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Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,2. Nürnberg, 1679.

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Beschreibung der ersten zwölff Rö-
mischen Käyser.
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WEil/ unter dem XII. ersten Römischen Käysern/ alle gute Künste in hohes Aufnehmen gekommen/ als ist für billig erachtet worden/ daß deren Bildnusse so gut sie in Rom unter den Antichen zu finden/ neben der Beschreibung ihres Lebens/ dieser Kunst-Academie einverleibet würden: und hat der Edle Leser/ in den Nebenzieren derselben/ mehr anderes sehwürdiges aus der Antiquitet/ so in eines ieden Zeit und Leben gehörig/ zu ersehen.

I. C. Julius Caesar. Von dem ersten Römischen Käiser am ersten zu sagen/ so war derselbe/ Cajus Julius Caesar, ein edler Römer aus der uralten Geschlecht der Julier. Familie der Julier/ welches von Julo dem Sohn Aeneae, der beym Virgilio Ascanius heisset/ hergestammet/ massen dieser Poet also davon redet:

Virg. Aen. I. p. 290. Nascetur pulchra Trojanus origine
Caesar,

Imperium Oceano, famam qui terminet
astris,

Julius a magno demissum nomen Julo.
Da wird noch stammen auf/ in schöner Zwei-
ge-Reih/

Der Caesar, dessen Ruhm soll reichen an
die Sterne/

Das Reich ans grosse Meer: und von dem
Namen lerne/

Daß Julius der Bach/ die Quelle Julus
sey.

Julus aber hatte den Namen vom Ilus dem König zu Troja, seinem Grosvatter. Cajus war ein gewöhnlicher Vor-Name bey den Römern. Der Name Caesar: heist ein Elefant. Der Name Caesar, wird unterschiedlich ausgedeutet/ das aber alles übel zutrifft. In der Punischen Sprach/ hiesse Caesar ein Elephant/ welches gröste von den vierfüssigen Thieren er auf der Münzen Kanisar, Kaiser. prägen lassen: daher dieser Name einem Obristen Welt-Regenten wol eignet/ wie er dann allen seinen Nachfolgern am Reich geblieben/ und in Teutschland nach dem Griechischen k anisar, Kaiser ausgesprochen wird. Es hat aber dieser nicht am ersten/ sondern schon 140. Jahre vorher S. Julius Caesar, diesen Namen geführet.

Ist geboren A. M. 3872. d. 12. Julii. Er wurde zu Rom geboren im Jahr der Welt 3872/ den 12 Julii: welcher Monat um des willen/ nach seinem Tode/ nach ihme genennet worden/ da er zuvor Quintilis geheissen. Sein Vatter L. Julius Caesar, starbe gehling zu Pisae, und ward er von der Mutter Aurelia, C. Cottae Tochter/ erzogen. Er hatte eine ansehnliche Länge/[Spaltenumbruch] Seine Gestalt und Natur. ware weis von Leib/ mit schwartzen Augen/ etwas weit von Mund/ dabey wol proportionirt/ und gesunder Natur: doch wurde er/ in den letzten Jahren/ zur Onmacht geneigt/ und zweymal sahe man ihn die Fallsucht würgen. Ein gelehrter Mann aus Gallien M. Antonius Gnipho hat Seine Gelehrtheit. ihn so wol unterrichtet/ daß er unter die Gelehrtste konte gezehlet werden: daher sich Claudii Paradius Symbolum wol auf ihn schicket/ mit dem zwar schlechten Sinnbild/ aber schönen Bildspruch: Ex utroque Caesar, Durch Schild und Schwerd/ ward Caesar wehrt. Daher hat er nachmals seine Kriege selber beschriben/ da Cicero und Hirtius seine Redseligkeit nicht genug preisen konten. Wie Sein Julischer Calender/ der noch heutige. ein guter Mathematicus er auch gewesen/ bezeuget der heutige so genannte Alte Calender: welchen er am ersten A. M. 3926. in diese gute Ordnung eingerichtet/ der aber Anno 1582 durch den Neuen Gregorianischen geändert worden. Er erfande auch im Schreiben einige abbreviaturen und geheime Buchstaben/ die niemand ohne Sein gutes Gedächtnis Schlüssel lesen konte. Sein Gedächtnis ware so fürtrefflich/ daß er zugleich lesen/ schreiben/ dictiren und anhören/ zugleich einen Brief schreiben und viere dictiren/ ja/ wann er nicht selbst schriebe/ zugleich sieben Briefe dictiren konte. Er war auch ein guter Poet: massen er ein Schauspiel und ein andres Gedicht/ deren jenes er Oedipum, dieses aber Iter, oder die Reise betitelt.

Seine 4. Gemahlinnen. Vier Edle Römerinnen/ wurden ihm Ehelich beygelegt. Die erste/ Cossutia genannt/ eines Ritters reiche Tochter/ die er in seinem 16. Jahr geheuratet/ ließ er/ nach dem Tode ihres Vaters/ wieder von sich. Die zweyte/ Cornelia, des berühmten Burgermeisters Cinnae Tochter/ starbe zeitlich: und hielte er ihr offentlich eine Lob-Leich-Rede. Die dritte/ Pompejam Q. Pompeji Tochter/ freyete er/ da er als Praetor nach Hispanien zoge. Er hat sie aber nachmals wieder von sich geschaffet/ wie ein Geschrey von ihr ausfloge/ daß sie mit dem Clodio sich unehrlich vergriffen hätte. Als aber Clodius deswegen vor Gericht geladen worden/ hat er/ als erforderter Zeuge/ nichts böses von ihr aussagen wollen/ und auf die Frage/ warum er dann die Ehescheidung mit ihr vorgenommen hätte? geantwortet: Ich habe es gethan/ weil die Meinen/ nicht allein ohne Schuld leben/ sondern auch keinen solchen Schein von sich geben müssen. Die vierte/ Calpurnia des Burgermeisters L. Piso Tochter/ hat ihn hertzlich Seine Tochter Julia, Cn. Pompeji kurze Gemahlin. geliebet/ aber seinen Tod erlebet. Mit der zweyten Gemahlin/ zeugte er eine einige Tochter/ Namens Julia, die er dem Cepio versprochen/ aber an Cn. Pompejum ausgeheuratet. Sie starbe aber bald im Kind-haben/ da ihr das Kind/ und zugleich die Freundschaft ihres Vaters und Gemahls/

Beschreibung der ersten zwölff Rö-
mischen Käyser.
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WEil/ unter dem XII. ersten Römischen Käysern/ alle gute Künste in hohes Aufnehmen gekommen/ als ist für billig erachtet worden/ daß deren Bildnusse so gut sie in Rom unter den Antichen zu finden/ neben der Beschreibung ihres Lebens/ dieser Kunst-Academie einverleibet würden: und hat der Edle Leser/ in den Nebenzieren derselben/ mehr anderes sehwürdiges aus der Antiquitet/ so in eines ieden Zeit und Leben gehörig/ zu ersehen.

I. C. Julius Caesar. Von dem ersten Römischen Käiser am ersten zu sagen/ so war derselbe/ Cajus Julius Caesar, ein edler Römer aus der uralten Geschlecht der Julier. Familie der Julier/ welches von Julo dem Sohn Aeneae, der beym Virgilio Ascanius heisset/ hergestammet/ massen dieser Poet also davon redet:

Virg. Aen. I. p. 290. Nascetur pulchrâ Trojanus origine
Caesar,

Imperium Oceano, famam qui terminet
astris,

Julius à magno demissum nomen Julo.
Da wird noch stammen auf/ in schöner Zwei-
ge-Reih/

Der Caesar, dessen Ruhm soll reichen an
die Sterne/

Das Reich ans grosse Meer: und von dem
Namen lerne/

Daß Julius der Bach/ die Quelle Julus
sey.

Julus aber hatte den Namen vom Ilus dem König zu Troja, seinem Grosvatter. Cajus war ein gewöhnlicher Vor-Name bey den Römern. Der Name Caesar: heist ein Elefant. Der Name Caesar, wird unterschiedlich ausgedeutet/ das aber alles übel zutrifft. In der Punischen Sprach/ hiesse Caesar ein Elephant/ welches gröste von den vierfüssigen Thieren er auf der Münzen Κα̃ισαρ, Kaiser. prägen lassen: daher dieser Name einem Obristen Welt-Regenten wol eignet/ wie er dann allen seinen Nachfolgern am Reich geblieben/ und in Teutschland nach dem Griechischen κ α̃ισαρ, Kaiser ausgesprochen wird. Es hat aber dieser nicht am ersten/ sondern schon 140. Jahre vorher S. Julius Caesar, diesen Namen geführet.

Ist geboren A. M. 3872. d. 12. Julii. Er wurde zu Rom geboren im Jahr der Welt 3872/ den 12 Julii: welcher Monat um des willen/ nach seinem Tode/ nach ihme genennet worden/ da er zuvor Quintilis geheissen. Sein Vatter L. Julius Caesar, starbe gehling zu Pisae, und ward er von der Mutter Aurelia, C. Cottae Tochter/ erzogen. Er hatte eine ansehnliche Länge/[Spaltenumbruch] Seine Gestalt und Natur. ware weis von Leib/ mit schwartzen Augen/ etwas weit von Mund/ dabey wol proportionirt/ und gesunder Natur: doch wurde er/ in den letzten Jahren/ zur Onmacht geneigt/ und zweymal sahe man ihn die Fallsucht würgen. Ein gelehrter Mann aus Gallien M. Antonius Gnipho hat Seine Gelehrtheit. ihn so wol unterrichtet/ daß er unter die Gelehrtste konte gezehlet werden: daher sich Claudii Paradius Symbolum wol auf ihn schicket/ mit dem zwar schlechten Sinnbild/ aber schönen Bildspruch: Ex utroque Caesar, Durch Schild und Schwerd/ ward Caesar wehrt. Daher hat er nachmals seine Kriege selber beschriben/ da Cicero und Hirtius seine Redseligkeit nicht genug preisen konten. Wie Sein Julischer Calender/ der noch heutige. ein guter Mathematicus er auch gewesen/ bezeuget der heutige so genannte Alte Calender: welchen er am ersten A. M. 3926. in diese gute Ordnung eingerichtet/ der aber Anno 1582 durch den Neuen Gregorianischen geändert worden. Er erfande auch im Schreiben einige abbreviaturen und geheime Buchstaben/ die niemand ohne Sein gutes Gedächtnis Schlüssel lesen konte. Sein Gedächtnis ware so fürtrefflich/ daß er zugleich lesen/ schreiben/ dictiren und anhören/ zugleich einen Brief schreiben und viere dictiren/ ja/ wann er nicht selbst schriebe/ zugleich sieben Briefe dictiren konte. Er war auch ein guter Poet: massen er ein Schauspiel und ein andres Gedicht/ deren jenes er Oedipum, dieses aber Iter, oder die Reise betitelt.

Seine 4. Gemahlinnen. Vier Edle Römerinnen/ wurden ihm Ehelich beygelegt. Die erste/ Cossutia genannt/ eines Ritters reiche Tochter/ die er in seinem 16. Jahr geheuratet/ ließ er/ nach dem Tode ihres Vaters/ wieder von sich. Die zweyte/ Cornelia, des berühmten Burgermeisters Cinnae Tochter/ starbe zeitlich: und hielte er ihr offentlich eine Lob-Leich-Rede. Die dritte/ Pompejam Q. Pompeji Tochter/ freyete er/ da er als Praetor nach Hispanien zoge. Er hat sie aber nachmals wieder von sich geschaffet/ wie ein Geschrey von ihr ausfloge/ daß sie mit dem Clodio sich unehrlich vergriffen hätte. Als aber Clodius deswegen vor Gericht geladen worden/ hat er/ als erforderter Zeuge/ nichts böses von ihr aussagen wollen/ und auf die Frage/ warum er dann die Ehescheidung mit ihr vorgenommen hätte? geantwortet: Ich habe es gethan/ weil die Meinen/ nicht allein ohne Schuld leben/ sondern auch keinen solchen Schein von sich geben müssen. Die vierte/ Calpurnia des Burgermeisters L. Piso Tochter/ hat ihn hertzlich Seine Tochter Julia, Cn. Pompeji kurze Gemahlin. geliebet/ aber seinen Tod erlebet. Mit der zweyten Gemahlin/ zeugte er eine einige Tochter/ Namens Julia, die er dem Cepio versprochen/ aber an Cn. Pompejum ausgeheuratet. Sie starbe aber bald im Kind-haben/ da ihr das Kind/ und zugleich die Freundschaft ihres Vaters und Gemahls/

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Da wird noch stammen auf/ in schöner Zwei- ge-Reih/ Der Caesar, dessen Ruhm soll reichen an die Sterne/ Das Reich ans grosse Meer: und von dem Namen lerne/ Daß Julius der Bach/ die Quelle Julus sey. Julus aber hatte den Namen vom Ilus dem König zu Troja, seinem Grosvatter. Cajus war ein gewöhnlicher Vor-Name bey den Römern. Der Name Caesar, wird unterschiedlich ausgedeutet/ das aber alles übel zutrifft. In der Punischen Sprach/ hiesse Caesar ein Elephant/ welches gröste von den vierfüssigen Thieren er auf der Münzen prägen lassen: daher dieser Name einem Obristen Welt-Regenten wol eignet/ wie er dann allen seinen Nachfolgern am Reich geblieben/ und in Teutschland nach dem Griechischen κ α̃ισαρ, Kaiser ausgesprochen wird. Es hat aber dieser nicht am ersten/ sondern schon 140. Jahre vorher S. Julius Caesar, diesen Namen geführet. Der Name Caesar: heist ein Elefant. Κα̃ισαρ, Kaiser. Er wurde zu Rom geboren im Jahr der Welt 3872/ den 12 Julii: welcher Monat um des willen/ nach seinem Tode/ nach ihme genennet worden/ da er zuvor Quintilis geheissen. Sein Vatter L. Julius Caesar, starbe gehling zu Pisae, und ward er von der Mutter Aurelia, C. Cottae Tochter/ erzogen. Er hatte eine ansehnliche Länge/ ware weis von Leib/ mit schwartzen Augen/ etwas weit von Mund/ dabey wol proportionirt/ und gesunder Natur: doch wurde er/ in den letzten Jahren/ zur Onmacht geneigt/ und zweymal sahe man ihn die Fallsucht würgen. Ein gelehrter Mann aus Gallien M. Antonius Gnipho hat ihn so wol unterrichtet/ daß er unter die Gelehrtste konte gezehlet werden: daher sich Claudii Paradius Symbolum wol auf ihn schicket/ mit dem zwar schlechten Sinnbild/ aber schönen Bildspruch: Ex utroque Caesar, Durch Schild und Schwerd/ ward Caesar wehrt. Daher hat er nachmals seine Kriege selber beschriben/ da Cicero und Hirtius seine Redseligkeit nicht genug preisen konten. Wie ein guter Mathematicus er auch gewesen/ bezeuget der heutige so genannte Alte Calender: welchen er am ersten A. M. 3926. in diese gute Ordnung eingerichtet/ der aber Anno 1582 durch den Neuen Gregorianischen geändert worden. Er erfande auch im Schreiben einige abbreviaturen und geheime Buchstaben/ die niemand ohne Schlüssel lesen konte. Sein Gedächtnis ware so fürtrefflich/ daß er zugleich lesen/ schreiben/ dictiren und anhören/ zugleich einen Brief schreiben und viere dictiren/ ja/ wann er nicht selbst schriebe/ zugleich sieben Briefe dictiren konte. Er war auch ein guter Poet: massen er ein Schauspiel und ein andres Gedicht/ deren jenes er Oedipum, dieses aber Iter, oder die Reise betitelt. Ist geboren A. M. 3872. d. 12. Julii. Seine Gestalt und Natur. Seine Gelehrtheit. Sein Julischer Calender/ der noch heutige. Sein gutes Gedächtnis Vier Edle Römerinnen/ wurden ihm Ehelich beygelegt. Die erste/ Cossutia genannt/ eines Ritters reiche Tochter/ die er in seinem 16. Jahr geheuratet/ ließ er/ nach dem Tode ihres Vaters/ wieder von sich. Die zweyte/ Cornelia, des berühmten Burgermeisters Cinnae Tochter/ starbe zeitlich: und hielte er ihr offentlich eine Lob-Leich-Rede. Die dritte/ Pompejam Q. Pompeji Tochter/ freyete er/ da er als Praetor nach Hispanien zoge. Er hat sie aber nachmals wieder von sich geschaffet/ wie ein Geschrey von ihr ausfloge/ daß sie mit dem Clodio sich unehrlich vergriffen hätte. Als aber Clodius deswegen vor Gericht geladen worden/ hat er/ als erforderter Zeuge/ nichts böses von ihr aussagen wollen/ und auf die Frage/ warum er dann die Ehescheidung mit ihr vorgenommen hätte? geantwortet: Ich habe es gethan/ weil die Meinen/ nicht allein ohne Schuld leben/ sondern auch keinen solchen Schein von sich geben müssen. Die vierte/ Calpurnia des Burgermeisters L. Piso Tochter/ hat ihn hertzlich geliebet/ aber seinen Tod erlebet. Mit der zweyten Gemahlin/ zeugte er eine einige Tochter/ Namens Julia, die er dem Cepio versprochen/ aber an Cn. Pompejum ausgeheuratet. Sie starbe aber bald im Kind-haben/ da ihr das Kind/ und zugleich die Freundschaft ihres Vaters und Gemahls/ Seine 4. Gemahlinnen. Seine Tochter Julia, Cn. Pompeji kurze Gemahlin.

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Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,2. Nürnberg, 1679, S. [II (Skulptur), S. 20]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0202_1679/26>, abgerufen am 20.07.2019.