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Savigny, Friedrich Carl von: Vom Beruf unsrer Zeit für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft. Heidelberg, 1814.

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8.
Was wir thun sollen wo keine
Gesetzbücher sind
.

Bey der Untersuchung dessen, was geschehen soll,
müssen vor allem diejenigen Länder, in welchen bis
jetzt gemeines Recht und Landesrecht (nur etwa un-
terbrochen durch die kurze Herrschaft des Code) galt,
von denen getrennt werden, welche bereits unter ein-
heimischen Gesetzbüchern leben.

In den Ländern des gemeinen Rechts wird, so
wie überall, ein löblicher Zustand des bürgerlichen
Rechts von drey Stücken abhängig seyn: erstlich ei-
ner zureichenden Rechtsquelle, dann einem zuverlässi-
gen Personal, endlich einer zweckmäßigen Form des
Prozesses. Ich werde in der Folge auf diese drey
Stücke zurückkommen, um die Zulänglichkeit meines
Plans darnach zu prüfen.

Was zuerst die Rechtsquelle anlangt, wozu eben
das neu einzuführende Gesetzbuch bestimmt seyn soll-
te, so würde nach meiner Ueberzeugung wieder ein-
zuführen seyn an die Stelle des Code, oder beyzu-
behalten, wo der Code nicht galt, dieselbe Verbin-
dung des gemeinen Rechts und der Landesrechte, wel-
che früher in ganz Deutschland herrschend war: diese
Rechtsquelle halte ich für hinreichend, ja für vor-

8.
Was wir thun ſollen wo keine
Geſetzbücher ſind
.

Bey der Unterſuchung deſſen, was geſchehen ſoll,
müſſen vor allem diejenigen Länder, in welchen bis
jetzt gemeines Recht und Landesrecht (nur etwa un-
terbrochen durch die kurze Herrſchaft des Code) galt,
von denen getrennt werden, welche bereits unter ein-
heimiſchen Geſetzbüchern leben.

In den Ländern des gemeinen Rechts wird, ſo
wie überall, ein löblicher Zuſtand des bürgerlichen
Rechts von drey Stücken abhängig ſeyn: erſtlich ei-
ner zureichenden Rechtsquelle, dann einem zuverläſſi-
gen Perſonal, endlich einer zweckmäßigen Form des
Prozeſſes. Ich werde in der Folge auf dieſe drey
Stücke zurückkommen, um die Zulänglichkeit meines
Plans darnach zu prüfen.

Was zuerſt die Rechtsquelle anlangt, wozu eben
das neu einzuführende Geſetzbuch beſtimmt ſeyn ſoll-
te, ſo würde nach meiner Ueberzeugung wieder ein-
zuführen ſeyn an die Stelle des Code, oder beyzu-
behalten, wo der Code nicht galt, dieſelbe Verbin-
dung des gemeinen Rechts und der Landesrechte, wel-
che früher in ganz Deutſchland herrſchend war: dieſe
Rechtsquelle halte ich für hinreichend, ja für vor-

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[111/0121] 8. Was wir thun ſollen wo keine Geſetzbücher ſind. Bey der Unterſuchung deſſen, was geſchehen ſoll, müſſen vor allem diejenigen Länder, in welchen bis jetzt gemeines Recht und Landesrecht (nur etwa un- terbrochen durch die kurze Herrſchaft des Code) galt, von denen getrennt werden, welche bereits unter ein- heimiſchen Geſetzbüchern leben. In den Ländern des gemeinen Rechts wird, ſo wie überall, ein löblicher Zuſtand des bürgerlichen Rechts von drey Stücken abhängig ſeyn: erſtlich ei- ner zureichenden Rechtsquelle, dann einem zuverläſſi- gen Perſonal, endlich einer zweckmäßigen Form des Prozeſſes. Ich werde in der Folge auf dieſe drey Stücke zurückkommen, um die Zulänglichkeit meines Plans darnach zu prüfen. Was zuerſt die Rechtsquelle anlangt, wozu eben das neu einzuführende Geſetzbuch beſtimmt ſeyn ſoll- te, ſo würde nach meiner Ueberzeugung wieder ein- zuführen ſeyn an die Stelle des Code, oder beyzu- behalten, wo der Code nicht galt, dieſelbe Verbin- dung des gemeinen Rechts und der Landesrechte, wel- che früher in ganz Deutſchland herrſchend war: dieſe Rechtsquelle halte ich für hinreichend, ja für vor-

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Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: Vom Beruf unsrer Zeit für Gesetzgebung und Rechtswissenschaft. Heidelberg, 1814, S. 111. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_gesetzgebung_1814/121>, abgerufen am 18.03.2019.