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Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,3. Nürnberg, 1679.

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Das V. Capitel.
Beleuchtet die Eigenschafften der Far-
ben/ und giebt zu erkennen/ welche gerecht
oder unbeständig seyn.

Innhalt.

Der Farben Eigenschafft/ auch welche gerecht oder unbeständig seyn. Die erste Farben weis und schwartz/ vermögen das meiste. Die Alte melden nur von vier Farben. Die sieben haupt-Farben; und mehr andere. Welche Farben zu Oelfarben dienen. Schülbweis/ gelben Ocker/ Braunrot/ Terra Verda, das schönste Grüne zu machen/ braun Ocker/ Gülchische Erde/ Lack eine flüchtige Farbe. Also auch Schitgelb. Ombra ist von Erden genommen/ Beinschwartz/ Schwartz von Kohlen gebrantes Rebenholz. Ultro marin ist beständig/ Berg-blau unbeständig/ Zinnober. Bleygelb/ Mennig. Nußöhl wird wenigst gelb.

[Spaltenumbruch]

Der Farben Eigenschafft auch welche gerecht oder ohnbeständig seyn.VOn den Farben etwas gründlichers zu erwähnen; so seyn deren insgemein zweyerley. Die Erste ist die natürliche/ so einem ieden Dinge angeschaffen ist/ wobey man es von andern unterscheidet und kennet. Die andere ist die jenige/ welche durch Menschliche Vernunfft und Kunst oder Vermischung gefunden Erste Farben weis und schwartz/ vermögen das meiste. wird. Die zwo Haupt-farben seyn weis und schwartz/ oder licht und finster. Dann durch diese beyde vermag des Meisters Verstand alle Dinge/ ohne Behueff anderer Farben/ das Liecht und Schatten/ hervor zu bringen; wann er die Vertieff- und Erhöhung beobachtet/ sein Vorhaben wol rundiret/ erhebt/und/ nach gebührender Maß/ herzukommend oder von sich abweichend machet. Durch schwartz und weis/ kan alles geschefftet oder gestaltet/ schön oder häßlich gemacht werden. Darunter die weisse Farbe für die Edelste/ die schwartze für die unedelste gehalten wird. In deren Observantz hernacher Die Alte melden von vier Farben. auch alle andere Farben untergehen werden. Vor Zeiten hat man nur von vier haupt Farben gewust/ und sind dieselben/ durch Aristotelem, weis/ schwartz/ gelb und rot benennt/ und den vier Elementen verglichen. Es sollen auch die Erste/ wie Euphranor meldet/ nur mit vier Farben gemahlt haben. Ist vermuthlich/ daß sie auch das blau am Himmel und grüne an Laub und Gras gesehen/ und diese beyde nicht können ausgeschlossen/ auch weis und schwartz nicht unter diese Farben: gerechnet/ sondern allein die vier bunte Farben als roht/ gelb/ blau/ und grün/ damit verstanden haben: weil sie unmüglich allein mit diesen beyden letzten Farben/ alles haben mahlen können/ vielweniger Die sieben haupt Farben den vier Elementen zueignen. Man hat/ vor Alters/ in der Natur/ sieben haupt Farben erfunden/ als: Weis/ Blau/ Gelb/ Rot/ Braun oder Purpurfarb/ Grün/ und Schwartz. Wiewol die Fünffte unter diesen nur ein Vermischung und mehr andrer. ist/ von rot und blau. Diese aber sind nicht gnug/ alle Dinge nach dem Leben erkentlich zu machen:[Spaltenumbruch] deswegen viel andere mehr erfunden worden sind/ zu unterschiedlichem Gebrauch. Dann iede Farben dienen nicht in Oehl/ noch auch auf nassen Welche Farben zu Oelfarben dienen. Kalch/ oder in Wasser Farben/ zugebrauchen. Die Oehlfarbe zu grossen Historien ist die vollkommenste und dienlichste/ zu Nachahmung der Natur: und sind die folgende alle gerecht und sicherst zu diesem Gebrauch/ erstlich das weis/ dessen zweyerley/ das Venetische Brot/ oder Hütel-weiß/ welches aber etwas verstirbt/ gelb und braunlich wird/ hernach Schülbweis das Amsterdammische Schulpweis/ von Englischen Zihn oder Bley zubereitet/ und Schulp Widt bey gelben Ocker ihnen genannt. Dieses ist gerecht/ gewehrt auch derselben gelben Ocker eine nötige Farbe/ zu mal das schönste/ wie auch das dunckelgelbe zu den Braunrot/ Schatten. Denen folgt Braun-Rot. Das schönste Terra Verda. Hochrot komt aus Engeland. Terraverda Das schönste Grüne zu machen. ist eine beständig-grüne Farbe. Aber das schönste Grün wird gemischt von gelb und blau. Und ie Braun oder Gülchische Erde. schöner diese beyde Farben sind/ ie schöners grün sie machen. Braune Ocker/ Gülchische Erde/ sind guter Substantz. Der Lack ist kein mineral, Lack eine flüchtige Farbe. iedoch eine nötige Farbe und nur ein ausgezogener Safft/ und eine flüchtige Farbe. Deswegen man/ mit grossem Fleiß nur des allerbesten/ als der auch Also auch Schitgelb. am beständigsten ist/ sich zu bedienen hat. Das Schitgelb mögen wir nicht entbehren: iedoch ist es auch ohne sonderbaren Leib/ und nur ein ausgezogener Safft/ aus grün-Werck genommen. Das Ombra ist von Erden genommen. Braunste ist am sichersten. Die Ombra ist mineral, beständig/ eine grobe Erdfarbe/ und trucknet Beinschwartz/ schwartz von Kohlen gebrantes Rebenholtz. bald. Das Bein-schwartz/ zumal von gebranten Helffenbein/ ist sehr gut; Russchwartz aber etwas unbeständig. Das Schwartz von Rebenholtze/ zu Kolen gebrant/ ist würdiger.

Ultro marien ist beständig/ Bergblau unbeständig.Ultromarina, oder Blau-Azur/ von Lapis Lazaro gemacht/ gibt eine vollkommene beständige Farbe. Dem Ungarischen und Teutschen Berg-Blau aber ist nicht viel zu trauen: weil es etlicher massen verstirbet/ grün und schwartz wird.

Zinnober. Wann der Zinnober wol praeparirt; lässt er

Das V. Capitel.
Beleuchtet die Eigenschafften der Far-
ben/ und giebt zu erkennen/ welche gerecht
oder unbeständig seyn.

Innhalt.

Der Farben Eigenschafft/ auch welche gerecht oder unbeständig seyn. Die erste Farben weis und schwartz/ vermögen das meiste. Die Alte melden nur von vier Farben. Die sieben haupt-Farben; und mehr andere. Welche Farben zu Oelfarben dienen. Schülbweis/ gelben Ocker/ Braunrot/ Terra Verda, das schönste Grüne zu machen/ braun Ocker/ Gülchische Erde/ Lack eine flüchtige Farbe. Also auch Schitgelb. Ombra ist von Erden genommen/ Beinschwartz/ Schwartz von Kohlen gebrantes Rebenholz. Ultro marin ist beständig/ Berg-blau unbeständig/ Zinnober. Bleygelb/ Mennig. Nußöhl wird wenigst gelb.

[Spaltenumbruch]

Der Farben Eigenschafft auch welche gerecht oder ohnbeständig seyn.VOn den Farben etwas gründlichers zu erwähnen; so seyn deren insgemein zweyerley. Die Erste ist die natürliche/ so einem ieden Dinge angeschaffen ist/ wobey man es von andern unterscheidet und kennet. Die andere ist die jenige/ welche durch Menschliche Vernunfft und Kunst oder Vermischung gefunden Erste Farben weis und schwartz/ vermögen das meiste. wird. Die zwo Haupt-farben seyn weis und schwartz/ oder licht und finster. Dann durch diese beyde vermag des Meisters Verstand alle Dinge/ ohne Behueff anderer Farben/ das Liecht und Schatten/ hervor zu bringen; wann er die Vertieff- und Erhöhung beobachtet/ sein Vorhaben wol rundiret/ erhebt/und/ nach gebührender Maß/ herzukommend oder von sich abweichend machet. Durch schwartz und weis/ kan alles geschefftet oder gestaltet/ schön oder häßlich gemacht werden. Darunter die weisse Farbe für die Edelste/ die schwartze für die unedelste gehalten wird. In deren Observantz hernacher Die Alte melden von vier Farben. auch alle andere Farben untergehen werden. Vor Zeiten hat man nur von vier haupt Farben gewust/ und sind dieselben/ durch Aristotelem, weis/ schwartz/ gelb und rot benennt/ und den vier Elementen verglichen. Es sollen auch die Erste/ wie Euphranor meldet/ nur mit vier Farben gemahlt haben. Ist vermuthlich/ daß sie auch das blau am Himmel und grüne an Laub und Gras gesehen/ und diese beyde nicht können ausgeschlossen/ auch weis und schwartz nicht unter diese Farben: gerechnet/ sondern allein die vier bunte Farben als roht/ gelb/ blau/ und grün/ damit verstanden haben: weil sie unmüglich allein mit diesen beyden letzten Farben/ alles haben mahlen können/ vielweniger Die sieben haupt Farben den vier Elementen zueignen. Man hat/ vor Alters/ in der Natur/ sieben haupt Farben erfunden/ als: Weis/ Blau/ Gelb/ Rot/ Braun oder Purpurfarb/ Grün/ und Schwartz. Wiewol die Fünffte unter diesen nur ein Vermischung und mehr andrer. ist/ von rot und blau. Diese aber sind nicht gnug/ alle Dinge nach dem Leben erkentlich zu machen:[Spaltenumbruch] deswegen viel andere mehr erfunden worden sind/ zu unterschiedlichem Gebrauch. Dann iede Farben dienen nicht in Oehl/ noch auch auf nassen Welche Farben zu Oelfarben dienen. Kalch/ oder in Wasser Farben/ zugebrauchen. Die Oehlfarbe zu grossen Historien ist die vollkommenste und dienlichste/ zu Nachahmung der Natur: und sind die folgende alle gerecht und sicherst zu diesem Gebrauch/ erstlich das weis/ dessen zweyerley/ das Venetische Brot/ oder Hütel-weiß/ welches aber etwas verstirbt/ gelb und braunlich wird/ hernach Schülbweis das Amsterdammische Schulpweis/ von Englischen Zihn oder Bley zubereitet/ und Schulp Widt bey gelben Ocker ihnen genannt. Dieses ist gerecht/ gewehrt auch derselben gelben Ocker eine nötige Farbe/ zu mal das schönste/ wie auch das dunckelgelbe zu den Braunrot/ Schatten. Denen folgt Braun-Rot. Das schönste Terra Verda. Hochrot komt aus Engeland. Terraverda Das schönste Grüne zu machen. ist eine beständig-grüne Farbe. Aber das schönste Grün wird gemischt von gelb und blau. Und ie Braun oder Gülchische Erde. schöner diese beyde Farben sind/ ie schöners grün sie machen. Braune Ocker/ Gülchische Erde/ sind guter Substantz. Der Lack ist kein mineral, Lack eine flüchtige Farbe. iedoch eine nötige Farbe und nur ein ausgezogener Safft/ und eine flüchtige Farbe. Deswegen man/ mit grossem Fleiß nur des allerbesten/ als der auch Also auch Schitgelb. am beständigsten ist/ sich zu bedienen hat. Das Schitgelb mögen wir nicht entbehren: iedoch ist es auch ohne sonderbaren Leib/ und nur ein ausgezogener Safft/ aus grün-Werck genommen. Das Ombra ist von Erden genommen. Braunste ist am sichersten. Die Ombra ist mineral, beständig/ eine grobe Erdfarbe/ und trucknet Beinschwartz/ schwartz von Kohlen gebrantes Rebenholtz. bald. Das Bein-schwartz/ zumal von gebranten Helffenbein/ ist sehr gut; Russchwartz aber etwas unbeständig. Das Schwartz von Rebenholtze/ zu Kolen gebrant/ ist würdiger.

Ultro marien ist beständig/ Bergblau unbeständig.Ultromarina, oder Blau-Azur/ von Lapis Lazaro gemacht/ gibt eine vollkommene beständige Farbe. Dem Ungarischen und Teutschen Berg-Blau aber ist nicht viel zu trauen: weil es etlicher massen verstirbet/ grün und schwartz wird.

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Die andere ist die jenige/ welche durch Menschliche Vernunfft und Kunst oder Vermischung gefunden wird. Die zwo Haupt-farben seyn weis und schwartz/ oder licht und finster. Dann durch diese beyde vermag des Meisters Verstand alle Dinge/ ohne Behueff anderer Farben/ das Liecht und Schatten/ hervor zu bringen; wann er die Vertieff- und Erhöhung beobachtet/ sein Vorhaben wol rundiret/ erhebt/und/ nach gebührender Maß/ herzukommend oder von sich abweichend machet. Durch schwartz und weis/ kan alles geschefftet oder gestaltet/ schön oder häßlich gemacht werden. Darunter die weisse Farbe für die Edelste/ die schwartze für die unedelste gehalten wird. In deren Observantz hernacher auch alle andere Farben untergehen werden. Vor Zeiten hat man nur von vier haupt Farben gewust/ und sind dieselben/ durch Aristotelem, weis/ schwartz/ gelb und rot benennt/ und den vier Elementen verglichen. Es sollen auch die Erste/ wie Euphranor meldet/ nur mit vier Farben gemahlt haben. Ist vermuthlich/ daß sie auch das blau am Himmel und grüne an Laub und Gras gesehen/ und diese beyde nicht können ausgeschlossen/ auch weis und schwartz nicht unter diese Farben: gerechnet/ sondern allein die vier bunte Farben als roht/ gelb/ blau/ und grün/ damit verstanden haben: weil sie unmüglich allein mit diesen beyden letzten Farben/ alles haben mahlen können/ vielweniger den vier Elementen zueignen. Man hat/ vor Alters/ in der Natur/ sieben haupt Farben erfunden/ als: Weis/ Blau/ Gelb/ Rot/ Braun oder Purpurfarb/ Grün/ und Schwartz. Wiewol die Fünffte unter diesen nur ein Vermischung ist/ von rot und blau. Diese aber sind nicht gnug/ alle Dinge nach dem Leben erkentlich zu machen: deswegen viel andere mehr erfunden worden sind/ zu unterschiedlichem Gebrauch. Dann iede Farben dienen nicht in Oehl/ noch auch auf nassen Kalch/ oder in Wasser Farben/ zugebrauchen. Die Oehlfarbe zu grossen Historien ist die vollkommenste und dienlichste/ zu Nachahmung der Natur: und sind die folgende alle gerecht und sicherst zu diesem Gebrauch/ erstlich das weis/ dessen zweyerley/ das Venetische Brot/ oder Hütel-weiß/ welches aber etwas verstirbt/ gelb und braunlich wird/ hernach das Amsterdammische Schulpweis/ von Englischen Zihn oder Bley zubereitet/ und Schulp Widt bey ihnen genannt. Dieses ist gerecht/ gewehrt auch derselben gelben Ocker eine nötige Farbe/ zu mal das schönste/ wie auch das dunckelgelbe zu den Schatten. Denen folgt Braun-Rot. Das schönste Hochrot komt aus Engeland. Terraverda ist eine beständig-grüne Farbe. Aber das schönste Grün wird gemischt von gelb und blau. Und ie schöner diese beyde Farben sind/ ie schöners grün sie machen. Braune Ocker/ Gülchische Erde/ sind guter Substantz. Der Lack ist kein mineral, iedoch eine nötige Farbe und nur ein ausgezogener Safft/ und eine flüchtige Farbe. Deswegen man/ mit grossem Fleiß nur des allerbesten/ als der auch am beständigsten ist/ sich zu bedienen hat. Das Schitgelb mögen wir nicht entbehren: iedoch ist es auch ohne sonderbaren Leib/ und nur ein ausgezogener Safft/ aus grün-Werck genommen. Das Braunste ist am sichersten. Die Ombra ist mineral, beständig/ eine grobe Erdfarbe/ und trucknet bald. Das Bein-schwartz/ zumal von gebranten Helffenbein/ ist sehr gut; Russchwartz aber etwas unbeständig. Das Schwartz von Rebenholtze/ zu Kolen gebrant/ ist würdiger. Der Farben Eigenschafft auch welche gerecht oder ohnbeständig seyn. Erste Farben weis und schwartz/ vermögen das meiste. Die Alte melden von vier Farben. Die sieben haupt Farben und mehr andrer. Welche Farben zu Oelfarben dienen. Schülbweis gelben Ocker Braunrot/ Terra Verda. Das schönste Grüne zu machen. Braun oder Gülchische Erde. Lack eine flüchtige Farbe. Also auch Schitgelb. Ombra ist von Erden genommen. Beinschwartz/ schwartz von Kohlen gebrantes Rebenholtz.Ultromarina, oder Blau-Azur/ von Lapis Lazaro gemacht/ gibt eine vollkommene beständige Farbe. Dem Ungarischen und Teutschen Berg-Blau aber ist nicht viel zu trauen: weil es etlicher massen verstirbet/ grün und schwartz wird. Ultro marien ist beständig/ Bergblau unbeständig. Wann der Zinnober wol praeparirt; lässt er Zinnober.

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Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,3. Nürnberg, 1679, S. [III (Malerei), S. 18]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0203_1679/24>, abgerufen am 10.12.2018.