Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861.

Bild:
<< vorherige Seite

Altbaktrisch. Consonanten.
laute (wenn kein auf sie bestimmend ein wirkender heller laut
folgt; in pausa) stehen, die tönenden treten daher in die stum-
men irer qualität über, daher für sarva-budh nicht sarva-bhud
(s. 1), sondern sarva-bhut. h (d. i. gh) wird auß lautend zu
t, das ältere k (für g, gh) hat sich nur bei wurzeln erhalten,
welche mit d an lauten, z. b. auß lih (lambens) wird im nomi-
nativ (grundf. ligh-s) lit (lid vor tönenden lauten), auß duh
(mulgens) aber dhuk (dhug).

Anm. Daß die palatalen im außlaute nicht stehen, ward §. 22 am
schluße bereits bemerkt.
§. 132.
Consonanten des altbaktrischen.

Auf den ersten blick (vgl. §. 16) fält im altbaktrischen auf
die fülle der spiranten, von denen jedoch alle außer j, v, s
unursprünglich sind. Die palatalen besizt auch dise sprache,
wie das altindische, dessen consonantismus dem des altbaktri-
schen überhaupt am nächsten steht. Nur felen hier natürlich
die im altindischen durch den einfluß der südindischen spra-
chen bedingten lingualen.

Von den momentanen nicht aspirierten stumlauten ist k
und g wie im altindischen = k, g; t ist eine fast nur auf den
außlaut beschränkte modification des t.

Das altbaktrische ersezt die ursprüngl. aspiraten durch die
nicht aspirierten tönenden consonanten. Die stummen und tö-
nenden momentanen laute werden vor consonantischen dauer-
lauten, auch zwischen vocalen aspiriert, k zu kh, t zu th, p
aber zu spirans f (eine aspirata ph felt) g zu gh, d zu dh, b
bleibt, oder wird w. Im bezug auf die aspiratae steht also das
altbaktrische zum keltischen und nordischen, im gegensatze zu
altindisch, griechisch, lateinisch.

Von den spiranten ist qh (sprich wie unser ch in 'sache')
= urspr. sv (eins der characteristischen merkmale der erani-
schen sprachfamilie), auch = urspr. s; h und nh = urspr. s;
c
wie im altind. = urspr. k, aber auch oft = urspr. s; s =
urspr. s; z und das häufigere z sind = urspr. gh, besonders

Altbaktrisch. Consonanten.
laute (wenn kein auf sie bestimmend ein wirkender heller laut
folgt; in pausa) stehen, die tönenden treten daher in die stum-
men irer qualität über, daher für sarva-búdh nicht sarva-bhúd
(s. 1), sondern sarva-bhút. h (d. i. gh) wird auß lautend zu
, das ältere k (für g, gh) hat sich nur bei wurzeln erhalten,
welche mit d an lauten, z. b. auß lih (lambens) wird im nomi-
nativ (grundf. ligh-s) lit́ (lid́ vor tönenden lauten), auß duh
(mulgens) aber dhuk (dhug).

Anm. Daß die palatalen im außlaute nicht stehen, ward §. 22 am
schluße bereits bemerkt.
§. 132.
Consonanten des altbaktrischen.

Auf den ersten blick (vgl. §. 16) fält im altbaktrischen auf
die fülle der spiranten, von denen jedoch alle außer j, v, s
unursprünglich sind. Die palatalen besizt auch dise sprache,
wie das altindische, dessen consonantismus dem des altbaktri-
schen überhaupt am nächsten steht. Nur felen hier natürlich
die im altindischen durch den einfluß der südindischen spra-
chen bedingten lingualen.

Von den momentanen nicht aspirierten stumlauten ist
und wie im altindischen = k, g; ṭ ist eine fast nur auf den
außlaut beschränkte modification des t.

Das altbaktrische ersezt die ursprüngl. aspiraten durch die
nicht aspirierten tönenden consonanten. Die stummen und tö-
nenden momentanen laute werden vor consonantischen dauer-
lauten, auch zwischen vocalen aspiriert, k zu kh, t zu th, p
aber zu spirans f (eine aspirata ph felt) g zu gh, d zu dh, b
bleibt, oder wird w. Im bezug auf die aspiratae steht also das
altbaktrische zum keltischen und nordischen, im gegensatze zu
altindisch, griechisch, lateinisch.

Von den spiranten ist qh (sprich wie unser ch in ‘sache’)
= urspr. sv (eins der characteristischen merkmale der erani-
schen sprachfamilie), auch = urspr. s; h und ṅh = urspr. s;
ç
wie im altind. = urspr. k, aber auch oft = urspr. s; ś =
urspr. s; ź und das häufigere z sind = urspr. gh, besonders

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <div n="6">
                  <p><pb facs="#f0170" n="156"/><fw place="top" type="header">Altbaktrisch. Consonanten.</fw><lb/>
laute (wenn kein auf sie bestimmend ein wirkender heller laut<lb/>
folgt; in pausa) stehen, die tönenden treten daher in die stum-<lb/>
men irer qualität über, daher für <hi rendition="#i">sarva-búdh</hi> nicht <hi rendition="#i">sarva-bhúd</hi><lb/>
(s. 1), sondern <hi rendition="#i">sarva-bhút</hi>. <hi rendition="#i">h</hi> (d. i. <hi rendition="#i">gh)</hi> wird auß lautend zu<lb/><hi rendition="#i">t&#x0301;</hi>, das ältere <hi rendition="#i">k</hi> (für <hi rendition="#i">g, gh)</hi> hat sich nur bei wurzeln erhalten,<lb/>
welche mit <hi rendition="#i">d</hi> an lauten, z. b. auß <hi rendition="#i">lih</hi> (lambens) wird im nomi-<lb/>
nativ (grundf. <hi rendition="#i">ligh-s) lit&#x0301; (lid&#x0301;</hi> vor tönenden lauten), auß <hi rendition="#i">duh</hi><lb/>
(mulgens) aber <hi rendition="#i">dhuk (dhug)</hi>.</p><lb/>
                  <list>
                    <item><hi rendition="#g">Anm</hi>. Daß die palatalen im außlaute nicht stehen, ward §. 22 am<lb/>
schluße bereits bemerkt.</item>
                  </list>
                  <note place="left">§. 132.</note>
                </div>
              </div>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>Consonanten des altbaktrischen.</head><lb/>
              <p>Auf den ersten blick (vgl. §. 16) fält im altbaktrischen auf<lb/>
die fülle der spiranten, von denen jedoch alle außer <hi rendition="#i">j, v, s</hi><lb/>
unursprünglich sind. Die palatalen besizt auch dise sprache,<lb/>
wie das altindische, dessen consonantismus dem des altbaktri-<lb/>
schen überhaupt am nächsten steht. Nur felen hier natürlich<lb/>
die im altindischen durch den einfluß der südindischen spra-<lb/>
chen bedingten lingualen.</p><lb/>
              <p>Von den momentanen nicht aspirierten stumlauten ist <hi rendition="#i">k&#x0301;</hi><lb/>
und <hi rendition="#i">g&#x0301;</hi> wie im altindischen = <hi rendition="#i">k</hi>, <hi rendition="#i">g; &#x1E6D;</hi> ist eine fast nur auf den<lb/>
außlaut beschränkte modification des <hi rendition="#i">t</hi>.</p><lb/>
              <p>Das altbaktrische ersezt die ursprüngl. aspiraten durch die<lb/>
nicht aspirierten tönenden consonanten. Die stummen und tö-<lb/>
nenden momentanen laute werden vor consonantischen dauer-<lb/>
lauten, auch zwischen vocalen aspiriert, <hi rendition="#i">k</hi> zu <hi rendition="#i">kh</hi>, <hi rendition="#i">t</hi> zu <hi rendition="#i">th</hi>, <hi rendition="#i">p</hi><lb/>
aber zu spirans <hi rendition="#i">f</hi> (eine aspirata <hi rendition="#i">ph</hi> felt) <hi rendition="#i">g</hi> zu <hi rendition="#i">gh, d</hi> zu <hi rendition="#i">dh</hi>, <hi rendition="#i">b</hi><lb/>
bleibt, oder wird <hi rendition="#i">w</hi>. Im bezug auf die aspiratae steht also das<lb/>
altbaktrische zum keltischen und nordischen, im gegensatze zu<lb/>
altindisch, griechisch, lateinisch.</p><lb/>
              <p>Von den spiranten ist <hi rendition="#i">qh</hi> (sprich wie unser <hi rendition="#i">ch</hi> in &#x2018;sache&#x2019;)<lb/>
= urspr. <hi rendition="#i">sv</hi> (eins der characteristischen merkmale der erani-<lb/>
schen sprachfamilie), auch = urspr. <hi rendition="#i">s; h</hi> und <hi rendition="#i">&#x1E45;h</hi> = urspr. <hi rendition="#i">s;<lb/>
ç</hi> wie im altind. = urspr. <hi rendition="#i">k</hi>, aber auch oft = urspr. <hi rendition="#i">s; &#x015B;</hi> =<lb/>
urspr. <hi rendition="#i">s; &#x017A;</hi> und das häufigere <hi rendition="#i">z</hi> sind = urspr. <hi rendition="#i">gh,</hi> besonders<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[156/0170] Altbaktrisch. Consonanten. laute (wenn kein auf sie bestimmend ein wirkender heller laut folgt; in pausa) stehen, die tönenden treten daher in die stum- men irer qualität über, daher für sarva-búdh nicht sarva-bhúd (s. 1), sondern sarva-bhút. h (d. i. gh) wird auß lautend zu t́, das ältere k (für g, gh) hat sich nur bei wurzeln erhalten, welche mit d an lauten, z. b. auß lih (lambens) wird im nomi- nativ (grundf. ligh-s) lit́ (lid́ vor tönenden lauten), auß duh (mulgens) aber dhuk (dhug). Anm. Daß die palatalen im außlaute nicht stehen, ward §. 22 am schluße bereits bemerkt. Consonanten des altbaktrischen. Auf den ersten blick (vgl. §. 16) fält im altbaktrischen auf die fülle der spiranten, von denen jedoch alle außer j, v, s unursprünglich sind. Die palatalen besizt auch dise sprache, wie das altindische, dessen consonantismus dem des altbaktri- schen überhaupt am nächsten steht. Nur felen hier natürlich die im altindischen durch den einfluß der südindischen spra- chen bedingten lingualen. Von den momentanen nicht aspirierten stumlauten ist ḱ und ǵ wie im altindischen = k, g; ṭ ist eine fast nur auf den außlaut beschränkte modification des t. Das altbaktrische ersezt die ursprüngl. aspiraten durch die nicht aspirierten tönenden consonanten. Die stummen und tö- nenden momentanen laute werden vor consonantischen dauer- lauten, auch zwischen vocalen aspiriert, k zu kh, t zu th, p aber zu spirans f (eine aspirata ph felt) g zu gh, d zu dh, b bleibt, oder wird w. Im bezug auf die aspiratae steht also das altbaktrische zum keltischen und nordischen, im gegensatze zu altindisch, griechisch, lateinisch. Von den spiranten ist qh (sprich wie unser ch in ‘sache’) = urspr. sv (eins der characteristischen merkmale der erani- schen sprachfamilie), auch = urspr. s; h und ṅh = urspr. s; ç wie im altind. = urspr. k, aber auch oft = urspr. s; ś = urspr. s; ź und das häufigere z sind = urspr. gh, besonders

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861/170
Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861, S. 156. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861/170>, abgerufen am 18.04.2019.