Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,3. Nürnberg, 1679.

Bild:
<< vorherige Seite
Die Kunstvorsteherin
Pallas
redet/ vom Kupfer Titelblat
dieses Dritten Theils/
Zur Kunstliebenden Tugend.
KOmm/ Jugend/ die du trägst das Feuer in den Sinnen/
den Pinsel in der Hand. Ich/ Haupt der Pierinnen/
ich Pallas führe dich in diesen Kunst-palast/
wo du des Geistes Speiß in Mäng zu finden hast.
Auf/ schwing dich über dich/ kreuch nicht so an der Erde.
Rett/ wie Bellerofon/ auf unsrem Pegas-Pferde/
und flieg den Sternen zu/ setz Adler-Augen ein:
Du must sonst/ Dürer nicht/ ein Albrer Tüncher seyn.
Ein Mensch/ des Himmels Kind/ soll nach dem Himmel fliegen.
Ihr Ursprung kan allein die hohe Seel vergnügen.
Wer nicht geht immerfort/ wer steht/ der geht zurück.
Bleib vor der Pforte nicht/ tritt ein/ und such dein Glück/
der Kunst Vollkommenheit. Hier lerne recht beseelen
die Kunst/ die Poesy der Mahlerey vermählen/
das Leben mit der Farb. Hier ist der grosse Saal/
da ihre Sinnen schärft die dreygedritte Zahl/
der Hauf der Künstinen/ die hoch-erleuchte Schule.
Hier such und mach amour, hier/Männer-Jugend/ buhle/
setz die Gedanken hoch. Mach Göttinen dir hold/
des Mägde-Pöbels lach/ nicht wehle Bley für Gold.
Man sagt/ das Vögel-Volk einst einen Reichstag hielten:
Einn König über sich sie zu erwehlen zielten/
und dieser solt es seyn/ der seiner Flügel Zug
am höchsten tragen wird in wind-geschwindem Flug.
Was hatte da zu thun die Grasmück/ o die schlaue?
Sie dacht: den Schwingen hier/ den schwachen/ ich nicht
traue.

Die Kunstvorsteherin
Pallas
redet/ vom Kupfer Titelblat
dieses Dritten Theils/
Zur Kunstliebenden Tugend.
KOmm/ Jugend/ die du trägst das Feuer in den Sinnen/
den Pinsel in der Hand. Ich/ Haupt der Pierinnen/
ich Pallas führe dich in diesen Kunst-palast/
wo du des Geistes Speiß in Mäng zu finden hast.
Auf/ schwing dich über dich/ kreuch nicht so an der Erde.
Rett/ wie Bellerofon/ auf unsrem Pegas-Pferde/
und flieg den Sternen zu/ setz Adler-Augen ein:
Du must sonst/ Dürer nicht/ ein Albrer Tüncher seyn.
Ein Mensch/ des Himmels Kind/ soll nach dem Himmel fliegen.
Ihr Ursprung kan allein die hohe Seel vergnügen.
Wer nicht geht immerfort/ wer steht/ der geht zurück.
Bleib vor der Pforte nicht/ tritt ein/ und such dein Glück/
der Kunst Vollkommenheit. Hier lerne recht beseelen
die Kunst/ die Poesy der Mahlerey vermählen/
das Leben mit der Farb. Hier ist der grosse Saal/
da ihre Sinnen schärft die dreygedritte Zahl/
der Hauf der Künstinen/ die hoch-erleuchte Schule.
Hier such und mach amour, hier/Männer-Jugend/ buhle/
setz die Gedanken hoch. Mach Göttinen dir hold/
des Mägde-Pöbels lach/ nicht wehle Bley für Gold.
Man sagt/ das Vögel-Volk einst einen Reichstag hielten:
Einn König über sich sie zu erwehlen zielten/
und dieser solt es seyn/ der seiner Flügel Zug
am höchsten tragen wird in wind-geschwindem Flug.
Was hatte da zu thun die Grasmück/ ô die schlaue?
Sie dacht: den Schwingen hier/ den schwachen/ ich nicht
traue.

<TEI>
  <text>
    <front>
      <div type="preface">
        <pb facs="#f0013" xml:id="pb-997" n="[III (Malerei), S. 9]"/>
      </div>
    </front>
    <body>
      <div>
        <div>
          <head> 	Die Kunstvorsteherin<lb/><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-295 http://d-nb.info/gnd/118504851 http://viaf.org/viaf/74643725">Pallas</persName><lb/>
redet/ vom Kupfer Titelblat<lb/>
dieses Dritten Theils/<lb/>
Zur Kunstliebenden Tugend. </head><lb/>
          <lg rendition="#c" type="poem">
            <l><hi rendition="#in">K</hi>Omm/ Jugend/ die du trägst das Feuer in den Sinnen/</l><lb/>
            <l>den Pinsel in der Hand. Ich/ Haupt der <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-3173">Pierinnen</persName>/</l><lb/>
            <l>ich <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-295 http://d-nb.info/gnd/118504851 http://viaf.org/viaf/74643725">Pallas</persName> führe dich in diesen Kunst-palast/</l><lb/>
            <l>wo du des Geistes Speiß in Mäng zu finden hast.</l><lb/>
            <l>Auf/ schwing dich über dich/ kreuch nicht so an der Erde.</l><lb/>
            <l>Rett/ wie <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-134 http://d-nb.info/gnd/118655078 http://viaf.org/viaf/54942004">Bellerofon</persName>/ auf unsrem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-2647 http://d-nb.info/gnd/4195415-4">Pegas-Pferde</persName>/</l><lb/>
            <l>und flieg den Sternen zu/ setz Adler-Augen ein:</l><lb/>
            <l>Du must sonst/ <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-12 http://d-nb.info/gnd/11852786X http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500115493 http://viaf.org/viaf/54146999">Dürer</persName> nicht/ ein Albrer Tüncher seyn.</l><lb/>
            <l>Ein Mensch/ des Himmels Kind/ soll nach dem Himmel fliegen.</l><lb/>
            <l>Ihr Ursprung kan allein die hohe Seel vergnügen.</l><lb/>
            <l>Wer nicht geht immerfort/ wer steht/ der geht zurück.</l><lb/>
            <l>Bleib vor der Pforte nicht/ tritt ein/ und such dein Glück/</l><lb/>
            <l>der Kunst Vollkommenheit. Hier lerne recht beseelen</l><lb/>
            <l>die Kunst/ die Poesy der Mahlerey vermählen/</l><lb/>
            <l>das Leben mit der Farb. Hier ist der grosse Saal/</l><lb/>
            <l>da ihre Sinnen schärft die dreygedritte Zahl/</l><lb/>
            <l>der Hauf der Künstinen/ die hoch-erleuchte Schule.</l><lb/>
            <l>Hier such und mach <hi rendition="#aq">amour,</hi> hier/Männer-Jugend/ buhle/</l><lb/>
            <l>setz die Gedanken hoch. Mach Göttinen dir hold/</l><lb/>
            <l>des Mägde-Pöbels lach/ nicht wehle Bley für Gold.</l><lb/>
            <l>Man sagt/ das Vögel-Volk einst einen Reichstag hielten:</l><lb/>
            <l>Einn König über sich sie zu erwehlen zielten/</l><lb/>
            <l>und dieser solt es seyn/ der seiner Flügel Zug</l><lb/>
            <l>am höchsten tragen wird in wind-geschwindem Flug.</l><lb/>
            <l>Was hatte da zu thun die Grasmück/ ô die schlaue?</l><lb/>
            <l>Sie dacht: den Schwingen hier/ den schwachen/ ich nicht<lb/>
traue.</l><lb/>
          </lg>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[III (Malerei), S. 9]/0013] Die Kunstvorsteherin Pallas redet/ vom Kupfer Titelblat dieses Dritten Theils/ Zur Kunstliebenden Tugend. KOmm/ Jugend/ die du trägst das Feuer in den Sinnen/ den Pinsel in der Hand. Ich/ Haupt der Pierinnen/ ich Pallas führe dich in diesen Kunst-palast/ wo du des Geistes Speiß in Mäng zu finden hast. Auf/ schwing dich über dich/ kreuch nicht so an der Erde. Rett/ wie Bellerofon/ auf unsrem Pegas-Pferde/ und flieg den Sternen zu/ setz Adler-Augen ein: Du must sonst/ Dürer nicht/ ein Albrer Tüncher seyn. Ein Mensch/ des Himmels Kind/ soll nach dem Himmel fliegen. Ihr Ursprung kan allein die hohe Seel vergnügen. Wer nicht geht immerfort/ wer steht/ der geht zurück. Bleib vor der Pforte nicht/ tritt ein/ und such dein Glück/ der Kunst Vollkommenheit. Hier lerne recht beseelen die Kunst/ die Poesy der Mahlerey vermählen/ das Leben mit der Farb. Hier ist der grosse Saal/ da ihre Sinnen schärft die dreygedritte Zahl/ der Hauf der Künstinen/ die hoch-erleuchte Schule. Hier such und mach amour, hier/Männer-Jugend/ buhle/ setz die Gedanken hoch. Mach Göttinen dir hold/ des Mägde-Pöbels lach/ nicht wehle Bley für Gold. Man sagt/ das Vögel-Volk einst einen Reichstag hielten: Einn König über sich sie zu erwehlen zielten/ und dieser solt es seyn/ der seiner Flügel Zug am höchsten tragen wird in wind-geschwindem Flug. Was hatte da zu thun die Grasmück/ ô die schlaue? Sie dacht: den Schwingen hier/ den schwachen/ ich nicht traue.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sandrart.net: Bereitstellung der Texttranskription in XML/TEI. (2013-05-21T09:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus sandrart.net entsprechen muss.
Sandrart.net: Bereitstellung der Bilddigitalisate. (2013-05-21T09:54:31Z)
Frederike Neuber: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2013-05-21T09:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Der Zeilenfall wurde nicht übernommen.
  • Bei Worttrennungen am Spalten- oder Seitenumbruch, steht das gesamte Wort auf der vorhergehenden Spalte bzw. Seite.
  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0203_1679
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0203_1679/13
Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,3. Nürnberg, 1679, S. [III (Malerei), S. 9]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0203_1679/13>, abgerufen am 18.12.2018.