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Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,1. Nürnberg, 1679.

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[Spaltenumbruch] eine sehr berühmte Marienkirche ist/ Ara Coeli, der Himmels-altar genant. Unter denjenigen Der Tempel Jovis Capitolini. Virgil. lib. VIII. Aen. Tempeln aber war des Jovis Capitolini der aller fürnehmste/ in dem Schloß/ nicht weit von dem Tarpejischen Felsen gelegen: Welchen Manlius, da die Frantzosen dasselbige Schloß übersteigen wolten/ sehr mannlich beschützet/ und den Feind wieder davon abgetrieben; als welchen dazumal das starcke Geschrey der Gänse/ (die in Junonis Tempel gehalten wurden) des Nachts erwecket hatte. Es war aber eben dieser Tempel auch in Jovis Tempel befindlich/ und Manlius wohnte nächst dabey/ nemlich in dem Schloß selbst; wo vorhin der König Tatius gewohnt hatte/ und wo hernach der Tempel Junonis Monetae gestanden. Liv. lib. VI. Nachdem aber Manlius treulos und abtrünnig worden/ ergieng das Verbot/ hinfüro solte kein Geschlechter weder im Schloß/ noch in dem Capitolio, wohnen. Welches Gesetz so viel sagen wolte/ daß hinfüro die Geschlechter weder in dem Schloß/ wo Manlius zuvor gewohnt/ noch im Capitolio, das ist/ auf dem andern Theil des Hügels wohnen solten.

Wer solchen Tempel erbauet. Solchen Tempel nun hatte Tarquinius, der Fünffte Römische König dem Jovi, der Junoni, und Minervae zu Ehren erbauet: Denen hiebevor der König Numa sehr schlechte Capellen auf dem Berg Quirinali aufgerichtet; so man vordessen nur das alte Capitolium geheissen. Es hat aber derjenige Tempel von unterschiedlichen Dessen unterschiedliche Feuersbrunsten. Feuersbrunsten sehr viel erlitten; Denn da solcher 425. Jahre hernach abgebrant/ hat ihn der Dictator Sylla wiederum aus der Asche erhoben; und nach Absterben dessen Catulus ihn eingeweihet. Zum andern mal ist er abgebrunnen unter dem Keyser Vitellio, welchen hernach Vespasianus wieder zu recht gebracht: Zum dritten ist solcher/ unter dem Keyser Tito dem Feuer zu theil worden; so Domitianus nachmals wiederum erbauet: Wie aus Tacito, Plutarcho, Suetonio, Dione, Eutropeo, und vielen andern zur Genüge bekant. Das gantze Gebäu des Tempels war in drey Theile abgetheilet/ und hatte der mittlere Theil zwey andere Angebäue/ gleichsam als Flügel: die darzwischen-streichende Wände wurden von gemaurten/ weissen Seulen unterstützet und gehalten; welche nachmals Sylla ausgewechselt/ und an derenselben Stelle diejenige Seulen gesetzet/ welche aus des Jovis Olympici Tempel/ einen weiten Weg/ dahin geführet wurden. Ausser demselben waren Spatzirgänge zu sehen; voran ein dreyfacher/ zu beeden Seiten zweyfache Gänge/ Bulenger. de Triumph. cap. 33. mit herrlichen Seulen unterstützet: Unter welchen die triumphirenden Siegsfürsten/ nach verrichtem Opfer/ und in des Jovis Schoß abgelegten Lorbeerkron/ dem gantzen Rath/ und allen anwesenden fürnehmen Leuten der Stadt/ ein öffentliches Gastmal zum besten gegeben wurde: Dazu man dann auch die Burgermeister einzuladen/ und gleich darnach wiederum zu ersuchen pflegte; daß sie dismals zu Haus verbleiben möchten/ damit desselbigen Tags keine Person/ die mehr zu gebieten hätte/ als der Triumphator, zugegen seyn möchte.

[Spaltenumbruch]

Innwendiges Gebäu desjenigen Tempels. Innwendig waren drey Zellen/ oder kleine Abschnitte; deren ein jeder seinen besondern/ kleinen Vorhof und Eingang hatte/ mit Seulen gezieret. Gleichwie auch andere Tempel erbauet waren. Solche Zellen nun gewölbt/ und eine so lang/ als die andere: Die mittlere war dem Jovi, die zur rechten der Minervae, die zur lincken der Junoni gewidmet: Andere Neben-tempel/ als des Jovis Custodis, so Keyser Domitianus erbauet/ der das jenige Schloß behütet und verwahret; der Müntz- und Glücks-göttinnen/ Monetae und Fortunae, wie auch Fidei, des allgemeinen Trauens und Glaubens/ samt vielen andern anitzo zu geschweigen.

Bibliotheck daselbst. Auf der Schloß-burg wurde auch die Bibliotheck/ wegen Feuersbrunst sehr fleissig in Acht genommen/ welche Käyser Domitianus gestifftet Suet. in Domit. c. 25. habensoll: Wiewol er solche vielmehr wieder zurecht gebracht/ indem er viel aus der Alexandrischen Bibliotheck darzu abschreiben/ und verbessern lassen. Andere halten Syllam für den Stiffter/welcher/ nach Eroberung der Stadt Athen eine grosse Meng Bücher nach Rom überbracht: Manche sind der Meinung/ entweder Jul. Caesar oder Augustus, als beede Keyser haben das meiste dabey gethan/ vonallen Orten und Enden Bücher herbeygeschafft/ und unterschiedliche Bibliothecken anzurichten verordnet. Sonderlich aber hat/ allem Ansehen nach/ Keyser Hadrianus nicht wenig Das Gymnasium daselbst. darbey gethan/ indem er/ auf dem Capitolio auch ein fürtrefflich Gymnasium aufgerichtet/ darinnen allerhand freye Künste und gute Wissenschafften öffentlich gelehret wurden; Zumal unter dem Keyser Theodosio II. da nemlich drey Oratores, zehen Grammatici, fünff Sophisten/ ein Philosophus, und zween Juristen in demselbigen profitirten. In eben demjenigen Athenaeo übten sich die Poeten und Redner/ mit Recitirung und Ablesung ihrer Schrifften: Denen unterweilen die Keyser selbst beygewohnt/ wie gethan Alexander Severus, Pertinax, Gordianus, und andere Keyser mehr.

Die Cantzeley daselbst. So war auch auf dem Capitolio das so genante Tabularium, oder die Cantzeley/ worinnen alle Rahtsverläße/Burgerbescheide/ Gesetz und Ordnungen aller Rathsherren/ des Volcks/ und der Keyser fleissig aufbehalten und bewahret wurden. Plutarch. in Cic. Polyb lib. III.Hist. Dergleichen Gesetz-Tafel pflegten sie an der Wand/ in dem Capitolinischen Tempel anzuheften und aufzuhangen; die anfänglich nur von Holtz/ nachmals aber von Ertz gemacht waren. Des Romuli Strohhüttlein. Auf dem Capitolio war ferner zu sehen des Romuli Strohhütte/ welche zu Zeiten seiner Regirung/ nur mit Schilfrohren und Ruthen bedecket war; nachmals aber von den Priestern (wann/ nemlich/ das Tach durch das Alter schadhafft worden) wieder mit eben dergleichen Stroh ausgebessert und bäulich erhalten wurde.

Das alte Rahthaus. Nächst denselbigen Hüttlein steht ein Rathhaus/ von der Zusammenforderung und Beruffung Calabra (a calando) genant; dahin alle

[Spaltenumbruch] eine sehr berühmte Marienkirche ist/ Ara Coeli, der Himmels-altar genant. Unter denjenigen Der Tempel Jovis Capitolini. Virgil. lib. VIII. Aen. Tempeln aber war des Jovis Capitolini der aller fürnehmste/ in dem Schloß/ nicht weit von dem Tarpejischen Felsen gelegen: Welchen Manlius, da die Frantzosen dasselbige Schloß übersteigen wolten/ sehr mannlich beschützet/ und den Feind wieder davon abgetrieben; als welchen dazumal das starcke Geschrey der Gänse/ (die in Junonis Tempel gehalten wurden) des Nachts erwecket hatte. Es war aber eben dieser Tempel auch in Jovis Tempel befindlich/ und Manlius wohnte nächst dabey/ nemlich in dem Schloß selbst; wo vorhin der König Tatius gewohnt hatte/ und wo hernach der Tempel Junonis Monetae gestanden. Liv. lib. VI. Nachdem aber Manlius treulos und abtrünnig worden/ ergieng das Verbot/ hinfüro solte kein Geschlechter weder im Schloß/ noch in dem Capitolio, wohnen. Welches Gesetz so viel sagen wolte/ daß hinfüro die Geschlechter weder in dem Schloß/ wo Manlius zuvor gewohnt/ noch im Capitolio, das ist/ auf dem andern Theil des Hügels wohnen solten.

Wer solchen Tempel erbauet. Solchen Tempel nun hatte Tarquinius, der Fünffte Römische König dem Jovi, der Junoni, und Minervae zu Ehren erbauet: Denen hiebevor der König Numa sehr schlechte Capellen auf dem Berg Quirinali aufgerichtet; so man vordessen nur das alte Capitolium geheissen. Es hat aber derjenige Tempel von unterschiedlichen Dessen unterschiedliche Feuersbrunsten. Feuersbrunsten sehr viel erlitten; Denn da solcher 425. Jahre hernach abgebrant/ hat ihn der Dictator Sylla wiederum aus der Asche erhoben; und nach Absterben dessen Catulus ihn eingeweihet. Zum andern mal ist er abgebrunnen unter dem Keyser Vitellio, welchen hernach Vespasianus wieder zu recht gebracht: Zum dritten ist solcher/ unter dem Keyser Tito dem Feuer zu theil worden; so Domitianus nachmals wiederum erbauet: Wie aus Tacito, Plutarcho, Suetonio, Dione, Eutropeo, und vielen andern zur Genüge bekant. Das gantze Gebäu des Tempels war in drey Theile abgetheilet/ und hatte der mittlere Theil zwey andere Angebäue/ gleichsam als Flügel: die darzwischen-streichende Wände wurden von gemaurten/ weissen Seulen unterstützet und gehalten; welche nachmals Sylla ausgewechselt/ und an derenselben Stelle diejenige Seulen gesetzet/ welche aus des Jovis Olympici Tempel/ einen weiten Weg/ dahin geführet wurden. Ausser demselben waren Spatzirgänge zu sehen; voran ein dreyfacher/ zu beeden Seiten zweyfache Gänge/ Bulenger. de Triumph. cap. 33. mit herrlichen Seulen unterstützet: Unter welchen die triumphirenden Siegsfürsten/ nach verrichtem Opfer/ und in des Jovis Schoß abgelegten Lorbeerkron/ dem gantzen Rath/ und allen anwesenden fürnehmen Leuten der Stadt/ ein öffentliches Gastmal zum besten gegeben wurde: Dazu man dann auch die Burgermeister einzuladen/ und gleich darnach wiederum zu ersuchen pflegte; daß sie dismals zu Haus verbleiben möchten/ damit desselbigen Tags keine Person/ die mehr zu gebieten hätte/ als der Triumphator, zugegen seyn möchte.

[Spaltenumbruch]

Innwendiges Gebäu desjenigen Tempels. Innwendig waren drey Zellen/ oder kleine Abschnitte; deren ein jeder seinen besondern/ kleinen Vorhof und Eingang hatte/ mit Seulen gezieret. Gleichwie auch andere Tempel erbauet waren. Solche Zellen nun gewölbt/ und eine so lang/ als die andere: Die mittlere war dem Jovi, die zur rechten der Minervae, die zur lincken der Junoni gewidmet: Andere Neben-tempel/ als des Jovis Custodis, so Keyser Domitianus erbauet/ der das jenige Schloß behütet und verwahret; der Müntz- und Glücks-göttinnen/ Monetae und Fortunae, wie auch Fidei, des allgemeinen Trauens und Glaubens/ samt vielen andern anitzo zu geschweigen.

Bibliotheck daselbst. Auf der Schloß-burg wurde auch die Bibliotheck/ wegen Feuersbrunst sehr fleissig in Acht genommen/ welche Käyser Domitianus gestifftet Suet. in Domit. c. 25. habensoll: Wiewol er solche vielmehr wieder zurecht gebracht/ indem er viel aus der Alexandrischen Bibliotheck darzu abschreiben/ und verbessern lassen. Andere halten Syllam für den Stiffter/welcher/ nach Eroberung der Stadt Athen eine grosse Meng Bücher nach Rom überbracht: Manche sind der Meinung/ entweder Jul. Caesar oder Augustus, als beede Keyser haben das meiste dabey gethan/ vonallen Orten und Enden Bücher herbeygeschafft/ und unterschiedliche Bibliothecken anzurichten verordnet. Sonderlich aber hat/ allem Ansehen nach/ Keyser Hadrianus nicht wenig Das Gymnasium daselbst. darbey gethan/ indem er/ auf dem Capitolio auch ein fürtrefflich Gymnasium aufgerichtet/ darinnen allerhand freye Künste und gute Wissenschafften öffentlich gelehret wurden; Zumal unter dem Keyser Theodosio II. da nemlich drey Oratores, zehen Grammatici, fünff Sophisten/ ein Philosophus, und zween Juristen in demselbigen profitirten. In eben demjenigen Athenaeo übten sich die Poeten und Redner/ mit Recitirung und Ablesung ihrer Schrifften: Denen unterweilen die Keyser selbst beygewohnt/ wie gethan Alexander Severus, Pertinax, Gordianus, und andere Keyser mehr.

Die Cantzeley daselbst. So war auch auf dem Capitolio das so genante Tabularium, oder die Cantzeley/ worinnen alle Rahtsverläße/Burgerbescheide/ Gesetz und Ordnungen aller Rathsherren/ des Volcks/ und der Keyser fleissig aufbehalten und bewahret wurden. Plutarch. in Cic. Polyb lib. III.Hist. Dergleichen Gesetz-Tafel pflegten sie an der Wand/ in dem Capitolinischen Tempel anzuheften und aufzuhangen; die anfänglich nur von Holtz/ nachmals aber von Ertz gemacht waren. Des Romuli Strohhüttlein. Auf dem Capitolio war ferner zu sehen des Romuli Strohhütte/ welche zu Zeiten seiner Regirung/ nur mit Schilfrohren und Ruthen bedecket war; nachmals aber von den Priestern (wann/ nemlich/ das Tach durch das Alter schadhafft worden) wieder mit eben dergleichen Stroh ausgebessert und bäulich erhalten wurde.

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              <p><note place="right">Innwendiges Gebäu desjenigen Tempels.</note> Innwendig waren drey Zellen/ oder kleine Abschnitte; deren ein jeder seinen besondern/ kleinen Vorhof und Eingang hatte/ mit Seulen gezieret. Gleichwie auch andere Tempel erbauet waren. Solche Zellen nun gewölbt/ und eine so lang/ als die andere: Die mittlere war dem <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-99 http://d-nb.info/gnd/118558897 http://viaf.org/viaf/22933410">Jovi</persName>,</hi> die zur rechten der <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-145 http://d-nb.info/gnd/118986155 http://viaf.org/viaf/13107718">Minervae</persName>,</hi> die zur lincken der <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-100 http://d-nb.info/gnd/118800574 http://viaf.org/viaf/47558229">Junoni</persName></hi> gewidmet: Andere Neben-tempel/ als des <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-2227"><hi rendition="#aq">Jovis Custodis</hi></placeName>, so Keyser <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-864 http://d-nb.info/gnd/118672231 http://viaf.org/viaf/96284078">Domitianus</persName></hi> erbauet/ der das jenige Schloß behütet und verwahret; der Müntz- und Glücks-göttinnen/ <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-100 http://d-nb.info/gnd/118800574 http://viaf.org/viaf/47558229">Monetae</persName></hi> und <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-555 http://d-nb.info/gnd/118893025 http://viaf.org/viaf/69727614">Fortunae</persName>,</hi> wie auch <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-212 http://d-nb.info/gnd/118927094 http://viaf.org/viaf/50024664">Fidei</persName>,</hi> des allgemeinen Trauens und Glaubens/ samt vielen andern anitzo zu geschweigen.</p>
              <p><note place="right">Bibliotheck daselbst.</note> Auf der <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-2231">Schloß-burg</placeName> wurde auch die Bibliotheck/ wegen Feuersbrunst sehr fleissig in Acht genommen/ welche Käyser <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-864 http://d-nb.info/gnd/118672231 http://viaf.org/viaf/96284078">Domitianus</persName></hi> gestifftet <note place="right"><hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-850 http://d-nb.info/gnd/118619918 http://viaf.org/viaf/100218597">Suet.</persName> in Domit. c</hi>. 25. </note> habensoll: Wiewol er solche vielmehr wieder zurecht gebracht/ indem er viel aus der <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1138">Alexandrischen Bibliotheck</placeName> darzu abschreiben/ und verbessern lassen. Andere halten <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-625 http://d-nb.info/gnd/11864260X http://viaf.org/viaf/84037378">Syllam</persName></hi> für den Stiffter/welcher/ nach Eroberung der Stadt <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-25 http://www.geonames.org/264371/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7001393">Athen</placeName> eine grosse Meng Bücher nach <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-6 http://www.geonames.org/3169070/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7000874">Rom</placeName> überbracht: Manche sind der Meinung/ entweder <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-628 http://d-nb.info/gnd/118518275 http://viaf.org/viaf/100227925">Jul. Caesar</persName></hi> oder <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-316 http://d-nb.info/gnd/118505122 http://viaf.org/viaf/18013086">Augustus</persName>,</hi> als beede Keyser haben das meiste dabey gethan/ vonallen Orten und Enden Bücher herbeygeschafft/ und unterschiedliche Bibliothecken anzurichten verordnet. Sonderlich aber hat/ allem Ansehen nach/ <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-220 http://d-nb.info/gnd/118544373 http://viaf.org/viaf/82440741">Keyser <hi rendition="#aq">Hadrianus</hi></persName> nicht wenig <note place="right">Das <hi rendition="#aq">Gymnasium</hi> daselbst.</note> darbey gethan/ indem er/ auf dem <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-191 http://www.geonames.org/3180706/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7006963">Capitolio</placeName></hi> auch ein fürtrefflich <hi rendition="#aq">Gymnasium</hi> aufgerichtet/ darinnen allerhand freye Künste und gute Wissenschafften öffentlich gelehret wurden; Zumal unter dem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-263 http://d-nb.info/gnd/118756885 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500312816 http://viaf.org/viaf/46929243">Keyser <hi rendition="#aq">Theodosio II.</hi></persName> da nemlich drey <hi rendition="#aq">Oratores,</hi> zehen <hi rendition="#aq">Grammatici,</hi> fünff <hi rendition="#aq">Sophisten</hi>/ ein <hi rendition="#aq">Philosophus,</hi> und zween Juristen in demselbigen <hi rendition="#aq">profitirten</hi>. In eben demjenigen <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-2231">Athenaeo</placeName></hi> übten sich die Poeten und Redner/ mit <hi rendition="#aq">Recitirung</hi> und Ablesung ihrer Schrifften: Denen unterweilen die Keyser selbst beygewohnt/ wie gethan <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-764 http://d-nb.info/gnd/11861357X http://viaf.org/viaf/50018342">Alexander Severus</persName>, <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-839 http://d-nb.info/gnd/11879048X http://viaf.org/viaf/74649434">Pertinax</persName>, <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-5436 http://d-nb.info/gnd/118540793 http://viaf.org/viaf/89202520">Gordianus</persName>,</hi> und andere Keyser mehr.</p>
              <p><note place="right">Die <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1753 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=151323">Cantzeley</placeName> daselbst.</note> So war auch auf dem <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-191 http://www.geonames.org/3180706/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7006963">Capitolio</placeName></hi> das so genante <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1753 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=151323">Tabularium</placeName>,</hi> oder die <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1753 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=151323">Cantzeley</placeName>/ worinnen alle Rahtsverläße/Burgerbescheide/ Gesetz und Ordnungen aller Rathsherren/ des Volcks/ und der Keyser fleissig aufbehalten und bewahret wurden. <note place="right"><hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-343 http://d-nb.info/gnd/118595237 http://viaf.org/viaf/32140876">Plutarch.</persName> in Cic. Polyb lib. III.Hist.</hi></note> Dergleichen Gesetz-Tafel pflegten sie an der Wand/ in dem <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1269"><hi rendition="#aq">Capitolinischen</hi> Tempel</placeName> anzuheften und aufzuhangen; die anfänglich nur von Holtz/ nachmals aber von Ertz gemacht waren. <note place="right">Des <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-548 http://d-nb.info/gnd/118749617 http://viaf.org/viaf/89106867">Romuli</persName></hi> Strohhüttlein.</note> Auf dem <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-191 http://www.geonames.org/3180706/ http://www.getty.edu/vow/TGNFullDisplay?find=&amp;place=&amp;nation=&amp;subjectid=7006963">Capitolio</placeName></hi> war ferner zu sehen des <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-548 http://d-nb.info/gnd/118749617 http://viaf.org/viaf/89106867">Romuli</persName></hi> Strohhütte/ welche zu Zeiten seiner Regirung/ nur mit Schilfrohren und Ruthen bedecket war; nachmals aber von den Priestern (wann/ nemlich/ das Tach durch das Alter schadhafft worden) wieder mit eben dergleichen Stroh ausgebessert und bäulich erhalten wurde.</p>
              <p xml:id="p789.1"><note place="right">Das alte <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1536 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=155915">Rahthaus</placeName>.</note> Nächst denselbigen Hüttlein steht ein <placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1536 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=155915">Rathhaus</placeName>/ von der Zusammenforderung und Beruffung <hi rendition="#aq"><placeName ref="http://ta.sandrart.net/-place-1536 http://census.bbaw.de/easydb/censusID=155915">Calabra (à calando)</placeName></hi> genant; dahin alle
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[[I (Architektur), S. 57]/0254] eine sehr berühmte Marienkirche ist/ Ara Coeli, der Himmels-altar genant. Unter denjenigen Tempeln aber war des Jovis Capitolini der aller fürnehmste/ in dem Schloß/ nicht weit von dem Tarpejischen Felsen gelegen: Welchen Manlius, da die Frantzosen dasselbige Schloß übersteigen wolten/ sehr mannlich beschützet/ und den Feind wieder davon abgetrieben; als welchen dazumal das starcke Geschrey der Gänse/ (die in Junonis Tempel gehalten wurden) des Nachts erwecket hatte. Es war aber eben dieser Tempel auch in Jovis Tempel befindlich/ und Manlius wohnte nächst dabey/ nemlich in dem Schloß selbst; wo vorhin der König Tatius gewohnt hatte/ und wo hernach der Tempel Junonis Monetae gestanden. Nachdem aber Manlius treulos und abtrünnig worden/ ergieng das Verbot/ hinfüro solte kein Geschlechter weder im Schloß/ noch in dem Capitolio, wohnen. Welches Gesetz so viel sagen wolte/ daß hinfüro die Geschlechter weder in dem Schloß/ wo Manlius zuvor gewohnt/ noch im Capitolio, das ist/ auf dem andern Theil des Hügels wohnen solten. Der Tempel Jovis Capitolini. Virgil. lib. VIII. Aen. Liv. lib. VI. Solchen Tempel nun hatte Tarquinius, der Fünffte Römische König dem Jovi, der Junoni, und Minervae zu Ehren erbauet: Denen hiebevor der König Numa sehr schlechte Capellen auf dem Berg Quirinali aufgerichtet; so man vordessen nur das alte Capitolium geheissen. Es hat aber derjenige Tempel von unterschiedlichen Feuersbrunsten sehr viel erlitten; Denn da solcher 425. Jahre hernach abgebrant/ hat ihn der Dictator Sylla wiederum aus der Asche erhoben; und nach Absterben dessen Catulus ihn eingeweihet. Zum andern mal ist er abgebrunnen unter dem Keyser Vitellio, welchen hernach Vespasianus wieder zu recht gebracht: Zum dritten ist solcher/ unter dem Keyser Tito dem Feuer zu theil worden; so Domitianus nachmals wiederum erbauet: Wie aus Tacito, Plutarcho, Suetonio, Dione, Eutropeo, und vielen andern zur Genüge bekant. Das gantze Gebäu des Tempels war in drey Theile abgetheilet/ und hatte der mittlere Theil zwey andere Angebäue/ gleichsam als Flügel: die darzwischen-streichende Wände wurden von gemaurten/ weissen Seulen unterstützet und gehalten; welche nachmals Sylla ausgewechselt/ und an derenselben Stelle diejenige Seulen gesetzet/ welche aus des Jovis Olympici Tempel/ einen weiten Weg/ dahin geführet wurden. Ausser demselben waren Spatzirgänge zu sehen; voran ein dreyfacher/ zu beeden Seiten zweyfache Gänge/ mit herrlichen Seulen unterstützet: Unter welchen die triumphirenden Siegsfürsten/ nach verrichtem Opfer/ und in des Jovis Schoß abgelegten Lorbeerkron/ dem gantzen Rath/ und allen anwesenden fürnehmen Leuten der Stadt/ ein öffentliches Gastmal zum besten gegeben wurde: Dazu man dann auch die Burgermeister einzuladen/ und gleich darnach wiederum zu ersuchen pflegte; daß sie dismals zu Haus verbleiben möchten/ damit desselbigen Tags keine Person/ die mehr zu gebieten hätte/ als der Triumphator, zugegen seyn möchte. Wer solchen Tempel erbauet. Dessen unterschiedliche Feuersbrunsten. Bulenger. de Triumph. cap. 33. Innwendig waren drey Zellen/ oder kleine Abschnitte; deren ein jeder seinen besondern/ kleinen Vorhof und Eingang hatte/ mit Seulen gezieret. Gleichwie auch andere Tempel erbauet waren. Solche Zellen nun gewölbt/ und eine so lang/ als die andere: Die mittlere war dem Jovi, die zur rechten der Minervae, die zur lincken der Junoni gewidmet: Andere Neben-tempel/ als des Jovis Custodis, so Keyser Domitianus erbauet/ der das jenige Schloß behütet und verwahret; der Müntz- und Glücks-göttinnen/ Monetae und Fortunae, wie auch Fidei, des allgemeinen Trauens und Glaubens/ samt vielen andern anitzo zu geschweigen. Innwendiges Gebäu desjenigen Tempels. Auf der Schloß-burg wurde auch die Bibliotheck/ wegen Feuersbrunst sehr fleissig in Acht genommen/ welche Käyser Domitianus gestifftet habensoll: Wiewol er solche vielmehr wieder zurecht gebracht/ indem er viel aus der Alexandrischen Bibliotheck darzu abschreiben/ und verbessern lassen. Andere halten Syllam für den Stiffter/welcher/ nach Eroberung der Stadt Athen eine grosse Meng Bücher nach Rom überbracht: Manche sind der Meinung/ entweder Jul. Caesar oder Augustus, als beede Keyser haben das meiste dabey gethan/ vonallen Orten und Enden Bücher herbeygeschafft/ und unterschiedliche Bibliothecken anzurichten verordnet. Sonderlich aber hat/ allem Ansehen nach/ Keyser Hadrianus nicht wenig darbey gethan/ indem er/ auf dem Capitolio auch ein fürtrefflich Gymnasium aufgerichtet/ darinnen allerhand freye Künste und gute Wissenschafften öffentlich gelehret wurden; Zumal unter dem Keyser Theodosio II. da nemlich drey Oratores, zehen Grammatici, fünff Sophisten/ ein Philosophus, und zween Juristen in demselbigen profitirten. In eben demjenigen Athenaeo übten sich die Poeten und Redner/ mit Recitirung und Ablesung ihrer Schrifften: Denen unterweilen die Keyser selbst beygewohnt/ wie gethan Alexander Severus, Pertinax, Gordianus, und andere Keyser mehr. Bibliotheck daselbst. Suet. in Domit. c. 25. Das Gymnasium daselbst. So war auch auf dem Capitolio das so genante Tabularium, oder die Cantzeley/ worinnen alle Rahtsverläße/Burgerbescheide/ Gesetz und Ordnungen aller Rathsherren/ des Volcks/ und der Keyser fleissig aufbehalten und bewahret wurden. Dergleichen Gesetz-Tafel pflegten sie an der Wand/ in dem Capitolinischen Tempel anzuheften und aufzuhangen; die anfänglich nur von Holtz/ nachmals aber von Ertz gemacht waren. Auf dem Capitolio war ferner zu sehen des Romuli Strohhütte/ welche zu Zeiten seiner Regirung/ nur mit Schilfrohren und Ruthen bedecket war; nachmals aber von den Priestern (wann/ nemlich/ das Tach durch das Alter schadhafft worden) wieder mit eben dergleichen Stroh ausgebessert und bäulich erhalten wurde. Die Cantzeley daselbst. Plutarch. in Cic. Polyb lib. III.Hist. Des Romuli Strohhüttlein. Nächst denselbigen Hüttlein steht ein Rathhaus/ von der Zusammenforderung und Beruffung Calabra (à calando) genant; dahin alle Das alte Rahthaus.

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Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,1. Nürnberg, 1679, S. [I (Architektur), S. 57]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0201_1679/254>, abgerufen am 12.08.2020.