Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 8. Berlin, 1849.

Bild:
<< vorherige Seite
Buch III. Herrschaft der Rechtsregeln. Kap. I. Örtliche Gränzen.
§. 356.
Die Römische Lehre von origo und domicilium.
Wirkung dieser Verhältnisse. (Fortsetzung.)

III. Das eigenthümliche Recht einer Stadt als Eigenschaft
der ihr angehörenden Personen (lex originis, domicilii).

Es sind oben, in allgemeiner Uebersicht, drei Wirkungen
der Angehörigkeit einer Person an eine Stadtgemeinde ange-
geben worden (§ 350): Städtische Lasten, Gerichtsstand,
endlich das Recht dieser Stadt als Eigenschaft der Person.
Die zwei ersten Wirkungen sind bereits im Einzelnen
dargestellt (§ 355), und es bleibt nunmehr die dritte
zu untersuchen übrig, die allein unserer gegenwärtigen Auf-
gabe angehört, und um deren Willen die ganze bisher ge-
führte Erörterung unternommen wurde, indem nur auf
diesem Wege die Unterordnung der Person unter das ört-
liche Recht einer bestimmten Stadt in ihrem wahren Zu-
sammenhang erkannt werden kann.

Diese Untersuchung knüpft sich an die oben aufgestellten
Sätze, nach welchen jede Person einem bestimmten Rechts-
gebiet angehört (§ 345), dieses Rechtsgebiet aber vorzugs-
weise als ein örtliches oder territoriales Gebiet anzusehen
ist (§ 350), und zwar nach Römischer Verfassung insbe-
sondere als ein Stadtgebiet (§ 351). Da nun jede einzelne
Person überhaupt einem Stadtgebiet auf zweierlei Weise
angehören konnte, durch Bürgerrecht oder durch Wohnsitz
(§ 351), so konnte auf diesen beiden Wegen auch die Unter-

Buch III. Herrſchaft der Rechtsregeln. Kap. I. Örtliche Gränzen.
§. 356.
Die Römiſche Lehre von origo und domicilium.
Wirkung dieſer Verhältniſſe. (Fortſetzung.)

III. Das eigenthümliche Recht einer Stadt als Eigenſchaft
der ihr angehörenden Perſonen (lex originis, domicilii).

Es ſind oben, in allgemeiner Ueberſicht, drei Wirkungen
der Angehörigkeit einer Perſon an eine Stadtgemeinde ange-
geben worden (§ 350): Städtiſche Laſten, Gerichtsſtand,
endlich das Recht dieſer Stadt als Eigenſchaft der Perſon.
Die zwei erſten Wirkungen ſind bereits im Einzelnen
dargeſtellt (§ 355), und es bleibt nunmehr die dritte
zu unterſuchen übrig, die allein unſerer gegenwärtigen Auf-
gabe angehört, und um deren Willen die ganze bisher ge-
führte Erörterung unternommen wurde, indem nur auf
dieſem Wege die Unterordnung der Perſon unter das ört-
liche Recht einer beſtimmten Stadt in ihrem wahren Zu-
ſammenhang erkannt werden kann.

Dieſe Unterſuchung knüpft ſich an die oben aufgeſtellten
Sätze, nach welchen jede Perſon einem beſtimmten Rechts-
gebiet angehört (§ 345), dieſes Rechtsgebiet aber vorzugs-
weiſe als ein örtliches oder territoriales Gebiet anzuſehen
iſt (§ 350), und zwar nach Römiſcher Verfaſſung insbe-
ſondere als ein Stadtgebiet (§ 351). Da nun jede einzelne
Perſon überhaupt einem Stadtgebiet auf zweierlei Weiſe
angehören konnte, durch Bürgerrecht oder durch Wohnſitz
(§ 351), ſo konnte auf dieſen beiden Wegen auch die Unter-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0098" n="76"/>
          <fw place="top" type="header">Buch <hi rendition="#aq">III.</hi> Herr&#x017F;chaft der Rechtsregeln. Kap. <hi rendition="#aq">I.</hi> Örtliche Gränzen.</fw><lb/>
          <div n="3">
            <head>§. 356.<lb/><hi rendition="#g">Die Römi&#x017F;che Lehre von <hi rendition="#aq">origo</hi> und <hi rendition="#aq">domicilium.</hi><lb/>
Wirkung die&#x017F;er Verhältni&#x017F;&#x017F;e. (Fort&#x017F;etzung.)</hi></head><lb/>
            <p><hi rendition="#aq">III.</hi> Das eigenthümliche Recht einer Stadt als Eigen&#x017F;chaft<lb/>
der ihr angehörenden Per&#x017F;onen (<hi rendition="#aq">lex originis, domicilii</hi>).</p><lb/>
            <p>Es &#x017F;ind oben, in allgemeiner Ueber&#x017F;icht, drei Wirkungen<lb/>
der Angehörigkeit einer Per&#x017F;on an eine Stadtgemeinde ange-<lb/>
geben worden (§ 350): Städti&#x017F;che La&#x017F;ten, Gerichts&#x017F;tand,<lb/>
endlich das Recht die&#x017F;er Stadt als Eigen&#x017F;chaft der Per&#x017F;on.<lb/>
Die zwei er&#x017F;ten Wirkungen &#x017F;ind bereits im Einzelnen<lb/>
darge&#x017F;tellt (§ 355), und es bleibt nunmehr die dritte<lb/>
zu unter&#x017F;uchen übrig, die allein un&#x017F;erer gegenwärtigen Auf-<lb/>
gabe angehört, und um deren Willen die ganze bisher ge-<lb/>
führte Erörterung unternommen wurde, indem nur auf<lb/>
die&#x017F;em Wege die Unterordnung der Per&#x017F;on unter das ört-<lb/>
liche Recht einer be&#x017F;timmten Stadt in ihrem wahren Zu-<lb/>
&#x017F;ammenhang erkannt werden kann.</p><lb/>
            <p>Die&#x017F;e Unter&#x017F;uchung knüpft &#x017F;ich an die oben aufge&#x017F;tellten<lb/>
Sätze, nach welchen jede Per&#x017F;on einem be&#x017F;timmten Rechts-<lb/>
gebiet angehört (§ 345), die&#x017F;es Rechtsgebiet aber vorzugs-<lb/>
wei&#x017F;e als ein örtliches oder territoriales Gebiet anzu&#x017F;ehen<lb/>
i&#x017F;t (§ 350), und zwar nach Römi&#x017F;cher Verfa&#x017F;&#x017F;ung insbe-<lb/>
&#x017F;ondere als ein Stadtgebiet (§ 351). Da nun jede einzelne<lb/>
Per&#x017F;on überhaupt einem Stadtgebiet auf zweierlei Wei&#x017F;e<lb/>
angehören konnte, durch Bürgerrecht oder durch Wohn&#x017F;itz<lb/>
(§ 351), &#x017F;o konnte auf die&#x017F;en beiden Wegen auch die Unter-<lb/></p>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[76/0098] Buch III. Herrſchaft der Rechtsregeln. Kap. I. Örtliche Gränzen. §. 356. Die Römiſche Lehre von origo und domicilium. Wirkung dieſer Verhältniſſe. (Fortſetzung.) III. Das eigenthümliche Recht einer Stadt als Eigenſchaft der ihr angehörenden Perſonen (lex originis, domicilii). Es ſind oben, in allgemeiner Ueberſicht, drei Wirkungen der Angehörigkeit einer Perſon an eine Stadtgemeinde ange- geben worden (§ 350): Städtiſche Laſten, Gerichtsſtand, endlich das Recht dieſer Stadt als Eigenſchaft der Perſon. Die zwei erſten Wirkungen ſind bereits im Einzelnen dargeſtellt (§ 355), und es bleibt nunmehr die dritte zu unterſuchen übrig, die allein unſerer gegenwärtigen Auf- gabe angehört, und um deren Willen die ganze bisher ge- führte Erörterung unternommen wurde, indem nur auf dieſem Wege die Unterordnung der Perſon unter das ört- liche Recht einer beſtimmten Stadt in ihrem wahren Zu- ſammenhang erkannt werden kann. Dieſe Unterſuchung knüpft ſich an die oben aufgeſtellten Sätze, nach welchen jede Perſon einem beſtimmten Rechts- gebiet angehört (§ 345), dieſes Rechtsgebiet aber vorzugs- weiſe als ein örtliches oder territoriales Gebiet anzuſehen iſt (§ 350), und zwar nach Römiſcher Verfaſſung insbe- ſondere als ein Stadtgebiet (§ 351). Da nun jede einzelne Perſon überhaupt einem Stadtgebiet auf zweierlei Weiſe angehören konnte, durch Bürgerrecht oder durch Wohnſitz (§ 351), ſo konnte auf dieſen beiden Wegen auch die Unter-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system08_1849
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system08_1849/98
Zitationshilfe: Savigny, Friedrich Carl von: System des heutigen Römischen Rechts. Bd. 8. Berlin, 1849, S. 76. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/savigny_system08_1849/98>, abgerufen am 13.08.2020.