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Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861.

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Altindisch. Consonantische lautgesetze. Inlaut.
scharfe grenze ziehen. Der unterschid von lautvertretungen
und lautgesetzen ist ein chronologischer und daher schwanken-
der, die bestimmung der epoche, in welcher eine lautverände-
rung ein trat, ist meist ser schwierig. Im vor ligenden werke
habe ich daher, auch um den stoff nicht alzuser zu zerreißen,
nicht selten die lautgesetze von den lautentsprechungen nicht
scharf geschiden; die lautgesetze gehören überdiß als dem son-
derleben der sprache eigen, nur in so weit hierher, als sie für
die erkentnis der älteren wortformen von bedeutung sind. Die
zalreichen gesetze, z. b. des altindischen, die nur beim zusam-
mentreffen der worte im satze ein treten, können hier, wo nur
das einzelne wort in betracht komt, meist übergangen werden.

Besonders in den schriftsprachen finden sich öfters formen
auß verschidenen perioden neben einander, z. b. altind. juk-
ta-s
für *jug-ta-s, von wurzel jug (jungere), nach einer älteren
bildungsweise als is-ta-s für *ig-ta-s, *ik-ta-s, grundf. jag-ta-s
von wurz. jag (sacrificare; s. o. §. 124, 1); hier ist das lautge-
setz, nach welchem gt zu st wird, offenbar jünger, als die be-
warung der ursprünglichen verbindung gt, d. h. kt (vor t muß
natürlich k für g ein treten).

Im algemeinen ist das altindische ser reich an consonanti-
schen lautgesetzen; der consonantismus des selben ist also auch
in diser beziehung vilfach unursprünglich. Nicht nur im inlaute
der worte wirken die consonanten vilfach auf einander ein, son-
dern es besteht auch zwischen außlaut und anlaut der zu einem
satze verbundenen worte eine lautverändernde wirkung, die in
disem grade schwerlich der gesprochenen sprache zu zu schrei-
ben ist. Die darlegung letzterer lautgesetze gehört, wie ge-
sagt, großen teils in die altindische specialgrammatik.

Inlaut.§. 130.

1. Assimilation. Vor tönenden momentanen lauten ste-
hen nur tönende, vor stummen nur stumme consonanten, z. b.
stamm vak (sermo), instr. plur. vag-bhis; ju-na-g-mi 1. sing.
praes. zu wurz. jug (jungere) aber 2. sg. ju-na-k-si, 3. sg. ju-
na-k-ti
für *junag-si, junag-ti (vgl. §. 124, 1); ad-mi 1. sg. praes.

Altindisch. Consonantische lautgesetze. Inlaut.
scharfe grenze ziehen. Der unterschid von lautvertretungen
und lautgesetzen ist ein chronologischer und daher schwanken-
der, die bestimmung der epoche, in welcher eine lautverände-
rung ein trat, ist meist ser schwierig. Im vor ligenden werke
habe ich daher, auch um den stoff nicht alzuser zu zerreißen,
nicht selten die lautgesetze von den lautentsprechungen nicht
scharf geschiden; die lautgesetze gehören überdiß als dem son-
derleben der sprache eigen, nur in so weit hierher, als sie für
die erkentnis der älteren wortformen von bedeutung sind. Die
zalreichen gesetze, z. b. des altindischen, die nur beim zusam-
mentreffen der worte im satze ein treten, können hier, wo nur
das einzelne wort in betracht komt, meist übergangen werden.

Besonders in den schriftsprachen finden sich öfters formen
auß verschidenen perioden neben einander, z. b. altind. juk-
tá-s
für *jug-ta-s, von wurzel juǵ (jungere), nach einer älteren
bildungsweise als iś-t́á-s für *ig-ta-s, *ik-ta-s, grundf. jag-ta-s
von wurz. jaǵ (sacrificare; s. o. §. 124, 1); hier ist das lautge-
setz, nach welchem ǵt́ zu śt́ wird, offenbar jünger, als die be-
warung der ursprünglichen verbindung gt, d. h. kt (vor t muß
natürlich k für g ein treten).

Im algemeinen ist das altindische ser reich an consonanti-
schen lautgesetzen; der consonantismus des selben ist also auch
in diser beziehung vilfach unursprünglich. Nicht nur im inlaute
der worte wirken die consonanten vilfach auf einander ein, son-
dern es besteht auch zwischen außlaut und anlaut der zu einem
satze verbundenen worte eine lautverändernde wirkung, die in
disem grade schwerlich der gesprochenen sprache zu zu schrei-
ben ist. Die darlegung letzterer lautgesetze gehört, wie ge-
sagt, großen teils in die altindische specialgrammatik.

Inlaut.§. 130.

1. Assimilation. Vor tönenden momentanen lauten ste-
hen nur tönende, vor stummen nur stumme consonanten, z. b.
stamm vâḱ (sermo), instr. plur. vâg-bhís; ju-ná-ǵ-mi 1. sing.
praes. zu wurz. juǵ (jungere) aber 2. sg. ju-ná-k-śi, 3. sg. ju-
ná-k-ti
für *junag-si, junag-ti (vgl. §. 124, 1); ád-mi 1. sg. praes.

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[153/0167] Altindisch. Consonantische lautgesetze. Inlaut. scharfe grenze ziehen. Der unterschid von lautvertretungen und lautgesetzen ist ein chronologischer und daher schwanken- der, die bestimmung der epoche, in welcher eine lautverände- rung ein trat, ist meist ser schwierig. Im vor ligenden werke habe ich daher, auch um den stoff nicht alzuser zu zerreißen, nicht selten die lautgesetze von den lautentsprechungen nicht scharf geschiden; die lautgesetze gehören überdiß als dem son- derleben der sprache eigen, nur in so weit hierher, als sie für die erkentnis der älteren wortformen von bedeutung sind. Die zalreichen gesetze, z. b. des altindischen, die nur beim zusam- mentreffen der worte im satze ein treten, können hier, wo nur das einzelne wort in betracht komt, meist übergangen werden. Besonders in den schriftsprachen finden sich öfters formen auß verschidenen perioden neben einander, z. b. altind. juk- tá-s für *jug-ta-s, von wurzel juǵ (jungere), nach einer älteren bildungsweise als iś-t́á-s für *ig-ta-s, *ik-ta-s, grundf. jag-ta-s von wurz. jaǵ (sacrificare; s. o. §. 124, 1); hier ist das lautge- setz, nach welchem ǵt́ zu śt́ wird, offenbar jünger, als die be- warung der ursprünglichen verbindung gt, d. h. kt (vor t muß natürlich k für g ein treten). Im algemeinen ist das altindische ser reich an consonanti- schen lautgesetzen; der consonantismus des selben ist also auch in diser beziehung vilfach unursprünglich. Nicht nur im inlaute der worte wirken die consonanten vilfach auf einander ein, son- dern es besteht auch zwischen außlaut und anlaut der zu einem satze verbundenen worte eine lautverändernde wirkung, die in disem grade schwerlich der gesprochenen sprache zu zu schrei- ben ist. Die darlegung letzterer lautgesetze gehört, wie ge- sagt, großen teils in die altindische specialgrammatik. Inlaut. 1. Assimilation. Vor tönenden momentanen lauten ste- hen nur tönende, vor stummen nur stumme consonanten, z. b. stamm vâḱ (sermo), instr. plur. vâg-bhís; ju-ná-ǵ-mi 1. sing. praes. zu wurz. juǵ (jungere) aber 2. sg. ju-ná-k-śi, 3. sg. ju- ná-k-ti für *junag-si, junag-ti (vgl. §. 124, 1); ád-mi 1. sg. praes.

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Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861, S. 153. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861/167>, abgerufen am 20.04.2019.