Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,1. Nürnberg, 1679.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] TRIUMPHIS INSIGNEM DICAVIT.

Der alte Römische Schuh/ genannt Palmo Romano anticho, wormit diese alte Römische Gebäue [Spaltenumbruch] abgemessen worden/ ist in zwölff Zolle abgetheilet/ und iedweder Zoll in 4. Minuten.

Plat. 16. Das XXII. Capittel.
Käyser FLAVII VESPASIANI
rundes Schauspiel-Haus
/ ins gemein
Colossaeum genannt.
[Spaltenumbruch]

UNter den mannigfaltigen herrlichen Gebäuen der Monarchen des alten Römischen Reichs/ welche sie zu dero offentlichen Gebrauch erheben lassen/ waren nicht die geringste ihre Spiel- Fest- und Schau-Bühne/ oder die Amphitheatra, deren zu Rom eines genannt das Colossaeum, auch zu Verona und Pola, einer Stadt in Dalmatia zusehen: weil aber von diesen allen das Colossaeum in der Grösse/ auch Bau-verstand/ und sonst in allen Theilen am besten die andern alle übertreffen thut; als wollen wir/ geliebter Kürtze halben/ nur von dem Ersten die Notdurfft hier noch gedencken: Dieses Amphitheatrum von Rom ins gemein Coliseo genannt/ hat machen lassen der Käyser Vespasianus in mitten der Stadt/ gelegen/ gleichwie schon vorhero Augustus verordnet gehabt/ deren Chorographia oder Grundlegung/ und gantzes Gebäu aus dieser eintzigen Platten gnugsam zuerkennen; weil vermittels beeder Durchschnitte allerseits Beschaffenheiten des Grunds/ samt Erhebung des Baues so inn- als auswendig völlig zu begreiffen. Dieser mächtige Bau bestehet in vier Ordnungen/ daraus dieses Wercks hoher Verstand nun um so viel besser zubegreiffen/ wie vernünfftig alles bedacht worden/ als ist nach dem alten Römischen Schuh alles gemessen zuersehen/ wollen erstlich der auswendigen Theile gedencken. Die Pilastern in Fronto seyn von 10. Schuh 6. Min. Die Dicke der Colonnen 4. Schuh/ und die Seiten Pilastren 3. Schuh 2. Minut. Von einem Pilaster zu dem andern ist das offene Spatium, oder Vanno 20. Schuh/ aber die vier vornehmste Eingänge seyn 22. Schuh. Der Seiten-Pilastren Dicke seyn 12. Schuh/ die Breite des ersten Portico oder bedeckten Gangs hat 22. Schuh/ die andere ferner hinein ist breit 20. Schuh/ wie aus dem auswendigen Theile abzunehmen/ daß alle innerlich Gänge zu dem Centro hinzugehen. Dieses sey von dem Auswendigen gesagt/ und nun des Innerlichen zu erwähnen/ wie vorgedacht/ ist dieser in vier Ordre, und durch dessen Profil zu sehen alles Innerliche nach der Ordnung; also auch zugleich der völlige Grund/ wie auf der Erden/ vermittels dessen/ ob wäre der Bau durch gesegt/ gantz[Spaltenumbruch] erkentlich/ erstlich wie die Staffeln gehen/ auf welchen die Zuschauer gesessen/ und die heimliche Gänge ihr Ordnung gehabt/ wie und in wie mancherley Weis die Stiegen gangen/ als die in Warheit sehr gelegen auf- und abzugehen/ gestalt in sehr weniger Zeit/ das gantze Amphitheatrum von vielen Menschen erfüllet/ und wieder mit noch mehr Geschwindigkeit von Menschen leer worden/ ohne Hindernus eines des andern. Also erzeiget sich aus dem auswendigen Theil die Verkleinerung der Dicke von den Mauren/ als die sich hinneinwerts ziehet/ welch Hinein-ziehen dem Bau mehrer Stärcke giebt/ und das deme also/ erhellet aus deme; weil noch heutiges Tags dieser Facciata auswendig etliche Theile von unten bis oben zu End nach ausgestandenen vielfältigen Ruinen/ GewaltRegen und Sturmwinden/ noch völlig gantz richtig aufeinander/ unangesehen inwendig das meiste bis zum Grund abgebrochen worden/ beständig blieben/ wovon dieses eintzige der dünneste und wenigste schwere Gemäure (wie vorgemelt) und von sich selbst eine Piramidische Gestalt angenommen/ der Ursach ist. Diesen Gebrauch haben der Venetianer Gebäue nicht/ sondern contrarie, sie machen die Mauer der Gebäuen des auswendigen Theils recht/ hingegen inwendig spitzen sie aufwarts zu/ und solches allein/ um dieser Ursach/ damit sie oben mehrern Platz gewinnen/ was aber diesem Bau eine grosse Beyhülffe macht/ ist/ daß allda keine Bogen noch einig Gewölbtes/ welches die Mauren einiger seits druckte/ sondern da mannigfalt Höltzer durchziehen in den Mauren gelegt/ vereinbaren und halten das gantze Werck zusammen/ so lang das Holtzwerck dauren kan/ welche auch nach und nach wiederum mögen eingelegt werden. Wir wollen auch von dem innerlichen Sitz-Platz und dessen ersten Staffeln Anfang gedencken/ wie daß der erste Sitz-Platz von der Erden also hoch erhoben gewesen/ daß kein wildes noch anderes unbendiges Thier/ nicht vermocht etwas Ubels einigen Zuschauenden verursachen/ über dem war es allda mit einer Lehne/ oder Parapetto versehen/ mit gnugsam Spacio einer Gassen rings herum zu gehen/ wie dann der Durchschnitt dieses Baues des Architects hohen Verstand sattsam zuerkennen giebt.

P.S. Dieser Bau ist verstandener Massen in

[Spaltenumbruch] TRIUMPHIS INSIGNEM DICAVIT.

Der alte Römische Schuh/ genannt Palmo Romano anticho, wormit diese alte Römische Gebäue [Spaltenumbruch] abgemessen worden/ ist in zwölff Zolle abgetheilet/ und iedweder Zoll in 4. Minuten.

Plat. 16. Das XXII. Capittel.
Käyser FLAVII VESPASIANI
rundes Schauspiel-Haus
/ ins gemein
Colossaeum genannt.
[Spaltenumbruch]

UNter den mannigfaltigen herrlichen Gebäuen der Monarchen des alten Römischen Reichs/ welche sie zu dero offentlichen Gebrauch erheben lassen/ waren nicht die geringste ihre Spiel- Fest- und Schau-Bühne/ oder die Amphitheatra, deren zu Rom eines genannt das Colossaeum, auch zu Verona und Pola, einer Stadt in Dalmatia zusehen: weil aber von diesen allen das Colossaeum in der Grösse/ auch Bau-verstand/ und sonst in allen Theilen am besten die andern alle übertreffen thut; als wollen wir/ geliebter Kürtze halben/ nur von dem Ersten die Notdurfft hier noch gedencken: Dieses Amphitheatrum von Rom ins gemein Coliseo genannt/ hat machen lassen der Käyser Vespasianus in mitten der Stadt/ gelegen/ gleichwie schon vorhero Augustus verordnet gehabt/ deren Chorographia oder Grundlegung/ und gantzes Gebäu aus dieser eintzigen Platten gnugsam zuerkennen; weil vermittels beeder Durchschnitte allerseits Beschaffenheiten des Grunds/ samt Erhebung des Baues so inn- als auswendig völlig zu begreiffen. Dieser mächtige Bau bestehet in vier Ordnungen/ daraus dieses Wercks hoher Verstand nun um so viel besser zubegreiffen/ wie vernünfftig alles bedacht worden/ als ist nach dem alten Römischen Schuh alles gemessen zuersehen/ wollen erstlich der auswendigen Theile gedencken. Die Pilastern in Fronto seyn von 10. Schuh 6. Min. Die Dicke der Colonnen 4. Schuh/ und die Seiten Pilastren 3. Schuh 2. Minut. Von einem Pilaster zu dem andern ist das offene Spatium, oder Vanno 20. Schuh/ aber die vier vornehmste Eingänge seyn 22. Schuh. Der Seiten-Pilastren Dicke seyn 12. Schuh/ die Breite des ersten Portico oder bedeckten Gangs hat 22. Schuh/ die andere ferner hinein ist breit 20. Schuh/ wie aus dem auswendigen Theile abzunehmen/ daß alle innerlich Gänge zu dem Centro hinzugehen. Dieses sey von dem Auswendigen gesagt/ und nun des Innerlichen zu erwähnen/ wie vorgedacht/ ist dieser in vier Ordre, und durch dessen Profil zu sehen alles Innerliche nach der Ordnung; also auch zugleich der völlige Grund/ wie auf der Erden/ vermittels dessen/ ob wäre der Bau durch gesegt/ gantz[Spaltenumbruch] erkentlich/ erstlich wie die Staffeln gehen/ auf welchen die Zuschauer gesessen/ und die heimliche Gänge ihr Ordnung gehabt/ wie und in wie mancherley Weis die Stiegen gangen/ als die in Warheit sehr gelegen auf- und abzugehen/ gestalt in sehr weniger Zeit/ das gantze Amphitheatrum von vielen Menschen erfüllet/ und wieder mit noch mehr Geschwindigkeit von Menschen leer worden/ ohne Hindernus eines des andern. Also erzeiget sich aus dem auswendigen Theil die Verkleinerung der Dicke von den Mauren/ als die sich hinneinwerts ziehet/ welch Hinein-ziehen dem Bau mehrer Stärcke giebt/ und das deme also/ erhellet aus deme; weil noch heutiges Tags dieser Facciata auswendig etliche Theile von unten bis oben zu End nach ausgestandenen vielfältigen Ruinen/ GewaltRegen und Sturmwinden/ noch völlig gantz richtig aufeinander/ unangesehen inwendig das meiste bis zum Grund abgebrochen worden/ beständig blieben/ wovon dieses eintzige der dünneste und wenigste schwere Gemäure (wie vorgemelt) und von sich selbst eine Piramidische Gestalt angenommen/ der Ursach ist. Diesen Gebrauch haben der Venetianer Gebäue nicht/ sondern contrarie, sie machen die Mauer der Gebäuen des auswendigen Theils recht/ hingegen inwendig spitzen sie aufwarts zu/ und solches allein/ um dieser Ursach/ damit sie oben mehrern Platz gewinnen/ was aber diesem Bau eine grosse Beyhülffe macht/ ist/ daß allda keine Bogen noch einig Gewölbtes/ welches die Mauren einiger seits druckte/ sondern da mannigfalt Höltzer durchziehen in den Mauren gelegt/ vereinbaren und halten das gantze Werck zusammen/ so lang das Holtzwerck dauren kan/ welche auch nach und nach wiederum mögen eingelegt werden. Wir wollen auch von dem innerlichen Sitz-Platz und dessen ersten Staffeln Anfang gedencken/ wie daß der erste Sitz-Platz von der Erden also hoch erhoben gewesen/ daß kein wildes noch anderes unbendiges Thier/ nicht vermocht etwas Ubels einigen Zuschauenden verursachen/ über dem war es allda mit einer Lehne/ oder Parapetto versehen/ mit gnugsam Spacio einer Gassen rings herum zu gehen/ wie dann der Durchschnitt dieses Baues des Architects hohen Verstand sattsam zuerkennen giebt.

P.S. Dieser Bau ist verstandener Massen in

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div xml:id="d754.1">
            <p> <hi rendition="#aq">
                <foreign xml:lang="lat"><pb facs="#f0220" xml:id="pb-755" n="[I (Architektur), S. 23]"/><cb/>
TRIUMPHIS INSIGNEM DICAVIT.</foreign>
              </hi> </p>
            <p>Der alte Römische Schuh/ genannt <hi rendition="#aq"><foreign xml:lang="lat">Palmo Romano anticho,</foreign></hi> wormit diese alte Römische Gebäue
<cb/>
abgemessen worden/ ist in zwölff Zolle abgetheilet/ und iedweder Zoll in 4. Minuten.</p>
          </div>
          <div xml:id="d755">
            <head><note place="right"><ref rendition="#aq" target="#figure-0672.1">Plat. 16.</ref></note> 	Das <hi rendition="#aq">XXII.</hi> Capittel.<lb/><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-40 http://arachne.uni-koeln.de/item/bauwerk/2100160 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=150792 http://www.geonames.org/6269248/">Käyser <hi rendition="#aq">FLAVII VESPASIANI</hi><lb/>
rundes Schauspiel-Haus</placeName>/ ins gemein<lb/><hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-40 http://arachne.uni-koeln.de/item/bauwerk/2100160 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=150792 http://www.geonames.org/6269248/">Colossaeum</placeName></hi> genannt.</head><lb/>
            <cb/>
            <p><hi rendition="#in">U</hi>Nter den mannigfaltigen herrlichen Gebäuen der Monarchen des alten Römischen Reichs/ welche sie zu dero offentlichen Gebrauch erheben lassen/ waren nicht die geringste ihre Spiel- Fest- und Schau-Bühne/ oder die <hi rendition="#aq">Amphitheatra,</hi> deren zu <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2688 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=150792" type="artificialWork">eines genannt das <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-40 http://arachne.uni-koeln.de/item/bauwerk/2100160 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=150792 http://www.geonames.org/6269248/">Colossaeum</placeName></hi></name>, auch zu <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-103 http://www.geonames.org/3164527/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7003262">Verona</placeName></hi> und <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-592 http://www.geonames.org/3192224/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7015562">Pola</placeName>,</hi> einer Stadt in <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-104 http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7015451">Dalmatia</placeName></hi> zusehen: weil aber von diesen allen das <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-40 http://arachne.uni-koeln.de/item/bauwerk/2100160 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=150792 http://www.geonames.org/6269248/">Colossaeum</placeName></hi> in der Grösse/ auch Bau-verstand/ und sonst in allen Theilen am besten die andern alle übertreffen thut; als wollen <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-836">wir</persName>/ geliebter Kürtze halben/ nur von dem Ersten die Notdurfft hier noch gedencken: <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-2688 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=150792" type="artificialWork">Dieses <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-40 http://arachne.uni-koeln.de/item/bauwerk/2100160 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=150792 http://www.geonames.org/6269248/"><hi rendition="#aq">Amphitheatrum</hi></placeName> von <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> ins gemein <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-40 http://arachne.uni-koeln.de/item/bauwerk/2100160 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=150792 http://www.geonames.org/6269248/">Coliseo</placeName></hi> genannt</name>/ hat machen lassen der <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-289 http://d-nb.info/gnd/11862671X http://viaf.org/viaf/96539514">Käyser <hi rendition="#aq"> Vespasianus</hi></persName> in mitten der Stadt/ gelegen/ gleichwie schon vorhero <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-316 http://d-nb.info/gnd/118505122 http://viaf.org/viaf/18013086">Augustus</persName></hi> verordnet gehabt/ deren <hi rendition="#aq">Chorographia</hi> oder Grundlegung/ und gantzes Gebäu aus dieser eintzigen Platten gnugsam zuerkennen; weil vermittels beeder Durchschnitte allerseits Beschaffenheiten des Grunds/ samt Erhebung des Baues so inn- als auswendig völlig zu begreiffen. Dieser mächtige Bau bestehet in vier Ordnungen/ daraus dieses Wercks hoher Verstand nun um so viel besser zubegreiffen/ wie vernünfftig alles bedacht worden/ als ist nach dem alten Römischen Schuh alles gemessen zuersehen/ wollen erstlich der auswendigen Theile gedencken. Die <hi rendition="#aq">Pilastern in Fronto</hi> seyn von 10. Schuh 6. Min. Die Dicke der <hi rendition="#aq">Colonnen</hi> 4. Schuh/ und die Seiten <hi rendition="#aq">Pilastren</hi> 3. Schuh 2. Minut. Von einem <hi rendition="#aq">Pilaster</hi> zu dem andern ist das offene <hi rendition="#aq">Spatium,</hi> oder <hi rendition="#aq">Vanno</hi> 20. Schuh/ aber die vier vornehmste Eingänge seyn 22. Schuh. Der Seiten-<hi rendition="#aq">Pilastren</hi> Dicke seyn 12. Schuh/ die Breite des ersten <hi rendition="#aq">Portico</hi> oder bedeckten Gangs hat 22. Schuh/ die andere ferner hinein ist breit 20. Schuh/ wie aus dem auswendigen Theile abzunehmen/ daß alle innerlich Gänge zu dem <hi rendition="#aq">Centro</hi> hinzugehen. Dieses sey von dem Auswendigen gesagt/ und nun des Innerlichen zu erwähnen/ wie vorgedacht/ ist dieser in vier <hi rendition="#aq">Ordre,</hi> und durch dessen <hi rendition="#aq">Profil</hi> zu sehen alles Innerliche nach der Ordnung; also auch zugleich der völlige Grund/ wie auf der Erden/ vermittels dessen/ ob wäre der Bau durch gesegt/ gantz<cb/>
erkentlich/ erstlich wie die Staffeln gehen/ auf welchen die Zuschauer gesessen/ und die heimliche Gänge ihr Ordnung gehabt/ wie und in wie mancherley Weis die Stiegen gangen/ als die in Warheit sehr gelegen auf- und abzugehen/ gestalt in sehr weniger Zeit/ das gantze <hi rendition="#aq">Amphitheatrum</hi> von vielen Menschen erfüllet/ und wieder mit noch mehr Geschwindigkeit von Menschen leer worden/ ohne Hindernus eines des andern. Also erzeiget sich aus dem auswendigen Theil die Verkleinerung der Dicke von den Mauren/ als die sich hinneinwerts ziehet/ welch Hinein-ziehen dem Bau mehrer Stärcke giebt/ und das deme also/ erhellet aus deme; weil noch heutiges Tags dieser <hi rendition="#aq">Facciata</hi> auswendig etliche Theile von unten bis oben zu End nach ausgestandenen vielfältigen <hi rendition="#aq">Ruinen</hi>/ GewaltRegen und Sturmwinden/ noch völlig gantz richtig aufeinander/ unangesehen inwendig das meiste bis zum Grund abgebrochen worden/ beständig blieben/ wovon dieses eintzige der dünneste und wenigste schwere Gemäure (wie vorgemelt) und von sich selbst eine <hi rendition="#aq">Piramidische</hi> Gestalt angenommen/ der Ursach ist. Diesen Gebrauch haben der <hi rendition="#aq">Venetianer</hi> Gebäue nicht/ sondern <hi rendition="#aq">contrarie,</hi> sie machen die Mauer der Gebäuen des auswendigen Theils recht/ hingegen inwendig spitzen sie aufwarts zu/ und solches allein/ um dieser Ursach/ damit sie oben mehrern Platz gewinnen/ was aber diesem Bau eine grosse Beyhülffe macht/ ist/ daß allda keine Bogen noch einig Gewölbtes/ welches die Mauren einiger seits druckte/ sondern da mannigfalt Höltzer durchziehen in den Mauren gelegt/ vereinbaren und halten das gantze Werck zusammen/ so lang das Holtzwerck dauren kan/ welche auch nach und nach wiederum mögen eingelegt werden. Wir wollen auch von dem innerlichen Sitz-Platz und dessen ersten Staffeln Anfang gedencken/ wie daß der erste Sitz-Platz von der Erden also hoch erhoben gewesen/ daß kein wildes noch anderes unbendiges Thier/ nicht vermocht etwas Ubels einigen Zuschauenden verursachen/ über dem war es allda mit einer Lehne/ oder <hi rendition="#aq">Parapetto</hi> versehen/ mit gnugsam <hi rendition="#aq">Spacio</hi> einer Gassen rings herum zu gehen/ wie dann der Durchschnitt dieses Baues des <hi rendition="#aq">Architects</hi> hohen Verstand sattsam zuerkennen giebt.</p>
            <p><hi rendition="#aq">P.S.</hi> Dieser Bau ist verstandener Massen in
</p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[I (Architektur), S. 23]/0220] TRIUMPHIS INSIGNEM DICAVIT. Der alte Römische Schuh/ genannt Palmo Romano anticho, wormit diese alte Römische Gebäue abgemessen worden/ ist in zwölff Zolle abgetheilet/ und iedweder Zoll in 4. Minuten. Das XXII. Capittel. Käyser FLAVII VESPASIANI rundes Schauspiel-Haus/ ins gemein Colossaeum genannt. UNter den mannigfaltigen herrlichen Gebäuen der Monarchen des alten Römischen Reichs/ welche sie zu dero offentlichen Gebrauch erheben lassen/ waren nicht die geringste ihre Spiel- Fest- und Schau-Bühne/ oder die Amphitheatra, deren zu Rom eines genannt das Colossaeum, auch zu Verona und Pola, einer Stadt in Dalmatia zusehen: weil aber von diesen allen das Colossaeum in der Grösse/ auch Bau-verstand/ und sonst in allen Theilen am besten die andern alle übertreffen thut; als wollen wir/ geliebter Kürtze halben/ nur von dem Ersten die Notdurfft hier noch gedencken: Dieses Amphitheatrum von Rom ins gemein Coliseo genannt/ hat machen lassen der Käyser Vespasianus in mitten der Stadt/ gelegen/ gleichwie schon vorhero Augustus verordnet gehabt/ deren Chorographia oder Grundlegung/ und gantzes Gebäu aus dieser eintzigen Platten gnugsam zuerkennen; weil vermittels beeder Durchschnitte allerseits Beschaffenheiten des Grunds/ samt Erhebung des Baues so inn- als auswendig völlig zu begreiffen. Dieser mächtige Bau bestehet in vier Ordnungen/ daraus dieses Wercks hoher Verstand nun um so viel besser zubegreiffen/ wie vernünfftig alles bedacht worden/ als ist nach dem alten Römischen Schuh alles gemessen zuersehen/ wollen erstlich der auswendigen Theile gedencken. Die Pilastern in Fronto seyn von 10. Schuh 6. Min. Die Dicke der Colonnen 4. Schuh/ und die Seiten Pilastren 3. Schuh 2. Minut. Von einem Pilaster zu dem andern ist das offene Spatium, oder Vanno 20. Schuh/ aber die vier vornehmste Eingänge seyn 22. Schuh. Der Seiten-Pilastren Dicke seyn 12. Schuh/ die Breite des ersten Portico oder bedeckten Gangs hat 22. Schuh/ die andere ferner hinein ist breit 20. Schuh/ wie aus dem auswendigen Theile abzunehmen/ daß alle innerlich Gänge zu dem Centro hinzugehen. Dieses sey von dem Auswendigen gesagt/ und nun des Innerlichen zu erwähnen/ wie vorgedacht/ ist dieser in vier Ordre, und durch dessen Profil zu sehen alles Innerliche nach der Ordnung; also auch zugleich der völlige Grund/ wie auf der Erden/ vermittels dessen/ ob wäre der Bau durch gesegt/ gantz erkentlich/ erstlich wie die Staffeln gehen/ auf welchen die Zuschauer gesessen/ und die heimliche Gänge ihr Ordnung gehabt/ wie und in wie mancherley Weis die Stiegen gangen/ als die in Warheit sehr gelegen auf- und abzugehen/ gestalt in sehr weniger Zeit/ das gantze Amphitheatrum von vielen Menschen erfüllet/ und wieder mit noch mehr Geschwindigkeit von Menschen leer worden/ ohne Hindernus eines des andern. Also erzeiget sich aus dem auswendigen Theil die Verkleinerung der Dicke von den Mauren/ als die sich hinneinwerts ziehet/ welch Hinein-ziehen dem Bau mehrer Stärcke giebt/ und das deme also/ erhellet aus deme; weil noch heutiges Tags dieser Facciata auswendig etliche Theile von unten bis oben zu End nach ausgestandenen vielfältigen Ruinen/ GewaltRegen und Sturmwinden/ noch völlig gantz richtig aufeinander/ unangesehen inwendig das meiste bis zum Grund abgebrochen worden/ beständig blieben/ wovon dieses eintzige der dünneste und wenigste schwere Gemäure (wie vorgemelt) und von sich selbst eine Piramidische Gestalt angenommen/ der Ursach ist. Diesen Gebrauch haben der Venetianer Gebäue nicht/ sondern contrarie, sie machen die Mauer der Gebäuen des auswendigen Theils recht/ hingegen inwendig spitzen sie aufwarts zu/ und solches allein/ um dieser Ursach/ damit sie oben mehrern Platz gewinnen/ was aber diesem Bau eine grosse Beyhülffe macht/ ist/ daß allda keine Bogen noch einig Gewölbtes/ welches die Mauren einiger seits druckte/ sondern da mannigfalt Höltzer durchziehen in den Mauren gelegt/ vereinbaren und halten das gantze Werck zusammen/ so lang das Holtzwerck dauren kan/ welche auch nach und nach wiederum mögen eingelegt werden. Wir wollen auch von dem innerlichen Sitz-Platz und dessen ersten Staffeln Anfang gedencken/ wie daß der erste Sitz-Platz von der Erden also hoch erhoben gewesen/ daß kein wildes noch anderes unbendiges Thier/ nicht vermocht etwas Ubels einigen Zuschauenden verursachen/ über dem war es allda mit einer Lehne/ oder Parapetto versehen/ mit gnugsam Spacio einer Gassen rings herum zu gehen/ wie dann der Durchschnitt dieses Baues des Architects hohen Verstand sattsam zuerkennen giebt. P.S. Dieser Bau ist verstandener Massen in

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sandrart.net: Bereitstellung der Texttranskription in XML/TEI. (2013-05-21T09:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus sandrart.net entsprechen muss.
Sandrart.net: Bereitstellung der Bilddigitalisate. (2013-05-21T09:54:31Z)
Frederike Neuber: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2013-05-21T09:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Der Zeilenfall wurde nicht übernommen.
  • Bei Worttrennungen am Spalten- oder Seitenumbruch, steht das gesamte Wort auf der vorhergehenden Spalte bzw. Seite.
  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0201_1679
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0201_1679/220
Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,1. Nürnberg, 1679, S. [I (Architektur), S. 23]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0201_1679/220>, abgerufen am 19.04.2019.