Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schiller, [Friedrich]: Maria Stuart. Tübingen u. a., 1801.

Bild:
<< vorherige Seite
Verschließen, unsre Könige entthronen?
-- Die Seelen aller deiner Unterthanen,
Ich fordre sie von dir -- Wie du jetzt handelst,
Sind sie gerettet oder sind verloren.
Hier ist nicht Zeit zu weichlichem Erbarmen,
Des Volkes Wohlfahrt ist die höchste Pflicht;
Hat Schrewsbury das Leben dir gerettet,
So will ich England retten -- das ist mehr!

Elisabeth.
Man überlasse mich mir selbst! Bei Menschen ist
Nicht Rath noch Trost in dieser großen Sache.
Ich trage sie dem höhern Richter vor.
Was der mich lehrt, das will ich thun -- Entfernt euch,
Milords!
(Zu Davison.)
Ihr Sir! könnt in der Nähe bleiben!
(Die Lords gehen ab. Schrewsbury allein bleibt noch einige
Augenblicke vor der Königin stehen, mit bedeutungsvollem
Blick, dann entfernt er sich langsam, mit einem Ausdruck
des tiefsten Schmerzes.)
Zehnter Auftritt.
Elisabeth allein.
O Sklaverei des Volksdiensts! Schmähliche
Knechtschaft -- Wie bin ichs müde, diesem Götzen
Zu schmeicheln, den mein Innerstes verachtet!
Verſchließen, unſre Koͤnige entthronen?
— Die Seelen aller deiner Unterthanen,
Ich fordre ſie von dir — Wie du jetzt handelſt,
Sind ſie gerettet oder ſind verloren.
Hier iſt nicht Zeit zu weichlichem Erbarmen,
Des Volkes Wohlfahrt iſt die hoͤchſte Pflicht;
Hat Schrewsbury das Leben dir gerettet,
So will ich England retten — das iſt mehr!

Eliſabeth.
Man uͤberlaſſe mich mir ſelbſt! Bei Menſchen iſt
Nicht Rath noch Troſt in dieſer großen Sache.
Ich trage ſie dem hoͤhern Richter vor.
Was der mich lehrt, das will ich thun — Entfernt euch,
Milords!
(Zu Daviſon.)
Ihr Sir! koͤnnt in der Naͤhe bleiben!
(Die Lords gehen ab. Schrewsbury allein bleibt noch einige
Augenblicke vor der Koͤnigin ſtehen, mit bedeutungsvollem
Blick, dann entfernt er ſich langſam, mit einem Ausdruck
des tiefſten Schmerzes.)
Zehnter Auftritt.
Eliſabeth allein.
O Sklaverei des Volksdienſts! Schmaͤhliche
Knechtſchaft — Wie bin ichs muͤde, dieſem Goͤtzen
Zu ſchmeicheln, den mein Innerſtes verachtet!
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <sp who="#BURL">
            <p><pb facs="#f0192" n="186"/>
Ver&#x017F;chließen, un&#x017F;re Ko&#x0364;nige entthronen?<lb/>
&#x2014; Die Seelen aller deiner Unterthanen,<lb/>
Ich fordre &#x017F;ie von <hi rendition="#g">dir</hi> &#x2014; Wie du jetzt handel&#x017F;t,<lb/>
Sind &#x017F;ie gerettet oder &#x017F;ind verloren.<lb/>
Hier i&#x017F;t nicht Zeit zu weichlichem Erbarmen,<lb/>
Des Volkes Wohlfahrt i&#x017F;t die ho&#x0364;ch&#x017F;te Pflicht;<lb/>
Hat Schrewsbury das Leben dir gerettet,<lb/>
So will <hi rendition="#g">ich</hi> England retten &#x2014; das i&#x017F;t mehr!</p><lb/>
          </sp>
          <sp who="#ELI">
            <speaker><hi rendition="#g">Eli&#x017F;abeth</hi>.</speaker><lb/>
            <p>Man u&#x0364;berla&#x017F;&#x017F;e mich mir &#x017F;elb&#x017F;t! Bei Men&#x017F;chen i&#x017F;t<lb/>
Nicht Rath noch Tro&#x017F;t in die&#x017F;er großen Sache.<lb/>
Ich trage &#x017F;ie dem ho&#x0364;hern Richter vor.<lb/>
Was der mich lehrt, das will ich thun &#x2014; Entfernt euch,<lb/>
Milords!<lb/><stage>(Zu Davi&#x017F;on.)</stage><lb/>
Ihr Sir! ko&#x0364;nnt in der Na&#x0364;he bleiben!</p>
          </sp><lb/>
          <stage>(Die Lords gehen ab. Schrewsbury allein bleibt noch einige<lb/>
Augenblicke vor der Ko&#x0364;nigin &#x017F;tehen, mit bedeutungsvollem<lb/>
Blick, dann entfernt er &#x017F;ich lang&#x017F;am, mit einem Ausdruck<lb/>
des tief&#x017F;ten Schmerzes.)</stage>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#g">Zehnter Auftritt</hi>.</head><lb/>
          <sp who="#ELI">
            <speaker> <hi rendition="#g">Eli&#x017F;abeth</hi> </speaker>
            <stage>allein.</stage><lb/>
            <p>O Sklaverei des Volksdien&#x017F;ts! Schma&#x0364;hliche<lb/>
Knecht&#x017F;chaft &#x2014; Wie bin ichs mu&#x0364;de, die&#x017F;em Go&#x0364;tzen<lb/>
Zu &#x017F;chmeicheln, den mein Inner&#x017F;tes verachtet!<lb/></p>
          </sp>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[186/0192] Verſchließen, unſre Koͤnige entthronen? — Die Seelen aller deiner Unterthanen, Ich fordre ſie von dir — Wie du jetzt handelſt, Sind ſie gerettet oder ſind verloren. Hier iſt nicht Zeit zu weichlichem Erbarmen, Des Volkes Wohlfahrt iſt die hoͤchſte Pflicht; Hat Schrewsbury das Leben dir gerettet, So will ich England retten — das iſt mehr! Eliſabeth. Man uͤberlaſſe mich mir ſelbſt! Bei Menſchen iſt Nicht Rath noch Troſt in dieſer großen Sache. Ich trage ſie dem hoͤhern Richter vor. Was der mich lehrt, das will ich thun — Entfernt euch, Milords! (Zu Daviſon.) Ihr Sir! koͤnnt in der Naͤhe bleiben! (Die Lords gehen ab. Schrewsbury allein bleibt noch einige Augenblicke vor der Koͤnigin ſtehen, mit bedeutungsvollem Blick, dann entfernt er ſich langſam, mit einem Ausdruck des tiefſten Schmerzes.) Zehnter Auftritt. Eliſabeth allein. O Sklaverei des Volksdienſts! Schmaͤhliche Knechtſchaft — Wie bin ichs muͤde, dieſem Goͤtzen Zu ſchmeicheln, den mein Innerſtes verachtet!

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/schiller_stuart_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/schiller_stuart_1801/192
Zitationshilfe: Schiller, [Friedrich]: Maria Stuart. Tübingen u. a., 1801, S. 186. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schiller_stuart_1801/192>, abgerufen am 08.07.2020.