Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861.

Bild:
<< vorherige Seite

Griechisch. Consonanten.
ao (= a) als c bleibt, wärend außerdem -as in -o, -as in -ao
über geht (vgl. §. 136, 2), z. b. acpo, nom. sg. msc. (equus), aber
acpac-ka (equusque); ko (quis), aber kac-kit (quicunque); mao
= mas (mensis, nom. sg.) aber maoc-ka (mensisque) u. s. f.

Auß lautendes t wird in t gewandelt, s. o. §. 133, 2.

§. 141.
Consonanten des altgriechischen *).

Die übersicht gibt §. 30.

Der consonantismus des griechischen hat 1. die ursprüng-
lichen aspiraten erhalten, aber nicht als tönende aspiraten, son-
dern als stumme aspiraten: kh = kh, th = th, ph = ph, diß ist
die erweislich älteste geltung diser griechischen laute; die auß-
sprache von kh, ph als spiranten, nämlich kh = deutsch ch, ph
= f und die des th als assibilate, etwa wie ts, ist jünger, zum
teile erst ganz spät ein getreten. Es ist lautphysiologisch nicht
leicht erklärbar, wie der übergang der tönenden aspirata in
die stumme aspirata vor sich gieng. Leichter begreift sich der
entgegen gesezte wechsel; doch macht die übereinstimmung
sämtlicher indogermanischer sprachen, auch der dem griechi-
schen zunächst verwanten, in der widergabe der ursprünglichen
aspiraten durch tönende laute die anname unstatthaft, daß das
griechische allein die älteste geltung der indogermanischen as-
piraten erhalten habe (daß der indogerm. ursprache die laute
kh, th, ph anstatt gh, dh, bh eigen gewesen seien). 2. Das grie-
chische besizt eine abneigung gegen die ursprünglichen spiran-
ten; j ist im ältesten zugänglichen stande der sprache bereits
nur in seinen wirkungen noch vorhanden, als für sich existie-
render laut aber verloren; v ist nur in archaischen resten als

*) Erst wärend des druckes erschin Leo Meyer, vergl. Grammatik
der griechischen und lateinischen Sprache. Erster Band. Berlin 1861.
Enthält die lautlere und die lere von den wurzeln. Diß werk konte dem-
nach leider nur noch hie und da benuzt werden. Im einzelnen finden sich
zwar im genanten buche zalreiche zusammenstellungen, denen wir unmög-
lich bei pflichten können, im ganzen und algemeinen muß es jedoch als
eine sorgfältige, vilen stoff bietende und vilfach lerreiche und an regende
arbeit empfohlen werden.

Griechisch. Consonanten.
âo (= â) als ç bleibt, wärend außerdem -as in -ô, -âs in -âo
über geht (vgl. §. 136, 2), z. b. açpô, nom. sg. msc. (equus), aber
açpac-ḱa (equusque); (quis), aber kaç-ḱiṭ (quicunque); mâo
= mâs (mensis, nom. sg.) aber mâoç-ḱa (mensisque) u. s. f.

Auß lautendes t wird in gewandelt, s. o. §. 133, 2.

§. 141.
Consonanten des altgriechischen *).

Die übersicht gibt §. 30.

Der consonantismus des griechischen hat 1. die ursprüng-
lichen aspiraten erhalten, aber nicht als tönende aspiraten, son-
dern als stumme aspiraten: χ = kh, ϑ = th, φ = ph, diß ist
die erweislich älteste geltung diser griechischen laute; die auß-
sprache von χ, φ als spiranten, nämlich χ = deutsch ch, φ
= f und die des ϑ als assibilate, etwa wie ts, ist jünger, zum
teile erst ganz spät ein getreten. Es ist lautphysiologisch nicht
leicht erklärbar, wie der übergang der tönenden aspirata in
die stumme aspirata vor sich gieng. Leichter begreift sich der
entgegen gesezte wechsel; doch macht die übereinstimmung
sämtlicher indogermanischer sprachen, auch der dem griechi-
schen zunächst verwanten, in der widergabe der ursprünglichen
aspiraten durch tönende laute die anname unstatthaft, daß das
griechische allein die älteste geltung der indogermanischen as-
piraten erhalten habe (daß der indogerm. ursprache die laute
kh, th, ph anstatt gh, dh, bh eigen gewesen seien). 2. Das grie-
chische besizt eine abneigung gegen die ursprünglichen spiran-
ten; j ist im ältesten zugänglichen stande der sprache bereits
nur in seinen wirkungen noch vorhanden, als für sich existie-
render laut aber verloren; v ist nur in archaischen resten als

*) Erst wärend des druckes erschin Leo Meyer, vergl. Grammatik
der griechischen und lateinischen Sprache. Erster Band. Berlin 1861.
Enthält die lautlere und die lere von den wurzeln. Diß werk konte dem-
nach leider nur noch hie und da benuzt werden. Im einzelnen finden sich
zwar im genanten buche zalreiche zusammenstellungen, denen wir unmög-
lich bei pflichten können, im ganzen und algemeinen muß es jedoch als
eine sorgfältige, vilen stoff bietende und vilfach lerreiche und an regende
arbeit empfohlen werden.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="3">
            <div n="4">
              <div n="5">
                <p><pb facs="#f0186" n="172"/><fw place="top" type="header">Griechisch. Consonanten.</fw><lb/><hi rendition="#i">âo (</hi>= <hi rendition="#i">â)</hi> als <hi rendition="#i">ç</hi> bleibt, wärend außerdem <hi rendition="#i">-as</hi> in <hi rendition="#i">-ô, -âs</hi> in <hi rendition="#i">-âo</hi><lb/>
über geht (vgl. §. 136, 2), z. b. <hi rendition="#i">açpô</hi>, nom. sg. msc. (equus), aber<lb/><hi rendition="#i">açpac-k&#x0301;a</hi> (equusque); <hi rendition="#i"></hi> (quis), aber <hi rendition="#i">kaç-k&#x0301;i&#x1E6D;</hi> (quicunque); <hi rendition="#i">mâo</hi><lb/>
= <hi rendition="#i">mâs</hi> (mensis, nom. sg.) aber <hi rendition="#i">mâoç-k&#x0301;a</hi> (mensisque) u. s. f.</p><lb/>
                <p>Auß lautendes <hi rendition="#i">t</hi> wird in <hi rendition="#i">&#x1E6D;</hi> gewandelt, s. o. §. 133, 2.</p>
                <note place="left">§. 141.</note>
              </div>
            </div><lb/>
            <div n="4">
              <head>Consonanten des altgriechischen <note place="foot" n="*)">Erst wärend des druckes erschin <hi rendition="#g">Leo Meyer</hi>, vergl. Grammatik<lb/>
der griechischen und lateinischen Sprache. Erster Band. Berlin 1861.<lb/>
Enthält die lautlere und die lere von den wurzeln. Diß werk konte dem-<lb/>
nach leider nur noch hie und da benuzt werden. Im einzelnen finden sich<lb/>
zwar im genanten buche zalreiche zusammenstellungen, denen wir unmög-<lb/>
lich bei pflichten können, im ganzen und algemeinen muß es jedoch als<lb/>
eine sorgfältige, vilen stoff bietende und vilfach lerreiche und an regende<lb/>
arbeit empfohlen werden.</note>.</head><lb/>
              <p>Die übersicht gibt §. 30.</p><lb/>
              <p>Der consonantismus des griechischen hat 1. die ursprüng-<lb/>
lichen aspiraten erhalten, aber nicht als tönende aspiraten, son-<lb/>
dern als stumme aspiraten: <hi rendition="#i">&#x03C7;</hi> = <hi rendition="#i">kh</hi>, <hi rendition="#i">&#x03D1;</hi> = <hi rendition="#i">th</hi>, <hi rendition="#i">&#x03C6;</hi> = <hi rendition="#i">ph</hi>, diß ist<lb/>
die erweislich älteste geltung diser griechischen laute; die auß-<lb/>
sprache von <hi rendition="#i">&#x03C7;</hi>, <hi rendition="#i">&#x03C6;</hi> als spiranten, nämlich <hi rendition="#i">&#x03C7;</hi> = deutsch <hi rendition="#i">ch</hi>, <hi rendition="#i">&#x03C6;</hi><lb/>
= <hi rendition="#i">f</hi> und die des <hi rendition="#i">&#x03D1;</hi> als assibilate, etwa wie <hi rendition="#i">ts</hi>, ist jünger, zum<lb/>
teile erst ganz spät ein getreten. Es ist lautphysiologisch nicht<lb/>
leicht erklärbar, wie der übergang der tönenden aspirata in<lb/>
die stumme aspirata vor sich gieng. Leichter begreift sich der<lb/>
entgegen gesezte wechsel; doch macht die übereinstimmung<lb/>
sämtlicher indogermanischer sprachen, auch der dem griechi-<lb/>
schen zunächst verwanten, in der widergabe der ursprünglichen<lb/>
aspiraten durch tönende laute die anname unstatthaft, daß das<lb/>
griechische allein die älteste geltung der indogermanischen as-<lb/>
piraten erhalten habe (daß der indogerm. ursprache die laute<lb/><hi rendition="#i">kh, th, ph</hi> anstatt <hi rendition="#i">gh</hi>, <hi rendition="#i">dh</hi>, <hi rendition="#i">bh</hi> eigen gewesen seien). 2. Das grie-<lb/>
chische besizt eine abneigung gegen die ursprünglichen spiran-<lb/>
ten; <hi rendition="#i">j</hi> ist im ältesten zugänglichen stande der sprache bereits<lb/>
nur in seinen wirkungen noch vorhanden, als für sich existie-<lb/>
render laut aber verloren; <hi rendition="#i">v</hi> ist nur in archaischen resten als<lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[172/0186] Griechisch. Consonanten. âo (= â) als ç bleibt, wärend außerdem -as in -ô, -âs in -âo über geht (vgl. §. 136, 2), z. b. açpô, nom. sg. msc. (equus), aber açpac-ḱa (equusque); kô (quis), aber kaç-ḱiṭ (quicunque); mâo = mâs (mensis, nom. sg.) aber mâoç-ḱa (mensisque) u. s. f. Auß lautendes t wird in ṭ gewandelt, s. o. §. 133, 2. Consonanten des altgriechischen *). Die übersicht gibt §. 30. Der consonantismus des griechischen hat 1. die ursprüng- lichen aspiraten erhalten, aber nicht als tönende aspiraten, son- dern als stumme aspiraten: χ = kh, ϑ = th, φ = ph, diß ist die erweislich älteste geltung diser griechischen laute; die auß- sprache von χ, φ als spiranten, nämlich χ = deutsch ch, φ = f und die des ϑ als assibilate, etwa wie ts, ist jünger, zum teile erst ganz spät ein getreten. Es ist lautphysiologisch nicht leicht erklärbar, wie der übergang der tönenden aspirata in die stumme aspirata vor sich gieng. Leichter begreift sich der entgegen gesezte wechsel; doch macht die übereinstimmung sämtlicher indogermanischer sprachen, auch der dem griechi- schen zunächst verwanten, in der widergabe der ursprünglichen aspiraten durch tönende laute die anname unstatthaft, daß das griechische allein die älteste geltung der indogermanischen as- piraten erhalten habe (daß der indogerm. ursprache die laute kh, th, ph anstatt gh, dh, bh eigen gewesen seien). 2. Das grie- chische besizt eine abneigung gegen die ursprünglichen spiran- ten; j ist im ältesten zugänglichen stande der sprache bereits nur in seinen wirkungen noch vorhanden, als für sich existie- render laut aber verloren; v ist nur in archaischen resten als *) Erst wärend des druckes erschin Leo Meyer, vergl. Grammatik der griechischen und lateinischen Sprache. Erster Band. Berlin 1861. Enthält die lautlere und die lere von den wurzeln. Diß werk konte dem- nach leider nur noch hie und da benuzt werden. Im einzelnen finden sich zwar im genanten buche zalreiche zusammenstellungen, denen wir unmög- lich bei pflichten können, im ganzen und algemeinen muß es jedoch als eine sorgfältige, vilen stoff bietende und vilfach lerreiche und an regende arbeit empfohlen werden.

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861
URL zu dieser Seite: http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861/186
Zitationshilfe: Schleicher, August: Compendium der vergleichenden Grammatik der indogermanischen Sprachen. Bd. 1. Weimar, 1861, S. 172. In: Deutsches Textarchiv <http://www.deutschestextarchiv.de/schleicher_indogermanische01_1861/186>, abgerufen am 23.04.2019.