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Schlegel, Friedrich von: Ueber die Sprache und Weisheit der Indier. Heidelberg, 1808.

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Sechstes Kapitel.
Von der Verschiedenheit der verwand-
ten und von einigen merkwürdigen
Mittelsprachen
.

Es führt uns diese Betrachtung über die Ein-
mischung und Veränderung, welche auch die in-
dische, ungleich mehr noch aber die aus ihr abge-
leiteten Sprachen erlitten haben, auf die Frage
zurück, welche sich sogleich dem Geiste aufdrin-
gen muß, sobald man eingesehen hat, daß die
Verwandtschaft dieser Sprachen zu groß sei, um
für zufällig gehalten werden zu können, und ei-
nen gemeinschaftlichen Ursprung beweise. Woher,
wird man fragen, kömmt denn die große Ver-
schiedenheit dieser Sprachen, wenn sie ursprüng-
lich eins waren? Allerdings darf man diese Ver-
schiedenheit nicht nach dem ersten äussern Ein-
druck beurtheilen, sondern nach derjenigen Aehn-


Sechstes Kapitel.
Von der Verſchiedenheit der verwand-
ten und von einigen merkwuͤrdigen
Mittelſprachen
.

Es fuͤhrt uns dieſe Betrachtung uͤber die Ein-
miſchung und Veraͤnderung, welche auch die in-
diſche, ungleich mehr noch aber die aus ihr abge-
leiteten Sprachen erlitten haben, auf die Frage
zuruͤck, welche ſich ſogleich dem Geiſte aufdrin-
gen muß, ſobald man eingeſehen hat, daß die
Verwandtſchaft dieſer Sprachen zu groß ſei, um
fuͤr zufaͤllig gehalten werden zu koͤnnen, und ei-
nen gemeinſchaftlichen Urſprung beweiſe. Woher,
wird man fragen, koͤmmt denn die große Ver-
ſchiedenheit dieſer Sprachen, wenn ſie urſpruͤng-
lich eins waren? Allerdings darf man dieſe Ver-
ſchiedenheit nicht nach dem erſten aͤuſſern Ein-
druck beurtheilen, ſondern nach derjenigen Aehn-

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[71/0090] Sechstes Kapitel. Von der Verſchiedenheit der verwand- ten und von einigen merkwuͤrdigen Mittelſprachen. Es fuͤhrt uns dieſe Betrachtung uͤber die Ein- miſchung und Veraͤnderung, welche auch die in- diſche, ungleich mehr noch aber die aus ihr abge- leiteten Sprachen erlitten haben, auf die Frage zuruͤck, welche ſich ſogleich dem Geiſte aufdrin- gen muß, ſobald man eingeſehen hat, daß die Verwandtſchaft dieſer Sprachen zu groß ſei, um fuͤr zufaͤllig gehalten werden zu koͤnnen, und ei- nen gemeinſchaftlichen Urſprung beweiſe. Woher, wird man fragen, koͤmmt denn die große Ver- ſchiedenheit dieſer Sprachen, wenn ſie urſpruͤng- lich eins waren? Allerdings darf man dieſe Ver- ſchiedenheit nicht nach dem erſten aͤuſſern Ein- druck beurtheilen, ſondern nach derjenigen Aehn-

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Zitationshilfe: Schlegel, Friedrich von: Ueber die Sprache und Weisheit der Indier. Heidelberg, 1808, S. 71. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schlegel_indier_1808/90>, abgerufen am 21.04.2019.