Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 5. Berlin, 1841.

Bild:
<< vorherige Seite

Buch II. Rechtsverhältnisse. Kap. IV. Verletzung.
nun oben über die Seltenheit ächter Duplicationen und
Triplicationen gesagt worden ist, kann auf die Prozeß-
schriften dieses Namens nicht bezogen werden. Vielmehr
gehört im gemeinen Prozeß die Duplik zum Wesen eines
vollständigen ersten Verfahrens; Tripliken und Quadru-
pliken, ja selbst Quintupliken und Sextupliken können aber
vorkommen, so oft das Bedürfniß oder die Laune der
Parteyen dazu führt, und der Richter sie zu gestatten
gut findet.

Obgleich nun also diese Ausdrücke unsres heutigen
Prozesses mit den oben erörterten Meynungen über den
Begriff der Exceptionen keinen innern und wesentlichen
Zusammenhang haben, so kann doch nicht verkannt wer-
den, daß die Misverständnisse über den Begriff der Ex-
ceptionen durch jene dem Prozeß angehörende Kunstaus-
drücke sehr befördert worden sind.

§. 230.
Aufhebung des Klagrechts. Übersicht. I. Tod.

Das Klagrecht, als eine eigenthümliche Art von Rech-
ten, kann unter den Personen, unter welchen es ursprüng-
lich bestand, auf verschiedene Weise aufgehoben werden.
Es kann nämlich erstens auf andere Personen übergehen,
also in diesen fortdauern; zweytens kann es gänzlich un-
tergehen.

Die Fortdauer in anderen Personen kann bewirkt wer-
den erstlich durch Cession, zweytens durch den Tod. -- Die

Buch II. Rechtsverhältniſſe. Kap. IV. Verletzung.
nun oben über die Seltenheit ächter Duplicationen und
Triplicationen geſagt worden iſt, kann auf die Prozeß-
ſchriften dieſes Namens nicht bezogen werden. Vielmehr
gehört im gemeinen Prozeß die Duplik zum Weſen eines
vollſtändigen erſten Verfahrens; Tripliken und Quadru-
pliken, ja ſelbſt Quintupliken und Sextupliken können aber
vorkommen, ſo oft das Bedürfniß oder die Laune der
Parteyen dazu führt, und der Richter ſie zu geſtatten
gut findet.

Obgleich nun alſo dieſe Ausdrücke unſres heutigen
Prozeſſes mit den oben erörterten Meynungen über den
Begriff der Exceptionen keinen innern und weſentlichen
Zuſammenhang haben, ſo kann doch nicht verkannt wer-
den, daß die Misverſtändniſſe über den Begriff der Ex-
ceptionen durch jene dem Prozeß angehörende Kunſtaus-
drücke ſehr befördert worden ſind.

§. 230.
Aufhebung des Klagrechts. Überſicht. I. Tod.

Das Klagrecht, als eine eigenthümliche Art von Rech-
ten, kann unter den Perſonen, unter welchen es urſprüng-
lich beſtand, auf verſchiedene Weiſe aufgehoben werden.
Es kann nämlich erſtens auf andere Perſonen übergehen,
alſo in dieſen fortdauern; zweytens kann es gänzlich un-
tergehen.

Die Fortdauer in anderen Perſonen kann bewirkt wer-
den erſtlich durch Ceſſion, zweytens durch den Tod. — Die

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <p><pb facs="#f0210" n="196"/><fw place="top" type="header">Buch <hi rendition="#aq">II.</hi> Rechtsverhältni&#x017F;&#x017F;e. Kap. <hi rendition="#aq">IV.</hi> Verletzung.</fw><lb/>
nun oben über die Seltenheit ächter Duplicationen und<lb/>
Triplicationen ge&#x017F;agt worden i&#x017F;t, kann auf die Prozeß-<lb/>
&#x017F;chriften die&#x017F;es Namens nicht bezogen werden. Vielmehr<lb/>
gehört im gemeinen Prozeß die Duplik zum We&#x017F;en eines<lb/>
voll&#x017F;tändigen er&#x017F;ten Verfahrens; Tripliken und Quadru-<lb/>
pliken, ja &#x017F;elb&#x017F;t Quintupliken und Sextupliken können aber<lb/>
vorkommen, &#x017F;o oft das Bedürfniß oder die Laune der<lb/>
Parteyen dazu führt, und der Richter &#x017F;ie zu ge&#x017F;tatten<lb/>
gut findet.</p><lb/>
            <p>Obgleich nun al&#x017F;o die&#x017F;e Ausdrücke un&#x017F;res heutigen<lb/>
Proze&#x017F;&#x017F;es mit den oben erörterten Meynungen über den<lb/>
Begriff der Exceptionen keinen innern und we&#x017F;entlichen<lb/>
Zu&#x017F;ammenhang haben, &#x017F;o kann doch nicht verkannt wer-<lb/>
den, daß die Misver&#x017F;tändni&#x017F;&#x017F;e über den Begriff der Ex-<lb/>
ceptionen durch jene dem Prozeß angehörende Kun&#x017F;taus-<lb/>
drücke &#x017F;ehr befördert worden &#x017F;ind.</p>
          </div><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 230.<lb/><hi rendition="#g">Aufhebung des Klagrechts. Über&#x017F;icht. <hi rendition="#aq">I.</hi> Tod</hi>.</head><lb/>
            <p>Das Klagrecht, als eine eigenthümliche Art von Rech-<lb/>
ten, kann unter den Per&#x017F;onen, unter welchen es ur&#x017F;prüng-<lb/>
lich be&#x017F;tand, auf ver&#x017F;chiedene Wei&#x017F;e aufgehoben werden.<lb/>
Es kann nämlich er&#x017F;tens auf andere Per&#x017F;onen übergehen,<lb/>
al&#x017F;o in die&#x017F;en fortdauern; zweytens kann es gänzlich un-<lb/>
tergehen.</p><lb/>
            <p>Die Fortdauer in anderen Per&#x017F;onen kann bewirkt wer-<lb/>
den er&#x017F;tlich durch Ce&#x017F;&#x017F;ion, zweytens durch den Tod. &#x2014; Die<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[196/0210] Buch II. Rechtsverhältniſſe. Kap. IV. Verletzung. nun oben über die Seltenheit ächter Duplicationen und Triplicationen geſagt worden iſt, kann auf die Prozeß- ſchriften dieſes Namens nicht bezogen werden. Vielmehr gehört im gemeinen Prozeß die Duplik zum Weſen eines vollſtändigen erſten Verfahrens; Tripliken und Quadru- pliken, ja ſelbſt Quintupliken und Sextupliken können aber vorkommen, ſo oft das Bedürfniß oder die Laune der Parteyen dazu führt, und der Richter ſie zu geſtatten gut findet. Obgleich nun alſo dieſe Ausdrücke unſres heutigen Prozeſſes mit den oben erörterten Meynungen über den Begriff der Exceptionen keinen innern und weſentlichen Zuſammenhang haben, ſo kann doch nicht verkannt wer- den, daß die Misverſtändniſſe über den Begriff der Ex- ceptionen durch jene dem Prozeß angehörende Kunſtaus- drücke ſehr befördert worden ſind. §. 230. Aufhebung des Klagrechts. Überſicht. I. Tod. Das Klagrecht, als eine eigenthümliche Art von Rech- ten, kann unter den Perſonen, unter welchen es urſprüng- lich beſtand, auf verſchiedene Weiſe aufgehoben werden. Es kann nämlich erſtens auf andere Perſonen übergehen, alſo in dieſen fortdauern; zweytens kann es gänzlich un- tergehen. Die Fortdauer in anderen Perſonen kann bewirkt wer- den erſtlich durch Ceſſion, zweytens durch den Tod. — Die

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system05_1841
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system05_1841/210
Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 5. Berlin, 1841, S. 196. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system05_1841/210>, abgerufen am 18.08.2019.