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Schlegel, Friedrich von: Ueber die Sprache und Weisheit der Indier. Heidelberg, 1808.

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Erstes Kapitel.
Von der indischen Sprache überhaupt
.

Das alte indische Sonskrito d. h. die gebil-
dete oder vollkommne auch Gronthon d. h.
die Schrift- oder Büchersprache hat die größte
Verwandtschaft mit der römischen und griechi-
schen so wie mit der germanischen und persischen
Sprache. Die Aehnlichkeit liegt nicht bloß in
einer großen Anzahl von Wurzeln, die sie mit
ihnen gemein hat, sondern sie erstreckt sich bis
auf die innerste Structur und Grammatik. Die
Uebereinstimmung ist also keine zufällige, die sich
aus Einmischung erklären liesse; sondern eine we-
sentliche, die auf gemeinschaftliche Abstammung
deutet. Bei der Vergleichung ergiebt sich ferner,
daß die indische Sprache die ältere sei, die an-
dern aber jünger und aus jener abgeleitet.

Mit der armenischen, den slavischen Spra-
chen und nächstdem mit der celtischen, ist die Ver-

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Erſtes Kapitel.
Von der indiſchen Sprache uͤberhaupt
.

Das alte indiſche Sonſkrito d. h. die gebil-
dete oder vollkommne auch Gronthon d. h.
die Schrift- oder Buͤcherſprache hat die groͤßte
Verwandtſchaft mit der roͤmiſchen und griechi-
ſchen ſo wie mit der germaniſchen und perſiſchen
Sprache. Die Aehnlichkeit liegt nicht bloß in
einer großen Anzahl von Wurzeln, die ſie mit
ihnen gemein hat, ſondern ſie erſtreckt ſich bis
auf die innerſte Structur und Grammatik. Die
Uebereinſtimmung iſt alſo keine zufaͤllige, die ſich
aus Einmiſchung erklaͤren lieſſe; ſondern eine we-
ſentliche, die auf gemeinſchaftliche Abſtammung
deutet. Bei der Vergleichung ergiebt ſich ferner,
daß die indiſche Sprache die aͤltere ſei, die an-
dern aber juͤnger und aus jener abgeleitet.

Mit der armeniſchen, den ſlaviſchen Spra-
chen und naͤchſtdem mit der celtiſchen, iſt die Ver-

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[[3]/0022] Erſtes Kapitel. Von der indiſchen Sprache uͤberhaupt. Das alte indiſche Sonſkrito d. h. die gebil- dete oder vollkommne auch Gronthon d. h. die Schrift- oder Buͤcherſprache hat die groͤßte Verwandtſchaft mit der roͤmiſchen und griechi- ſchen ſo wie mit der germaniſchen und perſiſchen Sprache. Die Aehnlichkeit liegt nicht bloß in einer großen Anzahl von Wurzeln, die ſie mit ihnen gemein hat, ſondern ſie erſtreckt ſich bis auf die innerſte Structur und Grammatik. Die Uebereinſtimmung iſt alſo keine zufaͤllige, die ſich aus Einmiſchung erklaͤren lieſſe; ſondern eine we- ſentliche, die auf gemeinſchaftliche Abſtammung deutet. Bei der Vergleichung ergiebt ſich ferner, daß die indiſche Sprache die aͤltere ſei, die an- dern aber juͤnger und aus jener abgeleitet. Mit der armeniſchen, den ſlaviſchen Spra- chen und naͤchſtdem mit der celtiſchen, iſt die Ver- 1

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Zitationshilfe: Schlegel, Friedrich von: Ueber die Sprache und Weisheit der Indier. Heidelberg, 1808, S. [3]. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schlegel_indier_1808/22>, abgerufen am 23.04.2019.