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Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861.

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Altbaktrisch. Conson. lautgesetze. Inlaut.
(sursum), z. b. uz-barem (creabam), uce-hista (surge) mit ein ge-
schaltenem e (§. 28) u. s. f., was jedoch, als nur in der verbin-
dung (zusammenrückung und zusammensetzung) zweier worte
statt findend, für die vergleichende grammatik von geringerer
bedeutung ist.

Anm. s für urspr. sk, ks ist bereits erklärt, s. oben §. 136, 2;
ehe die assimilation von k an den folgenden oder vorher gehen-
den sibilanten erfolgte, ward diser also zu s durch die einwir-
kung des k. Vgl. im altindischen ks für urspr. ks, §. 126, 2.

2. Aspiration. Eine besondre art des anänlichenden
einflußes der umgebenden, besonders aber der folgenden laute,
zeigt sich im altbaktrischen durch die aspirierende kraft, welche
die consonantischen dauerlaute (die spiranten, nasale und r)
auf die vorher gehenden momentanen consonanten äußern; k,
g, t
, d, p, b werden durch den einfluß diser laute mit mer oder
weniger außnamen zu kh, gh, th, dh, f, w; k geht ferner vor
t in kh über, z. b. ukhta für ukta, part. praet. pass. von wurz.
vak (loqui), p aber bleibt, z. b. qhapta sopitus zu qhap (dormire).

Auch zwischen vocalen findet bisweilen aspiration statt, be-
sonders bei d, welches zu dh oder th wird, s. o. §. 134, 2; 135, 2.

Zwischen vocalen zeigt sich auch die verbindung kt zu khdh
(wol nur graphisch für khth) aspiriert, z. b. stamm ukhdha für
und neben ukhta, part. praet. pass. zu wurz. vak (loqui); stamm
pukhdha (quintus) für *pukh-ta und diß wol für *pakta auß
*pankta von pankan (quinque) mit u für a durch den einfluß
des labialen p u. a.

3. Dissimilation. Im gegensatze zum altindischen wer-
den im altbaktrischen, wie im griechischen, lateinischen, deut-
schen, slawischen, litauischen zwei dentale momentane laute
nicht neben einander geduldet, sondern der erstere geht in den
dentalen spiranten und zwar vor t in s, vor d in z über; nach
andern vocalen als a tritt für z das linguale z ein, z. b. stamm
bac-ta part. praet. pass. von wurzel band (ligare), vgl. altind.
baddha; stamm iric-ta (mortuus, cadaver), part. praet. pass. von
wurz. irith (mori); paz-da (frapper a coup de pied) auß pad
(pes) und da (ponere, dare); dazdi, 2. sing. imper. praes. von

Altbaktrisch. Conson. lautgesetze. Inlaut.
(sursum), z. b. uz-barem (creabam), uçe-hista (surge) mit ein ge-
schaltenem e (§. 28) u. s. f., was jedoch, als nur in der verbin-
dung (zusammenrückung und zusammensetzung) zweier worte
statt findend, für die vergleichende grammatik von geringerer
bedeutung ist.

Anm. ś für urspr. sk, ks ist bereits erklärt, s. oben §. 136, 2;
ehe die assimilation von k an den folgenden oder vorher gehen-
den sibilanten erfolgte, ward diser also zu ś durch die einwir-
kung des k. Vgl. im altindischen für urspr. ks, §. 126, 2.

2. Aspiration. Eine besondre art des anänlichenden
einflußes der umgebenden, besonders aber der folgenden laute,
zeigt sich im altbaktrischen durch die aspirierende kraft, welche
die consonantischen dauerlaute (die spiranten, nasale und r)
auf die vorher gehenden momentanen consonanten äußern; k,
g, t
, d, p, b werden durch den einfluß diser laute mit mer oder
weniger außnamen zu kh, gh, th, dh, f, w; k geht ferner vor
t in kh über, z. b. ukhta für ukta, part. praet. pass. von wurz.
vaḱ (loqui), p aber bleibt, z. b. qhapta sopitus zu qhap (dormire).

Auch zwischen vocalen findet bisweilen aspiration statt, be-
sonders bei d, welches zu dh oder th wird, s. o. §. 134, 2; 135, 2.

Zwischen vocalen zeigt sich auch die verbindung kt zu khdh
(wol nur graphisch für khth) aspiriert, z. b. stamm ukhdha für
und neben ukhta, part. praet. pass. zu wurz. vaḱ (loqui); stamm
pukhdha (quintus) für *pukh-ta und diß wol für *pakta auß
*pankta von panḱan (quinque) mit u für a durch den einfluß
des labialen p u. a.

3. Dissimilation. Im gegensatze zum altindischen wer-
den im altbaktrischen, wie im griechischen, lateinischen, deut-
schen, slawischen, litauischen zwei dentale momentane laute
nicht neben einander geduldet, sondern der erstere geht in den
dentalen spiranten und zwar vor t in s, vor d in z über; nach
andern vocalen als a tritt für z das linguale ź ein, z. b. stamm
baç-ta part. praet. pass. von wurzel band (ligare), vgl. altind.
baddhá; stamm iriç-ta (mortuus, cadaver), part. praet. pass. von
wurz. irith (mori); paz-da (frapper à coup de pied) auß pad
(pes) und da (ponere, dare); dazdi, 2. sing. imper. praes. von

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[170/0184] Altbaktrisch. Conson. lautgesetze. Inlaut. (sursum), z. b. uz-barem (creabam), uçe-hista (surge) mit ein ge- schaltenem e (§. 28) u. s. f., was jedoch, als nur in der verbin- dung (zusammenrückung und zusammensetzung) zweier worte statt findend, für die vergleichende grammatik von geringerer bedeutung ist. Anm. ś für urspr. sk, ks ist bereits erklärt, s. oben §. 136, 2; ehe die assimilation von k an den folgenden oder vorher gehen- den sibilanten erfolgte, ward diser also zu ś durch die einwir- kung des k. Vgl. im altindischen kś für urspr. ks, §. 126, 2. 2. Aspiration. Eine besondre art des anänlichenden einflußes der umgebenden, besonders aber der folgenden laute, zeigt sich im altbaktrischen durch die aspirierende kraft, welche die consonantischen dauerlaute (die spiranten, nasale und r) auf die vorher gehenden momentanen consonanten äußern; k, g, t, d, p, b werden durch den einfluß diser laute mit mer oder weniger außnamen zu kh, gh, th, dh, f, w; k geht ferner vor t in kh über, z. b. ukhta für ukta, part. praet. pass. von wurz. vaḱ (loqui), p aber bleibt, z. b. qhapta sopitus zu qhap (dormire). Auch zwischen vocalen findet bisweilen aspiration statt, be- sonders bei d, welches zu dh oder th wird, s. o. §. 134, 2; 135, 2. Zwischen vocalen zeigt sich auch die verbindung kt zu khdh (wol nur graphisch für khth) aspiriert, z. b. stamm ukhdha für und neben ukhta, part. praet. pass. zu wurz. vaḱ (loqui); stamm pukhdha (quintus) für *pukh-ta und diß wol für *pakta auß *pankta von panḱan (quinque) mit u für a durch den einfluß des labialen p u. a. 3. Dissimilation. Im gegensatze zum altindischen wer- den im altbaktrischen, wie im griechischen, lateinischen, deut- schen, slawischen, litauischen zwei dentale momentane laute nicht neben einander geduldet, sondern der erstere geht in den dentalen spiranten und zwar vor t in s, vor d in z über; nach andern vocalen als a tritt für z das linguale ź ein, z. b. stamm baç-ta part. praet. pass. von wurzel band (ligare), vgl. altind. baddhá; stamm iriç-ta (mortuus, cadaver), part. praet. pass. von wurz. irith (mori); paz-da (frapper à coup de pied) auß pad (pes) und da (ponere, dare); dazdi, 2. sing. imper. praes. von

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Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861, S. 170. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861/184>, abgerufen am 22.05.2019.