Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,3. Nürnberg, 1679.

Bild:
<< vorherige Seite

[Spaltenumbruch] sich wol gebrauchen; iedoch sparsam: also auch das liechte und dunckle Bley-gelb und Menning: dann sie alle etwas wandelbar sind. Dieses sind also die beste Farben/ so mit Leinöhl zugebrauchen. Darzu [Spaltenumbruch] ich dann das weisse Nußöhl reiner/ schöner/ und beständiger/ und nachdem ich alles versucht/ in meinen Wercken/ vor das allerbeste befunden habe.

Das VI. Capitel.
Handelt von Ordnung und Austheilung der
Farben/ und ihrer wolständigen Vermähl-oder Gesel-
lung/ wie auch von Bekleidung der Bilder.

Innhalt.

Waß für Ordnung anfangs im Mahlen zuhalten sey. 1. Observantz von dem Historien mahlen. 2. Sieben Regeln in der Ordonantz. Von Modellen. 3. aus unterschiedlichem Entwurf ein Model Zeichnen. Des Authoris Gebrauch ist/ das Model mit Farben zu mahlen. Ein offner Horizont in acht zunehmen. Gute Ordonantz. Deren löbl. Exempel. Des Wolstands/ Ausbildung der Affecten. Beste Substantz/ darzu gehört kein klein Mahl-Zimmer. Ursach warum. Das hoch einfallende Liecht. Gerechter Tag auch Schatten und Reflexion, Distanz Universal-haltung. Wie Nachtstucke zu mahlen seyn. An einem absonderlichem Ort. Die Nacht hat ein ander Colorirt Mittel/ zu folgen. Wie Feuer und Liecht bey Nacht zu mahlen. Welche Farben dienen. Bestes Mittel. Von der Bilder Bekleidung. Gewanter Nothwendigkeit/ und deren Wissenschafft. Nach Stand und Geschlecht/ auch Lands-Art und Zeit der Person. Albrecht Dürrer/ ein Lehrmeister der Gewanter. Exempel/ sollen die darunter verborgene Glieder hervorscheinen lassen. Ursach/ und nicht überhäuffen. Der Unterschied in Falten. In der Antichen Zeit ist Raphael ein Exempel. Hernach Titian. Verones. Barotio. Exempel in den Statuen. Sibylla von Medices, Ceres, Flora, Cleopatra, und viel Basso relieuen sind wol bekleidet. Nicht zu nacket/ noch zu viel Gewanter an den Bildern. Ursach der Falten und deren Brüche/ auch Ausgang. Sucht wider deren erste Gestalt. Ordnung der Farben. Die Blumen/ Vögel/ Meermuscheln auch Regenbögen lernen coloriren. Unterschiedliche grüne Farben stehen wol beysammen. Auch rot und blau Purpur. Blau und gelb lieben einander sehr. Auch rot und grün Purpur/ gelb-grün und weiß. Welche Farben übel stehen. Die nackete Leiber werden verfinstert durch die liechte/ harte/ Krehle Farben. Sie lieben mehr grün/ blau und purpur. Aller Farben temperament zu einer Universal-Harmonia zubeobachten. Zinnober/ Meng/ Schitgelb behutsam zugebrauchen und andere mehr/ von deren Art ab/ nach der Natürlichkeit zu temperiren. Der Farben Entschlus.

[Spaltenumbruch]

Was für Ordnung Anfangs im mahlen zu halten sey.WEil dann alles/ was Gott erschaffen hat/ den guten Ordnungen und Regeln unterworffen/ ja/ alle Königreiche und Länder/ ihre gewisse Gesetze haben/ wornach sich zu richten/ und ein ieder/ wes Standes oder Beruffs er auch seyn mag/ mit Reglen beschränckt lebet: Observantz von dem Historien-mahlen. als hat auch ein vernünfftiger Mahler/ in seiner Idea, oder im Verstande die nöthige Ordnung zu vörderst wol zu überlegen; daneben auch gute Wissenschafft zu seiner Invention, (es sey nun in was Theil es wolle) vonnöthen: will er anders sein Werck vernünfftig zu Stande bringen.

Sieben Regeln in der Ordonantz Hierzu muß Einer nun nothwendig sieben Reglen observiren: nemlich daß man das Gemählde aufwarts/ oder über sich; abwarts/ oder unter sich; zur rechten/ oder zur lincken Seiten führe/ [Spaltenumbruch] von sich weichen/ oder abgehen/ oder zu sich kommend mache/ und in die Runde oder Circkelweise setze. Alle diese Regeln wollen beobachtet seyn/ nach Proportion des Blats/ Tuchs/ oder der Tafel: damit es nicht scheine/ als ob die Bilder die Rahmen trügen/ oder durch den Grund zu sincken/ oder darinne vergraben/ scheinen. Sie sollen/ mit guter Vorsorge frey/ ledig/ und der Grund Von Modellen. nicht mit zu vielen Bildern überladen seyn. So muß auch der Künstler vorhero die Historien offt/ und aus unterschiedlichen Authoren lesen/ seine Gedancken zu mehren sich befleissen/ das beste daraus Aus unterschiedlichen Entwurff ein Model zeichnen. erwählen/ in seinem Verstande wol begreiffen/ und fest stellen/ alsdann in geistreicher Ordnung/ durch etliche Entwürffe auf Papier/ das Beste heraus ziehen und vermehren/ ein Carton oder Model machen. Solches ist der gemeine Gebrauch. Ich habe aber besser gefunden/ daß ich iedesmal

[Spaltenumbruch] sich wol gebrauchen; iedoch sparsam: also auch das liechte und dunckle Bley-gelb und Menning: dann sie alle etwas wandelbar sind. Dieses sind also die beste Farben/ so mit Leinöhl zugebrauchen. Darzu [Spaltenumbruch] ich dann das weisse Nußöhl reiner/ schöner/ und beständiger/ und nachdem ich alles versucht/ in meinen Wercken/ vor das allerbeste befunden habe.

Das VI. Capitel.
Handelt von Ordnung und Austheilung der
Farben/ und ihrer wolständigen Vermähl-oder Gesel-
lung/ wie auch von Bekleidung der Bilder.

Innhalt.

Waß für Ordnung anfangs im Mahlen zuhalten sey. 1. Observantz von dem Historien mahlen. 2. Sieben Regeln in der Ordonantz. Von Modellen. 3. aus unterschiedlichem Entwurf ein Model Zeichnen. Des Authoris Gebrauch ist/ das Model mit Farben zu mahlen. Ein offner Horizont in acht zunehmen. Gute Ordonantz. Deren löbl. Exempel. Des Wolstands/ Ausbildung der Affecten. Beste Substantz/ darzu gehört kein klein Mahl-Zimmer. Ursach warum. Das hoch einfallende Liecht. Gerechter Tag auch Schatten und Reflexion, Distanz Universal-haltung. Wie Nachtstucke zu mahlen seyn. An einem absonderlichem Ort. Die Nacht hat ein ander Colorirt Mittel/ zu folgen. Wie Feuer und Liecht bey Nacht zu mahlen. Welche Farben dienen. Bestes Mittel. Von der Bilder Bekleidung. Gewanter Nothwendigkeit/ und deren Wissenschafft. Nach Stand und Geschlecht/ auch Lands-Art und Zeit der Person. Albrecht Dürrer/ ein Lehrmeister der Gewanter. Exempel/ sollen die darunter verborgene Glieder hervorscheinen lassen. Ursach/ und nicht überhäuffen. Der Unterschied in Falten. In der Antichen Zeit ist Raphael ein Exempel. Hernach Titian. Verones. Barotio. Exempel in den Statuen. Sibylla von Medices, Ceres, Flora, Cleopatra, und viel Basso relieuen sind wol bekleidet. Nicht zu nacket/ noch zu viel Gewanter an den Bildern. Ursach der Falten und deren Brüche/ auch Ausgang. Sucht wider deren erste Gestalt. Ordnung der Farben. Die Blumen/ Vögel/ Meermuscheln auch Regenbögen lernen coloriren. Unterschiedliche grüne Farben stehen wol beysammen. Auch rot und blau Purpur. Blau und gelb lieben einander sehr. Auch rot und grün Purpur/ gelb-grün und weiß. Welche Farben übel stehen. Die nackete Leiber werden verfinstert durch die liechte/ harte/ Krehle Farben. Sie lieben mehr grün/ blau und purpur. Aller Farben temperament zu einer Universal-Harmonia zubeobachten. Zinnober/ Meng/ Schitgelb behutsam zugebrauchen und andere mehr/ von deren Art ab/ nach der Natürlichkeit zu temperiren. Der Farben Entschlus.

[Spaltenumbruch]

Was für Ordnung Anfangs im mahlen zu halten sey.WEil dann alles/ was Gott erschaffen hat/ den guten Ordnungen und Regeln unterworffen/ ja/ alle Königreiche und Länder/ ihre gewisse Gesetze haben/ wornach sich zu richten/ und ein ieder/ wes Standes oder Beruffs er auch seyn mag/ mit Reglen beschränckt lebet: Observantz von dem Historien-mahlen. als hat auch ein vernünfftiger Mahler/ in seiner Idea, oder im Verstande die nöthige Ordnung zu vörderst wol zu überlegen; daneben auch gute Wissenschafft zu seiner Invention, (es sey nun in was Theil es wolle) vonnöthen: will er anders sein Werck vernünfftig zu Stande bringen.

Sieben Regeln in der Ordonantz Hierzu muß Einer nun nothwendig sieben Reglen observiren: nemlich daß man das Gemählde aufwarts/ oder über sich; abwarts/ oder unter sich; zur rechten/ oder zur lincken Seiten führe/ [Spaltenumbruch] von sich weichen/ oder abgehen/ oder zu sich kommend mache/ und in die Runde oder Circkelweise setze. Alle diese Regeln wollen beobachtet seyn/ nach Proportion des Blats/ Tuchs/ oder der Tafel: damit es nicht scheine/ als ob die Bilder die Rahmen trügen/ oder durch den Grund zu sincken/ oder darinne vergraben/ scheinen. Sie sollen/ mit guter Vorsorge frey/ ledig/ und der Grund Von Modellen. nicht mit zu vielen Bildern überladen seyn. So muß auch der Künstler vorhero die Historien offt/ und aus unterschiedlichen Authoren lesen/ seine Gedancken zu mehren sich befleissen/ das beste daraus Aus unterschiedlichen Entwurff ein Model zeichnen. erwählen/ in seinem Verstande wol begreiffen/ und fest stellen/ alsdann in geistreicher Ordnung/ durch etliche Entwürffe auf Papier/ das Beste heraus ziehen und vermehren/ ein Carton oder Model machen. Solches ist der gemeine Gebrauch. Ich habe aber besser gefunden/ daß ich iedesmal

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div>
        <div xml:id="d1007.1">
          <p xml:id="p1007.4"><pb facs="#f0025" xml:id="pb-1008" n="[III (Malerei), S. 19]"/><cb/>
sich wol gebrauchen; iedoch sparsam: also auch das liechte und dunckle Bley-gelb und Menning: dann sie alle etwas wandelbar sind. Dieses sind also die beste Farben/ so mit Leinöhl zugebrauchen. Darzu
<cb/>
<persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-836">ich</persName> dann das weisse Nußöhl reiner/ schöner/ und beständiger/ und nachdem <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-836">ich</persName> alles versucht/ in meinen Wercken/ vor das allerbeste befunden habe.</p>
        </div>
        <div xml:id="d1008.1">
          <head xml:id="h1008.1"> 	Das <hi rendition="#aq">VI.</hi> Capitel.<lb/>
Handelt von Ordnung und Austheilung der<lb/>
Farben/ und ihrer wolständigen Vermähl-oder Gesel-<lb/>
lung/ wie auch von Bekleidung der Bilder. </head><lb/>
          <argument>
            <head xml:id="h1008.2">Innhalt.</head><lb/>
            <p xml:id="p1008.1">Waß für Ordnung anfangs im Mahlen zuhalten sey. 1. <hi rendition="#aq">Observantz</hi> von dem Historien mahlen. 2. Sieben Regeln in der <hi rendition="#aq">Ordonantz</hi>. Von Modellen. 3. aus unterschiedlichem Entwurf ein Model Zeichnen. Des <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-836"><hi rendition="#aq">Authoris</hi></persName> Gebrauch ist/ das Model mit Farben zu mahlen. Ein offner Horizont in acht zunehmen. Gute <hi rendition="#aq">Ordonantz</hi>. Deren löbl. Exempel. Des Wolstands/ Ausbildung der <hi rendition="#aq">Affect</hi>en. Beste <hi rendition="#aq">Substantz</hi>/ darzu gehört kein klein Mahl-Zimmer. Ursach warum. Das hoch einfallende Liecht. Gerechter Tag auch Schatten und <hi rendition="#aq">Reflexion, Distanz Universal</hi>-haltung. Wie Nachtstucke zu mahlen seyn. An einem absonderlichem Ort. Die Nacht hat ein ander <hi rendition="#aq">Colori</hi>rt Mittel/ zu folgen. Wie Feuer und Liecht bey Nacht zu mahlen. Welche Farben dienen. Bestes Mittel. Von der Bilder Bekleidung. Gewanter Nothwendigkeit/ und deren Wissenschafft. Nach Stand und Geschlecht/ auch Lands-Art und Zeit der Person. <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-12 http://d-nb.info/gnd/11852786X http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500115493 http://viaf.org/viaf/54146999">Albrecht Dürrer</persName>/ ein Lehrmeister der Gewanter. Exempel/ sollen die darunter verborgene Glieder hervorscheinen lassen. Ursach/ und nicht überhäuffen. Der Unterschied in Falten. In der <hi rendition="#aq">Antichen</hi> Zeit ist <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-446 http://d-nb.info/gnd/118597787 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500023578 http://viaf.org/viaf/64055977"><hi rendition="#aq">Raphael</hi></persName> ein Exempel. Hernach <hi rendition="#aq"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-19 http://d-nb.info/gnd/118622994 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500031075 http://viaf.org/viaf/61533439">Titian</persName>. <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1020 http://d-nb.info/gnd/118626647 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500021218 http://viaf.org/viaf/95162605">Verones</persName>. <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-38 http://d-nb.info/gnd/119256908 http://www.getty.edu/vow/ULANFullDisplay?find=&amp;role=&amp;nation=&amp;subjectid=500115210 http://viaf.org/viaf/41865190">Barotio</persName></hi>. Exempel in den <hi rendition="#aq">Statuen. <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-467" type="artificialWork">Sibylla</name></hi> <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1099 http://d-nb.info/gnd/118732455 http://viaf.org/viaf/13102402">von <hi rendition="#aq">Medices</hi></persName><hi rendition="#aq">, <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-472" type="artificialWork"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-128 http://d-nb.info/gnd/118862294 http://viaf.org/viaf/15567160">Ceres</persName></name>, <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-656" type="artificialWork"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-1048 http://d-nb.info/gnd/118691880 http://viaf.org/viaf/77110125">Flora</persName></name>, <name ref="http://ta.sandrart.net/-artwork-367" type="artificialWork"><persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-320 http://d-nb.info/gnd/11856322X http://viaf.org/viaf/97737753">Cleopatra</persName></name>,</hi> und viel <hi rendition="#aq">Basso relieuen</hi> sind wol bekleidet. Nicht zu nacket/ noch zu viel Gewanter an den Bildern. Ursach der Falten und deren Brüche/ auch Ausgang. Sucht wider deren erste Gestalt. Ordnung der Farben. Die Blumen/ Vögel/ Meermuscheln auch Regenbögen lernen coloriren. Unterschiedliche grüne Farben stehen wol beysammen. Auch rot und blau Purpur. Blau und gelb lieben einander sehr. Auch rot und grün Purpur/ gelb-grün und weiß. Welche Farben übel stehen. Die nackete Leiber werden verfinstert durch die liechte/ harte/ Krehle Farben. Sie lieben mehr grün/ blau und purpur. Aller Farben <hi rendition="#aq">temperament</hi> zu einer <hi rendition="#aq">Universal-Harmonia</hi> zubeobachten. Zinnober/ Meng/ Schitgelb behutsam zugebrauchen und andere mehr/ von deren Art ab/ nach der Natürlichkeit zu <hi rendition="#aq">temperir</hi>en. Der Farben Entschlus.</p>
          </argument>
          <cb/>
          <p xml:id="p1008.2"><note place="right">Was für Ordnung Anfangs im mahlen zu halten sey.</note><hi rendition="#in">W</hi>Eil dann alles/ was <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-204">Gott</persName> erschaffen hat/ den guten Ordnungen und Regeln unterworffen/ ja/ alle Königreiche und Länder/ ihre gewisse Gesetze haben/ wornach sich zu richten/ und ein ieder/ wes Standes oder Beruffs er auch seyn mag/ mit Reglen beschränckt lebet: <note place="right"><hi rendition="#aq"><choice><sic>Oservantz</sic><corr>Observantz</corr></choice></hi> von dem Historien-mahlen.</note> als hat auch ein vernünfftiger Mahler/ in seiner <hi rendition="#aq">Idea,</hi> oder im Verstande die nöthige Ordnung zu vörderst wol zu überlegen; daneben auch gute Wissenschafft zu seiner <hi rendition="#aq">Invention,</hi> (es sey nun in was Theil es wolle) vonnöthen: will er anders sein Werck vernünfftig zu Stande bringen.</p>
          <p xml:id="p1008.3"><note place="right">Sieben Regeln in der <hi rendition="#aq">Ordonantz</hi></note> Hierzu muß Einer nun nothwendig sieben Reglen <hi rendition="#aq">observir</hi>en: nemlich daß man das Gemählde aufwarts/ oder über sich; abwarts/ oder unter sich; zur rechten/ oder zur lincken Seiten führe/
<cb/>
von sich weichen/ oder abgehen/ oder zu sich kommend mache/ und in die Runde oder Circkelweise setze. Alle diese Regeln wollen beobachtet seyn/ nach <hi rendition="#aq">Proportion</hi> des Blats/ Tuchs/ oder der Tafel: damit es nicht scheine/ als ob die Bilder die Rahmen trügen/ oder durch den Grund zu sincken/ oder darinne vergraben/ scheinen. Sie sollen/ mit guter Vorsorge frey/ ledig/ und der Grund <note place="right">Von Modellen.</note> nicht mit zu vielen Bildern überladen seyn. So muß auch der Künstler vorhero die Historien offt/ und aus unterschiedlichen Authoren lesen/ seine Gedancken zu mehren sich befleissen/ das beste daraus <note place="right">Aus unterschiedlichen Entwurff ein Model zeichnen.</note> erwählen/ in seinem Verstande wol begreiffen/ und fest stellen/ alsdann in geistreicher Ordnung/ durch etliche Entwürffe auf Papier/ das Beste heraus ziehen und vermehren/ ein <hi rendition="#aq">Carton</hi> oder Model machen. Solches ist der gemeine Gebrauch. <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-836">Ich</persName> habe aber besser gefunden/ daß <persName ref="http://ta.sandrart.net/-person-836">ich</persName> iedesmal
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[[III (Malerei), S. 19]/0025] sich wol gebrauchen; iedoch sparsam: also auch das liechte und dunckle Bley-gelb und Menning: dann sie alle etwas wandelbar sind. Dieses sind also die beste Farben/ so mit Leinöhl zugebrauchen. Darzu ich dann das weisse Nußöhl reiner/ schöner/ und beständiger/ und nachdem ich alles versucht/ in meinen Wercken/ vor das allerbeste befunden habe. Das VI. Capitel. Handelt von Ordnung und Austheilung der Farben/ und ihrer wolständigen Vermähl-oder Gesel- lung/ wie auch von Bekleidung der Bilder. Innhalt. Waß für Ordnung anfangs im Mahlen zuhalten sey. 1. Observantz von dem Historien mahlen. 2. Sieben Regeln in der Ordonantz. Von Modellen. 3. aus unterschiedlichem Entwurf ein Model Zeichnen. Des Authoris Gebrauch ist/ das Model mit Farben zu mahlen. Ein offner Horizont in acht zunehmen. Gute Ordonantz. Deren löbl. Exempel. Des Wolstands/ Ausbildung der Affecten. Beste Substantz/ darzu gehört kein klein Mahl-Zimmer. Ursach warum. Das hoch einfallende Liecht. Gerechter Tag auch Schatten und Reflexion, Distanz Universal-haltung. Wie Nachtstucke zu mahlen seyn. An einem absonderlichem Ort. Die Nacht hat ein ander Colorirt Mittel/ zu folgen. Wie Feuer und Liecht bey Nacht zu mahlen. Welche Farben dienen. Bestes Mittel. Von der Bilder Bekleidung. Gewanter Nothwendigkeit/ und deren Wissenschafft. Nach Stand und Geschlecht/ auch Lands-Art und Zeit der Person. Albrecht Dürrer/ ein Lehrmeister der Gewanter. Exempel/ sollen die darunter verborgene Glieder hervorscheinen lassen. Ursach/ und nicht überhäuffen. Der Unterschied in Falten. In der Antichen Zeit ist Raphael ein Exempel. Hernach Titian. Verones. Barotio. Exempel in den Statuen. Sibylla von Medices, Ceres, Flora, Cleopatra, und viel Basso relieuen sind wol bekleidet. Nicht zu nacket/ noch zu viel Gewanter an den Bildern. Ursach der Falten und deren Brüche/ auch Ausgang. Sucht wider deren erste Gestalt. Ordnung der Farben. Die Blumen/ Vögel/ Meermuscheln auch Regenbögen lernen coloriren. Unterschiedliche grüne Farben stehen wol beysammen. Auch rot und blau Purpur. Blau und gelb lieben einander sehr. Auch rot und grün Purpur/ gelb-grün und weiß. Welche Farben übel stehen. Die nackete Leiber werden verfinstert durch die liechte/ harte/ Krehle Farben. Sie lieben mehr grün/ blau und purpur. Aller Farben temperament zu einer Universal-Harmonia zubeobachten. Zinnober/ Meng/ Schitgelb behutsam zugebrauchen und andere mehr/ von deren Art ab/ nach der Natürlichkeit zu temperiren. Der Farben Entschlus. WEil dann alles/ was Gott erschaffen hat/ den guten Ordnungen und Regeln unterworffen/ ja/ alle Königreiche und Länder/ ihre gewisse Gesetze haben/ wornach sich zu richten/ und ein ieder/ wes Standes oder Beruffs er auch seyn mag/ mit Reglen beschränckt lebet: als hat auch ein vernünfftiger Mahler/ in seiner Idea, oder im Verstande die nöthige Ordnung zu vörderst wol zu überlegen; daneben auch gute Wissenschafft zu seiner Invention, (es sey nun in was Theil es wolle) vonnöthen: will er anders sein Werck vernünfftig zu Stande bringen. Was für Ordnung Anfangs im mahlen zu halten sey. Observantz von dem Historien-mahlen. Hierzu muß Einer nun nothwendig sieben Reglen observiren: nemlich daß man das Gemählde aufwarts/ oder über sich; abwarts/ oder unter sich; zur rechten/ oder zur lincken Seiten führe/ von sich weichen/ oder abgehen/ oder zu sich kommend mache/ und in die Runde oder Circkelweise setze. Alle diese Regeln wollen beobachtet seyn/ nach Proportion des Blats/ Tuchs/ oder der Tafel: damit es nicht scheine/ als ob die Bilder die Rahmen trügen/ oder durch den Grund zu sincken/ oder darinne vergraben/ scheinen. Sie sollen/ mit guter Vorsorge frey/ ledig/ und der Grund nicht mit zu vielen Bildern überladen seyn. So muß auch der Künstler vorhero die Historien offt/ und aus unterschiedlichen Authoren lesen/ seine Gedancken zu mehren sich befleissen/ das beste daraus erwählen/ in seinem Verstande wol begreiffen/ und fest stellen/ alsdann in geistreicher Ordnung/ durch etliche Entwürffe auf Papier/ das Beste heraus ziehen und vermehren/ ein Carton oder Model machen. Solches ist der gemeine Gebrauch. Ich habe aber besser gefunden/ daß ich iedesmal Sieben Regeln in der Ordonantz Von Modellen. Aus unterschiedlichen Entwurff ein Model zeichnen.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Sandrart.net: Bereitstellung der Texttranskription in XML/TEI. (2013-05-21T09:54:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus sandrart.net entsprechen muss.
Sandrart.net: Bereitstellung der Bilddigitalisate. (2013-05-21T09:54:31Z)
Frederike Neuber: Konvertierung nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2013-05-21T09:54:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Der Zeilenfall wurde nicht übernommen.
  • Bei Worttrennungen am Spalten- oder Seitenumbruch, steht das gesamte Wort auf der vorhergehenden Spalte bzw. Seite.
  • Langes s (ſ) wird als rundes s (s) wiedergegeben.
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als „ä“, „ö“, „ü“ transkribiert.
  • Rundes r (ꝛ) wird als normales r (r) wiedergegeben bzw. in der Kombination ꝛc. als et (etc.) aufgelöst.
  • Die Majuskel J im Frakturdruck wird in der Transkription je nach Lautwert als I bzw. J wiedergegeben.
  • Kolumnentitel, Bogensignaturen und Kustoden werden nicht erfasst.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0203_1679
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0203_1679/25
Zitationshilfe: Sandrart, Joachim von: L’Academia Todesca. della Architectura, Scultura & Pittura: Oder Teutsche Academie der Edlen Bau- Bild- und Mahlerey-Künste. Bd. 2,3. Nürnberg, 1679, S. [III (Malerei), S. 19]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/sandrart_academie0203_1679/25>, abgerufen am 16.12.2018.