Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,1. Nürnberg, 1679.

Bild:
<< vorherige Seite
Das XI. Capittel.
Von der Zierde und Geschicklig-
keit/ welche bey den Privat-Gebäuen
zu beobachten.
[Spaltenumbruch]

IM vorhergegangenen habe ich alle Sachen berührt/ welche so wol zu Erbauung der offentlichen/ als Privat-Häuser zu betrachten nöthig/ und wordurch ein solches Werck schön/ annemlich und Währhafft werden möge: Habe auch so viel die Privat-Häuser betrifft/ etliche zur Beqvemlichkeit nothwendige Stucke/ angezeiget/ wohin absonderlich dieses Gegenwärtige gerichtet. Und weil ein solches Haus/ welches mit der Eigenschafft des Bewohners übereinstimmet/ und dessen Theile/ mit dem Gantzen und unter sich selbsten/ fein artlich sich schicken/ billich bequem zu nennen: So hat ein Baumeister vor allen zu beobachten/ daß (wie Vitruvius in seinem ersten und sechsten Buch meldet) den vornehmen Stands-Personen/ oder Edelleuten/ insonderheit aber bey einer Republic, solche Häuser aufgebauet werden/ welche mit weiten/ wol-ausgezierden Stuben und Sälern versehen. Damit in dergleichen Orten/ die Jenigen/ so entweder mit dem Patron umzugehen/ oder sonsten seiner Hülffe bedürfften/ auf ihn zu warten haben/ sich desto beliebiger aushalten mögen. Denen geringern Edelleuten gehören auch geringere Gebäu/ von wenigern Unkosten und weniger Zierad. Denen Gerichts-Herren und Advocaten soll man ebenfalls bauen/ daß in ihren Häusern feine und gezierde Oerter[Spaltenumbruch] zum spatzieren gehen seyn mögen/ damit die Partheyen daselbst ohne Verdrus sich aufhalten können. Der Kauffleuten ihre Häuser/ sollen ihre Ort und Gewölber haben/ wohin man die Wahren thun möge/ und zwar gegen Mitternacht und auf solche Art gestellt/ daß die Patroni sich einiges Einbruchs der Diebe nicht zu befahren. Es wird auch so wol zur Zierde/ als zum Werck/ selbsten dienen/ wann die Theile mit dem Gantzen übereinkommen/ und in grossen Häusern grosse/ in Kleinern kleine/ in Mittelmässigen auch mittelmässige Stuck und Glieder gesehen werden. Und wäre ja eine häßliche ungereimte Sach/ wann in einem sehr grossen Gebäu kleine Säler und Zimmer zu finden/ und im Gegentheil in einem kleinen Gebäue zwo oder drey grosse Stuben/ so das gantze Haus einnähmen. Soll man dahero/ wie gedacht/ so viel möglich/ auf die Jenige sehen/ welche bauen wollen/ und nicht so sehr auf das/ was sie können/ sondern wie es ihre Qualität mit sich bringet. Ist nun die Art zu bauen erwehlt/ soll man die fein hüpsch und dergestalt eintheilen/ damit sie mit dem Gantzen und unter sich selbst übereinkomme/ und diejenige Zieraden beyfügen/ welche dahin schicklich zu seyn scheinen. Allein/ es mus bisweilen auch ein Baumeister sich mehr nach dem Willen desjenigen/ so die Kosten herschiesset/ als nach deme/ so zu beobachten nöthig/ richten.

Das XII. Capittel.
Von Austheilung der Zimmer und
anderer Orten.
[Spaltenumbruch]

DAmit nun die Häuser zum Gebrauch des Hausgesinds beqvem seyn mögen/ ohne welche Bequemlichkeit vielmehr ein solch Gebäu zu schänden als zu loben wäre; so soll man wol acht haben/ nicht allein auf die vornemste Theile/ als da sind Stuben/ Säle/ Gänge/ herrliche Zimmer/ und weite helle Stiegen/ so leicht zu steigen sind; sondern auch/ daß die kleineste und häßlichste Theile in ihren schicklichen Ort eingetheilet/ damit sie denen Grössern und Würdigern zu Dienste stehen mögen: Dann gleichwie am menschlichen Leibe/ etliche edle und schöne/ und etliche garstige und unedle Theil/ so zu reden/ zu finden/ welche wir doch nichts destoweniger/ als wir sehen/ zum höchsten von nöthen/ ja/ und ohne dieselbe so gar nicht bestehen könten; also müssen auch an[Spaltenumbruch] einem Gebäue etliche Theile ansehnlich und geehret/ und theils unformlich seyn: Ohne welche gleichwol die obigen nicht frey stehen/ sondern vielmehr etlicher massen ihre Würde und Zierde verlieren würden. Gleichwie aber der Allerhöchste diese unsere Gliedmassen dergestalt geordnet/ daß die Schönsten am äusersten Orte stehen/ damit sie können gesehen werden/ und hingegen die Ungebührliche am verborgnen Ort: Also sollen auch wir im Bauen die vornemste und ansehnlichste Stucke an offene Ort und Ende setzen/ und hingegen die geringe und verächtliche/ so viel möglich/ von unsern Augen entfernen; Dann an selbige Ort wird man gemeiniglich allen Unrat des Hauses/ und diejenige Sachen/ welche vielleicht eine Ungelegenheit verursachen/ oder zum Theil die schönsten Zimmer unsauber machen möchten/ hinwerffen und thun. Dannenhero lobe ich/ daß zu weilen am untersten

Das XI. Capittel.
Von der Zierde und Geschicklig-
keit/ welche bey den Privat-Gebäuen
zu beobachten.
[Spaltenumbruch]

IM vorhergegangenen habe ich alle Sachen berührt/ welche so wol zu Erbauung der offentlichen/ als Privat-Häuser zu betrachten nöthig/ und wordurch ein solches Werck schön/ annemlich und Währhafft werden möge: Habe auch so viel die Privat-Häuser betrifft/ etliche zur Beqvemlichkeit nothwendige Stucke/ angezeiget/ wohin absonderlich dieses Gegenwärtige gerichtet. Und weil ein solches Haus/ welches mit der Eigenschafft des Bewohners übereinstimmet/ und dessen Theile/ mit dem Gantzen und unter sich selbsten/ fein artlich sich schicken/ billich bequem zu nennen: So hat ein Baumeister vor allen zu beobachten/ daß (wie Vitruvius in seinem ersten und sechsten Buch meldet) den vornehmen Stands-Personen/ oder Edelleuten/ insonderheit aber bey einer Republic, solche Häuser aufgebauet werden/ welche mit weiten/ wol-ausgezierden Stuben und Sälern versehen. Damit in dergleichen Orten/ die Jenigen/ so entweder mit dem Patron umzugehen/ oder sonsten seiner Hülffe bedürfften/ auf ihn zu warten haben/ sich desto beliebiger aushalten mögen. Denen geringern Edelleuten gehören auch geringere Gebäu/ von wenigern Unkosten und weniger Zierad. Denen Gerichts-Herren und Advocaten soll man ebenfalls bauen/ daß in ihren Häusern feine und gezierde Oerter[Spaltenumbruch] zum spatzieren gehen seyn mögen/ damit die Partheyen daselbst ohne Verdrus sich aufhalten können. Der Kauffleuten ihre Häuser/ sollen ihre Ort und Gewölber haben/ wohin man die Wahren thun möge/ und zwar gegen Mitternacht und auf solche Art gestellt/ daß die Patroni sich einiges Einbruchs der Diebe nicht zu befahren. Es wird auch so wol zur Zierde/ als zum Werck/ selbsten dienen/ wann die Theile mit dem Gantzen übereinkommen/ und in grossen Häusern grosse/ in Kleinern kleine/ in Mittelmässigen auch mittelmässige Stuck und Glieder gesehen werden. Und wäre ja eine häßliche ungereimte Sach/ wann in einem sehr grossen Gebäu kleine Säler und Zimmer zu finden/ und im Gegentheil in einem kleinen Gebäue zwo oder drey grosse Stuben/ so das gantze Haus einnähmen. Soll man dahero/ wie gedacht/ so viel möglich/ auf die Jenige sehen/ welche bauen wollen/ und nicht so sehr auf das/ was sie können/ sondern wie es ihre Qualität mit sich bringet. Ist nun die Art zu bauen erwehlt/ soll man die fein hüpsch und dergestalt eintheilen/ damit sie mit dem Gantzen und unter sich selbst übereinkomme/ und diejenige Zieraden beyfügen/ welche dahin schicklich zu seyn scheinen. Allein/ es mus bisweilen auch ein Baumeister sich mehr nach dem Willen desjenigen/ so die Kosten herschiesset/ als nach deme/ so zu beobachten nöthig/ richten.

Das XII. Capittel.
Von Austheilung der Zimmer und
anderer Orten.
[Spaltenumbruch]

DAmit nun die Häuser zum Gebrauch des Hausgesinds beqvem seyn mögen/ ohne welche Bequemlichkeit vielmehr ein solch Gebäu zu schänden als zu loben wäre; so soll man wol acht haben/ nicht allein auf die vornemste Theile/ als da sind Stuben/ Säle/ Gänge/ herrliche Zimmer/ und weite helle Stiegen/ so leicht zu steigen sind; sondern auch/ daß die kleineste und häßlichste Theile in ihren schicklichen Ort eingetheilet/ damit sie denen Grössern und Würdigern zu Dienste stehen mögen: Dann gleichwie am menschlichen Leibe/ etliche edle und schöne/ und etliche garstige und unedle Theil/ so zu reden/ zu finden/ welche wir doch nichts destoweniger/ als wir sehen/ zum höchsten von nöthen/ ja/ und ohne dieselbe so gar nicht bestehen könten; also müssen auch an[Spaltenumbruch] einem Gebäue etliche Theile ansehnlich und geehret/ und theils unformlich seyn: Ohne welche gleichwol die obigen nicht frey stehen/ sondern vielmehr etlicher massen ihre Würde und Zierde verlieren würden. Gleichwie aber der Allerhöchste diese unsere Gliedmassen dergestalt geordnet/ daß die Schönsten am äusersten Orte stehen/ damit sie können gesehen werden/ und hingegen die Ungebührliche am verborgnen Ort: Also sollen auch wir im Bauen die vornemste und ansehnlichste Stucke an offene Ort und Ende setzen/ und hingegen die geringe und verächtliche/ so viel möglich/ von unsern Augen entfernen; Dann an selbige Ort wird man gemeiniglich allen Unrat des Hauses/ und diejenige Sachen/ welche vielleicht eine Ungelegenheit verursachen/ oder zum Theil die schönsten Zimmer unsauber machen möchten/ hinwerffen und thun. Dannenhero lobe ich/ daß zu weilen am untersten

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0211" xml:id="pb-746" n="[I (Architektur), S. 14]"/>
          <div xml:id="d746.1">
            <head> 	Das <hi rendition="#aq">XI.</hi> Capittel.<lb/>
Von der Zierde und Geschicklig-<lb/>
keit/ welche bey den <hi rendition="#aq">Privat</hi>-Gebäuen<lb/>
zu beobachten. </head><lb/>
            <cb/>
            <p><hi rendition="#in">I</hi>M vorhergegangenen habe <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-836">ich</persName> alle Sachen berührt/ welche so wol zu Erbauung der offentlichen/ als <hi rendition="#aq">Privat</hi>-Häuser zu betrachten nöthig/ und wordurch ein solches Werck schön/ annemlich und Währhafft werden möge: Habe auch so viel die <hi rendition="#aq">Privat</hi>-Häuser betrifft/ etliche zur Beqvemlichkeit nothwendige Stucke/ angezeiget/ wohin absonderlich dieses Gegenwärtige gerichtet. Und weil ein solches Haus/ welches mit der Eigenschafft des Bewohners übereinstimmet/ und dessen Theile/ mit dem Gantzen und unter sich selbsten/ fein artlich sich schicken/ billich bequem zu nennen: So hat ein Baumeister vor allen zu beobachten/ daß (wie <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-317 http://d-nb.info/gnd/118627252 http://viaf.org/viaf/46768430">Vitruvius</persName></hi> in seinem ersten und sechsten Buch meldet) den vornehmen Stands-Personen/ oder Edelleuten/ insonderheit aber bey einer <hi rendition="#aq">Republic,</hi> solche Häuser aufgebauet werden/ welche mit weiten/ wol-ausgezierden Stuben und Sälern versehen. Damit in dergleichen Orten/ die Jenigen/ so entweder mit dem <hi rendition="#aq">Patron</hi> umzugehen/ oder sonsten seiner Hülffe bedürfften/ auf ihn zu warten haben/ sich desto beliebiger aushalten mögen. Denen geringern Edelleuten gehören auch geringere Gebäu/ von wenigern Unkosten und weniger Zierad. Denen Gerichts-Herren und <hi rendition="#aq">Advocaten</hi> soll man ebenfalls bauen/ daß in ihren Häusern feine und gezierde Oerter<cb/>
zum spatzieren gehen seyn mögen/ damit die Partheyen daselbst ohne Verdrus sich aufhalten können. Der Kauffleuten ihre Häuser/ sollen ihre Ort und Gewölber haben/ wohin man die Wahren thun möge/ und zwar gegen Mitternacht und auf solche Art gestellt/ daß die <hi rendition="#aq">Patroni</hi> sich einiges Einbruchs der Diebe nicht zu befahren. Es wird auch so wol zur Zierde/ als zum Werck/ selbsten dienen/ wann die Theile mit dem Gantzen übereinkommen/ und in grossen Häusern grosse/ in Kleinern kleine/ in Mittelmässigen auch mittelmässige Stuck und Glieder gesehen werden. Und wäre ja eine häßliche ungereimte Sach/ wann in einem sehr grossen Gebäu kleine Säler und Zimmer zu finden/ und im Gegentheil in einem kleinen Gebäue zwo oder drey grosse Stuben/ so das gantze Haus einnähmen. Soll man dahero/ wie gedacht/ so viel möglich/ auf die Jenige sehen/ welche bauen wollen/ und nicht so sehr auf das/ was sie können/ sondern wie es ihre Qualität mit sich bringet. Ist nun die Art zu bauen erwehlt/ soll man die fein hüpsch und dergestalt eintheilen/ damit sie mit dem Gantzen und unter sich selbst übereinkomme/ und diejenige Zieraden beyfügen/ welche dahin schicklich zu seyn scheinen. Allein/ es mus bisweilen auch ein Baumeister sich mehr nach dem Willen desjenigen/ so die Kosten herschiesset/ als nach deme/ so zu beobachten nöthig/ richten.</p>
          </div>
          <div xml:id="d746.2">
            <head> 	Das <hi rendition="#aq">XII.</hi> Capittel.<lb/>
Von Austheilung der Zimmer und<lb/>
anderer Orten. </head><lb/>
            <cb/>
            <p><hi rendition="#in">D</hi>Amit nun die Häuser zum Gebrauch des Hausgesinds beqvem seyn mögen/ ohne welche Bequemlichkeit vielmehr ein solch Gebäu zu schänden als zu loben wäre; so soll man wol acht haben/ nicht allein auf die vornemste Theile/ als da sind Stuben/ Säle/ Gänge/ herrliche Zimmer/ und weite helle Stiegen/ so leicht zu steigen sind; sondern auch/ daß die kleineste und häßlichste Theile in ihren schicklichen Ort eingetheilet/ damit sie denen Grössern und Würdigern zu Dienste stehen mögen: Dann gleichwie am menschlichen Leibe/ etliche edle und schöne/ und etliche garstige und unedle Theil/ so zu reden/ zu finden/ welche wir doch nichts destoweniger/ als wir sehen/ zum höchsten von nöthen/ ja/ und ohne dieselbe so gar nicht bestehen könten; also müssen auch an<cb/>
einem Gebäue etliche Theile ansehnlich und geehret/ und theils unformlich seyn: Ohne welche gleichwol die obigen nicht frey stehen/ sondern vielmehr etlicher massen ihre Würde und Zierde verlieren würden. Gleichwie aber der Allerhöchste diese unsere Gliedmassen dergestalt geordnet/ daß die Schönsten am äusersten Orte stehen/ damit sie können gesehen werden/ und hingegen die Ungebührliche am verborgnen Ort: Also sollen auch wir im Bauen die vornemste und ansehnlichste Stucke an offene Ort und Ende setzen/ und hingegen die geringe und verächtliche/ so viel möglich/ von unsern Augen entfernen; Dann an selbige Ort wird man gemeiniglich allen Unrat des Hauses/ und diejenige Sachen/ welche vielleicht eine Ungelegenheit verursachen/ oder zum Theil die schönsten Zimmer unsauber machen möchten/ hinwerffen und thun. Dannenhero lobe <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-836">ich</persName>/ daß zu weilen am untersten
</p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[I (Architektur), S. 14]/0211] Das XI. Capittel. Von der Zierde und Geschicklig- keit/ welche bey den Privat-Gebäuen zu beobachten. IM vorhergegangenen habe ich alle Sachen berührt/ welche so wol zu Erbauung der offentlichen/ als Privat-Häuser zu betrachten nöthig/ und wordurch ein solches Werck schön/ annemlich und Währhafft werden möge: Habe auch so viel die Privat-Häuser betrifft/ etliche zur Beqvemlichkeit nothwendige Stucke/ angezeiget/ wohin absonderlich dieses Gegenwärtige gerichtet. Und weil ein solches Haus/ welches mit der Eigenschafft des Bewohners übereinstimmet/ und dessen Theile/ mit dem Gantzen und unter sich selbsten/ fein artlich sich schicken/ billich bequem zu nennen: So hat ein Baumeister vor allen zu beobachten/ daß (wie Vitruvius in seinem ersten und sechsten Buch meldet) den vornehmen Stands-Personen/ oder Edelleuten/ insonderheit aber bey einer Republic, solche Häuser aufgebauet werden/ welche mit weiten/ wol-ausgezierden Stuben und Sälern versehen. Damit in dergleichen Orten/ die Jenigen/ so entweder mit dem Patron umzugehen/ oder sonsten seiner Hülffe bedürfften/ auf ihn zu warten haben/ sich desto beliebiger aushalten mögen. Denen geringern Edelleuten gehören auch geringere Gebäu/ von wenigern Unkosten und weniger Zierad. Denen Gerichts-Herren und Advocaten soll man ebenfalls bauen/ daß in ihren Häusern feine und gezierde Oerter zum spatzieren gehen seyn mögen/ damit die Partheyen daselbst ohne Verdrus sich aufhalten können. Der Kauffleuten ihre Häuser/ sollen ihre Ort und Gewölber haben/ wohin man die Wahren thun möge/ und zwar gegen Mitternacht und auf solche Art gestellt/ daß die Patroni sich einiges Einbruchs der Diebe nicht zu befahren. Es wird auch so wol zur Zierde/ als zum Werck/ selbsten dienen/ wann die Theile mit dem Gantzen übereinkommen/ und in grossen Häusern grosse/ in Kleinern kleine/ in Mittelmässigen auch mittelmässige Stuck und Glieder gesehen werden. Und wäre ja eine häßliche ungereimte Sach/ wann in einem sehr grossen Gebäu kleine Säler und Zimmer zu finden/ und im Gegentheil in einem kleinen Gebäue zwo oder drey grosse Stuben/ so das gantze Haus einnähmen. Soll man dahero/ wie gedacht/ so viel möglich/ auf die Jenige sehen/ welche bauen wollen/ und nicht so sehr auf das/ was sie können/ sondern wie es ihre Qualität mit sich bringet. Ist nun die Art zu bauen erwehlt/ soll man die fein hüpsch und dergestalt eintheilen/ damit sie mit dem Gantzen und unter sich selbst übereinkomme/ und diejenige Zieraden beyfügen/ welche dahin schicklich zu seyn scheinen. Allein/ es mus bisweilen auch ein Baumeister sich mehr nach dem Willen desjenigen/ so die Kosten herschiesset/ als nach deme/ so zu beobachten nöthig/ richten. Das XII. Capittel. Von Austheilung der Zimmer und anderer Orten. DAmit nun die Häuser zum Gebrauch des Hausgesinds beqvem seyn mögen/ ohne welche Bequemlichkeit vielmehr ein solch Gebäu zu schänden als zu loben wäre; so soll man wol acht haben/ nicht allein auf die vornemste Theile/ als da sind Stuben/ Säle/ Gänge/ herrliche Zimmer/ und weite helle Stiegen/ so leicht zu steigen sind; sondern auch/ daß die kleineste und häßlichste Theile in ihren schicklichen Ort eingetheilet/ damit sie denen Grössern und Würdigern zu Dienste stehen mögen: Dann gleichwie am menschlichen Leibe/ etliche edle und schöne/ und etliche garstige und unedle Theil/ so zu reden/ zu finden/ welche wir doch nichts destoweniger/ als wir sehen/ zum höchsten von nöthen/ ja/ und ohne dieselbe so gar nicht bestehen könten; also müssen auch an einem Gebäue etliche Theile ansehnlich und geehret/ und theils unformlich seyn: Ohne welche gleichwol die obigen nicht frey stehen/ sondern vielmehr etlicher massen ihre Würde und Zierde verlieren würden. Gleichwie aber der Allerhöchste diese unsere Gliedmassen dergestalt geordnet/ daß die Schönsten am äusersten Orte stehen/ damit sie können gesehen werden/ und hingegen die Ungebührliche am verborgnen Ort: Also sollen auch wir im Bauen die vornemste und ansehnlichste Stucke an offene Ort und Ende setzen/ und hingegen die geringe und verächtliche/ so viel möglich/ von unsern Augen entfernen; Dann an selbige Ort wird man gemeiniglich allen Unrat des Hauses/ und diejenige Sachen/ welche vielleicht eine Ungelegenheit verursachen/ oder zum Theil die schönsten Zimmer unsauber machen möchten/ hinwerffen und thun. Dannenhero lobe ich/ daß zu weilen am untersten

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sandrart.net: Bereitstellung der Texttranskription in XML/TEI. (2013-05-21T09:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus sandrart.net entsprechen muss.
Sandrart.net: Bereitstellung der Bilddigitalisate. (2013-05-21T09:54:31Z)
Frederike Neuber: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2013-05-21T09:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Der Zeilenfall wurde nicht übernommen.
  • Bei Worttrennungen am Spalten- oder Seitenumbruch, steht das gesamte Wort auf der vorhergehenden Spalte bzw. Seite.
  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0201_1679
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0201_1679/211
Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,1. Nürnberg, 1679, S. [I (Architektur), S. 14]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0201_1679/211>, abgerufen am 25.04.2019.