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Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861.

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Litauisch. Vocalische lautgesetze.
vocale geben die vorher gehenden paragraphen. Überall erweist
sie sich als etwas neueres, speciell litauisches und es sind die
gedenten laute nur als abarten der älteren, ursprünglich kur-
zen vocale zu betrachten, weshalb wir sie auch von disen in
der darstellung nicht getrent haben.

Vocalische lautgesetze.§. 99.
Anm. a, e, i, u sind, wie bereits §. 90 bemerkt ward, nicht na-
salvocale, wie slaw. e, a, sondern völlig eben das selbe, was a,
e, i (y), u. Vom außfalle der nasale s. u. bei den consonanten.
Eben daselbst komt die in folge des außfals des nasals ein tre-
tende ersazdenung in betracht.
Hiatus; auflösung und zusammenziehung von vo-
calen
.

1. Wie im slawischen, so wird auch im litauischen der
hiatus innerhalb des wortes nicht geduldet, er findet sich nur
bei der zusammensetzung von worten. Beispile gab §. 90 am
ende.

u (u), i (yn) werden vor vocalen, wie im slawischen (§. 85,
4), in uv, ij gespalten, z. b. pu-ti (putrescere) praet. puv-au
praes. puv-u; man siht auß disem und anderen beispilen, daß
auch dise so entstandenen u und i vor v und j, wie alle vo-
cale, der denung unterworfen sind; try-s (tres) gen. trij-u. Vom
wechsel von e und ei, ai, u und au, au mit ej, aj, av, ov ge-
ben §§. 95. 96 beispile.

2. a wird mit dem folgenden vocale zusammen gezogen
und zwar ist a + a = o, a + i = ai, a + u = au. Dise fälle
treten besonders oft nach außstoßung von j ein. Mit formen,
wie z. b. 1. sg. praes. *jeszkaju, 2. *jeszkaji, 3. jeszkaja, 1. pl.
*jeszkajame, 2. pl. *jeszkajate, inf. jeszkoti auß *jeszkajati (quae-
rere) vgl. ahd. eiscon, slaw. iskati = *eskati, *jeskati, §. 89, 2,
das jedoch sein praesens anders bildet, als im litauischen (näm-
lich ista für *iskja) vergl. slawische bildungen, wie 1. delaja, 2.
delajesi, 3. delajeti, 1. plur. delajemu u. s. f.; grundf. der en-
dung ist 1. -ajami, 2. -ajasi, 3. -ajati, 1. plur. -ajamasi u. s. f.
Solche formen verlieren im litauischen das j und lauten nun

Litauisch. Vocalische lautgesetze.
vocale geben die vorher gehenden paragraphen. Überall erweist
sie sich als etwas neueres, speciell litauisches und es sind die
gedenten laute nur als abarten der älteren, ursprünglich kur-
zen vocale zu betrachten, weshalb wir sie auch von disen in
der darstellung nicht getrent haben.

Vocalische lautgesetze.§. 99.
Anm. ą, ę, i̧, ų sind, wie bereits §. 90 bemerkt ward, nicht na-
salvocale, wie slaw. ę, ą, sondern völlig eben das selbe, was a,
e, i (y), u. Vom außfalle der nasale s. u. bei den consonanten.
Eben daselbst komt die in folge des außfals des nasals ein tre-
tende ersazdenung in betracht.
Hiatus; auflösung und zusammenziehung von vo-
calen
.

1. Wie im slawischen, so wird auch im litauischen der
hiatus innerhalb des wortes nicht geduldet, er findet sich nur
bei der zusammensetzung von worten. Beispile gab §. 90 am
ende.

u (ū), i (ȳ) werden vor vocalen, wie im slawischen (§. 85,
4), in uv, ij gespalten, z. b. pú-ti (putrescere) praet. pŭv-aú
praes. pūv-ù; man siht auß disem und anderen beispilen, daß
auch dise so entstandenen u und i vor v und j, wie alle vo-
cale, der denung unterworfen sind; try-s (tres) gen. trij-ú. Vom
wechsel von ë und ei, ai, ů und au, áu mit ej, aj, av, ov ge-
ben §§. 95. 96 beispile.

2. a wird mit dem folgenden vocale zusammen gezogen
und zwar ist a + a = o, a + i = ai, a + u = au. Dise fälle
treten besonders oft nach außstoßung von j ein. Mit formen,
wie z. b. 1. sg. praes. *jëszkaju, 2. *jëszkaji, 3. jëszkaja, 1. pl.
*jëszkajame, 2. pl. *jëszkajate, inf. jëṡzkóti auß *jëszkajati (quae-
rere) vgl. ahd. eiscôn, slaw. iskati = *ěskati, *jěskati, §. 89, 2,
das jedoch sein praesens anders bildet, als im litauischen (näm-
lich ištą für *iskją) vergl. slawische bildungen, wie 1. dělają, 2.
dělaješi, 3. dělajetĭ, 1. plur. dělajemŭ u. s. f.; grundf. der en-
dung ist 1. -ajâmi, 2. -ajasi, 3. -ajati, 1. plur. -ajâmasi u. s. f.
Solche formen verlieren im litauischen das j und lauten nun

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[119/0133] Litauisch. Vocalische lautgesetze. vocale geben die vorher gehenden paragraphen. Überall erweist sie sich als etwas neueres, speciell litauisches und es sind die gedenten laute nur als abarten der älteren, ursprünglich kur- zen vocale zu betrachten, weshalb wir sie auch von disen in der darstellung nicht getrent haben. Vocalische lautgesetze. Anm. ą, ę, i̧, ų sind, wie bereits §. 90 bemerkt ward, nicht na- salvocale, wie slaw. ę, ą, sondern völlig eben das selbe, was a, e, i (y), u. Vom außfalle der nasale s. u. bei den consonanten. Eben daselbst komt die in folge des außfals des nasals ein tre- tende ersazdenung in betracht. Hiatus; auflösung und zusammenziehung von vo- calen. 1. Wie im slawischen, so wird auch im litauischen der hiatus innerhalb des wortes nicht geduldet, er findet sich nur bei der zusammensetzung von worten. Beispile gab §. 90 am ende. u (ū), i (ȳ) werden vor vocalen, wie im slawischen (§. 85, 4), in uv, ij gespalten, z. b. pú-ti (putrescere) praet. pŭv-aú praes. pūv-ù; man siht auß disem und anderen beispilen, daß auch dise so entstandenen u und i vor v und j, wie alle vo- cale, der denung unterworfen sind; try-s (tres) gen. trij-ú. Vom wechsel von ë und ei, ai, ů und au, áu mit ej, aj, av, ov ge- ben §§. 95. 96 beispile. 2. a wird mit dem folgenden vocale zusammen gezogen und zwar ist a + a = o, a + i = ai, a + u = au. Dise fälle treten besonders oft nach außstoßung von j ein. Mit formen, wie z. b. 1. sg. praes. *jëszkaju, 2. *jëszkaji, 3. jëszkaja, 1. pl. *jëszkajame, 2. pl. *jëszkajate, inf. jëṡzkóti auß *jëszkajati (quae- rere) vgl. ahd. eiscôn, slaw. iskati = *ěskati, *jěskati, §. 89, 2, das jedoch sein praesens anders bildet, als im litauischen (näm- lich ištą für *iskją) vergl. slawische bildungen, wie 1. dělają, 2. dělaješi, 3. dělajetĭ, 1. plur. dělajemŭ u. s. f.; grundf. der en- dung ist 1. -ajâmi, 2. -ajasi, 3. -ajati, 1. plur. -ajâmasi u. s. f. Solche formen verlieren im litauischen das j und lauten nun

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Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861, S. 119. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861/133>, abgerufen am 22.04.2019.