Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schauberg, Joseph: Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei, Bd. 2. Schaffhausen, 1861.

Bild:
<< vorherige Seite

Yama das Urtheil über die Seele des Verstorbenen spricht, ruft er zu Zeugen des Gerichtes Surya (die Sonne), Chandra (den Mond), Payana (den Wind), Agni (das Feuer), Akaca (den Aether), Prit' hivi (die Erde) und Varuna (das Wasser). Aehnlich schwuren die Griechen unter Anrufung der Elemente.1) Die Inder nahmen auch fünf Organe des Handelns an: Mund, Hände, Füsse, Hintern und Geschlechtsorgane, sowie fünf (nach Andern zehn) vitale Functionen: Ein- und Ausathmen u. s. f.2)

Die Lehrzeit der deutschen Steinmetzlehrlinge war seit den ältesten Zeiten auf fünf Jahre festgesetzt.3) Fünffach ist der Schritt, der Schlag, das Reisen und das Alter des jetzigen Freimaurergesellen. Nach der deutschen gemeinen Steinmetzordnung4) darf ein Meister nicht mehr als fünf Lehrlinge annehmen, vermuthlich weil er nicht mehr gehörig unterrichten und bilden könnte; hatte der Meister nur einen einzigen Bau, durfte er nicht mehr als drei Lehrlinge zugleich haben. Die Handwerksmaurer müssen drei Jahre lernen und zwei Jahre wandern,5) können also nicht vor fünf Jahren Meister werden, wie die Steinmetzen nicht vor sieben Jahren, indem auch sie wenigstens zwei Jahre wandern sollen. Die englischen Steinmetzen brauchen zwar nicht zu wandern, müssen aber dagegen sieben Jahre lernen, wodurch sie den deutschen Steinmetzen doch gleichgestellt werden.6) Gewöhnlich müssen die deutschen Steinmetzen sogar drei Jahre wandern und können somit nicht vor acht Jahren Meister sein.



XLIX.
Die Siebenzahl.

Die in dem ganzen Alterthume sowie in der Maurerei unendlich viel gebrauchten Fünf- und Siebenzahlen sind

1) Prichard, ägypt. Mythol., S. 181.
2) Rosenkranz, a. a. O., S. 157.
3) Fallou, S. 40; Heldmann, S. 227 und 284 ff.
4) Heldmann, S. 262 und 263.
5) Fallou, S. 53.
6) Fallou, S. 40.

Yama das Urtheil über die Seele des Verstorbenen spricht, ruft er zu Zeugen des Gerichtes Surya (die Sonne), Chandra (den Mond), Payana (den Wind), Agni (das Feuer), Akâça (den Aether), Prit’ hivi (die Erde) und Varuna (das Wasser). Aehnlich schwuren die Griechen unter Anrufung der Elemente.1) Die Inder nahmen auch fünf Organe des Handelns an: Mund, Hände, Füsse, Hintern und Geschlechtsorgane, sowie fünf (nach Andern zehn) vitale Functionen: Ein- und Ausathmen u. s. f.2)

Die Lehrzeit der deutschen Steinmetzlehrlinge war seit den ältesten Zeiten auf fünf Jahre festgesetzt.3) Fünffach ist der Schritt, der Schlag, das Reisen und das Alter des jetzigen Freimaurergesellen. Nach der deutschen gemeinen Steinmetzordnung4) darf ein Meister nicht mehr als fünf Lehrlinge annehmen, vermuthlich weil er nicht mehr gehörig unterrichten und bilden könnte; hatte der Meister nur einen einzigen Bau, durfte er nicht mehr als drei Lehrlinge zugleich haben. Die Handwerksmaurer müssen drei Jahre lernen und zwei Jahre wandern,5) können also nicht vor fünf Jahren Meister werden, wie die Steinmetzen nicht vor sieben Jahren, indem auch sie wenigstens zwei Jahre wandern sollen. Die englischen Steinmetzen brauchen zwar nicht zu wandern, müssen aber dagegen sieben Jahre lernen, wodurch sie den deutschen Steinmetzen doch gleichgestellt werden.6) Gewöhnlich müssen die deutschen Steinmetzen sogar drei Jahre wandern und können somit nicht vor acht Jahren Meister sein.



XLIX.
Die Siebenzahl.

Die in dem ganzen Alterthume sowie in der Maurerei unendlich viel gebrauchten Fünf- und Siebenzahlen sind

1) Prichard, ägypt. Mythol., S. 181.
2) Rosenkranz, a. a. O., S. 157.
3) Fallou, S. 40; Heldmann, S. 227 und 284 ff.
4) Heldmann, S. 262 und 263.
5) Fallou, S. 53.
6) Fallou, S. 40.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0415" n="395"/>
Yama das Urtheil über die Seele des Verstorbenen spricht, ruft er zu Zeugen des Gerichtes Surya (die Sonne), Chandra (den Mond), Payana (den Wind), Agni (das Feuer), Akâça (den Aether), Prit&#x2019; hivi (die Erde) und Varuna (das Wasser). Aehnlich schwuren die Griechen unter Anrufung der Elemente.<note place="foot" n="1)">Prichard, ägypt. Mythol., S. 181.<lb/></note> Die Inder nahmen auch fünf Organe des Handelns an: Mund, Hände, Füsse, Hintern und Geschlechtsorgane, sowie fünf (nach Andern zehn) vitale Functionen: Ein- und Ausathmen u. s. f.<note place="foot" n="2)">Rosenkranz, a. a. O., S. 157.<lb/></note></p>
        <p>
     Die Lehrzeit der deutschen Steinmetzlehrlinge war seit den ältesten Zeiten auf fünf Jahre festgesetzt.<note place="foot" n="3)">Fallou, S. 40; Heldmann, S. 227 und 284 ff.<lb/></note> Fünffach ist der Schritt, der Schlag, das Reisen und das Alter des jetzigen Freimaurergesellen. Nach der deutschen gemeinen Steinmetzordnung<note place="foot" n="4)">Heldmann, S. 262 und 263.<lb/></note> darf ein Meister nicht mehr als fünf Lehrlinge annehmen, vermuthlich weil er nicht mehr gehörig unterrichten und bilden könnte; hatte der Meister nur einen einzigen Bau, durfte er nicht mehr als drei Lehrlinge zugleich haben. Die Handwerksmaurer müssen drei Jahre lernen und zwei Jahre wandern,<note place="foot" n="5)">Fallou, S. 53.<lb/></note> können also nicht vor fünf Jahren Meister werden, wie die Steinmetzen nicht vor sieben Jahren, indem auch sie wenigstens zwei Jahre wandern sollen. Die englischen Steinmetzen brauchen zwar nicht zu wandern, müssen aber dagegen sieben Jahre lernen, wodurch sie den deutschen Steinmetzen doch gleichgestellt werden.<note place="foot" n="6)">Fallou, S. 40.</note> Gewöhnlich müssen die deutschen Steinmetzen sogar drei Jahre wandern und können somit nicht vor acht Jahren Meister sein.</p>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/>
      </div>
      <div n="1">
        <head>XLIX.<lb/>
Die Siebenzahl.</head><lb/>
        <p>
 Die in dem ganzen Alterthume sowie in der Maurerei unendlich viel gebrauchten Fünf- und Siebenzahlen sind
 </p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[395/0415] Yama das Urtheil über die Seele des Verstorbenen spricht, ruft er zu Zeugen des Gerichtes Surya (die Sonne), Chandra (den Mond), Payana (den Wind), Agni (das Feuer), Akâça (den Aether), Prit’ hivi (die Erde) und Varuna (das Wasser). Aehnlich schwuren die Griechen unter Anrufung der Elemente. 1) Die Inder nahmen auch fünf Organe des Handelns an: Mund, Hände, Füsse, Hintern und Geschlechtsorgane, sowie fünf (nach Andern zehn) vitale Functionen: Ein- und Ausathmen u. s. f. 2) Die Lehrzeit der deutschen Steinmetzlehrlinge war seit den ältesten Zeiten auf fünf Jahre festgesetzt. 3) Fünffach ist der Schritt, der Schlag, das Reisen und das Alter des jetzigen Freimaurergesellen. Nach der deutschen gemeinen Steinmetzordnung 4) darf ein Meister nicht mehr als fünf Lehrlinge annehmen, vermuthlich weil er nicht mehr gehörig unterrichten und bilden könnte; hatte der Meister nur einen einzigen Bau, durfte er nicht mehr als drei Lehrlinge zugleich haben. Die Handwerksmaurer müssen drei Jahre lernen und zwei Jahre wandern, 5) können also nicht vor fünf Jahren Meister werden, wie die Steinmetzen nicht vor sieben Jahren, indem auch sie wenigstens zwei Jahre wandern sollen. Die englischen Steinmetzen brauchen zwar nicht zu wandern, müssen aber dagegen sieben Jahre lernen, wodurch sie den deutschen Steinmetzen doch gleichgestellt werden. 6) Gewöhnlich müssen die deutschen Steinmetzen sogar drei Jahre wandern und können somit nicht vor acht Jahren Meister sein. XLIX. Die Siebenzahl. Die in dem ganzen Alterthume sowie in der Maurerei unendlich viel gebrauchten Fünf- und Siebenzahlen sind 1) Prichard, ägypt. Mythol., S. 181. 2) Rosenkranz, a. a. O., S. 157. 3) Fallou, S. 40; Heldmann, S. 227 und 284 ff. 4) Heldmann, S. 262 und 263. 5) Fallou, S. 53. 6) Fallou, S. 40.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Internetloge: Bereitstellung der Texttranskription. (2013-08-21T13:44:32Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme des Werkes in das DTA entsprechen muss.
Frederike Neuber: Bearbeitung der digitalen Edition. (2013-08-21T13:44:32Z)
Christian Thomas: Bearbeitung der digitalen Edition. (2013-08-21T13:44:32Z)
Maxi Grubert: Bearbeitung der digitalen Edition. (2013-08-21T13:44:32Z)
Bayerische Staatsbibliothek Digital: Bereitstellung der Bilddigitalisate. (2013-08-21T13:44:32Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Silbentrennung: aufgelöst
  • Zeilenumbrüche markiert: nein



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/schauberg_freimaurerei02_1861
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/schauberg_freimaurerei02_1861/415
Zitationshilfe: Schauberg, Joseph: Vergleichendes Handbuch der Symbolik der Freimaurerei, Bd. 2. Schaffhausen, 1861, S. 395. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schauberg_freimaurerei02_1861/415>, abgerufen am 29.09.2020.