Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schiller, [Friedrich]: Maria Stuart. Tübingen u. a., 1801.

Bild:
<< vorherige Seite


Fünfter Aufzug.
Die Scene ist das Zimmer des ersten Aufzugs.
Erster Auftritt.
Hanna Kennedy in tiefe Trauer gekleidet, mit verweinten Au-
gen und einem großen, aber stillen Schmerz, ist beschäftigt, Pa-
kete und Briefe zu versiegeln. Oft unterbricht sie der Jammer
in ihrem Geschäft, und man sieht sie dazwischen still beten.
Paulet und Drury, gleichfalls in schwarzen Kleidern, tre-
ten ein, ihnen folgen viele Bediente, welche goldne und sil-
berne Gefäße, Spiegel, Gemählde und andere Kostbarkeiten
tragen, und den Hintergrund des Zimmers damit anfüllen.
Paulet überliefert der Amme ein Schmuckkästchen nebst einem
Papier, und bedeutet ihr durch Zeichen, daß es ein Verzeichniß
der gebrachten Dinge enthalte. Beim Anblick dieser Reichthümer
erneuert sich der Schmerz der Amme, sie versinkt in ein tie-
fes Trauern, indem jene sich still wieder entfernen. Melvil
tritt ein.
Kennedy.
(schreit auf, sobald sie ihn gewahr wird)
Melvil! Ihr seid es! Euch erblick ich wieder!
Melvil.
Ja, treue Kennedy, wir sehn uns wieder!


Fuͤnfter Aufzug.
Die Scene iſt das Zimmer des erſten Aufzugs.
Erſter Auftritt.
Hanna Kennedy in tiefe Trauer gekleidet, mit verweinten Au-
gen und einem großen, aber ſtillen Schmerz, iſt beſchaͤftigt, Pa-
kete und Briefe zu verſiegeln. Oft unterbricht ſie der Jammer
in ihrem Geſchaͤft, und man ſieht ſie dazwiſchen ſtill beten.
Paulet und Drury, gleichfalls in ſchwarzen Kleidern, tre-
ten ein, ihnen folgen viele Bediente, welche goldne und ſil-
berne Gefaͤße, Spiegel, Gemaͤhlde und andere Koſtbarkeiten
tragen, und den Hintergrund des Zimmers damit anfuͤllen.
Paulet uͤberliefert der Amme ein Schmuckkaͤſtchen nebſt einem
Papier, und bedeutet ihr durch Zeichen, daß es ein Verzeichniß
der gebrachten Dinge enthalte. Beim Anblick dieſer Reichthuͤmer
erneuert ſich der Schmerz der Amme, ſie verſinkt in ein tie-
fes Trauern, indem jene ſich ſtill wieder entfernen. Melvil
tritt ein.
Kennedy.
(ſchreit auf, ſobald ſie ihn gewahr wird)
Melvil! Ihr ſeid es! Euch erblick ich wieder!
Melvil.
Ja, treue Kennedy, wir ſehn uns wieder!
<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0202" n="196"/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div n="1">
        <head><hi rendition="#g">Fu&#x0364;nfter Aufzug</hi>.</head><lb/>
        <stage><hi rendition="#g">Die Scene i&#x017F;t das Zimmer des er&#x017F;ten Aufzugs</hi>.</stage><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#g">Er&#x017F;ter Auftritt</hi>.</head><lb/>
          <stage>Hanna Kennedy in tiefe Trauer gekleidet, mit verweinten Au-<lb/>
gen und einem großen, aber &#x017F;tillen Schmerz, i&#x017F;t be&#x017F;cha&#x0364;ftigt, Pa-<lb/>
kete und Briefe zu ver&#x017F;iegeln. Oft unterbricht &#x017F;ie der Jammer<lb/>
in ihrem Ge&#x017F;cha&#x0364;ft, und man &#x017F;ieht &#x017F;ie dazwi&#x017F;chen &#x017F;till beten.<lb/>
Paulet und Drury, gleichfalls in &#x017F;chwarzen Kleidern, tre-<lb/>
ten ein, ihnen folgen viele Bediente, welche goldne und &#x017F;il-<lb/>
berne Gefa&#x0364;ße, Spiegel, Gema&#x0364;hlde und andere Ko&#x017F;tbarkeiten<lb/>
tragen, und den Hintergrund des Zimmers damit anfu&#x0364;llen.<lb/>
Paulet u&#x0364;berliefert der Amme ein Schmuckka&#x0364;&#x017F;tchen neb&#x017F;t einem<lb/>
Papier, und bedeutet ihr durch Zeichen, daß es ein Verzeichniß<lb/>
der gebrachten Dinge enthalte. Beim Anblick die&#x017F;er Reichthu&#x0364;mer<lb/>
erneuert &#x017F;ich der Schmerz der Amme, &#x017F;ie ver&#x017F;inkt in ein tie-<lb/>
fes Trauern, indem jene &#x017F;ich &#x017F;till wieder entfernen. Melvil<lb/>
tritt ein.</stage><lb/>
          <sp who="#HANKEN">
            <speaker><hi rendition="#g">Kennedy</hi>.</speaker><lb/>
            <stage>(&#x017F;chreit auf, &#x017F;obald &#x017F;ie ihn gewahr wird)</stage><lb/>
            <p>Melvil! Ihr &#x017F;eid es! Euch erblick ich wieder!</p><lb/>
          </sp>
          <sp who="#MEL">
            <speaker><hi rendition="#g">Melvil</hi>.</speaker><lb/>
            <p>Ja, treue Kennedy, wir &#x017F;ehn uns wieder!</p><lb/>
          </sp>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[196/0202] Fuͤnfter Aufzug. Die Scene iſt das Zimmer des erſten Aufzugs. Erſter Auftritt. Hanna Kennedy in tiefe Trauer gekleidet, mit verweinten Au- gen und einem großen, aber ſtillen Schmerz, iſt beſchaͤftigt, Pa- kete und Briefe zu verſiegeln. Oft unterbricht ſie der Jammer in ihrem Geſchaͤft, und man ſieht ſie dazwiſchen ſtill beten. Paulet und Drury, gleichfalls in ſchwarzen Kleidern, tre- ten ein, ihnen folgen viele Bediente, welche goldne und ſil- berne Gefaͤße, Spiegel, Gemaͤhlde und andere Koſtbarkeiten tragen, und den Hintergrund des Zimmers damit anfuͤllen. Paulet uͤberliefert der Amme ein Schmuckkaͤſtchen nebſt einem Papier, und bedeutet ihr durch Zeichen, daß es ein Verzeichniß der gebrachten Dinge enthalte. Beim Anblick dieſer Reichthuͤmer erneuert ſich der Schmerz der Amme, ſie verſinkt in ein tie- fes Trauern, indem jene ſich ſtill wieder entfernen. Melvil tritt ein. Kennedy. (ſchreit auf, ſobald ſie ihn gewahr wird) Melvil! Ihr ſeid es! Euch erblick ich wieder! Melvil. Ja, treue Kennedy, wir ſehn uns wieder!

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/schiller_stuart_1801
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/schiller_stuart_1801/202
Zitationshilfe: Schiller, [Friedrich]: Maria Stuart. Tübingen u. a., 1801, S. 196. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schiller_stuart_1801/202>, abgerufen am 26.03.2019.