem ranen jungen Antino, einen mannlichen leibigen Hercules, und einen alten dürren Laochon, damit den Unterscheid ihres Alters anzudeuten/ darum auch dem jenigen/ der diesen Laochon, wegen seiner Dürre/ getadelt/ zu verstehen gegeben worden/ er beobachte nicht/ daß die Fettigkeit mit dem herbeynahendem Alter abnehme/ und die Magere und Dürre denen alten Leuten ganz natürlich seye.

LXXXII. Franz Floris/ Mahler von Antorf.DIeser Dürre halber haben sich auch etliche unterfangen/ die Werke des Franz Floris zu

[Spaltenumbruch] da ihn sein Lehrmeister alle Ding nach dem Leben zu mahlen angewehnen wolte: Er nahme aber durch vielfältige Abbildung allerley Früchte/ Blumen/ Fleisch/ Vögel/ Fisch und andere Sachen/ so zu/ daß er einer der fürtreflichsten Meister worden ist/ der seine Arbeit sehr behend/ gleichsam ohne Mühe und mit sonderbarem Wolstand gemacht; gleichwie aber in der Welt oft geschicht/ daß man die gegenwärtige Dinge wenig oder gering/ hingegen die vergangene oder zukünftige hoch achtet/ also gieng es auch dieses Künstlers Werken/ so daß selbige zu seiner Zeit um wenigen und geringen Werth erkaufft/ nach seinem Tod aber sehr hoch geschätzet und gerne wol zwölfmal so theuer bezahlet worden.

Legt sich auf Früchte und Kuchen-Arbeit. Unter andern hat er sich meistens auf schöne Kuchen zu mahlen begeben/ und also machte er für den Müntzmeister zu Antorf ein herrliches Stuck/ das er ihm um schlechten Preiß angedingt/ da aber das Werk durch den Mund-Meister täglich vermehret wurde/ weil er allezeit was neues und mehrers darein haben wolte/ konte er nicht einmal Käß und Brod darbey gewinnen/ indem es ganz [Spaltenumbruch] voll worden von allerley Fisch/ Vögel/ Fleisch und Früchten. Mehr war zu Antorf in unserer Frauen Kirchen von ihme ein Palmsonntag/ sehr künstlich gemacht/ so in der andern Bilder-Stürmung in Stuck zerschlagen worden; Noch sind zwey sehr herrliche Stuck von ihm bey dem Herrn Simon Lutz zu Amsterdam/ das eine ein Fisch- und das ander ein Obstmark/ mit allerley andern Bildern/ alles sehr eigentlich und natürlich colorirt. Bey Melchior Wyntgis/ Mundmeister zu Middelburg/ ist auch von ihm ein sehr schöne Kuche mit Bildern in Lebens-Größe/ und ein Palmsonntag von weiß und schwarz; mehr bey Jacob Raeuwart zu Amsterdam ist von ihm in klein ein sehr künstlicher Mark/ und in das Perspectiv ein Ecce homo, das sehr holdselig anzusehen. Er ist gestorben zu Antorf/ als Duca d’ Alba in Niderland ware/ und er eben für einen Kriegs-Obristen Vitello, gearbeitet/ und soll sich an seinem letzten End beklagt haben/ daß er allezeit um so wolfeilen Wehrt gearbeitet hatte/ ungefehr im 40ten Jahr seines Alters.

Das X. Capitel.
Franz Floris und noch drey andere
Künstlere.

Innhalt.

Unterschied der Italienischen und Niderländischen Mahlere. LXXXII. Franz Floris/ Mahler von Antorf: Der Italiener Urtheil von ihme: Sein Geschlecht. Lernet bey Lamberto Lombardo: Reiset in Italien/ und kommt wieder nach Haus: Hat einen unglücklichen Ehestand: Ist sehr färtig/ und läst ihm seine Arbeit wol bezahlen: Seine Werke. LXXXIII. Christoff Schwarz/ Mahler von Ingolstadt: Ist ein treflicher Künstler in fresco: Seine Werke auf naßen Kalk: Seine Werke von Oelfarben. LXXXIV, Wilhelm Kajus/ Mahler von Breda: Seine Werke: Stirbt vor Schrecken. LXXXV. Hubertus Golzius/ Mahler/ Kupferstecher und Historienschreiber von Venlo: Lernet bey Lombardo: Sein Werk/ die Bildniße der Römischen Käysere: Gibt unterschiedliche Bücher heraus: Wird in die Römische Ritterschaft erhoben: Seine Gemälde: Epigramma auf ihn gerichtet.

[Spaltenumbruch]

Unterscheid der Italiänischen und Niderländischen Mahlere.DIe Italiänische Mahlere/ sonderlich etliche gemeine Gesellen/ machen in ihren nackenden Bildern wenig Erfüllung/ weiln sie den leichtern Weg erkohren/ um ihnen den Kopf nicht viel zu zerbrechen mit dem Nachsinnen auf die Musculen/ wordurch sie gar oft dem Wolstand der Kunst zu kurz thun; unsere Niderländer hingegen sind in den Bildern gar zu ran und mager/ indem solche Mägere die Erkantnus der Nerven und Adern erfordert. Wer aber die Werke des großen Buonarotti erweget/ der findet dieselbe voller Erfüllung von Musculen/ umfangen mit einem leibigen schönen Umriß/ welches ein Ding von hohem Verstand ist/ gleichwie dieser fürtreffliche Meister allezeit nur[Spaltenumbruch] nach der höchsten Schönheit getrachtet. Eben wie man bey den Antichen einen Unterscheid nach dem Alter findet/ den sie in ihren Bildern fleißig in acht genommen/ also sihet man in einer Geschicht/ neben einem ranen jungen Antino, einen mannlichen leibigen Hercules, und einen alten dürren Laochon, damit den Unterscheid ihres Alters anzudeuten/ darum auch dem jenigen/ der diesen Laochon, wegen seiner Dürre/ getadelt/ zu verstehen gegeben worden/ er beobachte nicht/ daß die Fettigkeit mit dem herbeynahendem Alter abnehme/ und die Magere und Dürre denen alten Leuten ganz natürlich seye.

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Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 1,3. Nürnberg, 1675, S. [II, Buch 3 (niederl. u. dt. Künstler), S. 261]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0103_1675/63>, abgerufen am 22.04.2019.